Wo: Harz
Wann: August 2008

Wanderanfänger, Verliebte und Entdecker finden den perfekten Rundweg im Harzer Kurort Hahnenklee. 25 Liebesbänke, die die Stationen einer Ehe symbolisieren, laden am Liebesbankweg zum Rasten und Händchenhalten ein. Ein Waldspaziergang mit Überraschungen – auch für Singles.

Symbol Liebesbankweg (c) spinagel.de

Von Clausthal-Zellerfeld schlängelt sich unser Auto die Verbindungsstraße nach Goslar hinauf. Es ist früher Abend, fast sieben, eigentlich keine typische Zeit für eine Wanderung. Aber es ist schließlich Sommer, da bleibt es lang hell. Und in zwei Stunden soll der Rundweg zu schaffen sein, den wir uns vorgenommen haben, sieben Kilometer durch den Oberharzer Wald, in dem hauptsächlich Fichten zu Hause sind.Liebesbank Blick durch die Lehne (c) spinagel.de
Vor einem Jahr wurde der „Liebesbankweg“ in Hahnenklee eröffnet und prompt vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumweg ausgezeichnet, wegen seiner „außerordentlich hohen Erlebnisdichte“. Liebevoll gestaltete Holzbänke sollen auf uns warten, Gondeln, Gedichtsteine sowie Wassergräben und Teiche, die Relikte des historischen Bergbaus. Am Parkplatz „Auerhahn“ steigen wir aus: meine Eltern, 38 Jahre verheiratet, mein Freund und ich, frisch verliebt. Die perfekte Besetzung für einen Spaziergang auf den Pfaden der Liebe. Oder gerade nicht? Schließlich haben wir die Liebe ja schon gefunden und müssten uns nicht mehr auf die Suche nach ihr begeben. Aber was soll’s, wir starten. Auf knirschendem Kies marschieren vier Paar feste Schuhe mit ihren gut gelaunten Besitzern in den Wald hinein. Immer dem Liebesbank-Logo folgend, das mit rotem Herz auf weißem Grund viel zu lecker an eine bekannte Eismarke erinnert. Doch keine Sorge, hier lockt nicht die Harzhexe unschuldige Touristen mit Zuckerlis in ihren Stall. Das Logo haben Mitglieder des Harzklubs zuverlässig und unübersehbar mit Farbe und Schablone an die Bäume gesprüht. Niemand kann sich hier verlaufen, auch Anfänger nicht.

Liebesbank  (c) spinagel.de

Die ersten Bänke sind nicht weit. Da die „Rosenhochzeit-Bank“ mit der eingeschnitzten Blüte, dort zwei Herzhocker, die zu einer Zweierbank verbunden sind und dann die „Hölzerne Hochzeitsbank“, die dem fünften Hochzeitstag gewidmet ist. „Schaut mal, der See!“, ruft plötzlich meine Mutter. Wir verlassen den schattigen Wald, klettern über freigelegte Wurzeln einen kleinen Abhang hinab und quetschen uns zu dritt auf das „Herzchen-Holzsofa“ mit Blick auf den Oberen Grumbacher Teich. Wie herrlich sich der See in die Landschaft schmiegt. Die Abendsonne rekelt sich auf dem moosgrünen Wasserbett und in uns breitet sich Ruhe aus. Gelassen beobachten wir das Treiben am gegenüberliegenden Ufer, die Gäste, die zu einem Ausflugscafé schlendern, die Caravans, die sich ihren Weg im Schritttempo über einen Campingplatz bahnen. „Noch eine Minute“, erbitte ich, aber schon bald zucken auch mir wieder die Füße. Es soll weitergehen.
Liebesbank Blick ins Tal (c) spinagel.de
Wir sind zu Schatzsuchern geworden. Schon nach einem Viertel der Strecke ist in jedem von uns der Entdecker erwacht. Wir fühlen uns wie Kinder zu Ostern, die hinter jedem Busch ein Nest mit Eiern entdecken, das der Hase sorgsam für uns bemalt und versteckt hat. Jedes einzelne Ei sammeln wir ein in unseren unendlich großen Korb der schönen Erinnerungen, denn physisch mitnehmen können wir die Kunstwerke ja nicht.

Liebesbank Tauben (c) spinagel.de

Nur ein paar Schritte südlich wartet schon der nächste Schatz, die Harz-Gondeln, die – romantisch, als wären wir weit weg in Venedig – doch nur am Ufer des Mittleren Grumbacher Teiches liegen. Bildhauer Oliver Pohl hat sie aus 200-jährigen Eichenstämmen gesägt und liebevoll an Bug und Heck verziert. Auch sie dienen als Sitzbänke, umrahmt von meterhohen Fichten, die wie stille Wächter das Geschehen zu ihren Füßen beobachten.

Liebesbank Blick ins Tal (c) spinagel.de

Weiter führt uns der Weg. An Wassergräben und Teichen vorbei, die zum Oberharzer Wasserregal gehören, das vor Jahrhunderten angelegt wurde und heute als Kulturdenkmal unter Schutz steht. Zu Bergbauzeiten diente das ausgeklügelte System hauptsächlich der Energieversorgung. Das Wasser wurde gespeichert, in die Bergwerke weitergeleitet und zum Antrieb der technischen Einrichtungen im Erzabbau genutzt. Rund 65 Bergteiche und Stauseen sind heute noch erhalten, versprenkelt über den Oberharz, wie Sommersprossen auf der Nase eines Kobolds. Sie dienen dem Hochwasserschutz, der Gewinnung von Trinkwasser und sogar als Spielplatz für Kinder, wie hier am Oberen Flößteich, den wir gerade erreichen.

Liebesbankweg oberer Floessteich (c) spinagel.de

Während die Eltern auf der Aluminiumhochzeit-Bank pausieren, die einer geschwungenen Liege gleicht, kann ihr Nachwuchs am Wasserrad drehen, Wasser aus dem Teich herauskurbeln oder im Holzkanal stauen. Normalerweise. Bei meiner Familie ist es umgekehrt: die Eltern erkunden den Wasserspielplatz, mein Liebster und ich belegen die Liege. Dafür sind wir etwa einen Kilometer weiter die Ersten auf der Pärchenschaukel. Nebeneinander sitzen wir auf einem rund geflochtenen Tau und schwingen uns in die Lüfte. Hui, das macht Spaß. Warum hören wir als Erwachsene nur auf zu schaukeln? Ich weiß es nicht. Kichernd und atemlos steigen wir wieder ab, denn ein gutes Stück des Rundwegs liegt noch vor uns.

Liebesbankweg (c) spinagel.de

Ab jetzt geht es bergauf – vorbei an der Stabkirche in Hahnenklee (komplett aus Holz, vor 100 Jahren ohne einen Nagel erbaut) und am Granitblock „Tor der Liebe“ – zum letzten Highlight der Wanderung. Fast andächtig stehen wir in etwa 600 Meter Höhe am besten Aussichtspunkt der Strecke und blicken vom Bocksberg herunter auf das Harzer Vorland. „Da ganz hinten, das könnte Salzgitter sein.“, sagt mein Vater. Weit in die Landschaft reicht unser Blick. Wir atmen tief und strecken uns zufrieden, nun steht dem Heimweg nichts mehr im Wege. Auf dem letzten Abschnitt zum Parkplatz begegnet uns noch ein kleiner, hellbrauner Frosch. Er ist so groß wie mein Fingernagel, der Winzling. Ein schönes Zuhause hast du hier, denke ich, und lege ihn sachte zu den Bänken in meinen Korb der Erinnerungen.

Text: Petra Nickisch
Fotos: Boris Kohnke

Wandern im Harz

Der Harz bietet viele schöne, abwechselungsreiche Möglichkeiten für Wandertouren. Von einfachen Touren, wie dem Liebesbankweg, über die obligatorische Brockenbesteigung bis hin zum 159 Kilometer langen Harzer Hexenstieg findet hier jeder einen, zu seiner persönlichen Kondition passenden, Wanderweg.

Einen guten Überblick über die verschiedenen Wanderwege geben diese drei Webseiten: