Wo: Deutschland, St. Peter-Ording

Wann: Oktober 2013

Der Herbst zeigt sich von seiner stürmischen Seite. Das Sturmtief „Jannik 2“ hat uns die ersten nassen Füße des ausklingenden Jahres mit einem kleinen „Land unter“ beschert. Ideales Wetter für Hitzlöper und solche, die es noch werden wollen, um sich auf die Suche nach dem Gold der Nordsee zu machen. Goldfunde an der Nordsee? Das klingt nach „pst, nur nicht weitererzählen“ und schnell den Claim abstecken, bevor es an der Küste zugeht wie in Klondike vor über hundert Jahren. Aber keine Angst, es ist genug für alle da, denn das Gold der Nordsee, der Bernstein, wird seit Jahrtausenden regelmäßig an den Strand gespült. Nach den Frühjahrs- oder eben auch Herbststürmen sind die Bedingungen für einen guten Fund ideal, da wieder viele neue Bernsteine aus den grauen Tiefen der Nordsee an den weißen Strand von St. Peter-Ording gespült werden.

Hitzlöper ist übrigens die Bezeichnung für Strandgutsucher oder Bernsteinsucher auf Eiderstedt und den Nordfriesischen Inseln. Der Begriff entstand, weil auf der Sandbank mit dem Namen Hitzsand vor St. Peter-Ording sehr viele Bernsteine und anderes Strandgut angespült wurden.
Hitzsand St Peter Ording (c) spinagel.de
Sturm und St. Peter-Ording sind ideale Voraussetzung, um sich ein wenig im Hitzlöpern zu üben. Also schnell die Gummistiefel und die dicken Klamotten an, den großen Beutesack eingepackt und auf in Richtung Hitzsand.

Wichtig ist, immer der erste vor Ort zu sein. Sobald das Wasser abläuft und es hell genug ist geht der professionelle Bernsteinsucher tief gebeugt an der Wasserkante entlang. Die ganz Hartgesottenen sieht man auch schon mal vor Sonnenaufgang mit einer Taschenlampe in Wassernähe. Wer es nicht ganz so ernst nimmt, wie wir, frühstückt erst einmal in Ruhe und begnügt sich bei ausreichender Helligkeit und weit fortgeschrittener Ebbe mit den kleineren Bernsteinen.
Spuelsaum (c) spinagel.de

Am Strand von St. Peter-Ording angekommen stellt sich zwangsläufig die Frage: Wo in der größten Sandkiste Deutschlands haben sich die begehrten prähistorischen Harzstücke versteckt?

Ganz einfach, sie kommen aus der Nordsee, deswegen findet man sie auch meistens direkt am Spülsaum. Hier immer schön auf die schwarzen Stellen achten, die durch viele kleine Holzstücke verursacht werden. Dazwischen verstecken sich die kleinen goldfarbenen Bernsteine und warten darauf, in unsere Taschen zu wandern.
Bernstein am Strand (c) spinagel.de
Je weniger andere Hitzlöper vorher den gleichen Teil des Strandes abgegangen sind, desto größer ist die Chance auch noch etwas zu finden. Vor allen Dingen, wenn man nicht zu den frühen Vögeln gehört.

Auch Ruhe und Geduld helfen bei der Suche ungemein weiter. Wer schon nach 20 Minuten entnervt aufgibt, weil er meint, es gebe hier gar keine Bernsteine, der sollte lieber das Bernsteinmuseum in St. Peter-Dorf besuchen. Dort kann man die ganze Bandbreite der Geschichte des Küstengoldes erleben. Doch selbst hier sind 20 Minuten viel zu kurz und werden dem Museum nicht gerecht.

Wer die notwendige Ausdauer an den Tag legt wird eigentlich immer mit mindestens einem kleinen Bernstein belohnt. Der große Beutesack kommt selten zum Einsatz, die Jackentasche ist meistens völlig ausreichend. Aber wer weiß das schon so genau, es ist immer besser, gut gerüstet in ein Abenteuer zu gehen.
Bernsteine (c) spinagel.de
Wieder zu Hause angekommen, kann man hervorragend allen die es hören wollen oder nicht schnell genug das Weite gesucht haben, von der beschwerlichen langen Suche in der kalten unwirtlichen Natur und seinen persönlichen Erfolgen an der herbstlichen Nordsee erzählen. Wenn man dann noch langsam eine Handvoll seiner selbst erbeuteten Nuggets aus der Tasche zieht, löst das vielleicht doch den nächsten Goldrausch aus.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Bernsteinmuseum

Wer am Strand von St. Peter-Ording noch keinen Bernstein gefunden hat, kann sich das Gold der Nordsee bei Boy Jöns im Nordseebernsteinmuseum ansehen. Hier wird viel Wissenswertes über die Entstehung der Bernsteine und die Verarbeitung zum begehrten Schmuckstein gezeigt. Ausgestellt werden unter anderem Funde, die in den letzten 50 Jahren zusammengetragen wurden. Einen spannenden Einblick in die Welt der Ur-Insekten kann man im Inklusenkabinett gewinnen. Hier werden in Bernstein eingeschlossene Tiere und Pflanzen gezeigt. Bei Boy Jöns werden auch Rohbernsteine weiterverarbeitet. In der Schauwerkstatt werden alle Schritte gezeigt, wie aus dem unscheinbaren Bernstein vom Nordseestrand ein glänzendes Schmuckstück wird.

www.bernsteinmuseum.de