Wo: Kopenhagen
Wann: August 2015

Superkilen, der Superkeil, liegt mitten im hippen Multikulti-Viertel Nørrebro in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Im Stadtplan sieht der Superkilen nur wie einer von vielen Kopenhagener Parks aus. Rasenflächen, Bäume und Büsche und einer paar Bänke? Klingt nicht sehr spannend. Etwas stutzig macht uns das Alter des Parks. 2012 eröffnet, vielleicht doch mal etwas Neues? Gänzlich überzeugt uns, dass der Superkilen den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis, den Institute Honor Award und den Red-Dot-Design-Award erhalten hat. Irgendetwas muss hier also besonders sein. Es ist nur ein kurzer Spaziergang von unserer Wohnung in Frederiksberg zum Superkilen. Also begutachten wir diesen Park doch einmal persönlich aus der Nähe.

Roter Platz (c) spinagel.de

Roter Platz auf dem Superkilen

Superkilen ist schmal, aber dafür sehr lang. Er beginnt an seinem breiten Ende mit einem großen Platz. Auch wenn die Farbe nach knapp drei Jahren deutlich verblasst ist, der riesige, beleuchtete Sowjet-Stern in der Mitte lässt keinen Interpretationsspielraum zu, hier sind wir auf dem Roten Platz.

Mini Schiffsschaukeln (c) spinagel.de

Mini-Schiffsschaukeln auf dem Roten Platz

Bis auf die gut besuchten Mini-Schiffsschaukeln finden wir es hier nicht so spannend. Also weiter zum zweiten Teil, dem schwarzen Marktplatz. Hier finden wir schon mal Bänke, damit hört die Schnittmenge mit dem normalen Stadtpark aus unserer Vorstellung aber auch schon auf.

Bänke aus Belgien

Bänke aus Belgien

Aber selbst die Bänke sind nicht wie sonst. Um den multikulturellen Charakter des Viertels widerzuspiegeln, sind die Bänke und der Rest des Parkinventars aus aller Herren Länder zusammengetragen worden. Spannend – wo kann man sonst auf einem Grill aus Argentinien grillen, sich mit dem Essen auf eine Bank aus Mexiko setzen und dabei auf einen Springbrunnen aus Marokko gucken? Wenn es dunkel wird, beleuchten eine Straßenlaterne aus Deutschland und ein übergroßer Zahn aus Doha in Qatar gemeinsam die Szene.

Bank aus Mexiko

Bank aus Mexiko

Es gibt hier viel zu entdecken, neben jedem Einrichtungsgegenstand des Parks befindet sich eine kleine Metalltafel, die den Ursprung des jeweiligen Gegenstandes dokumentiert. Allein vorher zu erraten, woher das jeweilige Objekt stammt, um sich dann in den meisten Fällen vom Metallschild von einer völlig anderen Provenienz überzeugen zu lassen, lässt die Zeit wie im Fluge vergehen.

Brunnen aus Marokko

Brunnen aus Marokko

Die vielen weißen Linien, die aussehen, als hätten die Kopenhagener Straßenmaler nach dem fünften Feierabendbier hier großzügig ihre Reste verstrichen, machen aus dem Asphaltplatz ein skurriles Kunstobjekt. Wer eine Kamera hat, entdeckt hier alle paar Meter wieder eine schräge Perspektive für ein außergewöhnliches Foto. Lange tobe ich mich hier mit meinem Fotoapparat aus. Noch nie hat mir eine schwarze Teerfläche soviel Spaß gemacht.

Superkilen von oben (c) spinagel.de

Im letzten Teil des Superkilen, dem grünen Park, kehrt wieder Ruhe ein, hier erinnern wieder viele Dinge an einen normalen Park. Nur an den abgeplatzten Fliesen der Bänke erkennt man, dass diese aus südlichen Gefilden stammen und nicht für skandinavische Minusgrade gedacht sind.

Bank aus Portugal

Bank aus Portugal

Am Ende angelangt, treffen wir noch den Parkwächter: Auf einem kleinen Grashügel thront unter einem goldenen Donut ein übergroßer spanischer Osborne-Stier und wacht über den Park.

Osborne-Stier (c) spinagel.de

Der spanische Parkwächter

Design-Awards hin oder her, der Superkilen macht allen einfach Spaß. Kopenhagener Kinder turnen auf dem japanischen Oktopus herum, während die Großen nebenan den Grill anfeuern. Dank des Parkinventars aus über 60 Ländern entdeckt man wahrscheinlich auch beim zehnten Besuch noch etwas Neues. Wer nach Kopenhagen reist, sollte sich diesen speziellen Stadtpark nicht entgehen lassen und daran denken, eine frische Speicherkarte in die Kamera zu stecken.

Nørrebrogade 208
2200 København N
www.superkilen.dk

Text: Boris Kohnke, August 2015
Fotos: Boris Kohnke

Die Köpfe hinter Superkilen

Diese bunte Collage aus Dingen, die rund um den Globus zusammengesucht worden sind, haben die dänischen Architekten der Bjarke Ingels Group zusammen mit dem deutschen Büro Topotek1 umgesetzt. Für den kreativen Input bei diesem Projekt hat die Künstlergruppe Superflex gesorgt.Von 2010  bis 2012 wurde auf einer Fläche von 2,7 Hektar für 10 Mio. Euro ein außergewöhnlicher Stadtteilpark geschaffen.