Wo: Hamburg
Wann: November 2016

Nachdem der Hamburger Prestigebau, die Elbphilharmonie, gut 6 Jahre später als geplant fertiggestellt wurde, ist es für uns als Hamburger so etwas wie ein Pflichtprogramm, sich einmal selbst davon zu überzeugen, was genau man für die fast unvorstellbare Summe von knapp 866 Millionen Euro aus dem alten Kaispeicher A gemacht hat.

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Inzwischen ist die Plaza für den Publikumsverkehr geöffnet. Grund genug der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie zum Sonnenuntergang einen Besuch abzustatten. Die Tiefgarage macht gleich klar, dass man hier dringend Geld einnehmen muss. Mit 4 Euro pro Stunde ist das eine der teuersten Parkmöglichkeiten in Hamburg. Um den vorhersehbaren Ansturm der Sehleute in geregelte Bahnen zu lenken, muss sich jeder Besucher erst einmal zum Haupteingang und sich ein kostenloses Plaza-Ticket besorgen.  elbphilharmonie-plaza-tickets-spinagel-de

Die Tickets berechtigen für eine Stunde Zugang zur Plaza der Elbphilharmonie. Da wir um kurz vor 15 Uhr angekommen sind, soll für uns der Spaß schon spätestens um 16 Uhr zuende sein, das wird trotz November knapp mit dem Sonnenuntergang.

Zur Plaza kommt man auf zwei unterschiedlichen Wegen, entweder wenig spektakulär mit dem Fahrstuhl oder über die 82 Metern längste Rolltreppe Europas. Auch, wenn der Familienvater vor uns seinen beiden Söhnen immer wieder einschärft, dass sie jetzt auf der längsten Rolltreppe der Welt fahren, das stimmt leider nicht. Die ist immer noch in der Moskauer U-Bahn-Station „Park Pobedi“ und mit ihren 126 Metern mehr als 50 Prozent länger, als die in der Hansestadt.

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Durch die geschwungene Führung der Rolltreppe, können wir erst im letzten Moment einen Blick auf das Ziel, die riesige Panoramascheibe, erhaschen. Die Aussicht von hier auf die Landungsbrücken ist atemberaubend. Wenn man sich direkt an die Scheibe lehnt, kann man 22 Meter weiter unten die ameisengroßen Menschen beobachten. Das ist für mich als nicht ganz schwindelfreien Menschen nicht so ganz das Wahre, also fahren wir mit einer weiteren Rolltreppe noch ein kleines Stückchen weiter hoch auf die Plaza.

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Die Innenplaza wirkt schon mal beeindruckend durch ihre Größe und offene Gestaltung. Das erste sofort ins Auge fallende Highlight sind die geschwungenen Glaswände, die den Innen- vom Außenbereich trennen. Allein die riesigen Drehtüren werden wohl mehr kosten, als manch einer im ganzen Jahr verdient. Ein weiteres Detail, das vielen wohl nicht auffällt, ist der Bodenbelag. Die gebrannten Klinker des Plaza-Fußbodens wurden in drei verschiedenen Farbabstufungen speziell für die Elbphilharmonie hergestellt und nach einem genau definierten System verlegt.

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Wir schlängeln uns durch den schmalen Gang links an der imposanten geschwungenen Glaswand vorbei und riskieren den ersten Blick in Richtung der Sonne.

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Aus einer Höhe von 37 Metern hat man einen spektakulären Überblick über das geschäftige Treiben im Herzen des Hamburger Hafens. Weiter geht es zur Spitze, die in Richtung der St.-Pauli-Landungsbrücken zeigt.

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Nachdem wir die Spitze des Gebäudes umrundet haben, wirkt die Außenplaza gar nicht mehr so hoch. In Greifweite vor dem Geländer schaukelt der gewaltige Krankopf der 46 Meter langen Arbeitsplattform Wal, die zwischen der Elbphilharmonie und der Kehrwiederspitze liegt. Nur ein kurzer Schritt und man könnte statt der Rolltreppe das Kranseil für den Weg runter benutzen, wenn das nur nicht so ölig wäre.

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Hinter der nächsten Kurve kann man das neu entstandene Hamburger Viertel Hafencity fast in seiner vollen Ausdehnung überblicken. Wer sich nicht sehr gut in Hamburg auskennt, könnte die schnurgeraden Straßen mit den ultramodernen Häusern fast jeder anderen Weltmetropole zuordnen.

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Für unsere Runde haben wir doch tatsächlich fast eine Stunde gebraucht, also noch einmal schnell auf die Sonnenseite um nachzusehen, was der Sonnenuntergang so macht. Über der Köhlbrandbrücke ist der erste leicht orange Streifen am Himmel zu sehen, aber auch viele Wolken. Da unsere Zeit sowieso schon fast abgelaufen ist, beschließen wir die Sonnenuntergangsfotos an einem anderen Tag zu schießen.

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Wieder im Inneren schaue ich mir noch ein Detail, das wahrscheinlich nicht jedem sofort ins Auge fällt, etwas genauer an – die Lampen. Die dickwandigen Plexiglaskugeln mit der Antiblendbeschichtung sind leider nur die kleinen Schwestern der Lampen, die in den Konzertsälen verbaut sind. Hier wurden statt Kugeln aus schnödem Kunststoff gut 1000 Lampen aus mundgeblasenem Glas eingebaut. Das spezielle an ihnen ist, dass sie gegenüber der Öffnung am dicksten sind. Etwas das bei normalen mundgeblasenen Glaskugeln so noch nicht vorgekommen ist. Die Glasbläser mussten dafür eine völlig neue Technik erlernen. Das Licht soll dadurch besser verteilt werden.

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Das ist nur eines der vielen speziellen Details, die den doch sehr sportlichen Preis dieses Hamburger Jahrhundertbauwerks ein wenig erklären. Die Außenplaza ist auf jeden Fall ein Highlight in der Hamburger Hafencity. Ich bin schon sehr gespannt auf die Konzertsäle. Der große Saal ist aber schon bis Ende Juni 2017 ausgebucht. Nicht einmal ein Programmheft haben die beiden netten Frauen am Ticketschalter für uns.

Text und Fotos: Boris Kohnke, November 2016

Elbphilharmonie

Im April 2007 begann der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Eigentlich sollte sie im Herbst 2010 eröffnet werden und den Steuerzahler 77 Millionen Euro kosten. Es kam aber etwas anders als geplant. Erst am 31. Oktober 2016 wurde der Schlüssel für das Prestigebauwerk an den ersten Bürgermeister der Stadt Olaf Scholz übergeben. Die Kosten sind mit insgesamt 865,65 Millionen Euro nur unwesentlich höher geworden, als ursprünglich geplant. Die Hamburger Elbphilharmonie ist damit das zwölftteuerste Gebäude der Welt.