Wo: Münster, Deutschland
Wann: Dezember 2014

Nach langjähriger Recherche in unserem Freundes- und Bekanntenkreis sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass fast jeder mindestens eine Person aus Münster kennt oder selbst aus dieser Stadt stammt. Außerdem berichten alle Ex-Münsteraner viel Positives über ihre traditionsreiche westfälische Stadt. Grund genug für uns selbst, einmal Münster zu besuchen und uns dort umzusehen.
Der einzige Haken an der Geschichte ist, dass wir es dieses Mal nur auf der Durchreise Richtung München schaffen. Lohnt sich das überhaupt? Abends in Münster eintreffen und am nächsten Morgen schon wieder auf die Autobahn Richtung Bayern einsortieren? Die verbleibende Zeit wird der ehemaligen Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen sicher nicht ganz gerecht, aber auch ein Nachtspaziergang in Münster hat seine Reize.

Eisbahn Germania Campus (c) spinagel.de
Los gehts direkt vor unserem Hotel auf dem Germania Campus. Das ehemalige Gelände der Germania Brauerei ist nach der Schließung der Brauerei in ein Shopping- und Wohngebiet umgewandelt worden. Auf dem zentralen Platz hat der künstliche Winter in Form einer Eisbahn Einzug gehalten. Etliche Wintersportfreunde ziehen hier unter buntem LED-Licht mehr oder weniger schwungvoll ihre Runden.
Wir reißen uns los und machen uns auf in Richtung Prinzipalmarkt, der zentralen Shoppingmeile und guten Stube in der Innenstadt von Münster.

Galerie Ostendorff Münster (c) spinagel.de
Was uns auf dem Weg dorthin als erstes auffällt, ist die hohe Dichte von Galerien und Kunstgeschäften.

Stühle (c) spinagel.de

Von farbenfrohen Blechfiguren über ein buntes Sammelsurium der abenteuerlichsten Gegenstände, inklusive zweier seltsamer Stühle, bis hin zu der geschäftigen Gruppe von Holzfiguren, die einen aus ihrem Schaufenster heraus zu beobachten scheinen. Hier lohnt sich auch außerhalb der Öffnungszeiten ein Blick in die Auslagen.

Figuren im Fenster Münster (c) spinagel.de

Die erleuchteten Schaufenster der Galerien Ostendorff, Steinrötter, Schemm und etlicher weiterer lassen uns auf unserem Weg immer einmal wieder anhalten.

LWL Museum für Kunst und Kultur (c) spinagel.de
Als nächstes Motiv auf unserer Tour drängt sich uns die Fassade des LWL-Museum für Kunst und Kultur auf. Mit ihren wandernden Lichtern in immer neuen Formen müssen wir einfach ein paar Fotos machen. Seit 2014 zeigt das Museum an dieser Stelle ein Spektrum vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Avantgarde.

St Paulus Dom Münster (c) spinagel.de
Nach einem kurzen Abstecher zu einem der beiden Münsteraner Wahrzeichen, dem ab 1192 erbauten St. Paulus Dom, geht es weiter zum zweiten Wahrzeichen der Stadt Münster, dem historischen Rathaus. Die gotische Fassade reicht mit 31 Metern weit über das eigentliche Dach des Rathauses hinaus. Mit Reichtum prahlen, war schon früher manchmal nur Fassade.

Historisches Rathaus Münster (c) spinagel.de
Das Rathaus ist bekannt für die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete und es gilt als Geburtsort der modernen Niederlande, da hier 1648 der 80-jährige Spanisch-Niederländische Krieg beendet wurde.

Prinzipalmarkt Münster (c) spinagel.de
Weiter geht es den Prinzipalmarkt hinunter, vorbei an den vielen kleinen Geschäften hinter ihren historischen Fassaden, bis zur Lamberti-Kirche. Wir haben Glück und die Kirche hat noch geöffnet, aber nach nur einem Foto vom Taufbecken gehen plötzlich die Lichter aus.

Taufbecken Lambertikirche Münster (c) spinagel.de

Nur ein kurzes Vergnügen, aber eigentlich haben wir genug gesehen. Vom Turm der Lamberti-Kirche bläst die Türmerin jeden Abend zwischen 21 Uhr und Mitternacht – außer dienstags – jede halbe Stunde in ihr Horn. Das ist inzwischen recht selten geworden und in ganz Europa nur noch eine paar Mal anzutreffen.

Strasse Münster (c) spinagel.de
Am Ende des Prinzipalmarktes machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto und werfen dabei noch einen kurzen Blick auf das fürstbischöfliche Schloss, das jetzt Sitz und Wahrzeichen der Westfälischen Wilhelms-Universität ist.

Schloss Münster (c) spinagel.de

Als echte Nordlichter müssen wir natürlich noch die Gewässer der Stadt erkunden. In Münster sind dies der Aasee und der Hafen am Dortmund-Ems-Kanal.

Aasee Münster (c) spinagel.de
Entlang des Aasees entdecken wir eine ruhige Promenade mit Blick auf das bunt erleuchtete andere Ufer des Sees.

Kreativkai Münster (c) spinagel.de
Das zweite Innenstadtwasser, der Hafen von Münster, hat wie in vielen anderen Städten inzwischen deutlich an Bedeutung verloren. Das eine Ufer ist mit dem Kreativkai schon in seine neue Nutzungsform überführt worden. Auch am gegenüberliegenden Ufer werden aus den übrigen Lagerhäusern nach und nach moderne Wohnungen und Geschäfte.

Factory Hotel Münster (c) spinagel.de
Zurück auf dem Germania Campus ziehen die Schlittschuhläufer immer noch unbeirrt ihre Bahnen. Wir überlegen kurz, ob wir auch noch ein paar Schlittschuhe leihen sollen, entschließen uns dann aber dazu, im angrenzenden La Tapia einen Wein zum Abschluss unserer gelungenen Nachtwanderung zu trinken.

La Tapia Germania Campus (c) spinagel.de

Text und Fotos: Boris Kohnke, Dezember 2014

Germania Campus
Die Germania Brauerei in Münster wurde 1898 gegründet und an diesem Standort bis 1984 betrieben. Von 1987 bis 2001 wurde die alte Abfüllhalle in den Kunst- und Partytempel Jovel umgewandelt. Die letzte Veranstaltung fand hier im Juni 2006 statt. Ab 2009 wurde der Germania Campus in seiner heutigen Form umgebaut. In ein kleines, stylisches Areal zum Arbeiten, Shoppen, Wohnen und essen gehen.