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Wo: Frankreich, Nizza
Wann: Sommer 2013

Wie? Nizza hat eine Tram? Seit wann das denn? Seit der Jahrtausendwende fahre ich alle paar Jahre in die südfranzösische Stadt, aber von dieser verkehrstechnischen Entwicklung hatte ich noch nichts mitbekommen.

Nizza Blick auf die Baie des Anges (c) spinagel.de
Die letzte Nizza-Pause war wohl etwas länger als gedacht. „Schon seit Ende 2007 haben wir die Tram“, klärt mich ein Mitarbeiter an der Touristeninformation grinsend auf. Er überreicht mir eine schicke deutsche Broschüre, „Nizza, vom Licht verwöhnt“. In ihr lese ich nach, dass die bislang einzige „tramway ligne 1“, mit der mein Freund und ich gerade bis zur Place Masséna gefahren waren, direkt durch das Centrum der Stadt läuft und den Norden mit dem Osten verbindet.

Nicht nur die Tram, auch diese Anlaufstelle für Touristen ist für mich neu. Und überhaupt, der Masséna Platz, auch er hat sich verändert. Sieben Skulpturen des spanischen Künstlers Jaume Plensa säumen nun rechts und links die Schienen der Straßenbahn. Weiße, muskulöse Männer, die in neun Metern Höhe auf einer Plattform hocken und als Skulpturengruppe ihre stille „Conversation à Nice“ führen, ganz gemäß ihrem Namen. Nachts wechseln die Figuren, die die sieben Kontinente darstellen sollen, ihre Farbe. Sie leuchten in grün, gelb, rot, pink, lila und machen den eh schon belebten Platz noch lebendiger.

Place Massena Nizza (c) spinagel.de
Lebendig ist ehrlich gesagt noch untertrieben. Die Stadt quillt über im Juni 2013, denn die Events Ironman und Fête de la Musique fallen zusammen. Triathlon-Sportler treffen auf Jazz-Musiker, Fahrräder auf Gitarren, Absperrungen auf neugierige Zuschauer. Die Altstadt und die Strandpromenade am Quai des États-Unis sind eine einzige Drängelei, also rauf auf den Schlossberg, um die Stadt und die herrliche Baie des Anges (Bucht der Engel) von oben zu betrachten.

Es ist ein recht gemütlicher Aufstieg. Ausgehend von der Rue Rossetti schlängelt sich der Fußweg den Hügel hinauf, vorbei an schönen Wandmosaiken und künstlichen Wasserfällen. Schritt für Schritt kommen wir der obersten Aussichtsterrasse näher und meine Gedanken schweifen zu den Dingen, die sich noch nicht in Nizza verändert haben, und derentwillen ich immer wieder gern herkomme.

Nizza Meerjungfrau (c) spinagel.de
Auf Platz eins: die Farben der Stadt. Rosa Villen, buttercremefarbene Fensterläden, sattgrüne Pinien und Palmen, Meereswellen in türkis.

Auf Platz zwei: Es gibt Socca. Die dünnen, crêpesähnlichen Fladen aus Kichererbsenmehl und Olivenöl. Ein bisschen Salz und Pfeffer drauf, fertig. Mein liebster und wohl auch günstigster Snack in der Stadt.

Auf Platz drei: Schöne Ausflugsziele an der Côte d’Azur und im Hinterland sind mit öffentlichen Bussen oder dem Auto schnell zu erreichen. Die Filmfestivalstadt Cannes, die Parfümstadt Grasse, die Zitronenstadt Menton oder doch lieber ins Fürstentum Monaco oder auf ein Eis ins italienische San Remo? Alles nicht weit weg.

Nizza Ausflug (c) spinagel.de
Auf Platz vier: das Chagall Museum. In einem flachen, unauffälligen Gebäude haben die poetischen Werke von Marc Chagall ihren Platz gefunden. Biblische Motive, Fensterbilder, Lithografien. Der Besuch im Musée National Marc Chagall  lohnt sich doppelt. Zum einen wegen der fabelhaften Kunst des französischen Malers russischer Herkunft, zum anderen, weil der gepflegte Museumsgarten mit dem kleinen Café ein idealer Rückzugsort aus der trubeligen Stadt ist.

Auf Platz fünf: dieser herrliche Blick von genau hier oben übers Meer.

Wir sind mittlerweile auf dem Schlossberg angekommen, verweilen ein wenig, schauen ein paar Slacklinern zu und beginnen gemächlich auf der Rückseite des Hügels wieder den Abstieg Richtung Hafen und anschließend zur Place Garibaldi, wo in einer Pâtisserie noch eine weitere Spezialität der Stadt auf uns wartet: der Mangoldkuchen „Tourte de Blette“.

Nizza Place Garibaldi (c) spinagel.de
Nur zwei Stunden dauert der Flug, wenn man von Hamburg aus direkt nach Nizza fliegt. Günstige Hin- und Rückflüge sind gemäß der Plattform Bravofly Billigflüge schon für rund 100 Euro zu haben.

Vom Aéroport Nice Côte d’Azur bringen viele Busse die Reisenden bequem in die Stadt. Und wer sich, wie ich, wahrscheinlich erst wieder in ein paar Jahren auf den Weg machen wird, kann dann die bereits im Bau befindliche neue Tram-Strecke benutzen. Ende 2017 soll die zweite Linie in Betrieb gehen, die den Flughafen im Westen mit dem Hafen im Osten verbindet.

Text: Petra Nickisch, Boris Kohnke, März 2014 /// mit freundlicher Unterstützung durch Bravofly
Fotos: Boris Kohnke

Grasse

Spätestens seit Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm – Geschichte eines Mörders“ kennt jeder die kleine Stadt in den französischen Seealpen. Die Welthauptstadt des Parfüms liegt nur knapp 50 km von Nizza entfernt. Ein Ausflug hierhin lohnt sich auf jeden Fall.

Im 17. Jahrhundert haben sich hier Parfümeure darauf spezialisiert, aus den Blüten der Umgebung die wertvollen Duftstoffe zu extrahieren. Die großen Blumenplantagen des Mittelalters sind inzwischen verschwunden, da der Anbau der Pflanzen in anderen Ländern preisgünstiger ist. Das Handwerk der Parfümherstellung und der einzigartige Duft der Stadt sind aber bis heute erhalten geblieben.

Eine Führung durch eine der großen Parfümmanufakturen wie z. B. Fragonard, Galimard oder Molinard sollte sich keiner entgehen lassen.