Wo: Falkirk – Schottland
Wann: Juli 2017

Seit wir in Edinburgh angekommen sind verfolgen uns zwei riesige Pferde. Aus jedem Souvenirshop entlang der Royal Mile beobachten Sie uns, fein säuberlich aufgereiht in ihren Postkartenständern zusammen mit allen anderen Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Als uns die beiden Pferde schließlich knallrot ausgeleuchtet von einem Kalendercover ganz ungeniert beobachten, haben wir genug und schauen uns den Kalender genauer an. Die beiden sind Skulpturen und stehen nur ein paar Meilen auf der M9 entfernt im kleinen Örtchen Falkirk. Am nächsten morgen satteln wir kurzentschlossen unser Dieselpferd und machen uns auf den Weg dorthin.

Unsere beiden Equinoiden sind eigentlich gar keine Pferde, der schottische Künstler Andy Scott hat zwar 2013 offiziell die größten Pferdeskulpturen der Welt erschaffen, es sind aber Kelpies, schottische Wassergeister in Pferdeform.

Kelpies Fallkirk spinagel

Die Kelpies bewohnen die Fließgewässer ihrer Heimat, des schottischen Hochlands und zeigen sich den Menschen in Gestalt eines großen Pferdes. Nett sind sie leider überhaupt nicht. Kelpies versprechen Wanderern, die ihren Fluss überqueren wollen sie auf die andere Seite zu tragen. Wenn der gutgläubigen Wanderer aber erst einmal aufgestiegen ist zieht ihn der Kelpie in die Tiefe, um ihn dann zu verspeisen. Nur wer dem Kelpie ein Zaumzeug anlegt, bevor er aufsteigt oder der Pferdegestalt ein Tuch über den Kopf wirft, endet nicht als Mahlzeit am Grund des Gebirgsflusses.

Kelpies sun Fallkirk spinagel

Unsere Kelpies sind zum Glück aus Stahl und bestehen nur aus Kopf und Hals. Das ist bei einer Gesamthöhe von 30 Metern aber auch schon beeindruckend genug. Die beiden wohnen im Park The Helix, der ein beliebtes Ausflugsziel für die Schotten aus der näheren und weiteren Umgebung ist. Die beiden Wassergeister bewachen in diesem Park den Eingang zum Forth and Clyde Canal, der Verbindung von Edinburgh nach Glasgow

Die Erklärung warum manche Postkarten die beiden Pferdeköpfe bunt beleuchtet gezeigt haben, liefert uns das Visitor-Center: Die beiden Skulpturen sind mit einer Unmengen an LEDs ausgestattet, die das gesamte Kunstwerk in ein fast magisches buntes Licht tauchen können. Schade, dass wir nicht bis zur Dunkelheit Zeit haben.

Aber auch tagsüber sind die beiden Kelpies ein tolles Fotomotiv. Unsere Bilder über die Wasserfläche der kleinen Marina hinweg sind auch schon spektakulär genug.
Wer sich etwas mehr für das Kunstwerk interessiert, kann eine geführte Tour mitmachen, die nicht nur die Hintergründe und technischen Fakten näher erläutert sondern auch einen Blick ins Innere der beiden stählernen Ungetüme zulässt.

Kelpies inside Fallkirk spinagel

Nach einer Stärkung mit Tee und schottischen Scones (das sind die besonders großen), machen wir uns auf den Rückweg nach Edinburgh. Direkt an der Ausfahrt weist uns ein unübersehbares braunes Schild den Weg zu einer weiteren Sehenswürdigkeit in Falkirk, dem Falkirk Wheel. Davon habe ich schon einmal gehört und meinen Erinnerungsfetzen nach lohnt sich ein kleiner Umweg.

5 Minuten später und um die hier üblichen 3 Pfund für das Parken ärmer stehen wir auf dem obersten Parkplatz des Falkirk Wheel. Von hier hat man den besten Überblick über die gesamte Konstruktion. Der von oben kommende Kanal geht in eine Brücke für Schiffe über, die an einer Art Riesenrad mit zwei Gondeln endet. Das von oben kommende Schiff fährt über die Brücke in die obere Gondel. Die zweite Gondel am unteren Teil des Riesenrades taucht in einen kleinen künstlichen See ein. Hier können die Schiffe in die untere Gondel einfahren.

Fallkirk Wheel Spinagel back

Die Schiffe in den Gondeln und werden mit dem Riesenrad über einen Höhenunterschied von 24 Metern transportiert. Früher benötigen die Schiffsführer etwas mehr Geduld. Um diese Höhendifferenz zu überwinden war eine 1,5 Kilometer lange Schleusentreppe mit elf Schleusen zu durchfahren.

Fallkirk Wheel Spinagel rotating

Das 24. Mai 2002 durch Königin Elisabeth II. anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums eröffnete Fallkirk Wheel stellt einen wichtigen Teil in der Verbindung von Edinburgh und Glasgow über das schottische Kanalsystem dar. Früher wurden Kohle und andere Massengüter hauptsächlich mit schmalen Booten, den sogenannten Narrowboats, auf den Kanälen durch Schottland und dem Rest des Vereinigten Königreichs transportiert. Heutzutage sind die meisten Narrowboats Hausboote, auch das Falkirk Wheel hat keine Bedeutung für den Gütertransport mehr, da es nur noch von Hausbooten und Ausflugsschiffen genutzt wird.

small kelpies Fallkirk Wheel Spinagel

Wieder auf dem Parkplatz angekommen verabschieden uns zwei Modelle unserer mystischen Wassergeister vom Tagesanfang. Selbst diese schauen trotz ihres Maßstabes von circa 1:10 immer noch von oben auf uns herab.

Text und Fotos: Boris Kohnke, Juni 2017

Directions

The Helix/The Kelpies

Die Kelpies im Park The Helix erreicht man am einfachsten indem man von der M9 auf die A904 abbiegt und in Richtugn Stadtmitte fährt. An den nächsten beiden Kreisverkehren jeweils rechts abbiegen und man ist auf dem Parkplatz. Der Parkplatz gleich nach dem letzten Kreisverkehr ist kostenlos, man läuft dann aber ein paar Minuten. Dichter an den Kelpies kostet das Tagesticket 3 Pfund.

Postleitzahl für das Navi: FK2 7ZT
Webseite: www.thehelix.co.uk

Falkirk Wheel

Aus Edinburgh die M9 Richtung Stirling fahren und die Ausfahrt 8 nehmen. Danach einfach den braunen Schildern Richtung The Falkirk Wheel folgen.

Postleitzahl für das Navi: FK1 4RS
Webseite: www.thefalkirkwheel.co.uk