Wo: Fuerteventura
Wann: Oktober 2015

Wir machen uns auf den Weg Richtung Nordspitze von Fuerteventura. Das ist an der Ostküste einfach, immer nur der einzigen Straße in nördliche Richtung, der FV-2, folgen. Etwa 40 Kilometer hinter der Inselhauptstadt Puerto Rosario begrenzt ein übergroßes Schild unsere Geschwindigkeit auf 70 km/h. Ein Grund steht auch in mehreren Sprachen auf dem Schild: „Häufige Sandverwehungen“. Noch sieht die Straße aber nicht ungewöhnlich aus, doch schon hinter der nächsten Kurve scheint es, als wären wir in der Wüste gelandet.

Corralejo (c) spinagel.deDabei ist es nur der Anfang der größten Düne der Insel. Auf einer Länge von 11 Kilometern nichts als Sand und ein paar windzerzauste Büsche zwischen den Hügeln und dem Meer. Nur das schwarze Teerband der FV-2 zieht sich schnurgerade durch diese riesige Sandkiste. Hin und wieder stehen ein paar Autos am Straßenrand. Bei der dritten Autogruppe stellen wir unser Auto dazu und gehen über den breiten Dünenrücken in Richtung Meer.

Corralejo SOS  (c) spinagel.deWie überall auf Fuerteventura bläßt auch hier ein beständiger Wind. Da er auf dem Weg durch die wüstenähnliche Düne von Corralejo immer etwas Sand mitbringt ist es eine ziemlich unangenehme Angelegenheit sich nach dem Sprung in den Atlantik einfach so auf sein Handtuch zu legen. Nach kurzer Zeit ist man rundum mit dem strahlend weißen Sand paniert.

Corralejo Strandburg (c) spinagel.deBesser man ist rechtzeitig vor Ort und besetzt eine der vielen Strandburgen aus Lavagestein. Mit ihren schwarzen Außenwänden setzen sie einen deutlichen farblichen Akzent im endlosen Weiß des Sandes.

Die ganze Gebiet ist seit 1982 wegen seiner besonderen Pflanzenwelt mit einigen endemischen Arten zum Nationalpark erklärt worden, dem „Parque Natural de Corralejo“. Kurz vor der Ausweisung des Nationalparks sind mitten am Strand zwei riesige Betonklötze hingestellt worden– die Hotels RIU Tres Islas und Oliva Beach. Ein Schelm wer dabei Böses denkt …

Corralejo RIU Hotels  (c) spinagel.deEigentlich sollten die Hotels nach Ablauf der Konzession 2017 abgerissen und die Dünenlandschaft renaturiert werden. Die kanarische Inselregierung hat aber 2013 beschlossen die Genehmigung um weitere 75 Jahre zu verlängern.

An der nördlichsten Spitze von Corralejo weht der Wind besonders stark, ein Grund warum sich an diesem Teil des Strandes die Kite- und Windsurfer treffen. Die kleine Nachbarinsel Lobos ist zum Greifen nah und auch die Nachbarinsel Lanzarote ist nur einen Steinwurf (8 Kilometer) entfernt.

Das Ende des Nationalparks markiert der kleine Touristenort Corralejo. Das größte Hotel steht fast im Zentrum des Ortes. Ein Bauzaun sperrt das Areal rund um das Hotel ab, es ist nie über das Rohbaustadium hinausgekommen. Es steht, wie viele andere Hotelruinen auf Fuerteventura als Mahnmal für die Spekulationsblase der späten 2000er.

Corralejo Hotelruine (c) spinagel.deWer ein wenig genauer hinschaut wird sogar feststellen, dass auch andere Häuser und Hotels in der Stadt aufgegeben wurden und langsam dem Verfall preisgegeben werden. Für uns etwas uns zu viel morbider Charme, wir machen uns auf den Rückweg in unser schon seit 1980 fertiggestelltes Hotel.

Text: Boris Kohnke, Oktober 2015
Fotos: Boris Kohnke

Lobos

Die kleine Nachbarinsel ist früher ein Piratenversteck und Stützpunkt für Schmuggler gewesen. Heute ist die Insel unbewohnt, nur ein paar Fischer haben ein Wochenendhäuschen auf dem Eiland. Den Namen hat die gut 4,5 Quadratkilometer große Nachbarinsel von Fuerteventura von den Mönchsrobben (Lobos Marinos), die aber inzwischen dort ausgerottet sind.