Wo: Quickborn
Wann: Mai 2015

Weiße Puschel haben uns angelockt. Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr den kurzen Weg nach Quickborn antreten, um das Wollgras bei der Blüte zu bewundern. Wie so oft im Leben hat es etwas länger gedauert, aber heute ist unser Tag des Wollgrases. Das Wetter ist ideal für unseren Ausflug: strahlender Sonnenschein und ein leichter Südwestwind bringen die schneeweißen, puscheligen Knäule zum Leuchten und dazu, uns freundlich zuzunicken.

Wollgras im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

So richtig wohl fühlt sich das Wollgras nur in intakten Moorgebieten. Das Himmelmoor wird zwar noch zum Abbau von Torf genutzt, große Flächen sind aber inzwischen wieder bewässert und damit renaturiert worden. Dort hat sich das flauschige Wollgras auch wieder großflächig angesiedelt.

Autor Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Auch ohne die putzigen Gräser ist ein Moor für mich immer ein spezieller Ort. Am deutlichsten fällt mir dies immer beim Gehen auf, der Untergrund ist weich und nachgiebig. Eigentlich möchte man sofort seine Schuhe ausziehen und barfuß laufen. Eine gewisse Tücke hat diese Fußbodendämpfung aber – wenn man sich nicht auf einer trockengelegten Fläche bewegt, sagt einem der schwankende Untergrund deutlich, dass man sich auf einem mehr oder weniger dicken Pflanzenteppich über einer Wasserschicht befindet. Wer sich hier nicht auskennt, kann durch einen falschen Schritt schneller zur Moorleiche werden als er denkt.

Wanderweg im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Wir bleiben lieber auf den breiten, angelegten Wanderwegen, die schnurgerade am Rande des Himmelmoores verlaufen. Auch hier spürt man noch deutlich die Weichheit und Nachgiebigkeit des Untergrundes.

Aussichtspunkt im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

In regelmäßigen Abständen sind neben dem Wanderweg ein paar Meter hohe Torfhügel aufgeschüttet. Von diesen Aussichtspunkten hat man einen tollen Überblick sowohl über die bewässerten Flächen mit ihren Tieren und Pflanzen, als auch über den maschinellen Torfabbau.

Torfabbau im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Die kreuz und quer durch das Himmelmoor gelegten Gleise der Feldbahn sind das deutlichste Zeichen für die wirtschaftliche Nutzung dieses Moores. Die Gleise sind teilweise so krumm und schief verlegt, dass man sich schwer vorstellen kann, dass hier ein Zug fährt, ohne zu entgleisen. Der kleine Zug mit seinen unzähligen Torfloren schafft es aber trotzdem immer wieder, den wertvollen Rohstoff unbeschadet aus dem Himmelmoor in das angrenzende Torfwerk zu befördern.

Torfwerk mit Lorenzug im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

In fünf Jahren ist hier endgültig Schluss mit dem Torfabbau, dann wird das Himmelmoor wieder komplett renaturiert. An den Stellen, wo schon jetzt kein Torf mehr abgebaut wird, sind die rostigen Reste der Feldbahngleise ein surreales Fotomotiv.

Alte Torfbahn im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Am Ende unseres Ausflugs stürzen wir uns noch einmal auf das Wollgras mit seinen flauschigen Blütenkugeln. Wir fotografieren die Blüten aus allen erdenklichen Winkeln und haben manchmal kurz den Eindruck, dass die Pflanzen es genießen, auch einmal zu posieren und uns ihre puscheligste Seite zuzudrehen.

Wollgras Nahaufnahme Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Text und Fotos: Boris Kohnke

Himmelmoor

Mit 605 Hektar ist das Himmelmoor in Quickborn bei Hamburg das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins. Neben der einzigartigen Natur sind Moore schon immer eine wichtige Rohstoffquelle gewesen. Der abgebaute Torf wurde früher häufig zum Heizen verwendet, heutzutage ist er ein beliebtes Pflanzsubstrat für alle Gärtner. Torf wird hier schon seit dem 18. Jahrhundert abgebaut, am Anfang auf kleinen Parzellen durch die örtlichen Landwirte, später teilweise durch Strafgefangene und heute ausschließlich maschinell. 2020 ist Schluss mit dem Abbau der braunen Überbleibsel des Torfmooses und das Himmelmoor wird wieder sich selbst überlassen. Ein nicht zu unterschätzender Grund für die Renaturierung wirtschaftlich genutzter Moorflächen ist die Vermeidung des Treibhausgases Kohlendioxid. Moorflächen müssen für ihre Nutzung immer drainiert, d. h. entwässert werden. Aus den trockengelegten Moorböden wird durch Oxidationsprozesse das dort gebundene Kohlendioxid freigesetzt. Die freigesetzte Menge an Klimagasen aus deutschen Mooren entspricht mit 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten ungefähr dem jährlichen Ausstoß aller Flugzeuge im deutschen Luftraum.

Wer selbst einmal die Wollgras-Wiesen mit ihren unzähligen Flauschkugeln sehen möchte, sollte Anfang bis Mitte Mai das Himmelmoor besuchen.

Adresse: Himmelmoorchaussee 61, 25451 Quickborn