Wo: Hamburg
Wann: Juli 2016

An der Hamburger Bushaltestelle Landungsbrücken wirbt ein kleines Plakat ganz charmant für die Attraktivität der Buslinie 111. „Im Schnitt passieren Sie alle 111 Sekunden eine von 16 bekannten Hamburger Sehenswürdigkeiten“, steht neben einem hübsch illustrierten Hochbahn-Fahrplan. Die Elbphilharmonie mit ihrem wellenförmigen Dach ist darauf zu erkennen, die Tanzenden Türme der Reeperbahn, die Speicherstadt und der Michel. Eine gute Idee, auf diese Art die Vorzüge Hamburgs hervorzuheben. Doch wer die halbe Stunde mit der Hafenrandlinie vom Stadtteil Altona bis in die HafenCity fährt, merkt schnell: Auf die beschriebenen 16 Sehenswürdigkeiten kann man locker noch mal 16 drauflegen.

Weinberg an den Landungsbrücken (c) spinagel.de

Ich starte am Bahnhof Altona, wo der 111er-Bus seine Fahrt beginnt. Die Hochbahn empfiehlt für diese erste Teilstrecke unter anderem den Blick vom Altonaer Balkon. Der Blick vom Dockland unten in der Elbe ist aber auch nicht zu verachten. Dafür steige ich an der Haltestelle Kreuzfahrtterminal Altona schon wieder aus und bezwinge die rund 140 Stufen hinauf auf die Dachterrasse des in Parallelogramm-Form gebauten Bürogebäudes.

Dockland Hamburg

Nur 20 Minuten später kommt schon der nächste 111er. Das wird knapp. Ich schlendere lieber gemütlich zur nächsten Station. Auf der Busfahrt Richtung Fischmarkt passiere ich die Seemannskneipe „Zum Schellfischposten“, bekannt durch den Late-Night-Talk „Inas Nacht“, und lasse mich bis auf die Reeperbahn bringen, die die Hochbahn auf ihrem Plan natürlich auch als Sehenswürdigkeit empfiehlt.

Tanzende Türme Hamburg (c) spinagel.de

Haltestelle Davidstraße. Hier bin ich mittendrin. Allerdings ist der angrenzende Spielbudenplatz tagsüber noch wie leergefegt. Kein Vergleich zum Abend, wenn die Besucher zu den beliebten Bühnen wie Schmidts Tivoli oder St. Pauli Theater strömen oder mittwochs beim St. Pauli Nachtmarkt ganz klassisch Weintrauben, Käse und frisches Brot einkaufen. Wenn ich daran denke, bekomme ich Hunger. Meinen nächsten Stopp möchte ich im knallbunten Beachclub StrandPauli einlegen. Ein echtes Highlight auf der Strecke. Dafür gehe ich die Davidstraße hinauf, ignoriere die nächste Haltestelle Bernhard-Nocht-Straße und folge der Treppe hinunter zur St. Pauli Hafenstraße. Jetzt rechts halten und schon nach ein paar Schritten gemütlich am Elbufer in die Sofakissen plumpsen.

Strandpauli

Ich muss mich richtig losreißen aus dieser Oase, aber meine 111er-Tour ist noch lange nicht am Ende. Sobald ich an den Landungsbrücken wieder in den Bus gestiegen bin, erkenne ich, dass sich ab hier die Attraktionen richtig ballen. Alter Elbtunnel, der kleine Weinberg auf dem Stintfang, das Portugiesenviertel, das König-der-Löwen-Musical, Cap San Diego, Feuerschiff, Hafenpolizeiwache 2 – und das alles noch, bevor der Bus die Speicherstadt und die HafenCity erreicht.

Maritimes Museum Hamburg

Den Marco Polo Tower und die Magellan-Terrassen hebt der Hochbahn-Plan auf diesem letzten Teilstück hervor. Ich füge meiner ergänzenden 16-Sehenswürdigkeiten-Liste noch das HafenCity Infocenter im Kesselhaus, das Miniatur-Wunderland und das Maritime Museum hinzu. Dann endet meine günstige „Stadtrundfahrt“ zum Preis einer HVV-Tageskarte. Toppen kann man sie nur, indem man sie nachts unternimmt. Beleuchtet sind der Hafen und alle Gebäude doppelt so schön!

Text und Fotos: Petra Nickisch-Kohnke, Juli 2016

Duckstein Festival

Ende Juli fährt der 111er-Bus in der HafenCity einen kleinen Umweg. Das Duckstein Festival mit Kunst, Kultur und Kulinarischem zieht vom 22. bis 31. Juli 2016 an das Störtebeker Ufer, weshalb die Station Osakaallee nicht benutzt werden kann. Direkt vor dem Maritimen Museum unterhalten Musiker, Artisten und Straßenkünstler täglich bis 23 Uhr ihr Publikum.