Wo: Hamburg – Wilhelmsburg
Wann: Juli 2015

Spätestens seit der IBA und der iga können die nördlich der Elbe wohnenden Hamburger ihren Stadtteil Wilhelmsburg nicht mehr ignorieren. Durch die Internationale Bauausstellung (2006–2013) und die Internationale Gartenschau 2013 hat sich die Elbinsel ziemlich gemausert. Spannende Gebäude, gepflegte Parks, attraktive Sportmöglichkeiten und Cafés zeugen von der Veränderung, die näheres Hinschauen lohnt. Zumal Wilhelmsburg nur drei S-Bahn-Stationen vom Hauptbahnhof entfernt liegt – und noch schöner sogar auf dem Wasserweg zu erreichen ist.

Fähre 73

Fähre 73 Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Das ist immer wieder genial an Hamburg: Ein einfaches HVV-Ticket genügt, damit die Schiffsführer der sieben Hafenfährlinien ihre Fahrgäste über die Elbe schippern. Wilhelmsburg ist mit dem Anleger Ernst-August-Schleuse seit 2012 angebunden. Ein- bis dreimal stündlich startet die HADAG-Fähre 73 von den Landungsbrücken, Brücke 1. Leider fährt sie nur an Werktagen, die Fahrt dauert 15 Minuten. Kosten: 2,10 Euro.

 

Reiherstiegviertel

Energiebunker Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Vom Anleger Ernst-August-Schleuse sind es nur 10 Minuten zu Fuß bis zum Stübenplatz. Dort beginnt der von der IBA wunderbar ausgearbeitete Rundgang durchs belebte Reiherstiegviertel – vorbei am türkischen Hamam, am Veringkanal und am rund 42 Meter hohen Energiebunker. Je nachdem, wie oft man die vorgegebene Route verlässt oder eine Kaffeepause einlegt, dauert der Spaziergang etwa zwei Stunden.

 

Café Vju im Energiebunker

Cafe vju Wilhelmsburg (c) spinagel.de

Waffeln essen und Kaffee trinken im ehemaligen Schutzbunker. Damit konnte zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs keiner rechnen. Seit der Umwandlung zum Energiebunker ist das Beton-Monster in der Neuhöfer Straße 7 mit Solarhülle, Blockheizkraftwerk und Großwärmespeicher ausgestattet – und mit dem charmanten Café Vju, von dessen Aussichtsterrasse in 30 Metern Höhe der Blick bis zur Elbphilharmonie schweifen kann. Führungen durch das Ökokraftwerk (nur am Wochenende) kosten 3 Euro, inklusive 1 Euro Verzehrbon für das Vju (Do-So geöffnet).

 

Stadtmodell Hamburg

Baubehörde Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Aus dem Reiherstiegviertel fahren einige Buslinien die Station Inselpark an. Besonders zur Mittagszeit lohnt hier ein Stopp, um der Kantine der Behörden für Stadtentwicklung und Umwelt, Neuenfelder Straße 19, einen Besuch abzustatten. Das bunt gestreifte Verwaltungsgebäude ist aber auch wegen seiner wellenförmigen Schönheit und wegen des riesigen Stadtmodells im Foyer beeindruckend: Hamburg im Maßstab 1 : 500, zu besichtigen von Mo.– Fr. 9–19 Uhr sowie So. von 13–17 Uhr.

 

Wilhelmsburger Inselpark

Willi Villa im Inselpark Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Direkt gegenüber der Behörde und nur wenige Gehminuten vom S-Bahnhof Wilhelmsburg entfernt liegt der abwechslungsreiche Inselpark. Wer das Gelände nicht schon von der Internationalen Gartenschau 2013 kennt, sollte an der sonntäglichen Führung (Mai bis September, 5 Euro) teilnehmen. Die geht an allen markanten Punkten vorbei, wie dem Wälderhaus, dem Hochseilgarten, der Kletterhalle, dem Kanuverleih, dem Café Willi Villa, den Blumenschiffen, den diversen Spielplätzen … Von ruhig bis aktiv findet jeder hier sein Sonnenplätzchen.

 

Energieberg Georgswerder

Energieberg Georgswerder Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Vom giftigen Müllberg zum grünen Hügel mit Spazierweg – die ehemalige Deponie Georgswerder hat sich zum regenerativen Energieberg gewandelt, der mit Windkraft und Sonnenenergie rund 4.000 Wilhelmsburger Haushalte mit Strom versorgt. An seinem Fuß liegt das Informationszentrum (Fiskalische Straße 2, geöffnet von April bis Oktober, Di–So 10–18 Uhr). Die dort gezeigte Multimediashow zur Geschichte des Deponiehügels ist unbedingt sehenswert. Mit dem Bus 154 geht’s in 12 Minuten zurück zur S-Bahn Wilhelmsburg.

Text: Petra Nickisch, Juni 2015
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Die Wilde 13

Die Buslinie 13 durchquert Wilhelmsburg von der S-Bahn Veddel bis Kirchdorf Süd in 29 Minuten. Wer die gesamte Strecke mitfährt, erlebt Wilhelmsburg und seine Bewohner im Schnelldurchlauf, ohne einen Schritt gehen zu müssen. Über die sogenannte „Wilde 13“ wurde bereits ein Buch geschrieben, ein Dokumentarfilm gedreht, ein Theaterstück verfasst – mit eigener Facebook-Fanseite. Die IBA nutzt die Buslinie jeden Samstag von 15–17.30 Uhr für eine geführte Tour: Mit der Wilden 13 durch Wilhelmsburg.