Whiskygeschichten

In dieser Kategorie findet ihr ausführlichere Berichte und Geschichten rund um das schottische Wasser des Lebens.Den Anfang macht eine Erklärung wie auf der Insel Islay ein Whisky hergestellt wird. Natürlich ist der grundlegende Prozess überall in der Whiskyherstellung identisch.

WIE WIRD DER ISLAY-SINGLE-MALT-WHISKY GEMACHT?

Weiter geht es mit zwei Reiseberichten von meinen Schottland-Ausflügen nach Islay

SCHOTTLAND – DIE SCHÖNSTE DER INNEREN HEBRIDEN

und in die Speyside

SPEYSIDE – WELCOME TO PARADISE

Einen Extrabeitrag haben aus meiner Sicht die Fässer und deren Produktion und Instandhaltung verdient. Immerhin kommen über 80 % des Geschmacks aus den verwendeten Fässern und nicht, wie es einige Tourguides in den Brennereien ihren Besuchern immer wieder weismachen wollen aus den Stills und Ihren über Jahre entstandenen Beulen. Viele der in Schottland verwendeten Fässer kommen aus Craigallachie:

CRAIGELLACHIE – BRETTER, DIE DIE WELT BEDEUTEN

Wer nicht nur guten Whisky unter fachkundiger Aufsicht genießen möchte, sondern auch den schottischen Spirit erleben will, der sollte sich am 25. Januar auf Amrum einfinden. Dort wird dank dem whiskybegeisterten Jan van der Weppen in der Blauen Maus jedes Jahr die Robert Burns Night zu Ehren des schottischen Nationaldichters gefeiert. Natürlich mit Piper, Haggis Neeps and Tatties und einer grandiosen Auswahl an schottischen Whiskys.

AMRUM – SLÀINTE, ROBERT BURNS!

Talisker distillery

 

Woher kommt guter Single-Malt-Whisky?

Bei Single Malt denkt jeder natürlich erst einmal an Schottland. Hier wird je nach Region Whisky mit sehr unterschiedlichem Charakter hergestellt. Guter Single-Malt-Whisky wird aber auch in vielen anderen Ländern gebrannt, so gibt es z. B. aus Japan, Indien, Frankreich, Dänemark oder Schweden ausgezeichnete Destillate. Indien ist übrigens der mengenmäßig größte Whiskyproduzent. Selbst in Deutschland gibt es über 50, meist kleine Brennereien, die sich dem Whisky widmen. Von „netter Versuch“ bis „wow“ ist auch in unserem Land geschmacklich alles anzutreffen.

Alle Brennereien, die ich hier vorstelle, habe ich selbst besucht und die beschriebenen Whiskys der jeweiligen Destille verkostet. Die Geschmacksbewertungen sind also meine persönliche Meinung.Von vielen Brennereien habe ich deutlich mehr Whiskys verkostet, vielleicht schreibe ich auch zu diesen irgendwann noch ein paar Tastingnotes..

 

Dänemark

Dänemark hört sich im ersten Moment nicht unbedingt nach einem Whiskyland an, von der Anzahl der Destillerien stimmt das sicherlich auch. Aber die eine, die ich bis jetzt dort besucht habe hat es in sich. Nicht umsonst wird der Whisky aus der Brennerei Stauning im weltbesten Retaurant Noma in Kopenhagen ausgeschenkt und Jim Murray vergibt regelmäßig sehr gute Noten für deren Whiskys.

stauning-whisky

Das liegt mit Sicherheit an der Kreativität des Brennmeisters und den teilweise ungewöhnlichen Rohstoffen. Mal sehen, ob dieses gute Beispiel der Whiskyherstellung sich noch weiter in Dänemark verbreitet.

 

Schottland

Schottland ist die Wiege des Whiskys. Hier wurde im 5. Jahrhundert zum ersten Mal durch christliche Missionare Whisky destilliert. Heutzutage wird noch in gut hundert aktiven Destillen Whisky gebrannt. Schottland ist nach Indien der weltweit zweitgrößte Whiskyproduzent.

Flagge Schottland (c) spinagel.de

Regionen

Je nach Region haben die schottischen Whiskys einen ganz unterschiedlichen Charakter und das trotz eigentlich identischer Rohstoffe und Herstellung. Der Einfluss von minimalen Abweichungen bei den Ausgangsstoffen, z. B. beim Mineralstoffgehalt des verwendeten Wassers, dem Hefestamm oder der Qualität der Gerste, hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Endprodukt. Weitaus wichtiger sind aber der Destillationsprozess, der Ausbau des Rohwhiskys durch verschiedene Fässer und die Lagerungsbedingungen. Hier unterscheiden sich die einzelnen Regionen oft eindeutig.

Schottischen Whisky unterteilt man je nach Herkunft in sechs verschiedene Ursprungs-Regionen: Campbeltown, Highlands, Islands, Islay, Lowlands, Speyside.

 

Highlands

Die Whiskys der Highlands decken eine große geschmackliche Bandbreite ab. Von den kräftigen Malts der nördlichen Highlands über die den Speysidewhiskys sehr ähnlichen Tropfen der östlichen Highlands und den fruchtigen Whiskys der zentralen Highlands bis hin zu den salzigen und leicht torfigen Destillaten der westlichen Highlands reicht die geschmackliche Varianz dieser Whiskyregion.

Highlands (c) spinagel.de

Diese Whiskyregion ist flächenmäßig das größte schottische Whiskygebiet und erstreckt sich von den Inseln der Westküste bis zur Nordsee. Mit über 25 Brennereien findet der Whiskyliebhaber hier die Region mit der zweitgrößten Anzahl an aktiven Destillen. Der englische Einfluss ist weniger stark ausgeprägt als in den anderen Teilen Schottlands. in diesem Teil der Insel haben sich jahrhundertealte Traditionen und eine gelebte Clanstruktur bis heute erhalten. Die Enklave Speyside ist geographisch Teil der Highlands, wird aber wegen ihres speziellen Whiskycharakters als eigenständige Region betrachtet.
Das heutige Aussehen mit den weiten, waldlosen und unbesiedelte Flächen ist hauptsächlich auf die Vertreibung der ursprünglich ansässigen Bevölkerung zwischen 1762 und 1884, die Highland Clearances, zurückzuführen.

Highlands castle (c) spinagel.de

 

Ardnamurchan

Ardnamurchan distillery

Ardnamurchan Brennerei

Eine neue Brennerei in Schottland, das kommt nicht mehr so häufig vor. Mit der Ardnamurchan Distillery in Glenbeg hat die Adelphi Distilleries Ltd, die sich bis jetzt nur als unabhängiger Abfüller einen guten Namen gemacht hat, diesen Schritt gewagt.

Ardnamurchan ist eine Halbinsel in einer der entlegensten Gegenden Schottlands. Die wenigen Häuser, die die Ortschaft Gelnbeg ausmachen sind nur über eine Single-Track-Road zu erreichen. In Deutschland würde die Straße als breiter Fahrradweg durchgehen. Das wurde auch für die Ardnamurchan-Brennerei zum Problem, der Weg zur Destille führt über eine Brücke, die nur 3,30 m breit ist. Das breiteste Teil in der Brennerei ist mit ziemlich genau 3,30 Metern die Mash Tun, alles andere ist kleiner, oder wurde vor Ort zusammengesetzt.

Ich bin schon jetzt gespannt auf die ersten Whiskys aus dieser Brennerei, die 2022 auf den Markt kommen sollen.

Ardnamurchan Mash Tun

Ardnamurchan Mash Tun

Ardnamurchan nennt sich selbst vollmundig „Scotlands greenest distillery“, dass fast alle Nebenprodukte der Whiskyherstellung irgendwie weiterverwendet werden ist dabei eigentlich normal. Ardnamurchan versucht in Sachen Nachhaltigkeit noch ein wenig weiter zu gehen und heizt seine Stills mit Hackschnitzeln aus heimischen Wäldern. Zusätzlich soll auf den Warehouses eine Solaranlage installiert werden, die einen Großteil der benötigten elektrischen Energie der Brennerei erzeugt. Das hat zwar nichts mit der Qualität des eigentlichen Produkts zu tun, ist aber einerseits ein USP, der dem Zeitgeist entspricht, andererseits gut für unsere Umwelt.

Steckbrief

NameArdnamurchan
BedeutungName der Halbinsel, auf der die Brennerei liegt
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerAdelphi Distillery Ltd
Webseitewww.adelphidistillery.com
Gegründet2013
Produktionsvolumen100.000 l
Ardnamurchan Visitor Center

Ardnamurchan Visitor Center

 

Besonderheiten

Diese Brennerei ist anders als andere Destillen. Ein paar der Besonderheiten, die man sonst in keiner Brennerei findet:

  • Die Washbacks sind aus Eiche und nicht wie bei allen anderen Brennereien, die ich kenne aus Edelstahl oder Douglasie (Oregon Pine). Dadurch sollen sie einerseits den Charakter eines aus Holz gefertigten Washbacks haben, aber deutlich länger halten solche aus Douglasie.
  • Die Brennblasen werden mit Hackschnitzeln aus heimischer Holzwirtschaft beheizt.
  • Ardnamurchan besitzt eine eigene Mälzerei, die schon betriebsbereit ist aber erst 2018 in Betrieb genommen werden soll. Dort wird Rauchmalz (peated malt) nach eigener Rezeptur hergestellt.
  • Die mögliche Produktionskapazität ist mit 500.000 Litern pro Jahr relativ klein. Zurzeit werden davon im Einschichtbetrieb auch nur 100.000 Liter jährlich erzeugt.
Ardnamurchan Brennblasen

Ardnamurchan Brennblasen

Leckere Tropfen

Da die ersten Brennereierzeugnisse erst 2014 eingelagert wurde, gab es bei meinem Besuch im Juli 2017 noch keinen Whisky. Der muss mindestens drei Jahre und einen Tag gelagert werden um sich so nennen zu dürfen.

Für die ganz ungeduldigen hat sich Ardnamurchan einen Trick einfallen lassen: Der Rohbrand wird in besonders kleinen Fässern gelagert und nach weniger als drei Jahren als „Warehouse Release“ abgefüllt. Aus den kleinen Fässern gehen die Aromastoffe, aufgrund der größeren berührten Oberfläche schneller in den Alkohol über, die Reifung wird also beschleunigt. Whisky darf sich dieses Produkt nicht nennen und den Geschmack eines lang gelagerten Whiskys kann man damit auch nicht kopieren. Die Stilrichtung des Whisky ist aber durchaus schon erkennbar. Die Batch 2/2017 des Warehouse Release hat mir schon recht gut gefallen. Whiskyliebhaber müssen sich aber noch bis 2022 gedulden. Dann soll der erste 8-jährige Ardnamurchan auf den Markt kommen. Ich warte jetzt schon gespannt auf die Peated-Version aus Ardnamurchan.

Ardnamurchan Warehouse Release

Ardnamurchan Warehouse Release

 

Dalmore

 

Dalmore Brennerei spinagel

Dalmore Brennerei

Der 12-Ender des Dalmore-Logos geht der Legende nach darauf zurück, dass der Chef des Mackenzie-Clans dem englischen König Alexander III 1263 auf einem Jagdausflug das Leben gerettet hat. Zum Dank durften die Mackenzies ab diesem Zeitpunkt zum Dank einen 12-Ender im Wappen führen, was normalerweise dem Königshaus vorbehalten war. Als die Brüder Andrew and Charles Mackenzie 1867 die Dalmore-Brennerei übernahmen, haben Sie den königlichen Teil des Familienwappens auf hre Whiskys gebracht. Die Destille liegt malerisch am Cromarty Firth, in dem in unmittelbarer Nähe mehrere Ölbohrplattformen liegen, eine sehr skurile Kombination.

Steckbrief

NameDalmore
BedeutungName des Ortes
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerWhyte & Mackay Ltd.
Webseitewww.thedalmore.com
Gegründet1839
Produktionsvolumen4.200.000 l

 

Dalmore Fasstransporter spinagel

Besonderheiten

Die Whiskys werden fast ausschließlich mit 40 % abgefüllt, ob das schottische Sparsamkeit ist oder der Geschmackskomposition geschuldet ist, weiß wohl nur der Brennmeister. Dalmore benutzt Lomond Stills, die sich durch drei perforierte Platten auszeichnen, welche separat gekühlt werden können. Dadurch ist es möglich verschiedene Whiskys in derselben Brennblase herzustellen. Die Matusalem Oloroso Sherry Butts aus der Bodega Gonzalez Byass bezieht Dalmore seit vielen Jahren exklusiv.

Leckere Tropfen

Dalmore 12 Jahre: Die bei weitem bekannteste Abfüllung von Dalmore. Reifung in Bourbon- und spanischen Oloroso Sherryfässern. Ein sehr komplexer Malt, mit leichten aber deutlichen Zitrusnoten, würzig, mit einem Anklang von Schokolade und Vanille.

Dalmore Cigar Malt Reserve: Als Ergänzung zur Zigarre komponiert geht dieser Single-Malt auch prima ohne Rauchwerk. Würzige Süße mit Tiefgang, ein Hauch Bergamotte un deutliche Karamellnoten, zeichnen diesen in drei verschiedenen Fässern (Bourbon-, Matusalem Oloroso Sherry- und Cabernet Sauvignon-Fässer) gereiften Whisky aus.

Dalmore Still Austausch Sprit safe spinagelDalmore Still Austausch Sprit safe spinagel

Dalmore Austausch einer Brennblase und Sprit-safe

Dalmore Visitor Center spinagel

Dalmore Visitor Center

 

Oban

Oban Brennerei

Oban Brennerei

Direkt unterhalb des McCaig’s Towers, dem nicht fertiggestellte Nachbau des Kolosseums in Rom befindet sich die Brennerei Oban. 1794 wurde die Destille von den Brüdern John und Hugh Stevenson gegründet. In den folgenden Jahren siedelten sich um die Brennerei immer mehr Personen an und gründeten die Hafenstadt Oban.

Die Destille gehört zur Region der Highlands, obwohl sie direkt an der Küste liegt. Das Wasser für den Whisky stammt aus dem nahgelegenen Loch Gleann a’Bherraidh.

Steckbrief

NameOban
BedeutungName des Ortes
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerMoët Hennessy Louis Vuitton
Webseitehttp://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Oban
Gegründet1794
Produktionsvolumen670.000 l

Besonderheiten

Eine der kleinsten und ältesten Brennereien in Schottland. Mit nur zwei pot stills wird hier guter Whisky gemacht.

Leckere Tropfen

Oban 14 Jahre: Der Klassiker aus Oban, zarter Rauch, leicht fruchtig mit einer Spur Salz.

Oban Distillers Edition: Fruchtig, ausgeprägte Süße, mit einem Hauch Salz und geröstetem Karamel.

Oban Brennerei

Oban Brennerei

 

Tomatin

Tomatin Whisky Schottland Spinagel

Schon kurz nach der Einfahrt erkennt man dass hier nicht gekleckert wird, das Gelände ist deutlich größer als bei anderen Brennereien. Zum Besucherzentrum kommt man erst, nachdem man an etlichen Häusern mit Werkswohnungen vorbeigefahren ist. Auch die Produktion setzt Maßstäbe, Tomatin ist mit seinen 23 Stills eine der Brennereien mit der größten Produktionskapazität in Schottland. Zurzeit sind noch 12 Still im aktiven Betrieb, die jährlich ungefähr 5 Millionen Liter reinen Alkohol produzieren. Damit ist Tomatin mengenmäßig immer noch unter den Top 10 der schottischen Whiskyproduzenten. Die Destille wurde 1986 von den japanischen Kapitalgebern Takara Shuzo Co. and Okara & Co. aufgekauft und war damit die erste Brennerei Schottlands im japanischen Besitz.Der größte Teil der Produktion wird für Blends wie z. B. „Antiquary“ und „The Talisman“ verwendet, daneben stellt Tomatin auch noch eine Reihe hervorragender Single-Malts her.

Steckbrief

NameTomatin
BedeutungName des Ortes
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerTakara Shuzo
Webseitehttp://www.tomatin.com
Gegründet1897
Produktionsvolumen5.000.000 l

Besonderheiten

Auf den großen Betriebsgelände befinden sich Betriebswohnungen für 25 Mitarbeiterfamilien, außerdem ist Tomatin auf einer Höhe von 315 m über dem Meeresspiegel eine der höchstgelegenen Brennereien der Highlands.

Leckere Tropfen

Tomatin 12 Jahre: Der Klassiker aus Tomatin. Bourbon- und Sherrryfass-Finish. Leichte Süße, dezente Fruchtnoten, ein unauffälliger, aber trotzdem sehr runder Highlandwhisky.

Tomatin Cù Bòcan: Einer der wenigen Tomatins mit ein wenig Rauch (ca. 15 ppm), limitiert auf 13.000 Flaschen. Sehr leichter Rauch, deutliche Süße, frische Noten von Zitrusfrüchten und einem leichten Weihnachtsbukett von Anis, Nelke und Zimt.
Der Legende nach wurden die Bewohner der Gegend um Tomatin von einem Geisterhund (Cù Bòcan) behelligt, der sich vor seiner Entdeckung in Rauch auflöste, der über die Moore der Highlands hinweg verschwand.

Tomatin Distillery Schottland Spinagel

Tomatin Warehouse Schottland Spinagel

 

Islands

Die Whiskyregion Islands besteht aus den Inseln Arran, Jura, Lewis, Mull, Skye und der Inselgruppe der Orkneys. Als kleinste Whiskyregion Schottlands findet man hier nur insgesamt 7 aktive Destillen. Auf den Orkneys ist mit Highland Park die nördlichste der schottischen Whiskybrennereien neben der Scapa Destillerie zu finden. Die einzige Destille der Insel Skye ist Talisker. Ebenfalls nur eine Brennerei liegt auf  Arran (Arran) und auf der kleinen Insel Jura (Isle of Jura) mit ihren nur 180 Einwohnern.

Küste der Insel Skye

Küste der Insel Skye

Die restlichen zwei Brennereien der Region Islands sind auf der Insel Mull (Tobermory, Lediag) angesiedelt. Die Whiskys der Inseln liegen geschmacklich meistens zwischen den Speyside-Whiskys mit ihrer Süße und den Islay-Whiskys mit ihrer Torfigkeit. Sie haben jedoch keinen so eigenständigen Charakter wie die Whiskys der anderen Regionen in Schottland.

 

Talisker

Talisker Brennerei (c) spinagel.de

Talisker Brennerei

Steckbrief

NameTalisker
BedeutungInsel im Nebel
LandSchottland
RegionInseln
EigentümerDiageo
Webseitehttp://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Talisker 
Gegründet1831
Produktionsvolumen2.000.000 l

Besonderheiten

Talisker ist die einzige Destille auf der größten Hebrideninsel Skye. Die Herstellung ist relativ altmodisch und sorgt für Whiskys mit einem hohen geschmacklichen Wiedererkennungswert. Durch eine kleine Unachtsamkeit, ein versehentlich nicht geschlossenes Ventil, brannte die gesamte Brennerei im November 1960 ab. Erst zwei Jahre später wurde die Destille mit möglichst originalgetreuen Kopien der Brennblasen wieder eröffnet.

Leckere Tropfen

Die Talisker-Whiskys sind relativ rauchig und haben einen typisch intensiven Geschmack. Der 10–jährige Talisker ist Bestandteil der 13 „Classic Malts“ der Firma Diageo.

Talisker 10 Jahre: Deutliche Süße, sehr trocken und pfeffrig, lang anhaltender Geschmack.

Talisker 18 Jahre: Gegenüber dem 10-Jährigen deutlich komplexeres Aroma und eine noch intensivere Süße durch die Lagerung in Amoroso-Sherryfässern.

 

Talisker distillery

Talisker Brennerei

 

Talisker Lagerhaus

Talisker Lagerhaus

 

Islay

Mit einer Größe von gerade einmal 40 x 32 Kilometern ist die Hebriden-Insel Islay die kleinste der schottischen Whiskyregionen. Die hier produzierten Whiskys sind besonders ausdrucksstark und fast alle werden mit getorftem Malz hergestellt. Dies kann man am mehr oder weniger starken Rauchgeschmack dieser besonderen Tropfen erkennen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lagerung in absoluter Meeresnähe.

 

Islay - Bowmore Brennerei (c) spinagel.de

Islay – Bowmore Brennerei von der Seeseite

 

Auf Islay ist kein Ort mehr als 8 km von der Küste entfernt, die Warehouses, in denen der Whisky während seiner Reifungsperiode gelagert wird, sind sogar alle unmittelbar am Meer. Dadurch erhalten die Islay-Whiskys neben ihrem torfigen Geschmack auch viele marine Aromen, wie z. B. Salz, Algen oder Jod. Die Islay-Whiskys sind speziell, besonders die an Medizin erinnernden Laphroigs sind nicht unbedingt für den Whisky-Anfänger geeignet. Wer noch etwas mehr über die schönste der inneren Hebriden erfahren möchte, kann hier weiterlesen. Auf Islay wird in folgenden Brennereien Whisky hergestellt: Ardbeg, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Kilchoman, Lagavulin und Laphroaig.

 

Ardbeg

Ardbeg Warehouse (c) Spinagel.de

Ardbeg Lagerhaus

Steckbrief

NameArdbeg
Bedeutungard bheag – kleine Anhöhe
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerMoët Hennessy Louis Vuitton
Webseitewww.ardbeg.com
Gegründet1815
Produktionsvolumen1.000.000 l

Besonderheiten

Typisch für den Whisky ist der starke Anteil an Rauch und Torf, aber auch eine sehr deutliche Note, die an Medizin erinnert, bedingt durch den vergleichsweise recht hohen Phenolgehalt. Hinzu kommt eine für Ardbeg charakteristische Zitrusnote. Unter Liebhabern ist der Whisky ein begehrtes Sammelobjekt.

Leckere Tropfen

Einer der Standard-Whiskys aus Islay ist für mich der Ardbeg Ten, kräftig, rauchig, hoher Phenolgehalt und mit der für Ardbeg typischen Zitrusnote. Jim Murray hat diesen Whisky 2008 zum Whisky des Jahres gekürt.

Sehr schöne Whiskys sind der:

  • Ardbeg Alligator (benannt nach dem einer Alligatorhaut ähnlichen Inneren eines frisch ausgebrannten Fasses).
  • Ardbeg Supernova, ein ordentlich getorfter (100 ppm) Whisky in Fassstärke.

Beide sind inzwischen nicht mehr direkt erhältlich und dementsprechend teuer.

Ardbeg visitor center (c) Spinagel.de

Ardbeg Besucherzentrum

Ardbeg Tastingroom (c) Spinagel.de

Ardbeg Verkostungsraum

Ardbeg Spirit Safe (c) Spinagel.de

Ardbeg Spirit-Safe

 

 

Bowmore

Bowmore destillery (c) Spinagel.de

Bowmore Destillerie

Steckbrief

NameBowmore
BedeutungBenannt nach der Stadt Bowmore
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerSuntory
Webseitewww.bowmore.com 
Gegründet1779
Produktionsvolumen2.000.000 l

Besonderheiten

 Typisch für Bowmore-Whiskys ist neben einer dezenten bis intensiven Rauchnote ein Sherryfass-Finish und eine häufig deutliche Salznote. Bei Flut stehen einige der Warehouses von Bowmore gut einen Meter im Salzwasser.

Leckere Tropfen

  • Mein Liebling unter den Standard-Whiskys aus Islay ist für mich der 12-jährige Bowmore. Ausgewogen rund und leicht süßlich, mit einer präsenten Rauchnote. Dieser Whisky geht immer.
  • Bowmore Darkest, 15 Jahre. Durch Endreifung in First-Fill-Oloroso-Sherryfässern erhält dieser Bowmore sein typisches Aroma, im Abgang mit deutlichen Noten von schwarzer Johannisbeere. Etwas Besonderes innerhalb der Bowmores.
  • Bowmore Mariner. Dieser 15-Jährige ist deutlich rauchiger als die meisten anderen Bowmores, hat aber auch den für Bowmore typischen sanften Abgang.
Bowmore malting room (c) Spinagel.de

Bowmore Malzboden

 

Bowmore mill (c) Spinagel.de

Bowmore Mühle

Bowmore stills (c) Spinagel.de

Bowmore Destillen

Bowmore tasting room (c) Spinagel.de

Bowmore Verkostungsraum

 

Bruichladdich

Bruichladdich destillery

Bruichladdich Brennerei

Steckbrief

NameBruichladdich
BedeutungEcke am Strand
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerRémy Cointreau
Webseitewww.bruichladdich.com
Gegründet1881
Produktionsvolumen1.500.000 l

Besonderheiten

Bruichladdich ist eine der innovativsten Destillerien auf Islay. Neben den klassischen zweifach destillierten Whiskys hat Bruichladdich auch dreifach (Trestarig) und vierfach destillierte (X4) Whiskys im Angebot. Teilweise werden auch ungewöhnliche Fässer zum Ausbau verwendet oder mit extremen Rauchgehalten experimentiert. Eine weitere Besonderheit für Islay ist, dass die Brennerei über eine eigene Böttcherei und eine Flaschenabfüllung verfügt.

Leckere Tropfen

  • Für Freunde des rauchigen Whiskys ist sicherlich der Octomore ein Muss. Der weltweit am stärksten getorfte Whisky hat Phenolgehalte zwischen 131 und 169 ppm und liegt damit bei mindestens dem vierfachen des auf Islay üblichen.
  • Eine für die Insel einzigartige Spezialität ist der Botanist Gin, der ausschließlich mit Kräutern aus Islay aromatisiert wird und in einer speziellen Destille, der Ugly Betty, gebrannt wird.
  • Der Port Charlotte PC11 ist ein leckerer gut getorfter Whisky in Fassstärke, der neben den komplexen Raucharomen auch eine sehr dominante Süße und Fruchtigkeit besitzt.

 

Bruichladdich spirit safe (c) Spinagel.de

Bruichladdich Spiritsafe

Bruichladdich stills (c) Spinagel.de

Bruichladdich Brennblasen

Bruichladdich ugly betty (c) Spinagel.de

Bruichladdich Ugly Betty

Bruichladdich Destillerie

Bruichladdich Destillerie

 

Bunnahabhain

Bunnahabhain Destillerie

Bunnahabhain Warehouse

Steckbrief

NameBunnahabhain
BedeutungMündung des Flusses
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerBurn Stewart Distillers Ltd.
Webseitewww.bunnahabhain.com
Gegründet1881
Produktionsvolumen2.500.000 l

Besonderheiten

Die Brennerei ist etwas abseits in einer idyllischen Bucht des Islay-Sunds gelegen. Auf dem Weg dahin hofft man an den engen Stellen, dass einem jetzt kein Whiskytanker entgegenkommt.
Die Whiskys sind bekannt für ihren geringen Rauchgehalt. Destilliert wird in den zurzeit größten spirit stills Schottlands.

Leckere Tropfen

  • Bunnahabhain 12 Jahre: Ein Freund von mir fühlt sich jedes Mal auf den Deich vor St. Peter-Ording versetzt, wenn er diesen Tropfen probiert. Wer beim Tasting die Augen schließt und tief einatmet wird vielleicht auch einen Hauch von Nordseeluft spüren. Ein schöner leicht getorfter Whisky.
  • The MacPhail’s Collection from Bunnahabhain Distillery Peated 8 Years Old: Dezenter Rauch, Fruchtaromen und eine leichte Salzigkeit. Ein typischer Islay Single Malt vom unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail.

 

Bunnahabhain Anleger am Islay Sund

Bunnahabhain Anleger am Islay Sund

Bunnahabhain casks (c) spinagel.de

Bunnahabhain Fässer

 

Bunnahabhain Eingang der Brennerei

Bunnahabhain Eingang der Brennerei

 

 

 

Caol Ila

Caol Ila warehouse (c) spinagel.de

Steckbrief

NameCaol Ila
BedeutungSund von Islay
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerDiageo
Webseitehttp://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Caol-Ila 
Gegründet1846
Produktionsvolumen6.500.000 l

Besonderheiten

Die Brennerei liegt in einer malerischen Bucht etwas nördlich von Port Askaig. Mit einer Produktion von zurzeit 6,5 Millionen Litern ist Caol Ila die größte Brennerei auf Islay. Der überwiegende Teil der Produktion wird für Blends verwendet und entgeht so leider dem Single-Malt-Liebhaber.

Leckere Tropfen

  • Coal Ila 12 Jahre: Der 12-Jährige gehört zur 13 Whiskys umfassenden Classic-Malts-Selection aus dem Diageo-Konzern. Leichter Torfrauch, eine dezente Öligkeit und ein langer Abgang kennzeichnen diesen Tropfen. Gut als Aperitif geeignet.

Caol Ila destillery (c) spinagel.de

 

 

 

 

 

Kilchoman

Kilchoman cask no. 1 (c) spinagel.de

Kilchoman – Erstes Fass 2005

Steckbrief

NameKilchoman
BedeutungName der Gemeinde am Standort der Destille
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerKilchoman Distillery Co Ltd
Webseitewww.kilchomandistillery.com
Gegründet2005
Produktionsvolumen120.000 l

Besonderheiten

Kilchoman ist die erste Destillerie, die seit 124 Jahren auf Islay eröffnet wurde. Als Einzige Brennerei auf Islay liegt diese kleine Farmdestille
nicht direkt am Meer. Für den 100 % Islay-Whisky wird die eigene Gerste von der Rockside Farm verwendet.

Leckere Tropfen

Machir Bay 3,5 Jahre: Rauchig, fruchtig, intensive Süße und leichte Vanillenote. Für einen so jungen Whisky ein echter Knaller.
Jedes Jahr werden neue Fässer abgefüllt, man kann den Reifeprozess also hautnah miterleben.
100 % Islay: Alle Zutaten dieses Whiskys kommen von der Insel Islay. Nicht ganz so intensiv wie der Machir Bay, etwas weniger Rauch, dafür deutliche Zitrusnoten. Beide Whiskys sind weder kältefiltriert oder gefärbt.

 

 

Kilchoman still (c) spinagel.de

Kilchoman Brennblasen

 

Kilchoman spirit safe (c) spinagel.de

Kilchoman spirit safe

 

Kilchoman warehouse (c) spinagel.de

Kilchoman Lagerhaus

 

Lagavulin

 

Lagavulin distillery (c) spinagel.de

Lagavulin-Brennerei

 

Steckbrief

NameLagavulin
BedeutungDie Senke, in der die Mühle steht
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerDiageo
Webseitehttp://www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Lagavulin 
Gegründet1816
Produktionsvolumen2.250.000 l

Besonderheiten

Kaum eine andere schottische Brennerei hat mit einem so kleinen Sortiment einen derartigen Erfolg. Lange Zeit gab es nur den 16-jährigen, erst in den letzten 10 Jahren sind weitere Abfüllungen dazugekommen. Unabhängige Abfüllungen sind selten und dürfen die Herkunft aus der Lagavulin-Brennerei nicht erwähnen.

Leckere Tropfen

Lagavulin 16 Jahre: Ein klassischer Islay-Whisky, sehr torfig, langer Abgang, mit reichlich Süße am Ende. Lange Zeit war dies mein Lieblingswhisky, bis er durch die 16-jährige Distillers Edition abgelöst wurde. Bei diesem Whisky wird der normale 16-Jährige für sechs Monate in Pedro-Ximenez-Fässern nachgereift. Dadurch kommen die Sherrysüße und Zitrus- und Vanillenoten noch besser zum Vorschein.

 

Lagavulin distillery coast (c) spinagel.de

Lagavulin Destille Seeseite

 

 

Lagavulin stills (c) spinagel.de

Lagavulin stills

 

 

Lagavulin visitor center (c) spinagel.de

Lagavulin Besucherzentrum

 

 

Laphroaig

Laphroig destillery (c) spinagel.de

Laphroaig Brennerei

 

Steckbrief

NameLaphroaig
BedeutungNiederung an der breiten Bucht
LandSchottland
RegionIslay
EigentümerFortune Brands
Webseitewww.laphroaig.com
Gegründet1815
Produktionsvolumen2.700.000 l

Besonderheiten

Die Whiskies aus der südlichsten Brennerei auf Islay sind speziell und nur für Freunde von extrem torfigen Whiskies zu empfehlen. Viele Laphroaigs haben einen ausgeprägt phenolischen Charakter, der die meisten Erst-Taster an Medizin erinnert. Wer Mitglied im „Friends of Laphroaig“-Club ist, bekommt bei einem Besuch der Destille nicht nur ein extra Dram Laphroaig, sondern kann sein persönliches Stück Land an dem Flusslauf in Besitz nehmen, der die Brennerei mit Wasser versorgt.

Leckere Tropfen

Laphroaig 10 Jahre: Der Klassiker, sehr medizinisch-phenolischer Geschmack, trocken mit lang anhaltendem Abgang.

Laphroaig Quarter Cask: Noch etwas schärfer und trockener als der 10-jährige, aber nicht ganz so komplex.

Laphroaig Triple Wood: Mein Favorit. Gereift in ex-Bourbon-Fässern, kleinen Quarter-Casks und abschließend in Oloroso Sherryfässern. Deutlich runder und weicher als die beiden ersten Abfüllungen, ausgeprägte Süße und fruchtige Noten.

Laphroaig malting floor (c) spinagel.de

Laphroaig Malzboden

 

 

Laphroaig peat fire (c) spinagel.de

Laphroaig Torffeuer

 

Laphroaig still (c) spinagel.de

Laphroaig Brennblase

 

Laphroaig spirit safe (c) spinagel.de

Laphroaig spirit-safe

 

 

Laphroaig warehouse (c) spinagel.de

Laphroaig Lagerhaus

 

Laphroaig wellington boots (c) spinagel.de

Laphroaig Besucherzentrum

 

 

Lowlands

Für Single-Malt-Freunde hat die Whiskyregion der Lowlands zurzeit noch drei aktive Destillen zu verzeichnen. Neben Glenkinchie, in der Nähe von Edinburgh sind dies Auchentosan und als kleinste Destille der Region Bladnoch. Hin und wieder tauchen Whiskys der 1993 geschlossenen Destille Rosebank zu teilweise astronomischen Preisen auf. Neben der Malt-Whisky-Produktion befinden sich in den Lowlands noch etliche Grain-Whisky-Produzenten.

Die Region Lowland liegt im Süden Schottlands direkt an der Grenze zu England.

Sonnenuntergang in Edinburgh über Newhaven

Edinburgh/Newhaven

Die Whiskys aus der Region Lowlands sind mild, häufig fruchtig und weich, getorfte Whiskys mit rauchigem Aroma findet man hier eigentlich gar nicht. Der größte Teil der Produktion dieser Region wird für Blends verwendet.

Außerdem sind die Whiskys (wenn sie nicht gefärbt sind) heller als die Vertreter der anderen Regionen. Lowland Wiskys sind vom Charakter her den irischen Whiskys sehr ähnlich, bei Auchentosan wird sogar, wie in Irland üblich dreifach gebrannt.

Aufgrund Ihres leichten Charakters werden die Lowland-Whiskys von den Schotten gerne als Breakfast-Whisky bezeichnet.

 

Auchentoshan

Auchentoshan Brennerei

Auchentoshan Brennerei

Auchentoshan liegt unmittelbar in der Nähe der größten schottischen Stadt, Glasgow. Sie ist nicht nur eine der wenigen verbliebenen Lowland-Brennereien, sondern zeichnet sich auch durch ein Produktionsverfahren aus, dass man sonst nur von irischen Whiskys kennt: Hier wird alles dreifach gebrannt.

Steckbrief

NameAuchentoshan
BedeutungEcke des Feldes
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerBeam Suntory Inc
Webseitehttp://www.auchentoshan.com
Gegründet1823
Produktionsvolumen1.500.000 l
Auchentoshan Stills

Auchentoshan Stills

 

Besonderheiten

Die Brennerei Auchentoshan unterscheidet ein Schritt im Produktionsprozess von allen anderen schottischen Whiskyherstellern: Hier wird jeder Tropfen Whisky dreifach destilliert. Der Rohalkohol ist dadurch reiner und das Endprodukt ist weniger „scharf“. Die Whiskys sind entsprechend leicht und weich.

Noch etwas war für mich als Besucher außergewöhnlich: Normalerweise wird am Ende einer Führung Whisky verkostet. Wer dabei in die Tasting-Drams etwas anderes als ein paar Tropfen Wasser mischt riskiert alles zwischen einem empörten Blick und einem Rauswurf. Nach der Tour bei Auchentoshan bekommen die Besucher nach dem ersten Dram einen kleinen orangen Becher mit einem Whisky-Cocktail. Richtig gelesen, der gute Single-Malt wird mit ein paar süßen und fruchtigen Zutaten und einem Schuss Ale zu einem Cocktail verarbeitet. Das lässt den Puristen zwar spontan graue Haare wachsen, ist aber nicht unlecker.

Auchentoshan Tasting room

Auchentoshan Tasting room

Leckere Tropfen

Auchentoshan American Oak: Der Standard-Whisky dieser Brennerei. Leicht, deutliche Vanille, etwas grüner Apfel und ein Hauch Karamell.

Auchentoshan 18 Jahre: Süß, blumig, saftige Zitrusnoten, weich und rund und ein langer Abgang. Eigentlich bin ich kein Freund dieses Whisky-Stils, der 18-jährige hat mir aber auf Anhieb gefallen. Sanft, süß und fruchtig in perfekter Harmonie. Ein sehr guter Einstiegswhisky, der wahrscheinlich fast jedem schmeckt.

Auchentoshan Mash Tun

Auchentoshan Mash Tun

 

Auchentoshan Warehouse

Auchentoshan Warehouse

 

Glenkinchie

Glenkinchie Tasting

Glenkinchie Tasting

.Steckbrief

NameGlenkinchie
BedeutungName der Familie (de Quincy) im Lowland-Dialekt, auf deren Land die Brennerei gebaut wurde.
LandSchottland
RegionLowlands
EigentümerDiageo
Webseitewww.discovering-distilleries.com/glenkinchie/
Gegründet1825
Produktionsvolumen2.000.000 l
Glenkinchie Brennerei

Glenkinchie Brennerei

 

Besonderheiten

Glenkinchie besitzt mit einem Fassungsvermögen von knapp 31.000 Litern die größte Washstill aller schottischen Whiskybrennereien. Wer die Destille besucht, sollte sich das Museum in der alten Mälzerei ansehen. Dort wird unter anderem an einem liebevoll mit vielen Details nachgebauten Modell der Prozess der Whiskyherstellung Schritt für Schritt erklärt. Die Whiskys von Glenkinchie sind, wie alle Lowland-Whiskys, alle sehr weich und leicht und etwas trocken.

Fast jede Brennerei in Schottland hat früher einen vierbeinigen Angestellten. In den Zeiten als noch selbst gemälzt wurde, haben die Hunde das kostbare Malz von Ratten befreit. Auch bei Glenkinchie gab es im Laufe der Jahre diverse Hunde mit dieser Aufgabe. Der Einfachheit wurden alle angestellten Hunde immer Bruce genannt.

Wer die Brennerei besichtigt, kommt auf dem Weg an einer Glocke vorbei. Diese wurde früher vom Manager der Destille bei Schichtbeginn und -ende geläutet um die Mitarbeiter zu versammeln.Als Motivation wurde ein Dram ausgeschenkt, aber keine Whisky, sondern Rohalkohol direkt aus der Destillation. Das ist schottisch sparsam. Die Arbeiter der Mälzerei erhielten zusätzlich stündlich einen Pint Ale, wegen der schweißtreibenden Arbeit. Gut, dass die meisten Arbeiter nur einen kleinen Hügel besteigen mussten um in die Mitarbeiterhäuser der Brennerei zu kommen. Nach einer 12-Stunden-Schicht mit 12 Pints Ale und 2 Drams Rohalkohol war das wohl manchmal schwer genug.

Glenkinchie Visitorcenter

Glenkinchie Brennerei-Modell im Visitorcenter

Leckere Tropfen

Glenkinchie 12 Jahre: Die Standardabfüllung von Glenkinchie, malzig, trocken, leichte Vanille- und Zitrusnoten. Sehr leichter Whisky, der auch gut als Aperitif geeignet ist.

Glenkinchie Distillers Edition Double Matured: Dieser Whisky wird Amontillado-Sherry-Fässern nachgereift. Deutliche Süße und Vanillenoten, malzig, nach Honig.Die Sherryfässer tun diesem Whisky sehr gut und verleihen ihm deutlich mehr Komplexität.

Glenkinchie Eingang

Glenkinchie Eingang

 

Speyside

Die Enklave Speyside ist geographisch Teil der Highlands, wird aber wegen ihres speziellen Whiskycharakters als eigenständige Region betrachtet. Speyside bezeichnet weder eine geographische Region noch einen Verwaltungsbezirk, sondern umgrenzt in einem Gebiet entlang des Flusses Spey.  Mehr als die Hälfte aller aktiven schottischen Whiskybrennereien ist hier angesiedelt und das auf einer relativ kleinen Fläche. Die Whiskys aus dieser Region sind meistens wenig oder gar nicht getorft.

Packhorse Bridge (c) spinagel.de

Packhorse Bridge

Die Whiskys sind häufig süß und leichter als aus anderen Regionen. Wer gut zu Fuß ist kann den Whisky Trail entlang des namensgebenden Fluss Spey wandern und dabei 8 aktive Brennereien und die Speyside Cooperage besichtigen.

Der Hafen von Buckie

Der Hafen von Buckie

 

Glenfiddich

Glenfiddich Brennerei

Glenfiddich Brennerei

Die Glenfiddich-Brennerei wurde 1887 von William Grant und seiner Familie in Handarbeit errichtet und ist bis heute im Besitz der Familie Grant. Glenfiddich ist gemäß International Wine & Spirit Competition und International Spirits Challengeder der meistausgezeichnete Single-Malt-Whisky der Welt. Ein Grund dafür ist sicher, dass Glenfiddich als erste große Marke konsequent auf die Vermarktung von Single-Malt-Whiskys setzte. Damals gingen die meisten Destillate noch in Blends und der heutige Single-Malt-Hype war noch nicht annähernd in Sicht. Wer die Speyside besucht, sollte diese Brennerei auf jeden Fall besuchen, allein die Größe der Stillhouses ist beeindruckend.
In Deutschland ist Glenfiddich den meisten sicher durch seinen 12-jährigen Malt in der grünen Flasche bekannt, einen eher günstigen und durchschnittlichen Single-Malt. Wer meint in den charkteristischen dreieckigen Flaschen wird nur Brot-und-Butter-Whisky abgefüllt sollte sich vom Gegenteil überzeugen und den 18-jährigen oder die Malt-Masters-Edition probieren. Seit Juli 2013 hat die Familie Grant den Deutschland-Vertrieb an Campari vergeben.

Steckbrief

NameGlenfiddich
BedeutungTal des Hirsches
LandSchottland
RegionSpeyside
EigentümerFamilie Grant
Webseitewww.glenfiddich.com
Gegründet1886
Produktionsvolumen10.000.000 l

Besonderheiten

Eine der wenigen Destillen die immer noch im Familienbesitz ist.

Leckere Tropfen

Glenfiddich 18 Jahre: Fruchtig, ausgeprägte Süße und Holzgeschmack.

Glenfiddich Snow Phoenix: Die Erinnerung an ein dramatisches Ereignis: Im Winter 2010 fiel ungewöhnlich viel Schnee und brachte die Dächer einiger Warehosuses zum Einsturz. Um die dadurch beschädigten Whiskyfässer zu retten, wurde daraus durch den Malt Master spontan der Snow Phoenix Blend kreiert. Geschmack nach Birnen, geösteten Äpfeln und Schokolade, außergewöhnlich langer Abgang.

Glefiddich destillery stills (c) spinagel.de

Glefiddich Destillerie Brennblasen

 

Glefiddich destillery washback

Glefiddich Destillerie washback

 

Glefiddich distillery (c) spinagel.de

Glefiddich Brennerei

 

 

Speyside – Welcome to paradise

Wo: Speyside, Schottland
Wann: April 2014

Von Westen her zieht ein leichter Whiskyduft über die Nordsee und lockt uns auch dieses Jahr wieder über den Ärmelkanal. Dieses Mal ruft uns die Speyside nach Schottland. Speyside bezeichnet weder eine geographische Region noch einen Verwaltungsbezirk, sondern umgrenzt in einem Gebiet  entlang des Flusses Spey über die Hälfte aller schottischen Whiskybrennereien. Ein echtes irdisches Paradies also für uns Whiskyliebhaber.

Princess Seaways (c) spinagel.de

Ausfahrt aus IJmuiden

Wie schon letztes Jahr schiffen wir uns mit unserem Auto in IJmuiden ein. Die Princess Seaways trägt uns über Nacht auf die britische Insel.

Offshore Windpark (c) spinagel.de

Offshore Windpark vor der niederländischen Küste

Nachdem wir die weit vor der niederländischen Küste liegenden Offshore-Windkraftanlagen passiert haben, treffen wir auf die ersten schottischen Botschafter: Drei Bag-Piper nutzen das gute Wetter und geben ein spontanes Konzert auf der Backbordseite des Sonnendecks. Trotz des fehlenden Kilts und der französischen Herkunft der Piper-Gruppe ist uns schon jetzt ganz schottisch zumute.

Piper (c) spinagel.de

Piper auf der Überfahrt

Wir lassen den Tag bei einem spektakulären Sonnenuntergang mit einem echten englischen Ale ausklingen, anschließend träumen wir in unseren Kojen schon von der Insel und dem Start unserer Reise in Newcastle.

Am nächsten Morgen lassen wir das Frühstück ausfallen und genießen statt dessen lieber vom Oberdeck aus die Einfahrt in den Tyne. Gemächlich geht es vorbei an den neu erbauten Wohnhäusern der Waterfront und den zerfallenden Überresten der einstmals stolzen Werften.

Tyne Newcastle (c) spinagel.de

Tynemündung Newcastle

Von Newcastle bis zu unserem Ziel Shenval haben wir noch ein paar Stunden Autofahrt vor uns. Nachdem wir genügend Zeit hatten uns auf dem Motorway bis Perth an den Linksverkehr auf der Insel zu gewöhnen, führt uns unser Weg Richtung Cairngorms National Park über die typischen schottischen Landstraßen und single-track-roads.

Schottisches Straßenschild

Schottisches Straßenschild

Irgendwo hinter Dunkeld sehe ich beim schwungvollen Ausweichen vor dem Gegenverkehr aus den Augenwinkeln ein seltsames Schild – Ein LKW der mit frei schwebenden Rädern mittig auf einer seltsamen Beule aufsitzt. Was uns die Schotten damit sagen wollen sehen wir hinter der nächsten Kurve: Eine Brücke, die offensichtlich ursprünglich nur für den schottischen Highlander hoch zu Roß geplant war. Wer hier versucht mit etwas längerem als einem normalen PKW auf die andere Seite des Flusses zu kommen oder wessen Auto tiefergelegt ist wird unweigerlich wie der LKW auf dem Schild hängen bleiben. Dass es einige Fahrer trotzdem versucht haben können wir an den tiefen Scharten im Teer auf der Kuppe deutlich erkennen.

bridge (c) spinagel.de

Die Brücke

Unser Weg führt uns weiter durch die schroffen schottischen Highlands bis zu unserem Cottage in der Nähe von Dufftown. Der Wahlspruch der Einwohner „Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills“ (Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen) hat uns zugegebenermaßen etwas bei der Auswahl unseres Zielortes beeinflusst.

Dufftown clock tower

Dufftown clock tower

Sieben aktive Destillen gleichzeitig gab es nur selten in Dufftown, trotzdem ist die Fahrt durch den Ort für jeden Whiskyfreund eine Offenbarung, hinter fast jeder Ecke lugt das typische Pagodendach eines Kiln (Dörrbodens) hervor. Hier werden wir in den nächsten sechs Tagen viel zu sehen bekommen.

Shenval

Shenval

Ein paar Meilen außerhalb von Dufftown liegt endlich unser Cottage. Wie hatte es unsere Vermieterin geschrieben? Das dritte Haus hinter dem weißen Farmschild auf der linken Seite (wenn ihr am Pub vorbeifahrt seid ihr zu weit), die Tür ist offen, der Schlüssel liegt auf dem Tisch und im Kühlschrank ist eine Flasche Wein für euch. Enjoy your stay.

Hier ist die Welt noch in Ordnung. So etwas sollte man in Hamburg gar nicht erst versuchen, hier wäre mindestens der Wein leer.

Noch ist es hell. Eine Brennerei schaffen wir heute noch, also kurz die neue Bleibe beschnuppert, das Auto entlastet, einen neuen Akku in die Kamera gelegt und natürlich alle Türen unseres Cottages ordentlich abgeschlossen.

Bei Glenfiddich findet mindestens jede Stunde eine Führung statt. Also zurück nach Dufftown.

Glenfiddich ist uns als eher günstiger Single-Malt-Whisky bekannt, die markante dreieckige, grüne Flasche des 12-jährigen findet man im Regal vieler großer Lebensmittelmärkte. Aber Glenfiddich hat durchaus auch einige Spitzenwhiskys zu bieten. Die seit Beginn im Besitz der Familie Grant befindliche Brennerei ist mit ihrem Produktionsvolumen von gut 10.0000.000 Litern eine der größten und erfolgreichsten Destillen in Schottland. Der Erfolg ist sicherlich mit darauf zurück zu führen, dass Glenfiddich als eine der ersten Brennereien schon 1963 auf die Vermarktung von Single-Malt-Whisky gesetzt hat.

In der Brennerei angekommen erschrecken uns die beiden Spanier, die schon auf die nächste Führung warten, ein wenig. Laut klimpernd schwenken sie die Eiswürfel in ihrem Single-Malt. Single Malt auf Eis? Zum Glück halten es die Schotten hier very british und rümpfen nur leicht die Nase.

Glenfiddich stills

Glenfiddich stills

Auch wenn wir schon viele Brennereien gesehen haben, die 18 Brennblasen mit ihren knapp 5.000 Liter Volumen je Still sind schon beeindruckend.

Glenfiddich tasting

Glenfiddich tasting

Beim abschließenden Tasting werden uns drei Single-Malt-Whiskys auf einem Untersatz serviert, der die Geschmacksnuancen nicht nur in Worten beschreibt, sondern sie auch mit Bildern von Bratäpfeln, Birnen und Zimtstangen illustriert. Einer unserer spanischen Begleiter fragt ernsthaft entrüstet, wann denn die Früchte und Gewürze in den Whisky gegeben werden, das hätte er bei der Führung gar nicht gesehen. Kaum ist das Grinsen bei uns und unserem Führer verschwunden und ein für beide Seiten akzeptabler Ausweg aus diesem Fauxpas gefunden. Möchte der andere Spanier Cola und ein paar Eiswürfel haben. Da verliert unser Guide dann doch ein wenig die Fassung sagt kurz „sorry this is not possible“ und verschwindet irgendetwas vor sich hin murmelnd auf Nimmerwiedersehen durch eine Tür auf der „Staff only“ steht. Wer hätte gedacht, dass man einen gestandenen Highländer im Kilt mit einem Softdrink und ein wenig gefrorenem Wasser so aus der Fassung bringen kann?

Wir haben genug Spaß für diesen Tag gehabt und ziehen uns mit ein paar unbekannten Single-Malts von Glenfiddich zum Tasting an das Kaminfeuer unseres Cottages zurück.

Am nächsten Tag steht unter anderem die Destille Aberlour auf dem Plan. Der 10-jährige Aberlour war mein erster Single-Malt, Grund genug sich die Brennerei einmal genau anzusehen. Vor Ort müssen wir leider feststellen, dass es zurzeit keine Führungen gibt. Uns bleibt nur das kleine Torhaus, das aussieht, als ob es auch genau so in Schlumpfhausen stehen könnte, aber das Aberlour-Visitor-Center beherbergt.

Aberlour

Aberlour

Mit einem Polo als Beute geht es weiter zu Glen Grant. Diese Brennerei gehört, wahrscheinlich auch durch die guten Beziehungen des ehemaligen Besitzers Major Grant nach Italien heute zur Campari-Gruppe und ist die Einzige schottische Single-Malt-Marke des italienischen Konzerns. Eine Besichtigung ist nicht nur für Whiskyliebhaber empfehlenswert, Major Grant legte einen victorianischen Park mit spektakulären Brücken und vielen wunderschönen Blumen an, der bis heute erhalten wird.

Glen Grant spirit safe

Glen Grant spirit safe

Unseren Guide bei der Führung durch die Destille teilen wir uns hier mit drei englischen Mädchen, die sich alles artig anhören, aber hin und wieder bemerken, dass das alles gar nicht so spannend wäre. Als sie uns beim abschließenden Tasting erzählen, dass sie eigentlich gar keinen Whisky mögen und die bereitgestellten Whiskys vor dem Trinken mit mindestens der dreifachen Menge Wasser verdünnen, sind wir etwas verwundert. Diese Engländerinnen scheinen einen ganz anderen Bezug zum Single-Malt zu haben als wir. Trotzdem trinken sie alle drei Drams Whisky brav aus. Als wir auf dem Weg nach draußen aufschnappen, dass die Truppe mit dem Auto da ist und gerade geklärt wird wer fährt, sind wir vollends verwirrt. Von uns beiden würde schon nach dem ersten Dram keiner freiwillig Auto fahren.

An diesem Tag führt uns unser Weg noch nach Keith zu Strathisla. Die 1786 gegründete Destillerie mit ihrer charakteristischen Doppelpagode ist die älteste in Betrieb befindliche der Speyside. Während der Führung kommt der Chemiker in mir durch und ich stelle eine Frage zur Umsetzung der Feints im Destillationsprozeß. Unsere Führerin kann die Frage erwartungsgemäß nicht beantworten, meint aber das wird der General Manager mit seinen über 30 Jahren Erfahrung bestimmt wissen. Später beim Tasting holt sie kurzerhand den Geschäftsführer der Brennerei, der nachvollziehbar erklärt, wie die Feints in einem Kupfer-Still chemisch umgesetzt werden.

Strathisla

Strathisla

In unserer Woche in der Speyside besuchen wir noch viele andere Destillen und lernen wieder ein wenig mehr über das Geheimnis hinter gutem schottischen Single-Malt. Mehr zu den anderen Destillen gibt es im Bereich Whisky.

Da wir nach allen besuchten Destillen noch immer die eine oder andere Wissenslücke haben, was den klassischen Herstellungsprozess von Whisky angeht, besuchen wir die ehemalige Brennerei Dallas Dhu. In diesem Museum kann man nicht nur die Produktionsweise von Single-Malt nachverfolgen, sondern sieht auch was sich im Laufe der Jahre im Produktionsgang verändert hat.

Museum Dallas Dhu

Museum Dallas Dhu

Wer die A 95 von Aberlour nach Grantown-on-Spey fährt, sollte unbedingt an der Tormore Distillery anhalten. Das schöne Gebäude und die Gartenanlagen davor sehen zwar aus, als ob sie schon mindestens 100 Jahre auf dem Buckel hätte, alles wurde aber erst 1958 erbaut.

Tormore

Tormore

Der Geschmack eines Whiskys hängt nicht nur vom verwendeten Destillat ab, sondern entstammt zu einem großen Teil aus den bei der Reifung verwendeten Fässern. Nur wenige Brennereien wollen oder können sich heutzutage noch eigene Küfer leisten. Ein Großteil der in der Gegend verwendeten Fässer stammt aus der Speyside Cooperage, aber das ist eine separate Geschichte.

Speyside Cooperage

Speyside Cooperage

Zwei Ziele sollte jeder Whiskyliebhaber mit in seine Reiseplanung für die Speyside einbeziehen.
Der Highlander Inn in Craigellachie hat weit und breit die größte und ausgefallenste Whiskysammlung.

Highlander Inn

Highlander Inn

Besonders die Glasvitrine im kleinen Gastraum sollte man sich sorgfältig ansehen, so viel alte Single-Malts gibt es sonst sehr selten zu sehen.

Highlander Inn

Highlander Inn

Für alle, die noch einen speziellen Whisky für zuhause suchen ist ein Besuch in Elgin bei Gordon & McPhail Pflicht. Hier findet man eine riesige Auswahl an Single-Malts direkt aus den Destillen oder von unabhängigen Abfüllern und das teilweise zu für die Insel unüblich niedrigen Preisen.

Gordon & MacPhail

Gordon & MacPhail

Die Besitzer von Gordon&McPhail haben sich 1993 einen lang gehegten Traum erfüllt und selbst eine Brennerei gekauft. Nach einer Grundsanierung eröffnete Prinz Charles die Brennerei 1998 und signierte das erste Fass Benromach.

Benromach warehouse cask 1(c) spinagel.de

Benromach erstes Fass mit Signatur

Benromach produziert auf eine sehr klassische Art mit viel Handarbeit hervorragenden Single-Malt. Mit dem „Peat Smoke“ bekommt der Whisky-Liebhaber hier auch einen leckeren, für die Speyside unüblich rauchigen Whisky.

Rückfahrt auf den Kontinent

Rückfahrt auf den Kontinent

Nach 6 viel zu kurzen Tagen machen wir uns auf den Rückweg Richtung Deutschland. Die Zeit war gerade ausreichend für einen kurzen Überblick über diese spannende Whiskyregion. Wir kommen bestimmt noch einmal wieder.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Verliebte Fasane

Eines nervt uns die ganze Zeit kolossal – die verliebten Fasane. Überall stolzieren sie über die Straßen und lassen sich auch durch herannahende Autos nicht beeindrucken. Bei einem ganz hartnäckigen Exemplar drehen wir den Spieß um. Als der Fasan uns endlich vorbei lässt und wir ihn in Schrittgeschwindigkeit überholen, reiße ich direkt neben ihm die Autotür auf und springe heraus. Der Fasan ist so erstaunt, dass er bei seiner Flucht einen Begrenzungspfahl streift. So schnell wird der nicht wieder probieren ein Auto auszubremsen.

 

Craigellachie – Bretter, die die Welt bedeuten

Wo: Craigellachie, Schottland
Wann: April 2014

„Wow! Hast Du den dahinten gesehen?“, fragt mich Poldi und zeigt auf den bärtigen Hünen mit dem Kindergesicht. Auf der anderen Seite der Halle prügelt er mit einem riesigen Hammer ein paar Eisenringe auf ein mannshohes Fass, als ob er einen Weltmeistertitel gewinnen will. Der freundliche Schotte in unserer Begleitung sieht unser Staunen und erklärt uns mit einem Lächeln, dass die Reparatur von Fässern seit Urzeiten mit einem variablen Lohn vergütet wird, der sich an der Anzahl der fertiggestellten Fässer orientiert.

Speyside Cooperage Blick ins FassNoch ein prüfender Blick ins Fass, bevor der Deckel aufgesetzt wird und unser Riese hat sein Fass repariert.

Jetzt hält es wieder viele Jahre und kann seine Geschmacksstoffe an den guten schottischen Single-Malt-Whisky abgeben. Wir sind in Craigellachie in der Speyside Cooperage, auf einer Führung durch die größte Küferei der schottischen Whiskyregion Speyside. Hier werden jährlich fast 150.000 Holzfässer instand gesetzt. Die Fässer haben einen wichtigen Anteil am guten Geschmack des schottischen Whiskys. Während der Lagerung geben sie ihre Aromastoffe an den Whisky ab und tragen damit, trotz allem Voodoo um die Form der Brennblasen, überwiegend zum Geschmack des fertigen Produktes bei.

Nicht ganz so brutal, aber ähnlich flink ist ein älterer Herr direkt unter uns mit seinem Fass zugange. Kraft scheint das eine zu sein, aber Erfahrung ist offensichtlich auch durch nichts zu ersetzen. Viele Dinge werden einfach mit Gefühl und per Augenmaß erledigt. Sollte trotzdem mal ein Maß für ein neues Stück Holz an einem Fass benötigt werden, benutzt der erfahrene Küfer keinen Zollstock. Er reißt sich einfach ein Stück Schilf, das normalerweise zum Abdichten der Fässer verwendet wird, in der passenden Länge ab und fertigt sich mit dieser Schablone das passende Ersatzteil.

Speyside Cooperage WerkstattDie Werkzeuge, mit denen die Küfer arbeiten, sehen exakt so aus, wie diejenigen, die wir kurz zuvor in einem Museum gesehen haben, und die waren immerhin fast 100 Jahre alt. Am Ende sind die Fässer trotz Handarbeit, Augenmaß und antiquierten Werkzeugen für viele Jahre dicht. Geprüft wird dies im letzten Schritt, indem die Fässer mit ein wenig Wasser befüllt und Druckluft hineingepresst wird. Wir sind beeindruckt von der Geschwindigkeit der Arbeiter und ihrem traditionellen Handwerk.

Speyside Cooperage GlaskastenSeit einer knappen halben Stunde beobachten wir die Arbeit in der Küferei von einer verglasten Empore. Unser Führer zeigt uns zum Abschluss einen Fassbausatz aus einzelnen Fassdauben und ein paar Eisenringen. „Wenn ihr das Fass in der nächsten halben Stunde zusammensetzt, könnt ihr hier morgen anfangen“, sagt er. Unser Ehrgeiz ist geweckt, in der Halle unter uns sieht das doch alles ganz easy aus. Das schaffen wir sicherlich auch in ein paar Minuten. Dass das alles einfacher erscheint, als es im wirklichen Leben ist, stellen wir nach einer halben Stunde fest und geben etwas frustriert auf.

Speyside Cooperage EingangAuf geht’s zum obligatorischen Besuch in den Souvenirshop. Obwohl die Mitbringsel im Souvenirshop garnicht so kitschig wie üblich sind, stellen wir ganz zaghaft die Frage, ob man vielleicht auch eine Fassdaube aus einem alten Fass bekommen könnte. „Klar“, sagt die Verkäuferin, „die kosten 2,50 Pfund. Wie viele wollt ihr denn?“ Wir sind so überrascht, dass wir jeder nur eine nehmen.

Speyside Cooperage FlaggeVor der Tür schnuppern wir an den erbeuteten Planken und versuchen, am Geruch zu erkennen, welcher Whisky wohl darin gelagert war. Dabei freuen wir uns wie kleine Jungs über eine neue Autorennbahn und holen uns schwarze Nasen an den Dauben. Die Verkäuferin beobachtet uns durch ein Fenster, ihr Blick sagt uns, was sie gerade denkt – „Crazy Germans, they enjoy smelling at firewood.“

Text und Fotos: Boris Kohnke, September 2014

Fässer

Fässer von der iberischen Halbinsel sind inzwischen ein begehrter Rohstoff bei der Whiskyproduktion geworden, da der Portwein- und Sherry-Konsum zurückgeht, der Whiskybedarf aber steigt. Bis zu drei Mal können diese Fässer wiederverwendet werden, danach brauchen die Brennereien neue gebrauchte Fässer. Bei der Aufbereitung werden die Fassdauben innen abgeschliffen und das Fass erneut ausgebrannt. So kann die nächste Schicht Holz wieder ihre Aromastoffe an den Whisky abgeben.Bei den häufiger verwendeten Bourbon-Fässern ist der Nachschub kein Problem. Diese dürfen in den USA nur einmal für die Lagerung von Bourbon benutzt werden uns stehen danach dementsprechend reichlich für schottischen Whisky zur Verfügung.Je kleiner das Fass ist, umso mehr Holz kommt mit dem Whisky in Berührung und umso schneller geht der Reifeprozess vonstatten. Bei der Whiskyproduktion werden hauptsächlich folgende Fassgrößen eingesetzt:Barrel
Klassisches Bourbon-Fass mit einem Volumen von ungefähr 180 Litern aus getoasteter amerikanischer Eiche.

Hogshead
Ein auf 250 Liter vergrößertes Standard-Bourbon-Fass (Barrel).

Butt
Typisches, 500 Liter fassendes Sherryfass, meist aus europäischer oder amerikanischer Eiche. Eine andere Form für dieses Fass ist das ebenfalls 500 Liter fassende Puncheon, welches etwas flacher, dafür aber breiter ist.

Fassbau
Fässer werden seit Jahrhunderten für den Transport und die Lagerung von Waren eingesetzt. Der Aufbau, die Materialien und die beim Fassbau verwendeten Werkzeuge haben sich in den letzten 200 Jahren kaum geändert.

Fässer bestehen aus folgenden Einzelteilen:

Fassdauben: Die einzelnen „Bretter“ des Fasses.

Fassreifen: Sie halten die Dauben in Form und sorgen durch richtige Platzierung für die Dichtigkeit des Fasses. Für Whiskyfässer werden sie aus Eisen gefertigt.

Deckel: Meist aus demselben Holz wie die Dauben. Sie bestehen aus einzelnen Brettern, die mit Holzdübeln zusammengehalten werden.

Dichtmaterial: Die minimalen Hohlräume zwischen den Dauben und den Deckelbrettern sowie zwischen Deckel und Fasskörper werden mit Schilf abgedichtet. Schilf quillt bei Berührung mit Flüssigkeit auf und sorgt so automatisch für ein dichtes Fass.

 

Single-Malt-Whisky

Wo: weltweit, hauptsächlich Schottland
Wann: ab 1.1.2007

Doppeltes Pagodendach Strathisla Speyside

Doppeltes Pagodendach Strathisla Speyside

Uisge beatha, das Wasser des Lebens, bei uns besser bekannt als Whisky, wird seit dem 5. Jahrhundert in Schottland gebrannt und erfreut sich bis heute einer großen Beliebtheit. Wer einmal der Faszination der vielen Nuancen eines guten Whiskys erlegen ist, wird immer wieder versuchen, neue Variationen dieses speziellen Getränks zu verkosten.

Wie bin ich zum Whisky gekommen?

Mich hat der Whisky-Virus am 1.1.2007 infiziert. Den Jahreswechsel 2006/2007 haben wir in einem kleinen, etwas schrägen Schlosshotel verbracht. Der Besitzer hatte sich mit dem Hotel seinen persönlichen Traum erfüllt, exzentrisch eingerichtete Zimmer, immer angezogen wie ein schottischer Earl und eine Bar mit einer überragenden Whiskysammlung.
Nach dem Feuerwerk um Mitternacht hat unser Gastgeber seine Whiskysammlung für alle Hotelgäste zum Tasting geöffnet. Ich war recht schnell begeistert von dem einen oder anderen leckeren Tropfen.
Jedes Mal, wenn ich auf diesen denkwürdigen Tag zurückblicke, kommt in mir ein wenig schlechtes Gewissen hoch. Die Barfrau an diesem Abend schenkte wohl sonst eher Bier oder Saft aus, die Whiskygläser waren auf jeden Fall dementsprechend gefüllt. Da wir den einen oder anderen Whisky nicht auf Anhieb mochten, ist an diesem Abend viel Whisky dem Ausguss preisgegeben worden. Ich kann mich zum Glück nicht mehr an alle der teilweise recht seltenen Whiskys erinnern, es war aber der eine oder andere dabei, den man heute nur noch teuer von Sammlern kaufen kann.

Der Abend hat mich auf jeden Fall so beeindruckt, dass ich mir gleich im Januar meine erste Flasche Single-Malt-Whisky gekauft habe, einen 10-jährigen Aberlour.

Ich möchte euch ein wenig an der Faszination dieses einerseits so simplen, aber andererseits auch so komplexen Getränks teilhaben lassen. Wer weiß, vielleicht infiziere ich hier noch den einen oder anderen mit dem Whisky-Virus.

Von den Grundlagen der Herstellung über die Vorstellung der einzelnen Whiskyregionen und der Destillerien, die mir bis jetzt in Schottland und dem Rest der Welt über den Weg gelaufen sind, bis hin zu meinen persönlichen Erlebnissen rund um das Wasser des Lebens wird hier alles Interessante über Whisky zusammengetragen.

Stills Glen Grant (c) spinagel.de

Stills in der Glen Grant Brennerei

Wie wird Whisky gemacht?

Etwas ist bei allen Whiskys gleich: die drei Ausgangsstoffe Wasser, Gerste und Hefe und der Herstellungsprozess – mälzen, schroten, maischen, gären, destillieren und lagern. Wer wissen möchte, wie der Prozess im Einzelnen funktioniert, findet hier eine detaillierte Beschreibung der Produktion eines guten schottischen Whiskys.
In der Europäischen Union darf sich eine Spirituose nur Whisky (oder Whiskey) nennen, wenn sie mindestens drei Jahre in Holzfässern gereift ist und über 40 Vol.-% Alkoholgehalt hat. Als einziger Zusatzstoff ist Zuckerkulör erlaubt, der auch oft eingesetzt wird. Wer es genau wissen will, kann es in der EU-Verordnung 110/2008 nachlesen.

Wo kommt guter Single-Malt-Whisky her?

Bei Single Malt denkt jeder natürlich erst einmal an Schottland. Hier wird je nach Region Whisky mit sehr unterschiedlichem Charakter hergestellt. Guter Single-Malt-Whisky wird aber auch in vielen anderen Ländern gebrannt, so gibt es z. B. aus Japan, Indien, Frankreich, Dänemark oder Schweden ausgezeichnete Destillate. Selbst in Deutschland gibt es über 50 Brennereien, die sich dem Whisky widmen. Von „netter Versuch“ bis „wow“ ist auch in unserem Land geschmacklich alles anzutreffen.

Text und Fotos: Boris Kohnke

 

Amrum – Slàinte, Robert Burns!

Wo: Amrum
Wann: 25.01.2014

Es ist kurz nach acht Uhr abends. Ich stehe in 6 Meter blaukarierten Stoff gewickelt mit zwei Freunden unter einer Espressomaschine, einem Bikinioberteil und einem englischen Nummernschild und frage mich, wo meine Hosentaschen geblieben sind.

Was mache ich hier? Richtig, heute ist der Abend, auf den ich mich ein ganzes Jahr lang gefreut habe: der 25. Januar, Geburtstag des schottischen Dichters und Nationalhelden Robert Burns, alljährlich von den Schotten und ihren Freunden als „Burns Night“ mit viel Brimborium gefeiert.

Darauf erst einmal einen Jim McEwans Symphony No. 1 Islay Blend. Die Geburt eines Schotten muss mit einem Whisky begossen werden. Besser gleich mit mehreren, darum sollen auf den Symphony No. 1 im Laufe des Abends noch 12 Whiskys folgen.

Im Kilt in der Blauen Maus

Bild: Kinka Tadsen

„Burns Night“ und Whiskytasting – heute ist der Höhepunkt meines persönlichen Whiskykalenders. Ich bin auf Amrum, in der Blauen Maus, einer der besten Bars in Deutschland, wenn es um schottischen Whisky geht. Janny Maus (eigentlich Jan von der Weppen) bringt hier seit 1970 allen Interessierten eines der spannendsten Getränke weltweit näher, den schottischen Whisky. Und seitdem wir hier letztes Jahr den Geburtstag des schottischen Nationalhelden gefeiert haben, wusste ich, dass ich heute wieder an einem seiner Tische sitzen werde.

Janny Maus Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de

Janny taucht hinter der Bar auf, vor sich eine imposante Kollektion Single-Malt-Flaschen. Sein kurzer Abriss der schottischen Tradition und dem daraus folgenden Verlauf des Abends entlockt meinem linken Nachbarn den Kommentar: „Vor ein paar hundert Jahren kamen die Wikinger nach Amrum, jetzt kommen die Schotten. Was das wohl gibt?“ Ich bin fest davon überzeugt, dass die Schotten viele gute Traditionen auf der norddeutschen Insel hinterlassen werden, wir müssen nur ein paar Jahrhunderte durchhalten. Heute sind wir auf jeden Fall mit gut 30 weiteren Amrumern dabei, die schottischen Traditionen im lokalen Brauchtum zu verankern.

Im schottischen Alloway wurde am 25. Januar 1759 mit der Geburt von Robert Burns der Grundstein für unsere heutige Zusammenkunft gelegt. Der Lyriker verfasste viele seiner Gedichte und Lieder in Scots, einem Dialekt, den ich auch trotz recht guter Sprachkenntnisse nicht annähernd verstehe. Für einen Künstler führte Robert Burns ein recht normales Leben mit vielen Liebschaften, langer Erfolglosigkeit, zu viel Whisky und einem unpassenden Job als Steuereintreiber. Einige seiner Werke sind immer noch bekannt, so ist sein erfolgreichstes Lied „Auld lang Syne“ beispielsweise zum Abschiedslied der internationalen Pfadfinderbewegung geworden. Schotten, Exil-Schotten und viele, die sich wie wir mit Schottland verbunden fühlen, feiern heute weltweit mit dem „Burns Supper“ ihren schottischen Nationalhelden.

Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de
Während wir einen Kilkerran in unseren Drams schwenken, verschwindet Janny in der Küche, um das Essen vorzubereiten. Hauptgang bei diesem „Burns Supper“ ist die Königin der Würste, besser bekannt als Haggis. Aus was genau das schottische Nationalgericht Haggis besteht, findet ihr rechts im grünen Kasten. Ich empfehle allen, die diese Spezialität probieren möchten: erst kosten, dann Kasten lesen! Sonst könnte man ein paar Vorurteile gegenüber diesem leckeren Essen haben und nur unmotiviert darin herumstochern.

Jörg Bernkopf Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de
Der Haggis wird traditionell reingepfiffen. Dieses Jahr begleitet Jörg der Piper mit seinem Dudelsack den Einmarsch der Hauptspeise. Angekommen in der Mitte der freudig wartenden Runde wird die Königin der Würste vom Hausherren zu einer Rezitation des Gedichts „The Address to a Haggis“ an genau der richtigen Stelle in der dritten Strophe (cut you up wi’ ready slight) aufgeschnitten und dann kann das Festmahl beginnen. Die klassischen Beilagen neeps and tatties (Rüben und Kartoffeln) und viel flüssige Butter sind natürlich auch mit von der Partie.

Haggis (c) spinagel.de

Mit einer ordentlichen Portion Haggis auf dem Teller geht es an die große, mit schottischen Accessoires geschmückte Tafel. Beim Hinsetzen merke ich, dass es sich irgendwie anders anfühlt als sonst. Stimmt, da war noch etwas. Der Schotte und auch diejenigen, die diesen Tag stilecht begehen wollen, tragen einen Kilt. In unserem Fall ist es ein belted plaid, der ist sogar beim Anziehen schon anstrengend. Aus 6 Metern Stoff einen Kilt zu falten, das mache ich auch nicht jeden Tag. Aber das ist eine der nächsten Geschichten auf Spinagel.

Die Mädels auf der anderen Seite des Tisches können das mit dem Hinsetzen irgendwie besser, aber die haben wahrscheinlich auch deutlich mehr Erfahrung mit Röcken. Beim zweiten Haggis-Nachschlag klappt alles ohne langes Zurechtrücken. Es ist so, als hätte ich schon immer mit Kilt und Jakobiterhemd an schottischen Tafeln Platz genommen. Sicherlich hilft beim fließenden Einparken am großen Tisch auch die Robert Burns Edition des Isle of Arran ein wenig, die es jetzt gibt.

Whiskys (c) spinagel.de
Nach dem Essen ist endlich etwas Zeit, die Dekoration genauer unter die Lupe zu nehmen. Jeder Besuch in der Blauen Maus stärkt meinen Eindruck, dass Generationen von Strandgutsammlern, Walfängern und Weltreisenden schräge Fundstücke aus allen Himmelsrichtungen zusammengetragen haben, um sie hier unter die Decke zu schrauben oder an die Wand zu hängen und so für die Nachwelt zu erhalten. In welcher Bar findet man sonst eine Espressomaschine, einen Außenbordmotor, unzählige Schilder aus aller Welt, exotische Fische und Holzschuhe unter der Decke? Jedes Mal entdecke ich neue Skurrilitäten, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Blaue Maus Amrum (c) spinagel.de
Als es später bei einem Tullibardine  etwas ruhiger wird, setzt sich Janny zu uns und erzählt von seinen unzähligen Erlebnissen aus Schottland, die fast alle etwas mit uisge beatha, dem Lebenswasser zu tun haben. Uns ist für dieses Getränk die Bezeichnung Whisky geläufiger. Nachdem wir den letzten Whisky des Abends, einen Peat’s Beast getrunken haben, sind wir uns alle einig: Robert Burns wäre stolz auf diese kleine Kolonie Amrumer Schotten.

Text: Boris Kohnke
Fotos: Kinka Tadsen (1), Boris Kohnke (6)

Haggis

Ursprünglich haben die Römer dieses Gericht erfunden: gekochte Innereien im Tiermagen. Die Schotten haben die Zubereitung aber perfektioniert. Eigentlich ist dieses Rezept erdacht worden, um die schnell verderblichen Innereien nach dem Schlachten länger haltbar zu machen. Heutzutage gilt Haggis bei vielen Schotten als Spezialität, wird aber auch in schottischen Fast-Food-Restaurants mit Pommes Frites serviert. Der Haggis besteht aus einem mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllten Schafsmagen. Er wird scharf mit Pfeffer gewürzt und mit viel Butter, Kartoffeln und Rüben gegessen. Wer nach diesem Text keinen Haggis mehr probieren möchte, ist selbst Schuld. Der Geschmack lässt nämlich kaum etwas von den Zutaten erahnen.

 

Wie wird der Islay-Single-Malt-Whisky gemacht?

Wo: Schottland, Islay
Wann: Februar 2013 Islay

Alles fängt mit dem Wasser an. Jede Brennerei hat ihre eigenen Wasserrechte. Man sagt, ein Großteil des Charakters entstamme dem verwendeten Wasser. Wer Whisky wirklich ernst nimmt, verdünnt ihn mit dem gleichen Wasser, das zum Brennen benutzt wurde, wieder auf Trinkstärke.In das Wasser wird die Gerste gegeben. Sie bekommt in Silos zwei bis drei Tage Zeit zum Quellen und erreicht so die Voraussetzung zum Auskeimen.Die befeuchtete Gerste wird in einer dünnen Schicht auf dem Boden ausgebracht und danach zwei bis drei Tage alle vier Stunden gewendet. Früher war dies ein Knochenjob, der aufgrund von Überlastung häufig zur sogenannten „monkey shoulder“ führte. Heute gibt es elektrische Wendehilfen, so richtig einfach sieht das trotzdem noch nicht aus.

Während der Zeit auf dem Boden keimt die Gerste und wandelt mithilfe ihrer Enzyme die Stärke im Getreidekorn in Zucker um. Aus der Gerste ist jetzt Malz geworden.

 islay whisky keimbodenMälzboden – Bowmore Destillerie

Als nächstes kommt der Hauptgeschmacksgeber der Islay-Whiskys zum Einsatz, der Torf. Das Gerstenmalz wird erst über einem Torffeuer und dann mit heißem Wasserdampf getrocknet. Die typischen Pagodendächer der Brennereien sind übrigens die Kamine der Räucherkammern.

  islay whisky rauch1Torffeuer – Laphroaig Destillerie

 islay whisky rauchRauch über dem Malz – Bowmore Destillerie

 islay whisky trocknenTrocknung des Malzes – Bowmore Destillerie

Auf Islay gibt es nur noch drei Brennereien, die teilweise ihr eigenes Malz herstellen. Laphroaig, Bowmore und Kilchoman. Kilchoman ist übrigens die einzige Destille, die einen Whisky nur aus Zutaten herstellt, die von der Insel stammen. Alle anderen beziehen ihre Gerste vom Festland. Das Malz der meisten Brennereien stammt aus Port Ellen. In der ehemaligen Destillerie stellt der Diageo-Konzern heute Malz nach Spezifikation der einzelnen Destillerien her.

Der nächste Schritt nach dem Mälzen ist das Schroten. Hier wird das Malz gemahlen und in die drei Bestandteile Spelzen (Husk), Schrot (Grit) und Mehl (Flour) separiert. Die drei Komponenten müssen in einem bestimmten Verhältnis vorliegen, damit in den nachfolgenden Schritten die größtmögliche Ausbeute erzielt wird.

Auf dem nächsten Bild kann man die präzise Analysenwaage, das genormte Maßbehältnis für die Probenahme und die selbst gebastelten Analysensiebe sehen. Schätzen und Erfahrung könnte hier meiner Meinung nach auch ausreichend sein. Sorry, aber hier kommt gerade wieder der Chemiker in mir durch.

 islay whisky muehleMühle – Ardbeg Destillerie

 islay whisky muehle2Malz, die drei Komponenten Schrot (Grit), Spelzen (Husk) und Mehl (Flour) und das Endprodukt Grist

Mit heißem Wasser wird die Maische im Maischbottich (mash tun) angesetzt. Bei diesem Prozess wandeln die Enzyme der Gerste die restliche Stärke in Maltose um. Dreimal wird die Maische mit Wasser extrahiert. Das zuckerhaltige Wasser kommt danach in die Gärbehälter (washback).

 islay whisky maischenMaischbottich (mash tun) – Lagavulin Destillerie

 islay whisky gärbehälterGärbottiche (washback) – Bowmore Destillerie

 islay whisky gärbehälter2Gärung zum Zeitpunkt der höchsten Aktivität – Bowmore Destillerie

Im Laufe des Gärprozesses wandelt die zugesetzte Hefe den Malzzucker in Alkohol um. Am Ende des Gärvorganges ist ein „Bier“ entstanden, welches circa 8 % Alkohol enthält. Das Produkt schmeckt tatsächlich wie ein getorftes Starkbier. Abgefüllt und gekühlt fände es bestimmt auch seine Liebhaber. Das ist aber eine Marktlücke, die noch keiner entdeckt hat.

islay whisky still Destille – Bowmore Destillerie

islay whisky still2
Destille – Kilchoman Destillerie

Das „Beer“ wird zweimal in kupfernen Brennblasen destilliert. Während des zweiten Destillationsvorganges trennt der Brennmeister im spirit safe den middle cut ab. Die Form der Brennblasen bestimmt den Geschmack des Single-Malts.

Der spirit safe stammt noch aus Zeiten strengerer Zollkontrolle. Das Destillat läuft in einem verschlossenen Messingkasten mit Scheiben über Messeinrichtungen in Tanks. Den Schlüssel zum Kasten hatte nur der Zoll und die Brennerei kam (theoretisch) nie an den prime spirit direkt aus der Destille, ohne dass er über ein Zählwerk gelaufen ist.

islay whisky spirit safe Spirit safe – Bruichladdich Destillerie

Der middle cut (oder heart) mit einem Alkoholgehalt zwischen 60 und 75 Vol.-% wird dann in verschiedene benutzte Fässer abgefüllt. Hauptsächlich werden Sherry-, Bourbon- oder Madeirafässer verwendet. Dies ist er nächste entscheidende Schritt auf dem Weg zum richtigen Geschmack.

islay whisky lager Lagerhaus – Laphroaig Destillerie

Nun heißt es viel Geduld zu haben, erst nach drei Jahren Lagerung darf sich das Produkt überhaupt Whisky nennen. Abgefüllt wird aber meist nach einer Zeitspanne von 8 bis 25 Jahren. In dieser Zeit liegen die Whiskyfässer in den typischen weißen Lagerhäusern mit der schwarzen Aufschrift an der Küste von Islay.

islay whisky lager2 Bowmore von der Wasserseite

 islay whisky kilchomanDas Endprodukt: Guter Islay Single Malt – Kilchoman Destillerie

Lost distilleries

In der Hochzeit des Malt Whiskys gab es auf Islay etliche Brennereien. Von der kleinen Farmdestille bis zur großen Destillerie war alles vertreten. Hier die Namen der bekannteren aufgegebenen Brennereien der Insel Islay:

  • Achenvoir (bis circa 1818)
  • Ardenistle (bis 1849)
  • Ardmore (bis 1835)
  • Daill (bis 1830)
  • Freeport (bis  1847)
  • Hazelburn (bis  ?)
  • Kildalton (bis 1837)
  • Killarow (bis 1818)
  • Bridgend (bis 1822)
  • Lossit (bis 1821)
  • Malt Mill (bis 1960)
  • Mulendry (bis 1831)
  • Newton (bis 1825)
  • Octomore (bis 1852)
  • Port Charlotte (bis 1929)
  • Port Ellen (bis 1983)
  • Scarabus (bis 1818)
  • Tallant (bis 1852)

 

Schottland – Die schönste der inneren Hebriden

Wo: Schottland, Islay
Wann: Februar 2013 Islay

Drei Whiskyfreunde aus Norddeutschland machen sich auf den Weg zum Ursprung des peated Single Malt Whiskys. Nach einer kurzen Fahrt über Amsterdam und quer durch Schottland schiffen wir uns auf der Fähre Kennacraig – Port Ellen ein.Islay Ardbeg LagerWer mit der Fähre aus Kennacraig auf Islay zukommt und die weißen Lagerhäuser direkt am Wasser mit den prägnanten schwarzen Schriftzügen wie Lagavulin, Ardbeg oder Bowmore für „irgendwelche“ Lagerhäuser hält, sollte sich überlegen, ob er nicht lieber auf der Fähre bleibt und eine andere Insel besucht. Natur und Altertümer gibt es auf anderen schottischen Inseln sicherlich mehr, nur der Inhalt dieser Lagerhäuser ist einzigartig auf der ganzen Welt. Alle, die wissen welche Kostbarkeiten hinter den dicken Feldsteinwänden lagern, betreten hier in Port Ellen den heiligen Boden des uisge beatha. So lautet die gälische Bezeichnung für Whisky.Peated-Single-Malt-Jünger aus aller Welt wissen, hier gibt es ganz spezielle Whiskys, die man sonst nirgendwo findet. Islay ist nicht umsonst eine eigenständige Whiskyregion und wird nicht zu den Islands, Highlands oder sonstigen schottischen Regionen gezählt.

Das Besondere der Single Malts von Islay ist ihr rauchiger Geschmack, der vom Darren des Malzes mit dem hier überall vorhandenen Torf (oder peat, wie ihn die Einheimischen nennen) herrührt.

Die Stärke des Rauchgeschmacks wird in ppm Phenoleinheiten angegeben und liegt auf Islay meistens zwischen 25 und 55 ppm.
Für Freunde des extremen Geschmackserlebnisses stellt die Destillerie von Bruichladdich den Octomore 5.1 mit 169 ppm her. Wer hier noch einzelne Nuancen beim Tasting auseinanderhält, der erkennt die Herkunft des Straßenbelags auch am Geschmack.

Der Geschmack der Islay-Whiskys ist schon einzigartig, man liebt sie oder hasst sie. Für alle, die wirklich noch keinen Islay-Single-Malt gekostet haben, hier etwas für die Vorstellungskraft: Whisky aus der Destillerie von Laphroaig galt in den Zeiten der Prohibition in Amerika als Arzneimittel und war in Apotheken erhältlich. Wenn schon die strengen Augen (und glücklicherweise nicht ganz so streng geschulten Gaumen) der Prohibition hier keinen Genussalkohol erkennen konnten ist klar, dass dieser Whisky einzigartig und nicht für jeden Gaumen eine Freude ist.

 

Full Scottish Breakfast

Unser erster Tag in Bowmore, dem Hauptort der Insel mit knapp 1000 Einwohnern, beginnt mit einem Full Scottish Breakfast. Die Cholesterinverteufler und andere Ernährungsberater haben sich anscheinend noch nicht hierher verirrt. Wie wir jetzt aus Erfahrung wissen, gibt es hier kein normales Frühstück, das weniger als 4 Eier und eine ordentliche Portion Fett enthält. Unsere Hauswirtin Margaret zeigt uns an diesem Morgen, wie so ein ordentliches Frühstück aussieht.

Während sie uns den dritten Gang des Frühstücks mit einem melodischen Singsang und ihrem unnachahmlichen schottischen Akzent (hört sich toll an, man versteht aber maximal die Hälfte) serviert, wische ich mir die Schweißperlen von der Stirn und überlege, ob es wirklich so gut war, erst einmal alles, was die Frühstückskarte zu bieten hat, zu bestellen. Ein Blick hinüber zu Margaret macht mir aber schnell klar: hier wird aufgegessen. Am nächsten Tag finden wir heraus, dass ein Verkleinern der Bestellung nur dazu führt, dass die einzelnen Gänge größer werden. Die Kalorien-, Cholesterin- und Fettwerte scheinen Konstanten bei einem Full Scottish Breakfast zu sein.

Eine gute Grundlage kann bei unserem Vorhaben aber nicht schaden. Alle acht Destillerien auf Islay in zwei Tagen zu besuchen und das im Winter, wo die Leute hier viel Zeit haben und gerne ein „Dram“ extra ausschenken, ist schon ein sportliches Programm.

Ardbeg, Laphroaig und Lagavulin

Ardbeg, Laphroaig und Lagavulin sind unsere ersten Ziele. Schon an unserer ersten Station zeigt sich, dass unsere mühevolle Planung vom gestrigen Abend nicht viel Wert ist. Die Zeiten der Führungen auf den Internetseiten stimmen leider nicht wirklich. Das ist aber kein Problem, Biryoni aus dem Shop von Laphroaig ruft einfach bei den anderen Brennereien an und klärt, wie die Reihenfolge am besten für unser Vorhaben ist. Hier auf Islay kennt man sich und Wettbewerb wird nicht ganz so eng gesehen.

Wir starten also entgegen unserem Plan bei Ardbeg. Dort wartet Heather unser Tourguide schon mit zwei Norwegern auf uns, um mit dem „Ardbeg Full Range Tour and Tasting“ zu beginnen. Es ist ihre erste Führung, deswegen bekommen wir von ihrer Chefin noch die Aufgabe möglichst viele Fragen zu stellen. Eins ist also auch hier verbreitet, als Führungskraft sorgt man mit allen Mitteln für eine ordentliche Qualifikation seiner Mitarbeiter. Heather hat sich irgendwie trotzdem nicht darüber gefreut, aber dennoch sehr gut geschlagen.
Nachdem wir den gesamten Herstellungsprozess von Whisky ausführlich begutachtet haben (dazu mehr im zweiten Teil), kommen wir zum Höhepunkt der Führung, zum Tasting. Wir probieren fünf Sorten Ardbeg. Die Portionen sind ordentlich. Im Pub ist ein Dram ein Glas mit ca. 25 ml Whisky, an der Quelle kann es auch gerne die doppelte Menge oder mehr sein.
Leider ist die leckerste Sorte schon seit mehr als einem Jahr ausverkauft, so bleiben die Pfunde im Portemonnaie und es geht weiter zur nächsten Brennerei.

Islay Ardbeg Tasting

Zum Glück haben wir vor dieser nächsten Führung bei Lagavulin 20 Minuten Zeit. Morgens um kurz vor 11 mit 5 Drams zu starten ist auch mit einem Full Scottish Breakfast eine kleine Herausforderung.

Bei Lagavulin bläßt uns der Wind so, wie er will über den Parkplatz. Das Wetter ändert sich hier mit beeindruckender Geschwindigkeit. Eben noch ein laues Lüftchen und jetzt müssen wir uns gegen den Sturm stemmen und der Regen ist sofort durch alle Kleidungsstücke gedrungen. Hätte ich nur auf die guten Ratschläge gehört und eine Regenhose mitgenommen.

Islay Wetter

Lagavulin ist schön klassisch. Vorbei am Büro des Managers geht es erst einmal ins Kaminzimmer mit gemütlichen Lederohrensesseln. Kurz verschnaufen, bevor es weitergeht. Die Führung ist diesmal exklusiv für uns drei Nordlichter.

Islay Lagavulin Tasting

Am Ende gibt es wieder einen Dram, diesmal von meinem persönlichen Favoriten dem 16-jährigen Lagavulin. Natürlich müssen wir auch noch den Lieblingsmalt unserer Führerin, die Distillers Edition, probieren. Auch nicht zu verachten. Die zweite Reife im Pedro Ximenez Sherryfass tut dem Lagavulin gut und läßt ihn noch runder werden. Leicht süßlich, keine ausgeprägten Spitzen der Rauchnote mehr. Hier hat sich Master Iain McArthur, seit 42 Jahren der Masterdestiller in Lagavulin, wirklich etwas einfallen lassen.

islay whisky lagavulin

Weiter geht es zu Laphroaig. Als Friend of Laphroaig kann ich mir hier meinen jährlichen Obulus abholen (natürlich einen Dram Laphroaig) und mein Stück Land in Besitz nehmen.
Als Werbegag bekommt jeder Friend of Laphroaig ein square foot Land am Ufer des Flusses, der das Wasser für die Destillerie liefert, und kann es bei einem persönlichen Besuch in Besitz nehmen. Der Fluss ist über die Ufer getreten und hat die umliegenden Wiesen überflutet. Briyoni aus dem Shop rät uns von unserem Vorhaben ab, wir lassen uns aber nicht beirren. Also bekommen wir die genauen GPS-Koordinaten des circa DIN A4 großen Stückes Land und ein Stück Papier mit der exakten Größe meines „Besitzes“.

Islay Laphroaig Gebäude

Ab in die bereitstehenden Gummistiefel, ein Flagge zum Markieren gegriffen und auf geht’s. Kurz vor dem Überlaufen der Gummistiefel erreichen wir fast die angegebenen GPS-Koordinaten und stecken unser kleines Fähnchen in den großen Teich, der jetzt fast die gesamte Wiese einnimmt. Wir fühlen uns ein wenig wie Neil Armstrong, der gerade mit der US-Flagge den Mond in Besitz genommen hat. Zufrieden machen wir uns auf den Rückweg zum Shop. Dort bekommen wir erst einmal? Natürlich einen Dram Single Malt. Bei jedem Schluck merkt man, warum dieser Whisky früher in der Apotheke verkauft wurde. Sehr schmackhafte Medizin.

Jetzt geht’s erst einmal zurück nach Bowmore, um den weiteren Schlachtplan auszuhecken.

islay bowmore

In unserer Pension angekommen fragt uns John der Wirt, was wir den Tag so gemacht haben. Nach einer kurzen Schilderung bekommt erst einmal jeder einen Dram und wir müssen herausfinden, welcher Malt es ist. Beim zweiten Versuch klappt es, wir sind halt echte Experten. Dafür haben wir uns eine Stärkung verdient.

Islay Haggis

Was liegt da näher als das schottische Nationalgericht Haggis? Die Spezialität ist gewöhnungsbedürftig, man darf nicht zu genau ergründen aus was Haggis gemacht wird. Die Bedienung steht unserer Frage nach der Herstellung auch etwas ratlos gegenüber. Soll sie wirklich vor dem Essen erzählen, was alles in dem lecker aussehenden Haggis-Tower ist? Ein Gast vom Nachbartisch kommt ihr zur Hilfe. „Haggis is awful, all things in it you normally won’t eat.“ Geschmeckt hat es aber trotzdem. Jetzt kann ich es auch verraten Haggis der Magen eines Schafes,  der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird.

islay ugly betty

Wer keinen Whisky mag, kann sich vielleicht mit Ugly Betty anfreunden. Sie steht in der Bruichladdich-Brennerei und destilliert unter Zusatz von heimischen Kräutern einen hervorragenden Gin.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Auch wenn das Grundprinzip der Whiskyherstellung immer gleich ist, so hat doch jede Destillerie ihren ganz eigenen Charakter, den man nur vor Ort spüren kann.

Islay Faehre

Als uns die Fähre nach drei viel zu kurzen Tagen wieder in Kennacraig ausspuckt, sind wir um viele Eindrücke reicher und ein großes Stück näher an unser Lieblingsgetränk, den Islay-Single-Malt, gerückt.

Für alle, die selber Whisky herstellen wollen oder die einfach nur der Herstellprozess interessiert, geht es hier weiter.

 

Destillerien

Auf Islay gibt es zurzeit 8 aktive Destillerien:

Ardbeg

Bekannt für seine rauchigen Whiskys, Standardprodukt ist der Ardbeg Ten, ein unverwechselbarer 10-Jähriger.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 1,2 Mio Liter

Besitzer: Moët Hennessy Louis Vuitton

Internet: www.ardbeg.com

 

Bowmore

Große Auswahl, auch gute Einsteigerwhiskys für zukünftige Peated-Single-Malt-Freunde. Standardprodukt ist der Bowmore 12, ein 12-jähriger und der jüngste Whisky mit eigener Altersangabe.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2 Mio Liter

Besitzer: Suntory

Internet: www.bowmore.com

 

Bruichladdich

Sehr innovative Destillerie mit großer Auswahl. Hier gibt es auch den stärksten Whisky der Insel, den Octomore mit 169 ppm peat. Bruichladdich ist neben Kilchoman die einzige Brennerei, die auf der Insel abfüllt.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 1,6 Mio Liter

Besitzer: Rémy Cointreau

Internet: www.bruichladdich.com

 

Bunnahabhain

Die nördlichste Destillerie auf Islay. Hauptprodukt ist der 12-Jährige. Bunnahabhain bietet auch einen Whisky mit 1 ppm an, nicht Islay-typisch aber auch erstaunlich lecker.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,6 Mio Liter

Besitzer: CL Financial

Internet: www.bunnahabhain.com

 

Caol Ila

Die größte Destillerie auf der Insel. Hier werden hauptsächlich Whiskys für Blends hergestellt, aber auch ein paar Single-Malts abgefüllt. Hauptprodukt ist hier der 12-jährige.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 6,8 Mio Liter

Besitzer: Diageo

Internet: www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Caol-Ila

 

Kilchoman

Eine neue Brennerei auf der Insel, die den einzigen 100-%-Islay-Whisky (nur mit Zutaten von der Insel) herstellt. Interessant und Hauptprodukt ist der Machir Bay, ein Mix aus 3 bis 5-jährigen Whiskys.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 0,4 Mio Liter

Besitzer: Anthony Wills

Internet: www.kilchomandistillery.com

 

Lagavulin

Hier werden typische Islaywhiskys mit ausreichend Peat hergestellt. Hauptprodukt und mein persönlicher Liebling ist der 16-jährige.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,4 Mio Liter

Besitzer:  Diageo

Internet: www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Lagavulin

 

Laphroaig

Aus dieser Brennerei kommen die Whiskys mit dem typischen Medizingeschmack. Hauptprodukt ist der 10-Jährige. Sehr interessant ist auch der in drei verschiedenen Fässern gereifte „Triple Wood“.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,8 Mio Liter

Besitzer: Fortune Brands

Internet: www.laphroaig.com