Falkirk – Geisterpferde und ein Karussell für Ausflugsschiffe

Wo: Falkirk – Schottland
Wann: Juli 2017

Seit wir in Edinburgh angekommen sind verfolgen uns zwei riesige Pferde. Aus jedem Souvenirshop entlang der Royal Mile beobachten Sie uns, fein säuberlich aufgereiht in ihren Postkartenständern zusammen mit allen anderen Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Als uns die beiden Pferde schließlich knallrot ausgeleuchtet von einem Kalendercover ganz ungeniert beobachten, haben wir genug und schauen uns den Kalender genauer an. Die beiden sind Skulpturen und stehen nur ein paar Meilen auf der M9 entfernt im kleinen Örtchen Falkirk. Am nächsten morgen satteln wir kurzentschlossen unser Dieselpferd und machen uns auf den Weg dorthin.

Unsere beiden Equinoiden sind eigentlich gar keine Pferde, der schottische Künstler Andy Scott hat zwar 2013 offiziell die größten Pferdeskulpturen der Welt erschaffen, es sind aber Kelpies, schottische Wassergeister in Pferdeform.

Kelpies Fallkirk spinagel

Die Kelpies bewohnen die Fließgewässer ihrer Heimat, des schottischen Hochlands und zeigen sich den Menschen in Gestalt eines großen Pferdes. Nett sind sie leider überhaupt nicht. Kelpies versprechen Wanderern, die ihren Fluss überqueren wollen sie auf die andere Seite zu tragen. Wenn der gutgläubigen Wanderer aber erst einmal aufgestiegen ist zieht ihn der Kelpie in die Tiefe, um ihn dann zu verspeisen. Nur wer dem Kelpie ein Zaumzeug anlegt, bevor er aufsteigt oder der Pferdegestalt ein Tuch über den Kopf wirft, endet nicht als Mahlzeit am Grund des Gebirgsflusses.

Kelpies sun Fallkirk spinagel

Unsere Kelpies sind zum Glück aus Stahl und bestehen nur aus Kopf und Hals. Das ist bei einer Gesamthöhe von 30 Metern aber auch schon beeindruckend genug. Die beiden wohnen im Park The Helix, der ein beliebtes Ausflugsziel für die Schotten aus der näheren und weiteren Umgebung ist. Die beiden Wassergeister bewachen in diesem Park den Eingang zum Forth and Clyde Canal, der Verbindung von Edinburgh nach Glasgow

Die Erklärung warum manche Postkarten die beiden Pferdeköpfe bunt beleuchtet gezeigt haben, liefert uns das Visitor-Center: Die beiden Skulpturen sind mit einer Unmengen an LEDs ausgestattet, die das gesamte Kunstwerk in ein fast magisches buntes Licht tauchen können. Schade, dass wir nicht bis zur Dunkelheit Zeit haben.

Aber auch tagsüber sind die beiden Kelpies ein tolles Fotomotiv. Unsere Bilder über die Wasserfläche der kleinen Marina hinweg sind auch schon spektakulär genug.
Wer sich etwas mehr für das Kunstwerk interessiert, kann eine geführte Tour mitmachen, die nicht nur die Hintergründe und technischen Fakten näher erläutert sondern auch einen Blick ins Innere der beiden stählernen Ungetüme zulässt.

Kelpies inside Fallkirk spinagel

Nach einer Stärkung mit Tee und schottischen Scones (das sind die besonders großen), machen wir uns auf den Rückweg nach Edinburgh. Direkt an der Ausfahrt weist uns ein unübersehbares braunes Schild den Weg zu einer weiteren Sehenswürdigkeit in Falkirk, dem Falkirk Wheel. Davon habe ich schon einmal gehört und meinen Erinnerungsfetzen nach lohnt sich ein kleiner Umweg.

5 Minuten später und um die hier üblichen 3 Pfund für das Parken ärmer stehen wir auf dem obersten Parkplatz des Falkirk Wheel. Von hier hat man den besten Überblick über die gesamte Konstruktion. Der von oben kommende Kanal geht in eine Brücke für Schiffe über, die an einer Art Riesenrad mit zwei Gondeln endet. Das von oben kommende Schiff fährt über die Brücke in die obere Gondel. Die zweite Gondel am unteren Teil des Riesenrades taucht in einen kleinen künstlichen See ein. Hier können die Schiffe in die untere Gondel einfahren.

Fallkirk Wheel Spinagel back

Die Schiffe in den Gondeln und werden mit dem Riesenrad über einen Höhenunterschied von 24 Metern transportiert. Früher benötigen die Schiffsführer etwas mehr Geduld. Um diese Höhendifferenz zu überwinden war eine 1,5 Kilometer lange Schleusentreppe mit elf Schleusen zu durchfahren.

Fallkirk Wheel Spinagel rotating

Das 24. Mai 2002 durch Königin Elisabeth II. anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums eröffnete Fallkirk Wheel stellt einen wichtigen Teil in der Verbindung von Edinburgh und Glasgow über das schottische Kanalsystem dar. Früher wurden Kohle und andere Massengüter hauptsächlich mit schmalen Booten, den sogenannten Narrowboats, auf den Kanälen durch Schottland und dem Rest des Vereinigten Königreichs transportiert. Heutzutage sind die meisten Narrowboats Hausboote, auch das Falkirk Wheel hat keine Bedeutung für den Gütertransport mehr, da es nur noch von Hausbooten und Ausflugsschiffen genutzt wird.

small kelpies Fallkirk Wheel Spinagel

Wieder auf dem Parkplatz angekommen verabschieden uns zwei Modelle unserer mystischen Wassergeister vom Tagesanfang. Selbst diese schauen trotz ihres Maßstabes von circa 1:10 immer noch von oben auf uns herab.

Text und Fotos: Boris Kohnke, Juni 2017

Directions

The Helix/The Kelpies

Die Kelpies im Park The Helix erreicht man am einfachsten indem man von der M9 auf die A904 abbiegt und in Richtugn Stadtmitte fährt. An den nächsten beiden Kreisverkehren jeweils rechts abbiegen und man ist auf dem Parkplatz. Der Parkplatz gleich nach dem letzten Kreisverkehr ist kostenlos, man läuft dann aber ein paar Minuten. Dichter an den Kelpies kostet das Tagesticket 3 Pfund.

Postleitzahl für das Navi: FK2 7ZT
Webseite: www.thehelix.co.uk

Falkirk Wheel

Aus Edinburgh die M9 Richtung Stirling fahren und die Ausfahrt 8 nehmen. Danach einfach den braunen Schildern Richtung The Falkirk Wheel folgen.

Postleitzahl für das Navi: FK1 4RS
Webseite: www.thefalkirkwheel.co.uk

 

Speyside – Welcome to paradise

Wo: Speyside, Schottland
Wann: April 2014

Von Westen her zieht ein leichter Whiskyduft über die Nordsee und lockt uns auch dieses Jahr wieder über den Ärmelkanal. Dieses Mal ruft uns die Speyside nach Schottland. Speyside bezeichnet weder eine geographische Region noch einen Verwaltungsbezirk, sondern umgrenzt in einem Gebiet  entlang des Flusses Spey über die Hälfte aller schottischen Whiskybrennereien. Ein echtes irdisches Paradies also für uns Whiskyliebhaber.

Princess Seaways (c) spinagel.de

Ausfahrt aus IJmuiden

Wie schon letztes Jahr schiffen wir uns mit unserem Auto in IJmuiden ein. Die Princess Seaways trägt uns über Nacht auf die britische Insel.

Offshore Windpark (c) spinagel.de

Offshore Windpark vor der niederländischen Küste

Nachdem wir die weit vor der niederländischen Küste liegenden Offshore-Windkraftanlagen passiert haben, treffen wir auf die ersten schottischen Botschafter: Drei Bag-Piper nutzen das gute Wetter und geben ein spontanes Konzert auf der Backbordseite des Sonnendecks. Trotz des fehlenden Kilts und der französischen Herkunft der Piper-Gruppe ist uns schon jetzt ganz schottisch zumute.

Piper (c) spinagel.de

Piper auf der Überfahrt

Wir lassen den Tag bei einem spektakulären Sonnenuntergang mit einem echten englischen Ale ausklingen, anschließend träumen wir in unseren Kojen schon von der Insel und dem Start unserer Reise in Newcastle.

Am nächsten Morgen lassen wir das Frühstück ausfallen und genießen statt dessen lieber vom Oberdeck aus die Einfahrt in den Tyne. Gemächlich geht es vorbei an den neu erbauten Wohnhäusern der Waterfront und den zerfallenden Überresten der einstmals stolzen Werften.

Tyne Newcastle (c) spinagel.de

Tynemündung Newcastle

Von Newcastle bis zu unserem Ziel Shenval haben wir noch ein paar Stunden Autofahrt vor uns. Nachdem wir genügend Zeit hatten uns auf dem Motorway bis Perth an den Linksverkehr auf der Insel zu gewöhnen, führt uns unser Weg Richtung Cairngorms National Park über die typischen schottischen Landstraßen und single-track-roads.

Schottisches Straßenschild

Schottisches Straßenschild

Irgendwo hinter Dunkeld sehe ich beim schwungvollen Ausweichen vor dem Gegenverkehr aus den Augenwinkeln ein seltsames Schild – Ein LKW der mit frei schwebenden Rädern mittig auf einer seltsamen Beule aufsitzt. Was uns die Schotten damit sagen wollen sehen wir hinter der nächsten Kurve: Eine Brücke, die offensichtlich ursprünglich nur für den schottischen Highlander hoch zu Roß geplant war. Wer hier versucht mit etwas längerem als einem normalen PKW auf die andere Seite des Flusses zu kommen oder wessen Auto tiefergelegt ist wird unweigerlich wie der LKW auf dem Schild hängen bleiben. Dass es einige Fahrer trotzdem versucht haben können wir an den tiefen Scharten im Teer auf der Kuppe deutlich erkennen.

bridge (c) spinagel.de

Die Brücke

Unser Weg führt uns weiter durch die schroffen schottischen Highlands bis zu unserem Cottage in der Nähe von Dufftown. Der Wahlspruch der Einwohner „Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills“ (Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen) hat uns zugegebenermaßen etwas bei der Auswahl unseres Zielortes beeinflusst.

Dufftown clock tower

Dufftown clock tower

Sieben aktive Destillen gleichzeitig gab es nur selten in Dufftown, trotzdem ist die Fahrt durch den Ort für jeden Whiskyfreund eine Offenbarung, hinter fast jeder Ecke lugt das typische Pagodendach eines Kiln (Dörrbodens) hervor. Hier werden wir in den nächsten sechs Tagen viel zu sehen bekommen.

Shenval

Shenval

Ein paar Meilen außerhalb von Dufftown liegt endlich unser Cottage. Wie hatte es unsere Vermieterin geschrieben? Das dritte Haus hinter dem weißen Farmschild auf der linken Seite (wenn ihr am Pub vorbeifahrt seid ihr zu weit), die Tür ist offen, der Schlüssel liegt auf dem Tisch und im Kühlschrank ist eine Flasche Wein für euch. Enjoy your stay.

Hier ist die Welt noch in Ordnung. So etwas sollte man in Hamburg gar nicht erst versuchen, hier wäre mindestens der Wein leer.

Noch ist es hell. Eine Brennerei schaffen wir heute noch, also kurz die neue Bleibe beschnuppert, das Auto entlastet, einen neuen Akku in die Kamera gelegt und natürlich alle Türen unseres Cottages ordentlich abgeschlossen.

Bei Glenfiddich findet mindestens jede Stunde eine Führung statt. Also zurück nach Dufftown.

Glenfiddich ist uns als eher günstiger Single-Malt-Whisky bekannt, die markante dreieckige, grüne Flasche des 12-jährigen findet man im Regal vieler großer Lebensmittelmärkte. Aber Glenfiddich hat durchaus auch einige Spitzenwhiskys zu bieten. Die seit Beginn im Besitz der Familie Grant befindliche Brennerei ist mit ihrem Produktionsvolumen von gut 10.0000.000 Litern eine der größten und erfolgreichsten Destillen in Schottland. Der Erfolg ist sicherlich mit darauf zurück zu führen, dass Glenfiddich als eine der ersten Brennereien schon 1963 auf die Vermarktung von Single-Malt-Whisky gesetzt hat.

In der Brennerei angekommen erschrecken uns die beiden Spanier, die schon auf die nächste Führung warten, ein wenig. Laut klimpernd schwenken sie die Eiswürfel in ihrem Single-Malt. Single Malt auf Eis? Zum Glück halten es die Schotten hier very british und rümpfen nur leicht die Nase.

Glenfiddich stills

Glenfiddich stills

Auch wenn wir schon viele Brennereien gesehen haben, die 18 Brennblasen mit ihren knapp 5.000 Liter Volumen je Still sind schon beeindruckend.

Glenfiddich tasting

Glenfiddich tasting

Beim abschließenden Tasting werden uns drei Single-Malt-Whiskys auf einem Untersatz serviert, der die Geschmacksnuancen nicht nur in Worten beschreibt, sondern sie auch mit Bildern von Bratäpfeln, Birnen und Zimtstangen illustriert. Einer unserer spanischen Begleiter fragt ernsthaft entrüstet, wann denn die Früchte und Gewürze in den Whisky gegeben werden, das hätte er bei der Führung gar nicht gesehen. Kaum ist das Grinsen bei uns und unserem Führer verschwunden und ein für beide Seiten akzeptabler Ausweg aus diesem Fauxpas gefunden. Möchte der andere Spanier Cola und ein paar Eiswürfel haben. Da verliert unser Guide dann doch ein wenig die Fassung sagt kurz „sorry this is not possible“ und verschwindet irgendetwas vor sich hin murmelnd auf Nimmerwiedersehen durch eine Tür auf der „Staff only“ steht. Wer hätte gedacht, dass man einen gestandenen Highländer im Kilt mit einem Softdrink und ein wenig gefrorenem Wasser so aus der Fassung bringen kann?

Wir haben genug Spaß für diesen Tag gehabt und ziehen uns mit ein paar unbekannten Single-Malts von Glenfiddich zum Tasting an das Kaminfeuer unseres Cottages zurück.

Am nächsten Tag steht unter anderem die Destille Aberlour auf dem Plan. Der 10-jährige Aberlour war mein erster Single-Malt, Grund genug sich die Brennerei einmal genau anzusehen. Vor Ort müssen wir leider feststellen, dass es zurzeit keine Führungen gibt. Uns bleibt nur das kleine Torhaus, das aussieht, als ob es auch genau so in Schlumpfhausen stehen könnte, aber das Aberlour-Visitor-Center beherbergt.

Aberlour

Aberlour

Mit einem Polo als Beute geht es weiter zu Glen Grant. Diese Brennerei gehört, wahrscheinlich auch durch die guten Beziehungen des ehemaligen Besitzers Major Grant nach Italien heute zur Campari-Gruppe und ist die Einzige schottische Single-Malt-Marke des italienischen Konzerns. Eine Besichtigung ist nicht nur für Whiskyliebhaber empfehlenswert, Major Grant legte einen victorianischen Park mit spektakulären Brücken und vielen wunderschönen Blumen an, der bis heute erhalten wird.

Glen Grant spirit safe

Glen Grant spirit safe

Unseren Guide bei der Führung durch die Destille teilen wir uns hier mit drei englischen Mädchen, die sich alles artig anhören, aber hin und wieder bemerken, dass das alles gar nicht so spannend wäre. Als sie uns beim abschließenden Tasting erzählen, dass sie eigentlich gar keinen Whisky mögen und die bereitgestellten Whiskys vor dem Trinken mit mindestens der dreifachen Menge Wasser verdünnen, sind wir etwas verwundert. Diese Engländerinnen scheinen einen ganz anderen Bezug zum Single-Malt zu haben als wir. Trotzdem trinken sie alle drei Drams Whisky brav aus. Als wir auf dem Weg nach draußen aufschnappen, dass die Truppe mit dem Auto da ist und gerade geklärt wird wer fährt, sind wir vollends verwirrt. Von uns beiden würde schon nach dem ersten Dram keiner freiwillig Auto fahren.

An diesem Tag führt uns unser Weg noch nach Keith zu Strathisla. Die 1786 gegründete Destillerie mit ihrer charakteristischen Doppelpagode ist die älteste in Betrieb befindliche der Speyside. Während der Führung kommt der Chemiker in mir durch und ich stelle eine Frage zur Umsetzung der Feints im Destillationsprozeß. Unsere Führerin kann die Frage erwartungsgemäß nicht beantworten, meint aber das wird der General Manager mit seinen über 30 Jahren Erfahrung bestimmt wissen. Später beim Tasting holt sie kurzerhand den Geschäftsführer der Brennerei, der nachvollziehbar erklärt, wie die Feints in einem Kupfer-Still chemisch umgesetzt werden.

Strathisla

Strathisla

In unserer Woche in der Speyside besuchen wir noch viele andere Destillen und lernen wieder ein wenig mehr über das Geheimnis hinter gutem schottischen Single-Malt. Mehr zu den anderen Destillen gibt es im Bereich Whisky.

Da wir nach allen besuchten Destillen noch immer die eine oder andere Wissenslücke haben, was den klassischen Herstellungsprozess von Whisky angeht, besuchen wir die ehemalige Brennerei Dallas Dhu. In diesem Museum kann man nicht nur die Produktionsweise von Single-Malt nachverfolgen, sondern sieht auch was sich im Laufe der Jahre im Produktionsgang verändert hat.

Museum Dallas Dhu

Museum Dallas Dhu

Wer die A 95 von Aberlour nach Grantown-on-Spey fährt, sollte unbedingt an der Tormore Distillery anhalten. Das schöne Gebäude und die Gartenanlagen davor sehen zwar aus, als ob sie schon mindestens 100 Jahre auf dem Buckel hätte, alles wurde aber erst 1958 erbaut.

Tormore

Tormore

Der Geschmack eines Whiskys hängt nicht nur vom verwendeten Destillat ab, sondern entstammt zu einem großen Teil aus den bei der Reifung verwendeten Fässern. Nur wenige Brennereien wollen oder können sich heutzutage noch eigene Küfer leisten. Ein Großteil der in der Gegend verwendeten Fässer stammt aus der Speyside Cooperage, aber das ist eine separate Geschichte.

Speyside Cooperage

Speyside Cooperage

Zwei Ziele sollte jeder Whiskyliebhaber mit in seine Reiseplanung für die Speyside einbeziehen.
Der Highlander Inn in Craigellachie hat weit und breit die größte und ausgefallenste Whiskysammlung.

Highlander Inn

Highlander Inn

Besonders die Glasvitrine im kleinen Gastraum sollte man sich sorgfältig ansehen, so viel alte Single-Malts gibt es sonst sehr selten zu sehen.

Highlander Inn

Highlander Inn

Für alle, die noch einen speziellen Whisky für zuhause suchen ist ein Besuch in Elgin bei Gordon & McPhail Pflicht. Hier findet man eine riesige Auswahl an Single-Malts direkt aus den Destillen oder von unabhängigen Abfüllern und das teilweise zu für die Insel unüblich niedrigen Preisen.

Gordon & MacPhail

Gordon & MacPhail

Die Besitzer von Gordon&McPhail haben sich 1993 einen lang gehegten Traum erfüllt und selbst eine Brennerei gekauft. Nach einer Grundsanierung eröffnete Prinz Charles die Brennerei 1998 und signierte das erste Fass Benromach.

Benromach warehouse cask 1(c) spinagel.de

Benromach erstes Fass mit Signatur

Benromach produziert auf eine sehr klassische Art mit viel Handarbeit hervorragenden Single-Malt. Mit dem „Peat Smoke“ bekommt der Whisky-Liebhaber hier auch einen leckeren, für die Speyside unüblich rauchigen Whisky.

Rückfahrt auf den Kontinent

Rückfahrt auf den Kontinent

Nach 6 viel zu kurzen Tagen machen wir uns auf den Rückweg Richtung Deutschland. Die Zeit war gerade ausreichend für einen kurzen Überblick über diese spannende Whiskyregion. Wir kommen bestimmt noch einmal wieder.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Verliebte Fasane

Eines nervt uns die ganze Zeit kolossal – die verliebten Fasane. Überall stolzieren sie über die Straßen und lassen sich auch durch herannahende Autos nicht beeindrucken. Bei einem ganz hartnäckigen Exemplar drehen wir den Spieß um. Als der Fasan uns endlich vorbei lässt und wir ihn in Schrittgeschwindigkeit überholen, reiße ich direkt neben ihm die Autotür auf und springe heraus. Der Fasan ist so erstaunt, dass er bei seiner Flucht einen Begrenzungspfahl streift. So schnell wird der nicht wieder probieren ein Auto auszubremsen.

 

Craigellachie – Bretter, die die Welt bedeuten

Wo: Craigellachie, Schottland
Wann: April 2014

„Wow! Hast Du den dahinten gesehen?“, fragt mich Poldi und zeigt auf den bärtigen Hünen mit dem Kindergesicht. Auf der anderen Seite der Halle prügelt er mit einem riesigen Hammer ein paar Eisenringe auf ein mannshohes Fass, als ob er einen Weltmeistertitel gewinnen will. Der freundliche Schotte in unserer Begleitung sieht unser Staunen und erklärt uns mit einem Lächeln, dass die Reparatur von Fässern seit Urzeiten mit einem variablen Lohn vergütet wird, der sich an der Anzahl der fertiggestellten Fässer orientiert.

Speyside Cooperage Blick ins FassNoch ein prüfender Blick ins Fass, bevor der Deckel aufgesetzt wird und unser Riese hat sein Fass repariert.

Jetzt hält es wieder viele Jahre und kann seine Geschmacksstoffe an den guten schottischen Single-Malt-Whisky abgeben. Wir sind in Craigellachie in der Speyside Cooperage, auf einer Führung durch die größte Küferei der schottischen Whiskyregion Speyside. Hier werden jährlich fast 150.000 Holzfässer instand gesetzt. Die Fässer haben einen wichtigen Anteil am guten Geschmack des schottischen Whiskys. Während der Lagerung geben sie ihre Aromastoffe an den Whisky ab und tragen damit, trotz allem Voodoo um die Form der Brennblasen, überwiegend zum Geschmack des fertigen Produktes bei.

Nicht ganz so brutal, aber ähnlich flink ist ein älterer Herr direkt unter uns mit seinem Fass zugange. Kraft scheint das eine zu sein, aber Erfahrung ist offensichtlich auch durch nichts zu ersetzen. Viele Dinge werden einfach mit Gefühl und per Augenmaß erledigt. Sollte trotzdem mal ein Maß für ein neues Stück Holz an einem Fass benötigt werden, benutzt der erfahrene Küfer keinen Zollstock. Er reißt sich einfach ein Stück Schilf, das normalerweise zum Abdichten der Fässer verwendet wird, in der passenden Länge ab und fertigt sich mit dieser Schablone das passende Ersatzteil.

Speyside Cooperage WerkstattDie Werkzeuge, mit denen die Küfer arbeiten, sehen exakt so aus, wie diejenigen, die wir kurz zuvor in einem Museum gesehen haben, und die waren immerhin fast 100 Jahre alt. Am Ende sind die Fässer trotz Handarbeit, Augenmaß und antiquierten Werkzeugen für viele Jahre dicht. Geprüft wird dies im letzten Schritt, indem die Fässer mit ein wenig Wasser befüllt und Druckluft hineingepresst wird. Wir sind beeindruckt von der Geschwindigkeit der Arbeiter und ihrem traditionellen Handwerk.

Speyside Cooperage GlaskastenSeit einer knappen halben Stunde beobachten wir die Arbeit in der Küferei von einer verglasten Empore. Unser Führer zeigt uns zum Abschluss einen Fassbausatz aus einzelnen Fassdauben und ein paar Eisenringen. „Wenn ihr das Fass in der nächsten halben Stunde zusammensetzt, könnt ihr hier morgen anfangen“, sagt er. Unser Ehrgeiz ist geweckt, in der Halle unter uns sieht das doch alles ganz easy aus. Das schaffen wir sicherlich auch in ein paar Minuten. Dass das alles einfacher erscheint, als es im wirklichen Leben ist, stellen wir nach einer halben Stunde fest und geben etwas frustriert auf.

Speyside Cooperage EingangAuf geht’s zum obligatorischen Besuch in den Souvenirshop. Obwohl die Mitbringsel im Souvenirshop garnicht so kitschig wie üblich sind, stellen wir ganz zaghaft die Frage, ob man vielleicht auch eine Fassdaube aus einem alten Fass bekommen könnte. „Klar“, sagt die Verkäuferin, „die kosten 2,50 Pfund. Wie viele wollt ihr denn?“ Wir sind so überrascht, dass wir jeder nur eine nehmen.

Speyside Cooperage FlaggeVor der Tür schnuppern wir an den erbeuteten Planken und versuchen, am Geruch zu erkennen, welcher Whisky wohl darin gelagert war. Dabei freuen wir uns wie kleine Jungs über eine neue Autorennbahn und holen uns schwarze Nasen an den Dauben. Die Verkäuferin beobachtet uns durch ein Fenster, ihr Blick sagt uns, was sie gerade denkt – „Crazy Germans, they enjoy smelling at firewood.“

Text und Fotos: Boris Kohnke, September 2014

Fässer

Fässer von der iberischen Halbinsel sind inzwischen ein begehrter Rohstoff bei der Whiskyproduktion geworden, da der Portwein- und Sherry-Konsum zurückgeht, der Whiskybedarf aber steigt. Bis zu drei Mal können diese Fässer wiederverwendet werden, danach brauchen die Brennereien neue gebrauchte Fässer. Bei der Aufbereitung werden die Fassdauben innen abgeschliffen und das Fass erneut ausgebrannt. So kann die nächste Schicht Holz wieder ihre Aromastoffe an den Whisky abgeben.Bei den häufiger verwendeten Bourbon-Fässern ist der Nachschub kein Problem. Diese dürfen in den USA nur einmal für die Lagerung von Bourbon benutzt werden uns stehen danach dementsprechend reichlich für schottischen Whisky zur Verfügung.Je kleiner das Fass ist, umso mehr Holz kommt mit dem Whisky in Berührung und umso schneller geht der Reifeprozess vonstatten. Bei der Whiskyproduktion werden hauptsächlich folgende Fassgrößen eingesetzt:Barrel
Klassisches Bourbon-Fass mit einem Volumen von ungefähr 180 Litern aus getoasteter amerikanischer Eiche.

Hogshead
Ein auf 250 Liter vergrößertes Standard-Bourbon-Fass (Barrel).

Butt
Typisches, 500 Liter fassendes Sherryfass, meist aus europäischer oder amerikanischer Eiche. Eine andere Form für dieses Fass ist das ebenfalls 500 Liter fassende Puncheon, welches etwas flacher, dafür aber breiter ist.

Fassbau
Fässer werden seit Jahrhunderten für den Transport und die Lagerung von Waren eingesetzt. Der Aufbau, die Materialien und die beim Fassbau verwendeten Werkzeuge haben sich in den letzten 200 Jahren kaum geändert.

Fässer bestehen aus folgenden Einzelteilen:

Fassdauben: Die einzelnen „Bretter“ des Fasses.

Fassreifen: Sie halten die Dauben in Form und sorgen durch richtige Platzierung für die Dichtigkeit des Fasses. Für Whiskyfässer werden sie aus Eisen gefertigt.

Deckel: Meist aus demselben Holz wie die Dauben. Sie bestehen aus einzelnen Brettern, die mit Holzdübeln zusammengehalten werden.

Dichtmaterial: Die minimalen Hohlräume zwischen den Dauben und den Deckelbrettern sowie zwischen Deckel und Fasskörper werden mit Schilf abgedichtet. Schilf quillt bei Berührung mit Flüssigkeit auf und sorgt so automatisch für ein dichtes Fass.

 

Single-Malt-Whisky

Wo: weltweit, hauptsächlich Schottland
Wann: ab 1.1.2007

Doppeltes Pagodendach Strathisla Speyside

Doppeltes Pagodendach Strathisla Speyside

Uisge beatha, das Wasser des Lebens, bei uns besser bekannt als Whisky, wird seit dem 5. Jahrhundert in Schottland gebrannt und erfreut sich bis heute einer großen Beliebtheit. Wer einmal der Faszination der vielen Nuancen eines guten Whiskys erlegen ist, wird immer wieder versuchen, neue Variationen dieses speziellen Getränks zu verkosten.

Wie bin ich zum Whisky gekommen?

Mich hat der Whisky-Virus am 1.1.2007 infiziert. Den Jahreswechsel 2006/2007 haben wir in einem kleinen, etwas schrägen Schlosshotel verbracht. Der Besitzer hatte sich mit dem Hotel seinen persönlichen Traum erfüllt, exzentrisch eingerichtete Zimmer, immer angezogen wie ein schottischer Earl und eine Bar mit einer überragenden Whiskysammlung.
Nach dem Feuerwerk um Mitternacht hat unser Gastgeber seine Whiskysammlung für alle Hotelgäste zum Tasting geöffnet. Ich war recht schnell begeistert von dem einen oder anderen leckeren Tropfen.
Jedes Mal, wenn ich auf diesen denkwürdigen Tag zurückblicke, kommt in mir ein wenig schlechtes Gewissen hoch. Die Barfrau an diesem Abend schenkte wohl sonst eher Bier oder Saft aus, die Whiskygläser waren auf jeden Fall dementsprechend gefüllt. Da wir den einen oder anderen Whisky nicht auf Anhieb mochten, ist an diesem Abend viel Whisky dem Ausguss preisgegeben worden. Ich kann mich zum Glück nicht mehr an alle der teilweise recht seltenen Whiskys erinnern, es war aber der eine oder andere dabei, den man heute nur noch teuer von Sammlern kaufen kann.

Der Abend hat mich auf jeden Fall so beeindruckt, dass ich mir gleich im Januar meine erste Flasche Single-Malt-Whisky gekauft habe, einen 10-jährigen Aberlour.

Ich möchte euch ein wenig an der Faszination dieses einerseits so simplen, aber andererseits auch so komplexen Getränks teilhaben lassen. Wer weiß, vielleicht infiziere ich hier noch den einen oder anderen mit dem Whisky-Virus.

Von den Grundlagen der Herstellung über die Vorstellung der einzelnen Whiskyregionen und der Destillerien, die mir bis jetzt in Schottland und dem Rest der Welt über den Weg gelaufen sind, bis hin zu meinen persönlichen Erlebnissen rund um das Wasser des Lebens wird hier alles Interessante über Whisky zusammengetragen.

Stills Glen Grant (c) spinagel.de

Stills in der Glen Grant Brennerei

Wie wird Whisky gemacht?

Etwas ist bei allen Whiskys gleich: die drei Ausgangsstoffe Wasser, Gerste und Hefe und der Herstellungsprozess – mälzen, schroten, maischen, gären, destillieren und lagern. Wer wissen möchte, wie der Prozess im Einzelnen funktioniert, findet hier eine detaillierte Beschreibung der Produktion eines guten schottischen Whiskys.
In der Europäischen Union darf sich eine Spirituose nur Whisky (oder Whiskey) nennen, wenn sie mindestens drei Jahre in Holzfässern gereift ist und über 40 Vol.-% Alkoholgehalt hat. Als einziger Zusatzstoff ist Zuckerkulör erlaubt, der auch oft eingesetzt wird. Wer es genau wissen will, kann es in der EU-Verordnung 110/2008 nachlesen.

Wo kommt guter Single-Malt-Whisky her?

Bei Single Malt denkt jeder natürlich erst einmal an Schottland. Hier wird je nach Region Whisky mit sehr unterschiedlichem Charakter hergestellt. Guter Single-Malt-Whisky wird aber auch in vielen anderen Ländern gebrannt, so gibt es z. B. aus Japan, Indien, Frankreich, Dänemark oder Schweden ausgezeichnete Destillate. Selbst in Deutschland gibt es über 50 Brennereien, die sich dem Whisky widmen. Von „netter Versuch“ bis „wow“ ist auch in unserem Land geschmacklich alles anzutreffen.

Text und Fotos: Boris Kohnke

 

Buntenbock – Blumenbad

Wo: Buntenbock
Wann: Juni 2017

Auf dem Bergwiesenweg in Buntenbock begegne ich Blumen, von denen ich vorher nicht mal den Namen kannte. Sie blühen hellviolett, gelb, weiß, knallorange. Schlangen-Knöterich (Foto) heißt eine von ihnen, weil ihre Wurzel wie eine Schlange aussieht. Oder Wald-Storchschnabel, da ihre länglichen Fruchtgrannen an den Schnabel eines Storches erinnern.

 

Bergwiesen Wanderweg Buntenbock

Auf einer Schautafel am Wegesrand lese ich die Namen Ährige Teufelskralle und Kriechender Hahnenfuß. Letztere erkenne ich sofort als gelbe Butterblume wieder, die ich schon als Kind gepflückt habe. Dann gibt es noch Bärwurz, der wie Dill aussieht, natürlich auch Margariten, Klee und Sauerampfer. So schön ist es hier bei euch Bergblumen. Ich bin erfreut, eure Bekanntschaft zu machen.

 

Text und Foto: Petra Nickisch-Kohnke, Juni 2017

Wiesenweg

Der Wiesenspaziergang rund um Buntenbock im Harz ist als 6,4 km langer Bergwiesen-Rundweg ausgeschildert. Das Logo ist ein springender Bock vor einer blauen Blüte. Ein PDF mit Wegbeschreibung und Karte kann man auf der Webseite Natur erleben in Niedersachsen herunterladen.

 

Kindertheater in Planten un Blomen

Wo: Hamburg
Wann: Mai 2017

Puppen, Clowns und Liedermacher ziehen auf der Freiluftbühne Glacischaussee ein, wenn im Mai die kostenlose Theatersaison für Kinder beginnt. Hauptsächlich montags bis donnerstags um 10.30 und 16 Uhr zeigen unterschiedliche Künstler ihre Stücke in den Großen Wallanlagen, dem westlichen Teil der Hamburger Parkanlage Planten un Blomen.

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Das Ambrella Figurentheater spielt „Die Schöne … & der Froschkönig“ (Foto oben), Gabriele Schwedewsky reist mit den Kindern ins Land der Feen, Fabelwesen und Märchen. „Wo ist Emil?“ fragt die Wyker Puppenbühne und zum Abschluss am 1. September 2017 kommt der Verkehrskasper der Polizei in das von Hecken umgebene Mini-Amphitheater.

kreuz und Quer Theater

Ende Mai haben es sich „Gebrr und Grimm“ (Foto oben) auf der Bühne auf einem blauen Sofa gemütlich gemacht. Gebrr möchte immerzu ein Küsschen oder ein Märchen erzählt bekommen, Grimm will einfach nur in Ruhe seinen Tee trinken. Gebannt lauschen die Kleinen im Kindergartenalter, was Gebrrr alles vorbringt, um ihre Wünsche durchzusetzen. Von Sonnenkappen und Schirmmützen geschützt, genießen sie den Open-Air-Spaß – und vergessen dabei fast, an ihren mitgebrachten Trinkflaschen zu nippen.

Planten un Blomen

Als das Schauspiel nach einer Dreiviertelstunde endet, verlassen nicht alle Besucher den Park auf dem schnellsten Weg. Denn in einem schönen Spaziergang lässt er sich vom einen Ende am Millerntorplatz zum anderen Ende am Heinrich-Hertz-Turm durchqueren. Eine grüne Auszeit mitten in der Stadt.

Planten un Blomen Hamburg

Text: Petra Nickisch-Kohnke, Mai 2017
Fotos: Ambrella Figurentheater, Theater Kreuz & Quer, Boris Kohnke

Planten un Blomen

Kostenloses Kindertheater ist nur ein Teil des jährlichen Sommerprogramms im Hamburger City-Park Planten und Blomen. Die vielen Besucher können sich auch auf Lesungen, Konzerte, Feste und die beliebten Wasserlichtspiele freuen. Während des G20-Gipfels sind Parkbereiche vom 5. bis 9. Juli 2017 gesperrt.

 

Hamburg – Warten-Ausstellung

Wo: Hamburg
Wann: März 2017

Sieben Leute stehen vor mir in der Schlange. Ordentlich was los in der Hamburger Kunsthalle an diesem März-Sonntag, und nur eine Kasse besetzt. Also beginnt mein Besuch der Warten-Ausstellung direkt mit – warten.

Warten zwischen macht und moeglichkeit kunsthalle hamburg

Wer mag das eigentlich? Warten. Es ist doch fast immer nervig. Egal ob beim Arzt, im Supermarkt oder am Flughafen. Ob auf Weihnachten, die Volljährigkeit oder auf Mr. Right. Jeder kennt diesen Zustand, in jedem Alter, und versucht ihn irgendwie zu überbrücken oder durch unterschiedlichste Methoden zu verkürzen. Nur nicht warten, diese schreckliche Ungeduld fühlen und womöglich noch Zeit verplempern. Schließlich ist Zeit Geld und unsere kostbare Lebenszeit begrenzt.

Wenn man Glück hat, verbindet sich Warten mit Vorfreude. Oder mit Erleichterung, weil das Warten Zeit verschafft, noch wichtige Informationen zu sammeln oder das richtige Outfit einzukaufen. So betrachtet bringt Warten auch Positives – und kann sich sogar lohnen.

Warten_Kunsthalle_Hamburg02_ausstellung

Wer andere warten lässt, sitzt definitiv am längeren Hebel, er hat Macht. Doch auch dem Wartenden bleiben mehr Möglichkeiten, als er vielleicht denkt, mit seiner eigenen Wartezeit umzugehen. Er kann sie geplant nutzen oder auch dem Unerwartetem Raum geben. Er kann Neues ausprobieren oder einfach nur sein und die geschenkte Freizeit genießen.

„Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit“ heißt die Ausstellung deshalb mit vollem Titel und zeigt die Arbeiten von 23 Gegenwartskünstlern. Sie umkreisen das vielschichtige Thema mit Videos, Fotos, Skulpturen, Installationen. Direkt vor dem Museum überrascht eine „Bushaltestelle“ mit originellem Wartehäuschen, das mit Bett und Kühlschrank auch für längere Wartezeiten gerüstet ist. „Wohnen mit Verkehrsanbindung“ betitelt Michael Sailstorfer sein Werk.

Warten_Kunsthalle_Ursula Schulz-Dornburg_Bushaltestellen_Armenien_Erevan-Parakar_2004

Im 3. Stock der Galerie der Gegenwart ist der größte Teil der Exponate zu sehen. Hier müssen Angler, Prostituierte und eine Hochschwangere ihre Geduld beweisen. Ursula Schulz-Dornburg zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Serie Bushaltestellen in Armenien (Foto oben: Erevan-Parakar, 2004). Warten muss aber auch eine Gruppe nigerianischer Öl-Arbeiter, die während eines Regengusses unter einer Brücke Schutz sucht. In nahezu unerträglicher Langsamkeit wird ein Moment dieses Wartens auf einem wandfüllenden Bildschirm filmisch in die Länge gezogen – bis er fast etwas Meditatives hat.

Einen anderen Raum hat der Künstler Rayyane Tabet ausgefüllt – mit unzähligen Strichlisten. Drei Tage brauchte er dafür. Marko Mijatovic hielt diesen Prozess in einem kurzen Video fest, das sowohl im begleitenden Blog zur Ausstellung als auch auf Youtube zu finden ist. Ceal Floyer filmte eine andere typische Aktion Wartender: zwei ruhige Hände, die ununterbrochen Däumchendrehen. Ein fast schon vergessenes Symbol fürs Warten. Wer heute warten muss, zückt rasch sein Handy. Warten ist in unserer beschleunigten Zeit schlicht aus der Mode gekommen. Dabei wissen wir doch: Gut Ding will Weile haben.

Text: Petra Nickisch-Kohnke, März 2017
Fotos: Petra Nickisch-Kohnke (2), Ursula Schulz-Dornburg (1)

Warten-Programm

Die Kunst des Wartens beherrscht nicht jeder. Das umfangreiche Programm zur Warten-Ausstellung widmet dieser Fertigkeit am 18. Juni 2017 einen ganzen Thementag mit Vorträgen und einer Podiums-diskussion im Warburg-Haus sowie einer Dialogführung in der Kunsthalle. Ursula Schulz-Dornburg kommt am 2. April 2017 zum Gespräch in die Ausstellung. Am 6. April 2017 liest Friederike Gräff aus ihrem Buch „Warten – Erkundungen eines ungeliebten Zustands“. Jeden Samstag und Sonntag finden öffentliche Führungen statt.

 

Geringelter Freund auf dem Deich

Wo: Pilsum
Wann: Januar 2017

Neujahrsspaziergang in Ostfriesland. Bei Regen, Nebel und 3 Grad Celsius kommen nicht nur wir auf die Idee, am ersten Nachmittag des Jahres das bekannteste Wahrzeichen der Region zu besuchen. Wie eine überdimensionale Ringelsocke ragt der Pilsumer Leuchtturm auf dem Nordseedeich in die Höhe und ist schon von der Hauptstraße aus gut zu erkennen. Gleich beim ersten Anblick wird er mein Freund!

Pilsumer Leuchtturm Krummhörn

Habe ich ihn schon vor knapp 30 Jahren unterbewusst als lustigen Ort abgespeichert? Damals lief „Otto – Der Außerfriesische“ im Kino und wahrscheinlich kannte jeder den gelb-roten Leuchtturm als Filmwohnung des Komikers mit den wehenden Haaren. Er hat aber auch was Freundliches, dieser Leuchtturm von 1890. Seine knallbunten Streifen heitern irgendwie auf, besonders an diesem nasskalten, grauen Wintertag.

Pilsumer Leuchtturm Schlosspark

Noah, Marius, Simon, Laura und ein paar andere haben sich in Krickelschrift auf ihm verewigt. Zu diesem Zweck wählen Verliebte und Brautpaare, die sich seit 2004 im Leuchtturm trauen lassen können, statt einem Stift gleich ein Vorhängeschloss mit eingravierten Namen. An der extra aufgestellten Gitterwand dürfen sie es anbringen – im „Schlosspark“ am Leuchtturm. Ob dieser Witz auch von Otto stammt?

Text: Petra Nickisch-Kohnke, Januar 2017
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch-Kohnke

Ostfriesentee

Kein Ostfriesland-Besuch ohne eine stilechte Teetied. Anfänger können sich im Bünting Teemuseum in Leer zeigen lassen, wie das mit „Kluntje und Wulkje“ so geht. Eine Tasse frisch zubereiteter Tee ist im Eintrittspreis enthalten. Beim nächsten Tee, zum Beispiel im schönen Hotel Bootshaus im Südbrookmerland, wissen Fortgeschrittene dann schon Bescheid. Erst Kandis in die Tasse legen, Tee aufgießen, dann langsam etwas Sahne hinzugeben für das spezielle Sahnewölkchen. Ganz wichtig: ohne Umrühren trinken.

 

Harzer Teiche

Wo: Harz
Wann: September 2016

6 aus 65. Was fast wie ein Lottogewinn klingt, ist meine kleine Auswahl an schönen Harzer Teichen, die wir an einem Wochenende im Spätsommer erkunden. Knapp 150 Stauteiche wurden – zusammen mit Gräben, Holzrinnen und Stollen – ab dem 16. Jahrhundert rund um Clausthal-Zellerfeld angelegt, um ihre Wasserkraft für den Bergbau zu nutzen. Die Förderung von Silber, Blei und Zink ist längst Vergangenheit, aber ein Teil der Teiche des heutigen Weltkulturerbes „Oberharzer Wasserregal“ wird noch immer genutzt – zum Spazierengehen, Angeln, Baden; in manchen Fällen auch zum Hochwasserschutz und zur Trinkwasserversorgung. Meinen Mann und mich ziehen diese herrlich spiegelnden Wasserflächen jedes Mal aufs Neue an. Und noch lange kennen wir nicht alle.

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Hasenbacher Teich
Auf der einen Seite die sonnenverwöhnte Wiese, auf der anderen Seite schattige kleine „Séparées“ unter Fichten. Am Hasenbacher findet jeder sein Eckchen. Der Teich ist leicht per Auto zu erreichen, direkt von der Bundesstraße 241, nordwestlich von Buntenbock, führt ein Schild auf den Hasenbacher-Parkplatz. Dort den rechten der beiden Fußwege nehmen und dem Badevergnügen steht nichts mehr im Wege.

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Großer Sumpfteich
Zu den „Buntenbocker Teichen“ führt uns die Nr. 4. von 22 informativen Wasserwanderwegen. Das Thema: Speicherteiche und Wasserleitungen auf dem fernen Rosenhöfer Gangzug. Wir steigen an der Pixhaier Mühle in den etwa fünf Kilometer langen Rundweg ein und müssen am Großen Sumpfteich erst mal unter einem Baum einen Regenschauer abwarten.

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Bärenbrucher Teich
Wie alle Wasserwanderwege ist auch die Nr. 4 gut ausgeschildert und mit erklärenden Schautafeln bestückt. Wir passieren den Großen Sumpfteich, dann den Ziegenberger Teich und erreichen den Bärenbrucher Teich. Eine Schutzhütte zu Beginn der Staumauer ist gleichzeitig die Stempelstelle Nr. 137 der Harzer Wandernadel. Hier legen nicht nur wir ein kleines Päuschen ein.

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Pixhaier Teich
Weiter geht der Rundweg „Buntenbocker Teiche“ zum Pixhaier Teich, an dessen Ufer ein Campingplatz liegt. Um 1674 wurde der Teich als Pixhaier Mühlenteich erbaut.

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Schwarzenbacher Teich
Als letzter Teich auf dem Rundweg zeigt sich der Schwarzenbacher Teich. Laut Schautafel staut er 184.000 m³ Wasser, bei einer Länge von 140 Metern.

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Kiefhölzer Teich
Wir haben noch lange nicht genug von den Harzer Teichen. Weiter geht’s per Auto zum Kiefhölzer Teich, nordöstlich von Clausthal-Zellerfeld. Er wird gern als besonders familienfreundlich betitelt, bestimmt auch wegen seiner fest installierten Grillanlagen. Man erreicht den Teich über die L517 Richtung Schulenberg. Zum Parkplatz dem Schild „Festenburg“ folgen und nach rund hundert Metern Fußweg durch den Wald nur noch am steinigen Ufer entspannen.

Text: Petra Nickisch-Kohnke, September 2016
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch-Kohnke

Wanderwege

Das Buch zum Teich. Mit dem Führer „Wasser-
WanderWege“ bleibt kaum eine Frage zum Oberharzer Wasserregal (beziehungsweise zur Oberharzer Wasserwirtschaft) offen. Der Autor Dr.-Ing. Martin Schmidt initiierte nicht nur die Anlage der Wasser-
wanderwege, er beschreibt die historischen Wasserbauanlagen, die lange dem Bergbau dienten, auch bis ins Kleinste. Sehr viele Detailfotos, Zeichnungen und Karten bebildern das von der Harzwasserwerke GmbH herausgegebene Buch. In Osterode am Harz, in der Tilman Riemenschneider Buchhandlung, konnten wir ein Exemplar direkt vor Ort kaufen.

 

Märchengrund

Wo: Bad Sachsa
Wann: Dezember 2016

Kindheitserinnerungen. Der ab 1910 erbaute Märchenpark in Bad Sachsa hat sie über Generationen hinweg bei vielen Harzer Jungs und Mädchen erschaffen. Hier im Märchengrund konnten und können sie die Helden ihrer abendlichen Vorlesegeschichten in Aktion sehen. Schneewittchen, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel.

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In kurzen, beleuchteten Szenen werden die Märchen im Schnelldurchlauf aufgeführt. Kleine, elektrisch angetriebene Figuren bewegen sich durch ihre charmanten Kulissen. Handgeschriebene Schilder geben in kurzen Sätzen die Handlung wieder. Ein nostalgisches Erlebnis. Eingebettet in die natürliche Waldumgebung mit Bach und hohen Bäumen.

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Romantisch ist es und verspielt. Überall sitzen Hasenfiguren im Moos, verstecken sich Zwerge im Laub, treiben bunte Hexen ihr Unwesen. Wenn im April die Saison mit den täglichen Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr (außer mittwochs) beginnt, gehört es zu den beliebten Spielen der Kindergruppen, alle nummerierten Hexen zu finden und aufzulisten. Vor dem Haupthaus hängen dann Kostüme, mit denen sie sich in Prinzen und Prinzessinnen verwandeln können. Ein Riesenspaß.

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Aber jetzt ist Dezember. Der erste Weihnachtsfeiertag um genau zu sein. Schnee wäre schön. Den Eintritt von 3 Euro pro Erwachsenem und 50 Cent pro Kind nimmt uns der „Weihnachtsmann“ ab. Er lässt uns auch zur Belohnung in seine Blechschachtel mit den Sterntalern greifen, als wir ihm nach unserer Runde durch den überschaubaren Park sagen können, in welchem Baum wir die Glückswichtel entdeckt haben.

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Wer es zulässt, kann tief eintauchen in diese Märchenwelt. Egal ob jung oder alt. Denn auch Erwachsenen kommen gern an diesen Ort ihrer Kindheit zurück und geben sich den Erinnerungen hin. Als Märchen noch mehr von den Brüdern Grimm erzählt wurden, weniger von Disney.

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Am Eingangs- und jetzt für uns Ausgangstor hängt ein großer „Briefe an den Weihnachtsmann“-Postkasten. Wir möchten den dringlichen Wunsch hineinlegen, dass dieser Märchengrund auch noch die nächsten 100 Jahre besteht und auf seine eigene Art verzaubert.

Text: Petra Nickisch-Kohnke, Dezember 2016
Fotos: Boris Kohnke

Förderverein
Seit 2015 betreibt die Familie Hinrichs den Märchengrund in Bad Sachsa und hat noch einiges vor, um den Park mit seinen historischen Märchenspielen auszubauen. Auch der Zwergenverein Märchengrund e. V. setzt sich für die Erhaltung und Förderung des Märchengrunds ein. Spenden für die Instandsetzung und -haltung sind jederzeit willkommen.

 

Ostsee-Seebrücken

Wo: Ostsee
Wann: Sommer 2016

Das strahlend weiße Brückenhaus in Sellin gleicht einem Schlösschen. Auf der Seebrücke in Zinnowitz bringt eine schillernde Tauchgondel die Besucher unter Wasser und auf der Heringsdorfer Seebrücke können sie nicht nur essen, sondern auch gleich shoppen gehen. Zugegeben, Mecklenburg-Vorpommern hatte bislang die cooleren Seebrücken an der deutschen Ostseeküste. Doch Schleswig-Holstein tastet sich heran. Mit neuen Millionenprojekten punkten die Badeorte des alten Bundeslandes wieder bei den Touristen. Wer ein paar Jahre nicht in Heiligenhafen, Timmendorfer Strand, Niendorf oder Kellenhusen war, wird überrascht sein, wie sich das bekannte Schlendern übers Meer verändert hat, denn aus den schlichten Schiffsanlegestellen von damals sind moderne Erlebnisbrücken geworden.

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Kellenhusen
Schon 2007 weihten die Kellenhusener ihre neue Seebrücke ein. Bevor Flaneure nach 305 Metern den teilweise überdachten Brückenkopf mit den bunten Säulen erreichen, passieren sie markante Stahlbögen und eine „Badeinsel“ unterhalb der Brücke. Besonders die fest installierten Hängematten auf dieser Fläche sind heiß begehrt.

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Heiligenhafen
Sogar Hochzeiten sind auf der 2012 eröffneten Seebrücke in Heiligenhafen möglich. Im Zickzackkurs verläuft der Holzsteg ganze 435 Meter über die Ostsee. Ein Spielplatz, eine verglaste Lounge und viele Sitz- und Liegeplätze auf zwei Ebenen laden zum Verweilen ein. Der Blick übers Meer reicht bis zur Insel Fehmarn.

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Niendorf
Neuzugang von 2014: die „Fischkopf-Seebrücke“ in Niendorf. Aus der Luft ist ihr fischförmiger Brückenkopf bestens zu erkennen. Was die Besucher sonst noch erwartet? Ein 185 Meter langer Spazierweg über der Ostsee mit Drehliegen, Anlehnstelen und einem witzigem Klettergerüst mit Rutsche für Kinder.

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Timmendorfer Strand
Ein Teehaus in asiatischer Baumform ziert die 2012 erbaute Seeschlösschenbrücke in Timmendorfer Strand. Seit Sommer 2014 erwartet das täglich geöffnete Café-Restaurant Wolkenlos seine Gäste. 135 Meter müssen sie überbrücken, um sich an Hummercremesuppe, Flammkuchen oder Waffeln mit heißen Kirschen und Vanilleeis zu laben. Schon nicht schlecht, aber locker getoppt von Heringsdorf: Die mit 508 Metern längste Seebrücke Deutschlands befindet sich auf der Ostseeinsel Usedom in Meck-Pomm.

Text: Petra Nickisch-Kohnke, November 2016
Fotos: Petra Nickisch-Kohnke (2), TSNT GmbH (1), Vivaldi AG (1)

Piers
Kaum zu vergleichen sind deutsche Seebrücken mit denen in Großbritannien oder den Niederlanden. Wo wir schon über einen Kinderspielplatz auf dem Meer staunen, rasen die Brighton-Pier-Besucher eine Wildwasserbahn herunter oder drehen eine Runde mit dem Riesenrad auf der Scheveninger Pier.

 

Hamburg – Entenwerder1

Wo: Hamburg
Wann: August 2016

Ob der goldglänzende Pavillon in Hamburg-Rothenburgsort irgendwann öfter fotografiert wird als die Elbphilharmonie? Wer sich auf der Facebook-Seite des Café-Restaurants Entenwerder1 herumtreibt, könnte diese These wagen. Das Team und seine Gäste posten Bilder des luftigen, dreistöckigen Gebäudes im Kupferblech-Mantel was das Zeug hält. Und ich kann es verstehen. Wer an diesem besonderen Ort nicht sofort das Handy für einen Schnappschuss zückt, hat entweder noch ein Nokia 6150 oder beide Arme in Gips.

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Im Juli 2015 eröffneten Thomas und Alexandra Friese ihr Café direkt an der Norderelbe. Zuerst noch ein Geheimtipp kann davon diesen Sommer schon nicht mehr die Rede sein. Die Farbexplosion aus Goldquader, rosa Schiffscontainern, colorierten Geländern, violetten und pinken Blüten in Blumenkästen und auf Tischen ziehen bei jedem Wetter eine ebenso bunte Mischung an Menschen an.

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Spätestens wenn die Sonne hinter den Elbbrücken versinkt, sind sich alle einig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – und schießen ein letztes Erinnerungsfoto. Übrigens: Die ganz Geschickten bekommen den goldenen Pavillon und die Elbphilharmonie zusammen auf ein Bild! Aber was sind schon 2D-Fotos gegen reales Erleben? Hin da!

Text und Fotos: Petra Nickisch-Kohnke, August 2016

Entenfutter

Natürlich kommen die Gäste nicht nur zum Fotografieren ins Café Entenwerder1. Was für eine Unterstellung! Neben der Elbe und der unglaublich entspannten Atmosphäre locken auch das Frühstück und die täglich wechselnden kreativen Gerichte. Rosmarincrêpe gefüllt mit Avocado, gegrillte Wassermelone auf Reisnudelsalat, Lammbratwürste mit Orangen-Kartoffelstampf, Forellen-Brötchen, hausgemachte Zimtschnecken. Muss ich noch mehr sagen?

 

Hamburgs teuerster Sonnenuntergang

Wo: Hamburg
Wann: November 2016

Nachdem der Hamburger Prestigebau, die Elbphilharmonie, gut 6 Jahre später als geplant fertiggestellt wurde, ist es für uns als Hamburger so etwas wie ein Pflichtprogramm, sich einmal selbst davon zu überzeugen, was genau man für die fast unvorstellbare Summe von knapp 866 Millionen Euro aus dem alten Kaispeicher A gemacht hat.

elbphilharmonie-hamburg-spinagel-de

Inzwischen ist die Plaza für den Publikumsverkehr geöffnet. Grund genug der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie zum Sonnenuntergang einen Besuch abzustatten. Die Tiefgarage macht gleich klar, dass man hier dringend Geld einnehmen muss. Mit 4 Euro pro Stunde ist das eine der teuersten Parkmöglichkeiten in Hamburg. Um den vorhersehbaren Ansturm der Sehleute in geregelte Bahnen zu lenken, muss sich jeder Besucher erst einmal zum Haupteingang und sich ein kostenloses Plaza-Ticket besorgen.  elbphilharmonie-plaza-tickets-spinagel-de

Die Tickets berechtigen für eine Stunde Zugang zur Plaza der Elbphilharmonie. Da wir um kurz vor 15 Uhr angekommen sind, soll für uns der Spaß schon spätestens um 16 Uhr zuende sein, das wird trotz November knapp mit dem Sonnenuntergang.

Zur Plaza kommt man auf zwei unterschiedlichen Wegen, entweder wenig spektakulär mit dem Fahrstuhl oder über die 82 Metern längste Rolltreppe Europas. Auch, wenn der Familienvater vor uns seinen beiden Söhnen immer wieder einschärft, dass sie jetzt auf der längsten Rolltreppe der Welt fahren, das stimmt leider nicht. Die ist immer noch in der Moskauer U-Bahn-Station „Park Pobedi“ und mit ihren 126 Metern mehr als 50 Prozent länger, als die in der Hansestadt.

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Durch die geschwungene Führung der Rolltreppe, können wir erst im letzten Moment einen Blick auf das Ziel, die riesige Panoramascheibe, erhaschen. Die Aussicht von hier auf die Landungsbrücken ist atemberaubend. Wenn man sich direkt an die Scheibe lehnt, kann man 22 Meter weiter unten die ameisengroßen Menschen beobachten. Das ist für mich als nicht ganz schwindelfreien Menschen nicht so ganz das Wahre, also fahren wir mit einer weiteren Rolltreppe noch ein kleines Stückchen weiter hoch auf die Plaza.

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Die Innenplaza wirkt schon mal beeindruckend durch ihre Größe und offene Gestaltung. Das erste sofort ins Auge fallende Highlight sind die geschwungenen Glaswände, die den Innen- vom Außenbereich trennen. Allein die riesigen Drehtüren werden wohl mehr kosten, als manch einer im ganzen Jahr verdient. Ein weiteres Detail, das vielen wohl nicht auffällt, ist der Bodenbelag. Die gebrannten Klinker des Plaza-Fußbodens wurden in drei verschiedenen Farbabstufungen speziell für die Elbphilharmonie hergestellt und nach einem genau definierten System verlegt.

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Wir schlängeln uns durch den schmalen Gang links an der imposanten geschwungenen Glaswand vorbei und riskieren den ersten Blick in Richtung der Sonne.

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Aus einer Höhe von 37 Metern hat man einen spektakulären Überblick über das geschäftige Treiben im Herzen des Hamburger Hafens. Weiter geht es zur Spitze, die in Richtung der St.-Pauli-Landungsbrücken zeigt.

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Nachdem wir die Spitze des Gebäudes umrundet haben, wirkt die Außenplaza gar nicht mehr so hoch. In Greifweite vor dem Geländer schaukelt der gewaltige Krankopf der 46 Meter langen Arbeitsplattform Wal, die zwischen der Elbphilharmonie und der Kehrwiederspitze liegt. Nur ein kurzer Schritt und man könnte statt der Rolltreppe das Kranseil für den Weg runter benutzen, wenn das nur nicht so ölig wäre.

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Hinter der nächsten Kurve kann man das neu entstandene Hamburger Viertel Hafencity fast in seiner vollen Ausdehnung überblicken. Wer sich nicht sehr gut in Hamburg auskennt, könnte die schnurgeraden Straßen mit den ultramodernen Häusern fast jeder anderen Weltmetropole zuordnen.

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Für unsere Runde haben wir doch tatsächlich fast eine Stunde gebraucht, also noch einmal schnell auf die Sonnenseite um nachzusehen, was der Sonnenuntergang so macht. Über der Köhlbrandbrücke ist der erste leicht orange Streifen am Himmel zu sehen, aber auch viele Wolken. Da unsere Zeit sowieso schon fast abgelaufen ist, beschließen wir die Sonnenuntergangsfotos an einem anderen Tag zu schießen.

hafen-hamburg-spinagel-de

Wieder im Inneren schaue ich mir noch ein Detail, das wahrscheinlich nicht jedem sofort ins Auge fällt, etwas genauer an – die Lampen. Die dickwandigen Plexiglaskugeln mit der Antiblendbeschichtung sind leider nur die kleinen Schwestern der Lampen, die in den Konzertsälen verbaut sind. Hier wurden statt Kugeln aus schnödem Kunststoff gut 1000 Lampen aus mundgeblasenem Glas eingebaut. Das spezielle an ihnen ist, dass sie gegenüber der Öffnung am dicksten sind. Etwas das bei normalen mundgeblasenen Glaskugeln so noch nicht vorgekommen ist. Die Glasbläser mussten dafür eine völlig neue Technik erlernen. Das Licht soll dadurch besser verteilt werden.

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Das ist nur eines der vielen speziellen Details, die den doch sehr sportlichen Preis dieses Hamburger Jahrhundertbauwerks ein wenig erklären. Die Außenplaza ist auf jeden Fall ein Highlight in der Hamburger Hafencity. Ich bin schon sehr gespannt auf die Konzertsäle. Der große Saal ist aber schon bis Ende Juni 2017 ausgebucht. Nicht einmal ein Programmheft haben die beiden netten Frauen am Ticketschalter für uns.

Text und Fotos: Boris Kohnke, November 2016

Elbphilharmonie

Im April 2007 begann der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Eigentlich sollte sie im Herbst 2010 eröffnet werden und den Steuerzahler 77 Millionen Euro kosten. Es kam aber etwas anders als geplant. Erst am 31. Oktober 2016 wurde der Schlüssel für das Prestigebauwerk an den ersten Bürgermeister der Stadt Olaf Scholz übergeben. Die Kosten sind mit insgesamt 865,65 Millionen Euro nur unwesentlich höher geworden, als ursprünglich geplant. Die Hamburger Elbphilharmonie ist damit das zwölftteuerste Gebäude der Welt.

 

Hamburger Weihnachtsmarktradar 2016

Was: Weihnachtsmärkte in Hamburg 2016
Wo: Hamburg

Auch wenn die Temperaturen es mit deutlich über 10 °C nicht vermuten lassen, die Weihnachtsmarktsaison hat schon wieder angefangen. Der Glühwein wird wohl an manchen Ständen am Anfang noch einem kalten Bier weichen, aber die Minusgrade kommen bestimmt und dann schmeckt der Glühwein auch wieder.
Wer das Glück hat, in der Vorweihnachtszeit Hamburg zu besuchen oder sogar hier wohnt, bekommt zu seinem Getränk auch eine Vielfalt leckerer Snacks und Speisen, von den deutschen Klassikern Grillwurst und Schmalzgebäck reicht das Spektrum bis zu Poffertjes und Æbleskiver von unseren dänischen oder niederländischen Nachbarn.
Um eine Übersicht über die nahezu unüberschaubare Zahl an großen und kleinen Weihnachtsmärkten in Hamburg zu bekommen, stellt Spinagel die spannendsten ihrer Art vor. Glühwein, Bier und Autofahren sind keine guten Freunde, deswegen wird zu jedem Weihnachtsmarkt die passende Bahn-Haltestelle aufgeführt. Die größte Weihnachtsmarktdichte findet man traditionell im Bereich der Innenstadt, hier liegen die Weihnachtsmärkte so dicht zusammen, dass sie manchmal ineinander übergehen (blaue Kennzeichnung). Zusätzlich findet man als Weihnachtsmarktbesucher in fast jedem Stadtteil einen eigenen Markt (grüne Kennzeichnung). Für alle, die etwas spezielles suchen hat Hamburg etliche Themenweihnachtsmärkte zu bieten vom veganen Weihnachtsmarkt über den kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt bis hin zu skandinavischen Weihnachtsmärkten ist in Hamburg für jeden Geschmack etwas zu finden.

weihnachtsmarktradar_hamburg_2016-c-spinagel-de

Hamburgs spannendste Weihnachtsmärkte 2016

 

Innenstadtweihnachtsmärkte

1Historischer Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt
Wann21.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa 11 – 22 Uhr
WoRathausmarkt
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

2Fleetinselweihnachtsmarkt
Wann21.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenMo – So 12 – 21 Uhr
WoAdmiralitätsstraße/Michaelisbrücke
20459 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Stadthausbrücke (S1)

 

3Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg
Wann21.11. – 30.12.2016 (24. und 25.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa: 11 – 22 Uhr (Gastronomie bis 23 Uhr)
WoJungfernstieg
20354 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Jungfernstieg (S1/S2/S3/U1/U2/U4)

 

4Spitaler Straße
Wann26.11. – 30.12.2016 (25.12.2016 ge3schlossen)
ÖffnungszeitenMo – So 11 – 23 Uhr
Kunsthandwerkermarkt nur bis 21 Uhr
WoSpitalerstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

5St. Petri
Wann21.11. – 30.12.2016 (25. und 26.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – So 10.30 – 21 Uhr
WoMönckebergstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

6Weihnachtsmarkt auf dem Gänsemarkt
Wann21.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenMo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr-So: 11 – 22 Uhr
Gastronomie bis 23 Uhr
WoGänsemarkt
20354 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Gänsemarkt (U2)

 

7Weihnachtsmarkt auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz
Wann26.11. – 30.12.2016 (25.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – So: 10 – 23 Uhr
Kunsthandwerkermarkt bis 21 Uhr
WoGerhart-Hauptmann-Platz
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

8Winter Pride
Wann21.11. – 30.12.2016 (Am 24., 25. und 26.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenSo – Do: 12 – 22 Uhr
Fr/Sa: 12 – 24 Uhr
WoLange Reihe
20099 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Hauptbahnhof (S1-S3/U1-U4)

 

 

Stadtteilweihnachtsmärkte

9Blankeneser Winterfest
Wann21.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 21 Uhr
Gastronomie bis 23 Uhr
WoBlankeneser Bahnhof
Erik-Blumenfeld-Platz
22587 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Blankenese (S1)

 

10Nordischer Weihnachtsmarkt auf dem Tibarg (Niendorf)
Wann24.11. – 24.12.2016
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 20 Uhr
Am 24.12.2016 11 – 14 Uhr
WoTibarg 3
122459 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Niendorf Markt (U2)

 

11Weihnachtsmarkt Altona/Ottensen
Wann21.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 21 Uhr
Do – Sa: 11 – 22 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoOttenser Hauptstraße
22765 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1/S3)

 

12HafenCity Weihnachtsmarkt
Wann21.11. – 30.12.2016 (24. und 25.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – Do und So: 12 – 20:30 Uhr
Fr und Sa 11 – 22 Uhr
WoOsakaallee 16 – 18
20457 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Überseequartier (U4)

 

138. Eppendorfer Weihnachtsbummel
Wann21.11. – 30.12.2016 (Am 24. und 25.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 20 Uhr
Do – Sa: 11 – 21 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoMarie-Jonas-Platz
20249 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Kellinghusenstraße (U1,U3)

 

14Santa Pauli – Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt
Wann17.11. – 23.12.2016
ÖffnungszeitenMo – Mi: 16 – 23 Uhr
Do: 16 – 24 Uhr
Fr/Sa: 13 –1 Uhr
So: 13 – 23 Uhr
WoSpielbudenplatz
20359 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Reeperbahn (S1/S3)U-Bahn St. Pauli (U3)

 

1511. Wandsbeker Winterzauber
Wann04.11.2016 – 08.01.2017
ÖffnungszeitenMo – So: 10 – 22 Uhr
24.12.2016: 10 – 14 Uhr
25. und 26.12.2016: 14 – 21 Uhr
WoWandsbeker Marktstraße
22041 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Wandsbek Markt (U1)

 

16Harburger Weihnachtsmarkt
Wann17.11. – 29.12.2016 (Am 24. und 25.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – Sa: 11 – 20 Uhr
So: 13 – 20 Uhr
Gastronomie bis 21.30 Uhr
WoHarburger Rathausplatz 1
21073 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Harburg (S3)

 

17Bergedorfer Weihnachtsmarkt
Wann21.11. – 30.12.2016 (Am 25. und 26.12.2016 geschlossen)
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 22 Uhr
24.12.: 11 – 14 Uhr
WoBergedorfer Schloßstraße 4
21029 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Bergedorf (S2)

 

 

Spezielle Weihnachtsmärkte

1885. Alsterdorfer Advent
Wann26.11. – 27.11.2016
Öffnungszeiten11 – 18 Uhr
WoAlsterdorfer Markt 4
22297 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Sengelmannstraße (U1)

 

19Skandinavische Weihnachtsmärkte der Seemannskirchen
Wann18.11. – 20.11.2016
ÖffnungszeitenFr – So: 12 – 18 Uhr
WoDitmar-Koel-Straße
20459 Hamburg
HaltestelleU- und S-Bahn Landungsbrücken (S1/U3)

 

20Advent im Museumsdorf Volksdorf
Wann03.12. und 04.12.2016
ÖffnungszeitenSa: 15 – 19 Uhr
So: 11 – 17 Uhr
WoMuseumsdorf Volksdorf
Im Alten Dirfe 46 – 48
22359 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Volksdorf (U1)

 

21Veganer Weihnachtsmarkt
Wann26. und 27.11.2016
Öffnungszeiten26.11.: 11 – 18 Uhr
27.11.: 11 – 17 Uhr
WoGroßmarkthallen
Amsinckstr. 60
20097 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1, S3)

 

22Hamburgwer Winterdom
Wann04.11. – 04.12.2016
ÖffnungszeitenMo – Do: 15 – 23 Uhr
Fr/Sa: 15 – 0 Uhr
So: 14 – 23 Uhr
WoHeiligengeistfeld
20359 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Feldstraße oder St. Pauli (U3)

 

 

Hamburg – Buslinie 111

Wo: Hamburg
Wann: Juli 2016

An der Hamburger Bushaltestelle Landungsbrücken wirbt ein kleines Plakat ganz charmant für die Attraktivität der Buslinie 111. „Im Schnitt passieren Sie alle 111 Sekunden eine von 16 bekannten Hamburger Sehenswürdigkeiten“, steht neben einem hübsch illustrierten Hochbahn-Fahrplan. Die Elbphilharmonie mit ihrem wellenförmigen Dach ist darauf zu erkennen, die Tanzenden Türme der Reeperbahn, die Speicherstadt und der Michel. Eine gute Idee, auf diese Art die Vorzüge Hamburgs hervorzuheben. Doch wer die halbe Stunde mit der Hafenrandlinie vom Stadtteil Altona bis in die HafenCity fährt, merkt schnell: Auf die beschriebenen 16 Sehenswürdigkeiten kann man locker noch mal 16 drauflegen.

Weinberg an den Landungsbrücken (c) spinagel.de

Ich starte am Bahnhof Altona, wo der 111er-Bus seine Fahrt beginnt. Die Hochbahn empfiehlt für diese erste Teilstrecke unter anderem den Blick vom Altonaer Balkon. Der Blick vom Dockland unten in der Elbe ist aber auch nicht zu verachten. Dafür steige ich an der Haltestelle Kreuzfahrtterminal Altona schon wieder aus und bezwinge die rund 140 Stufen hinauf auf die Dachterrasse des in Parallelogramm-Form gebauten Bürogebäudes.

Dockland Hamburg

Nur 20 Minuten später kommt schon der nächste 111er. Das wird knapp. Ich schlendere lieber gemütlich zur nächsten Station. Auf der Busfahrt Richtung Fischmarkt passiere ich die Seemannskneipe „Zum Schellfischposten“, bekannt durch den Late-Night-Talk „Inas Nacht“, und lasse mich bis auf die Reeperbahn bringen, die die Hochbahn auf ihrem Plan natürlich auch als Sehenswürdigkeit empfiehlt.

Tanzende Türme Hamburg (c) spinagel.de

Haltestelle Davidstraße. Hier bin ich mittendrin. Allerdings ist der angrenzende Spielbudenplatz tagsüber noch wie leergefegt. Kein Vergleich zum Abend, wenn die Besucher zu den beliebten Bühnen wie Schmidts Tivoli oder St. Pauli Theater strömen oder mittwochs beim St. Pauli Nachtmarkt ganz klassisch Weintrauben, Käse und frisches Brot einkaufen. Wenn ich daran denke, bekomme ich Hunger. Meinen nächsten Stopp möchte ich im knallbunten Beachclub StrandPauli einlegen. Ein echtes Highlight auf der Strecke. Dafür gehe ich die Davidstraße hinauf, ignoriere die nächste Haltestelle Bernhard-Nocht-Straße und folge der Treppe hinunter zur St. Pauli Hafenstraße. Jetzt rechts halten und schon nach ein paar Schritten gemütlich am Elbufer in die Sofakissen plumpsen.

Strandpauli

Ich muss mich richtig losreißen aus dieser Oase, aber meine 111er-Tour ist noch lange nicht am Ende. Sobald ich an den Landungsbrücken wieder in den Bus gestiegen bin, erkenne ich, dass sich ab hier die Attraktionen richtig ballen. Alter Elbtunnel, der kleine Weinberg auf dem Stintfang, das Portugiesenviertel, das König-der-Löwen-Musical, Cap San Diego, Feuerschiff, Hafenpolizeiwache 2 – und das alles noch, bevor der Bus die Speicherstadt und die HafenCity erreicht.

Maritimes Museum Hamburg

Den Marco Polo Tower und die Magellan-Terrassen hebt der Hochbahn-Plan auf diesem letzten Teilstück hervor. Ich füge meiner ergänzenden 16-Sehenswürdigkeiten-Liste noch das HafenCity Infocenter im Kesselhaus, das Miniatur-Wunderland und das Maritime Museum hinzu. Dann endet meine günstige „Stadtrundfahrt“ zum Preis einer HVV-Tageskarte. Toppen kann man sie nur, indem man sie nachts unternimmt. Beleuchtet sind der Hafen und alle Gebäude doppelt so schön!

Text und Fotos: Petra Nickisch-Kohnke, Juli 2016

Duckstein Festival

Ende Juli fährt der 111er-Bus in der HafenCity einen kleinen Umweg. Das Duckstein Festival mit Kunst, Kultur und Kulinarischem zieht vom 22. bis 31. Juli 2016 an das Störtebeker Ufer, weshalb die Station Osakaallee nicht benutzt werden kann. Direkt vor dem Maritimen Museum unterhalten Musiker, Artisten und Straßenkünstler täglich bis 23 Uhr ihr Publikum.

 

2. Grüner Ring – Hamburg

Wo: Hamburg
Wann: Juni 2016

Ordentlich wandern mitten in Hamburg – das geht auf dem 2. Grünen Ring. Als Freizeitroute 11 umrundet er die Hamburger City im Abstand von acht bis zehn Kilometern. Insgesamt ergibt sich so ein 100 Kilometer langer Rad- und Wanderweg, der das Niendorfer Gehege, den Ohlsdorfer Friedhof, die Boberger Niederung und viele andere Parks, Wälder und Kleingartenanlagen verbindet. Das ist mehr als ein Nachmittagsausflug! Darum hat die Behörde für Umwelt und Energie kürzlich acht Flyer mit allen Teilstrecken herausgegeben. Diese Gratiskarten habe ich mir in der Tourist Information am Hauptbahnhof besorgt, alle acht Tourenvorschläge sind aber auch online als einzelne PDFs herunterladbar.

Lise Meitner Park copyright spinagel.de

An einem warmen Junitag nehmen mein Freund und ich uns die rund 10 Kilometer lange Route 1 vor, die vom Fähranleger Teufelsbrück bis zur S-Bahn-Station Stellingen führt. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Wir wollen lieber im Stadtteil Stellingen starten und der schönen Elbe entgegen wandern.

Graffiti Stellingen copyright spinagel.de

Doch bevor es grün wird, wird es erst mal bunt. Wir müssen unter den Stellinger S-Bahn-Gleisen durch eine Unterführung Richtung „Arena“ gehen. Der Tunnel ist komplett mit Graffiti besprüht. Witzige Figuren und Schriftzeichen begleiten uns, bis wir auf dem von Bäumen gesäumten Pflasterweg zum Altonaer Volkspark landen. Ab hier fällt es uns auch leichter, der Beschilderung zu folgen: Immer auf das Fahrradsymbol mit Pfeil und auf die weiße 11 auf grünem Grund achten.

Dahliengarten Hamburg copyright spinagel.de

Den Volkspark mit seinem alten Baumbestand durchqueren wir viel zu schnell. Am Dahliengarten angekommen, müssen wir feststellen, dass es noch nichts zu sehen gibt. Natürlich nicht. Die Saison beginnt frühestens Mitte Juli. Dann blühen im ältesten noch bestehenden Dahliengarten Europas über 600 verschiedene Sorten und eine Pause auf einer der vielen Bänke mitten zwischen den herrlichen Blumen ist unumgänglich.

Wanderweg 11 Grüner Ring Hamburg copyright spinagel.de

Wir warten mit unserer Pause noch, marschieren durch den Lise-Meitner-Park mit seinen weiten Wiesen (Gräser-Foto ganz oben) und holen uns dann einen frisch gepressten Saft im Elbe-Einkaufszentrum, das ganz nah an der Strecke liegt. Schon brechen die letzten Kilometer an. Vorbei am Loki-Schmidt-Garten, durch den Westerpark und den Wesselhöftpark genießen wir den sonnigen Spaziergang im grünen Hamburg. Nach gut 2,5 Stunden erreichen wir die Elbe bei Teufelsbrück.

Wegweiser Hamburg copyright spinagel.de

Ja, die Beine sind etwas lahm nach dieser ungewohnten Tour. Bei Pannfisch und Alsterwasser auf der Elbterrasse der Dübelsbrücker Kajüt besprechen wir, dass wir die nächsten sieben Touren (je 9 bis 15 Kilometer) kombinieren und mit dem Fahrrad abfahren. Schließlich wollen wir bald den ganzen Grünen Ring entdecken!

Dübelsbrücker Kajüt copyright spinagel.de

Für heute haben wir trotzdem noch nicht genug. Spontan springen wir auf die Fähre 64 nach Finkenwerder, machen noch einen Schlenker über die HafenCity und lassen uns erst viel später von Bus und Bahn wieder nachhause bringen.

Text: Petra Nickisch, Juni 2016
Fotos: Boris Kohnke

1. Grüner Ring

Kürzer und viel näher dran am Hamburger Rathaus verläuft der 1. Grüne Ring entlang der Innenstadt. Zu ihm gehören der Alte Elbpark, die Wallanlagen und Planten un Blomen im Westen sowie der neue Lohsepark in der HafenCity im noch nicht so stark begrünten Osten.

 

Jenseits der Elbe

Wo: Altes Land
Wann: Mai 2016

Dem Alten Land wollen wir uns zur Kirsch- und Apfelblüte mal auf eine andere Weise nähern. Nicht auf dem kürzesten Weg, durch den Hamburger Elbtunnel, sondern „obenrum“ über die Fährverbindung von Glückstadt nach Wischhafen. So kommen wir auch endlich an der Elbinsel Krautsand vorbei, deren Strandbilder uns schon lange neugierig machen.

Elbfahre Glückstadt Wischhafen
Elbfähre Glückstadt–Wischhafen
Um Wartezeiten am Fähranleger zu vermeiden, starten wir früh und schaffen die Fähre um 9.15 Uhr. Etwa alle halbe Stunde verbindet die Elbfähre Glückstadt in Schleswig-Holstein mit Wischhafen in Niedersachsen. Für zwei Erwachsene und ein Auto zahlen wir 10,50 Euro und können uns rund 25 Minuten den frischen Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Ein schöner Start.

Strand auf Krautsand
Elbinsel Krautsand
Als „Ferieninsel“ ist Krautsand bereits kurz nach dem Anleger Wischhafen an der Straße ausgeschildert. Beim Blick auf die Landkarte klingt der Begriff Insel leicht übertrieben. Doch es stimmt, die Elbe, die Wischhafener Süderelbe, die Krautsander Binnenelbe und der Ruthenstrom umschließen das schöne Stückchen Kehdinger Land. Also doch eine Elbinsel, mit einem kilometerlangen Sandstrand, der zum Relaxen und Schiffe beobachten einlädt.

Buxtehude Frühstück Cafe Süße Sünde
Süße Sünde Buxtehude
Zum späten Frühstück fahren wir Buxtehude an. Süße Sünde heißt hier der hervorragende Café-Tipp eines Freundes. Während die meisten Gäste das sonnige Wetter draußen am Fleth genießen, suchen wir uns drinnen den größten Tisch aus. Auf der XXL-Frühstückskarte kreuzen wir die herrlichsten Leckereien an und bald darauf breiten sich Schälchen mit Eiersalat, Erdbeer-Rhabarber-Konfitüre und Lachscreme vor uns aus.

Blütenkönigin Altes Land
Altländer Blütenfest Jork
Jetzt müssen wir doch auf die Uhr gucken. Um 13 Uhr wird in Jork – wie jedes Jahr am ersten Samstag im Mai – die Blütenkönigin gekrönt und einige Zeit später startet der Blütencorso durch den Ort. Zufällig sehen wir die neue Majestät schon vorher, in ihrer Kutsche wartend auf einem Supermarkt-Parkplatz. Herausgeputzt in Tracht und mit auffälliger Blütenkrone. Vor ihre Kutsche gespannt: kein unruhiges Ross, sondern ein schnieker Oldtimer-Traktor.

Harmshof Hofcafé Königreich Altes Land

Harmshof Hofcafé Königreich
Nach dem ganzen Trubel in Jork wünschen wir uns noch das ruhige Landleben. Im Ortsteil Königreich, Königreicher Straße 88, finden wir den Harmshof, eingebettet in die schönsten blühenden Kirschbäume. Üblicherweise sonntags öffnet der Hof in den Sommermonaten ab 13 Uhr sein Café. Und auch heute, am Blütenfest-Samstag. Wir laben uns an dicken Stücken Kirschkuchen und sind nun wieder bereit für den Elbtunnel.

Text: Petra Nickisch, Mai 2016
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Blütenbarometer
Damit die Touristen nicht vergeblich ins Alte Land fahren, hat sich eine Stader Agentur etwas Geniales ausgedacht. Das Blütenbarometer zeigt zuverlässig an, wie es um die Obstblüte steht. Aufbruch, Mausohr, Mittelblüte, Vollblüte oder Abblühen? Der Stand von Kirsche und Apfel wird regelmäßig vom Tourismusverein Altes Land aktualisiert.

 

Laboe – Vorfreude

Wo: Laboe
Wann: April 2016

Nur wenige Plusgrade sind uns Ende April in Laboe vergönnt. Wir Spaziergänger zittern, schlagen die Kragen noch höher und haben kaum einen Blick für die wolkenbedeckte Förde. Die ganze Welt wirkt grau. Vom Strand schicken uns unfreundliche Regentropfen und ein eiskalter Wind zum Aufwärmen in die Buchhandlung an der Promenade. Ich kaufe einen Stadtplan von Kiel und eine Ostseeküsten-Karte. Wenn das Wetter besser wird, komme ich gern zurück.

Laboe Promenade
Als wir wieder vor die Ladentür treten, erleben wir ein Farbwunder. Blauer Himmel, pastellgrünes Meer und die knallroten Tischdecken eines Fischimbisses, die schon jetzt die Erdbeerzeit preisen. Für einen Moment weiß ich, wie der Sommer riecht. Welche Wärme, Fülle und Freude uns erwartet, wenn sich die nackten Zehen endlich wieder in den Sand graben dürfen. Ich atme das Leben ein. Herrlich.

Text und Foto: Petra Nickisch, April 2016

Fördefähre
Im Kieler Stadtplan sind die Fährstrecken eingezeichnet, die die City mit den Strandbädern der Förde verbinden. Von der Kieler Bahnhofsbrücke bis zur Anlegestelle Laboe dauert die Fahrt rund eine Stunde. Das Einzelticket kostet 4,10 Euro. So eine Schiffstour lasse ich mir diesen Sommer nicht entgehen.

 

Montaña Roja, der rote Berg von Teneriffa

Wo: Teneriffa
Wann: März 2016

Es muss ja nicht gleich Teneriffas Teide sein, der mit 3.718 Metern sogar der höchste Berg Spaniens ist. Wir ungeübten Bergsteiger begnügen uns mit dem Montaña Roja. Einen 171er zu bezwingen – das trauen wir uns für den Anfang zu!
Wegweiser copyright spinagel.de
Der „rote Berg“ weckt schon beim ersten Abendspaziergang auf der Kanareninsel unsere Aufmerksamkeit. Vom Vollmond beleuchtet, lädt er uns aus der Ferne ein, ihn bald zu besuchen. Genau fünf Tage halten wir seiner Anziehungskraft stand. Dann finden wir uns, wie durch Zufall, an einem späten Nachmittag auf einem Parkplatz an der TF-643 wieder und starten den Aufstieg.

La Tejita copyright spinagel.de
Gut markierte Wege leiten uns durch das Naturschutzgebiet Montaña Roja. Zuerst ist die Landschaft im Dünenökosystem noch ganz flach, doch bald geht es steil bergauf. Verlaufen kann man sich hier nicht, verschnaufen müssen wir doch ab und zu. Leider nicht nur wegen der schönen Aussicht. Wenn uns in solchen Momenten durchtrainierte Jogger überholen, für die das scheinbar die normale Abendrunde ist, schauen mein Freund und ich uns nur mit großen Augen an.

Montana Roja Tenriffa copyright spinagel.de
Der Wind zerrt an unseren Haaren und ich bin froh, dass ich meine Jacke und mein Tuch im Rucksack dabei habe. Links braust das azurblaue Meer, rechts, auf der Landseite, kommen unablässig neue Urlauber auf dem Flughafen Teneriffa Süd an. Und vor uns: nur noch wenige Schritte bis zum Gipfel.

Montana Roja copyright spinagel.de
37 Minuten hat es vom Auto aus gedauert, den Vulkankegel zu besteigen, der sich so schützend über die Badenden an der Playa de la Tejita erhebt. Der zweite Strand auf seiner östlichen Seite grenzt an die Ortschaft El Médano. Hier sind die Surfer dankbar für die hohen Wellen, die der Wind beständig an die Küste treibt.

El Medano copyright spinagel.de
Die vielen bunten Punkte, also die Surfsegel und die Lenkdrachen der Kitesurfer, machen aus dieser Höhe neugierig. Und weil der Abstieg nur noch ein herrlicher Spaziergang ist, weiten wir ihn aus und legen noch einen Abstecher zum Strand ein. Hier können wir den anderen bei Sport zugucken, bis ein kleiner Wanderweg uns zurück zum Parkplatz führt. Tschüss, Montaña Roja, für heute.

Flughafen Teneriffa copyright spinagel.de
Ein paar Tage später gilt unser letzter Blick dem „roten Berg“. Beim Gang über das Rollfeld winken wir ihm ein letztes Mal zu. Tschüss, Compañera Roja, mach’s gut!

Text: Petra Nickisch, März 2016
Fotos: Boris Kohnke

Teide
Wir nehmen das Auto, um dem schneebedeckten Pico del Teide so nah wie möglich zu kommen. Tagelang waren die Straßen im Nationalpark aufgrund der Wetterverhältnisse gesperrt. Nun sind sie wieder frei und auf den letzten Metern der Strecke ist Stau! Wir wenden, halten an einem Parkplatz an der Hochebene Llano de Ucanca und spazieren durch die besondere Atmosphäre der rotbraunen Lavafelder, den weißen Gipfel immer im Blick.

 

Oslo in 5 Stunden

Wo: Oslo
Wann: Februar 2016

Eigentlich geht es nach Tromsö. Da die Flüge ab Hamburg aber immer über Oslo fliegen, nutzen wir die Gelegenheit, unseren 5-stündigen Zwischenstopp mit einem kleinen Stadtbummel zu verbinden. Der Flughafen Gadermoen ist gut 50 Kilometer vom Osloer Stadtzentrum entfernt. Das ist aber kein Problem, da uns der Flytoget, die Osloer Schnellbahn, in knapp 20 Minuten zum Hauptbahnhof von Oslo bringt.

Flytoget Oslo

Von den Drehtüren des Bahnhofs zur Osloer Oper ist es nur ein Katzensprung. Das im wahrsten Sinne des Wortes schräge Gebäude ist ein Muss für jeden Oslo-Besucher. Das Dach ist auf beiden Seiten des Hauses bis zum Boden heruntergezogen und für Besucher frei zugänglich.

Oper Oslo copyright spinagel.de

Wer die schiefe Ebene des Daches besteigt hat von oben einen guten Überblick über den Hafen, die Dauerbaustelle vor der Oper und die Glasskulptur hun ligger (Sie lügt). Wie ein bizarres, gestrandetes Gewächshaus liegt das von Monica Bonvicini gestaltete Objekt im Hafenbecken direkt zu Füssen des Opernhauses. Das Glasgebilde ist eine dreidimensionale Interpretation des Gemäldes „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich. Je nach Tide und Sonnenstand werden immer wieder andere Facetten der 12 Meter hohen Skulptur sichtbar. Ein ergiebiges und interessantes Fotoobjekt.

hun ligger

Auf unserem weiteren Weg in Richtung Akershus fällt uns ein Tesla Model S auf. Den hat bis jetzt noch keiner von uns Live gesehen. 50 Meter weiter, auf der Brücke zum Haupttor von Akershus stehen zwei weitere nebeneinander und saugen friedlich ihren Strom aus den Elektrozapfsäulen. Im Laufe unseres kurzen Ausfluges werden wir noch etliche Elektroautos, davon bestimmt 10 Teslas, sehen. Elektromobil sind die Norweger uns zumindest in Oslo um einiges voraus.

Elektroautos in Oslo copyright spinagel.de

Weiter geht es in einer kleinen Schleife über die schon im 13, Jahrhundert erbaute Festung Akershus. Nach einer wechselvollen Geschichte dient die Stadtburg von Oslo heute als Repräsentationsgebäude für das norwegische Königshaus, wird teilweise militärisch genutzt und beherbergt zwei Museen. Wir genießen nur kurz den Ausblick von der Befestigungsmauer am Sydfløyen, dem Südflügel der Anlage.

Festung Akershus copyright spinagel.de

Bei herrlichstem Wintersonnenwetter ist von dort schon die bunte vordere Häuserzeile von Aker Brygge, unserem nächsten Ziel, zu sehen.

Nachdem selbst unsere alteingesessene Fluggesellschaft SAS die Verpflegung auf Kurzstrecken gestrichen hat, überkommt uns alle auf dem Weg ein deutliches Hungergefühl. Freundlich strahlen uns auf dem Brynjulf Bulls plass zwei Foodtrucks an. Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.

Gogrilla Foodtruck Oslo copyright spinagel.de

Wir haben noch kein Geld getauscht, aber das ist kein Problem. In Norwegen kann man sogar bei einem mobilen Imbiss per Kreditkarte bezahlen. Auch hier sind uns die Norweger technisch wieder etwas voraus. Wir warten exakt die 7 Minuten, die auf einer Tafel am blauen Gogrilla-Bus für eine Burgerbestellung angekündigt werden. Die Wartezeit hat sich auf jeden Fall gelohnt, für uns ist der Austin-Burger, der beste Burger in ganz Oslo.

Burger in Oslo copyright spinagel.de

Frisch gestärkt geht es nach Aker Brygge. Auf dem Gelände der bis 1982 betriebenen Werft ist inzwischen ein Einkaufs-, Büro, Vergnügungs- und Büroviertel entstanden.

Aker Brygge 2 Oslo copyright spinagel.de

Alles friedlich und stylish miteinander vereint. An der Spitze bewundern wir noch den Sonnenuntergang hinter der türkis-roten Anker-Skulptur.

Aker Brygge Spitze 3 Oslo copyright spinagel.de

Dann müssen wir uns auch beeilen um wieder den Flytoget zu bekommen, der uns zurück zum Flughafen Gardermoen bringt. Kurz noch ein Blick nach links auf den alten Westbahnhof der norwegischen Hauptstadt. Dort wird jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, der Friedensnobelpreis verliehen.

Vestbanestsionen Oslo cpyright spinagel.de

Am Flughafen angekommen, müssen wir doch noch eine Stunde auf unseren Flieger warten, der uns weiter zu unserem eigentlichen Ziel Tromsø bringen soll.

Text und Fotos: Boris Kohnke, Februar 2016

Aker Brygge

Aker Brygge liegt auf dem ehemaligen Werftgelände der 1854 gegründeten Akers mekaniske verksted AS. Nach deren Schließung 1982 entstand bis 1998 ein neues Stadtviertel von Oslo, das 6000 Arbeitsplätze und Wohnraum für 900 Menschen bietet. Die Büroflächen zählen zu den weltweit teuersten.

Für Besucher von Oslo sind aber sicherlich die unzähligen Restaurant und Nachtclubs oder die Shopping-Mall der Hauptanziehungspunkt. Von der äußersten Spitze des Viertels kann man aber auch entspannt der Sonne beim Untergehen und den Kreuzfahrtschiffen beim Einlaufen zusehen.

 

Lüneburgs Lichter

Wo: Lüneburg
Wann: Dezember 2015

Weihnachtsmarkt entspannt. Das gibt es? Ja, selbst erlebt, in Lüneburg. Wer sich alljährlich im Advent über den Hamburger Rathausmarkt schieben lässt, das aufgeregte Geschubse in Nürnberg kennt oder gar das Gedrängel in der Leipziger Innenstadt erlebt hat, wird meine Behauptung kaum glauben können.

 

Weihnachtsmarkt Lüneburg Rathaus (c) spinagel.de

Doch denkt euch, ich habe das Christkind gesehen. Auch Märchenfiguren, einen riesigen Adventskranz, Schneemänner aus Marzipan, beleuchtete Giebel, herrlich geschmückte Weihnachtsbäume. Und alles konnte ich mir in Ruhe anschauen.

Weihnachtsmarkt Lüneburg am Rathaus (c) spinagel.de

Lüneburg weist in seinem Programmheft zur Vorweihnachtszeit (Download hier) gleich vier Weihnachtsmärkte aus. Den größten vorm Rathaus, der täglich um 16 Uhr vom Weihnachtsmann besucht wird, dann den kleineren Weihnachtswald an der St. Johanniskirche und den ganz kleinen Vier-Stände-Markt im Innenhof des Café News. Okay, ich gebe zu, hier kann es gegen Abend etwas eng werden. Doch das fällt eher unter kuschelig und wärmend.

Weihnachtsmarkt Lüneburg (c) spinagel.de

Der vierte „Historische Christmarkt“ war nur am Nikolaus-Wochenende zu Füßen der St. Michaeliskirche aufgebaut. Am 5. und 6. Dezember 2015 versetzten die Mitwirkenden alle Altstadt-Besucher für einige Stunden zurück in die Renaissance, mit Bienenwachskerzen, Holzkohleöfen und flanierenden Händlern.

Weihnachtsbahn Lüneburg Rathaus (c) spinagel.de

Diesen Nikolaus-Markt haben wir leider um einige Tage verpasst. Ebenso den Trompeter Martin Leupold, der jeden Tag um 16.45 Uhr auf dem Rathausbalkon musizieren soll. Auch das tägliche Chorprogramm um 17 Uhr ist uns entgangen. Mein Freund und ich haben uns einfach treiben lassen. Hier noch ein Weihnachtsgeschenk gekauft, da noch einen Eierpunsch getrunken. Ganz ohne Hektik, ganz ohne Termine. So wie es sein soll. Nur die Märchenmeile hatte ich fest auf dem Zettel.

Weihnachtsmarkt Lüneburg Geschichten (c) spinagel.de

An den zwölf über die Innenstadt verteilten Märchenhütten haben die Kinder schnell raus, auf welchen Schalter sie drücken müssen, damit ihnen Aschenputtel oder Das tapfere Schneiderlein über den Lautsprecher vorgelesen wird. Aber Achtung: beim linken Knopf ertönt die jeweilige Geschichte komplett auf Plattdeutsch. Schneewittchen ist dort eine Deern und bei Frau Holle ruft der Appelboom: „Schüddel mi, schüddel mi!“ Denn die Äpfel sind alle reif, wie die Kleinen über den rechten Hochdeutsch-Knopf erfahren können.

Marktplatz Lüneburg (c) spinagel.de

Lüneburg zeigte sich an diesem Montag in der Vorweihnachtszeit gemütlich. Keine Überfüllung, keine Schlangen. Dafür einladend helle Türen und Tore sowie einer der größten Adventskränze Europas. Auf rund 60 Metern Höhe strahlen seine 24 Kerzen. Wie eine Krone sitzt der 1,5 Tonnen schwere Alu-Kranz auf dem Wasserturm, Bei der Ratsmühle 19.

Alter Kran Lüneburg (c) spinagel.de

So lassen die Lüneburger ihre Gäste auch jenseits der Weihnachtsmärkte nicht im Dunkeln stehen. Beim Abschiedsbummel zum „Alten Kran“ reflektieren die Lichter der Hansestadt vielfältig in der Ilmenau. Doch die riesigen Scheinwerfer beim Hotel Bergström, sind die nicht ein bisschen übertrieben? Ach so, Dreharbeiten zur Telenovela „Rote Rosen“. Als Filmkulisse macht sich das romantisch beleuchtete Lüneburg natürlich besonders schön.

Text: Petra Nickisch, Dezember 2015
Fotos: Boris Kohnke

Weihnachtsmärkte

Bis zum 23. Dezember 2015 sind die Lüneburger Weihnachtsmärkte vorm Rathaus und vor der St. Johanniskirche geöffnet. Im Innenhof des Café News wird noch bis zum 30. Dezember weitergefeiert, mit Feuerzangenbowle und Glühwein aus dem Moseltal. Viele Tipps und Termine zur „Weihnachtsstadt Lüneburg“ hält auch die Webseite der Lüneburg Marketing GmbH bereit.

 

Hamburg – Weihnachtsmarktradar 2015

Was: Weihnachtsmärkte in Hamburg 2015
Wo: Hamburg, Deutschland

Der Schnee lässt noch ein wenig auf sich warten aber es ist so langsam kalt genug, dass der Glühwein, der an jeder Ecke ausgeschenkt wird, wieder schmeckt und wohltuend wärmt. Dazu Schmalzgebäck und eine Grillwurst? Oder sollen es in diesem Jahr vielleicht mal Poffertjes und Æbleskiver werden?
Wer das Glück hat, in der Vorweihnachtszeit Hamburg zu besuchen oder sogar hier wohnt, bekommt das und noch viel mehr ohne Probleme. Um eine Übersicht über die nahezu unüberschaubare Zahl an großen und kleinen Weihnachtsmärkten zu bekommen, stellt Spinagel die spannendsten ihrer Art vor. Glühwein und Autofahren sind keine guten Freunde, deswegen wird zu jedem Weihnachtsmarkt die passende Bahn-Haltestelle aufgeführt. Die größte Weihnachtsmarktdichte findet man traditionell im Bereich der Innenstadt, hier liegen die Weihnachtsmärkte so dicht zusammen, dass sie manchmal ineinander übergehen (blaue Kennzeichnung). Zusätzlich findet man als Weihnachtsmarktbesucher in fast jedem Stadtteil einen eigenen Markt (grüne Kennzeichnung). Für alle, die etwas spezielles suchen hat Hamburg etliche Themenweihnachtsmärkte zu bieten vom veganen Weihnachtsmarkt über den kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt bis hin zu skandinavischen Weihnachtsmärkten ist in Hamburg eine große Bandbreite zu finden.

Weihnachtsmarktradar_Hamburg_2015-c-spinagel.de_

Hamburgs spannendste Weihnachtsmärkte 2015

 

Innenstadtweihnachtsmärkte

1Historischer Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt
Wann23.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa 11 – 22 Uhr
WoRathausmarkt
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

2Fleetweihnachtsmarkt
Wann23.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – So 12 – 21 Uhr
WoAdmiralitätsstraße/Michaelisbrücke
20459 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Stadthausbrücke (S1)

 

3Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg
Wann23.11. – 06.01. (bis auf 24. und 25.12.)
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa: 11 – 22 Uhr
Silvester mit Feuerwerk bis 2 Uhr
WoJungfernstieg
20354 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Jungfernstieg (S1/S2/S3/U1/U2/U4)

 

4Spitaler Straße
Wann23.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So 11 – 21 Uhr
WoSpitalerstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

5St. Petri
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So 10.30 – 21 Uhr
WoMönckebergstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

6Weihnachtsmarkt auf dem Gänsemarkt
Wann23.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa: 11 – 22 Uhr
WoGänsemarkt
20354 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Gänsemarkt (U2)

 

7Weihnachtsmarkt auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz
Wann23.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So: 10 – 21 Uhr
WoGerhart-Hauptmann-Platz
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

8Winter Pride
Wann23.11. – 30.12. (bis auf 24., 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenSo – Do: 12 – 22 Uhr
Fr/Sa: 12 – 24 Uhr
WoLange Reihe
20099 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Hauptbahnhof (S1-S3/U1-U4)

 

 

Stadtteilweihnachtsmärkte

9Blankeneser Winterfest
Wann16.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 21 Uhr
WoBlankeneser Bahnhof
Erik-Blumenfeld-Platz
22587 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Blankenese (S1)

 

10Nordischer Weihnachtsmarkt Niendorf
Wann26.11. – 24.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 19 Uhr
WoTibarg 3
122459 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Niendorf Markt (U2)

 

11Weihnachtsmarkt Altona/Ottensen
Wann23.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 21 Uhr
Do – Sa: 11 – 22 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoOttenser Hauptstraße
22765 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1/S3)

 

12HafenCity Weihnachtsmarkt
Wann23.11. – 31.12.
ÖffnungszeitenMo – Do und So: 11 – 21 Uhr
Fr und Sa 11 – 22 Uhr
WoOsakaallee 16 – 18
20457 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Überseequartier (U4)

 

13Eppendorfer Weihnachtsbummel
Wann23.11. – 30.12. (bis auf 24. und 25.12.)
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 20 Uhr
Do – Sa: 11 – 21 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoMarie-Jonas-Platz
20249 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Kellinghusenstraße (U1,U3)

 

14Santa Pauli – Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt
Wann19.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – Mi: 16 – 23 Uhr
Do: 16 – 24 Uhr
Fr/Sa: 13 –1 Uhr
So: 13 – 23 Uhr
WoSpielbudenplatz
20359 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Reeperbahn (S1/S3)U-Bahn St. Pauli (U3)

 

1510. Wandsbeker Winterzauber
Wann06.11. – 03.01.
ÖffnungszeitenMo – So 10 – 22 Uhr
WoWandsbeker Marktstraße22041 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Wandsbek Markt (U1)

 

16Harburger Weihnachtsmarkt
Wann19.11. – 27.12. (bis auf 24. Und 25.12.)
ÖffnungszeitenMo – Sa: 11 – 20 Uhr
So: 13 – 20 Uhr
WoHarburger Rathausplatz 1
21073 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Harburg (S3)

 

17Bergedorfer Weihnachtsmarkt
Wann23.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 22 Uhr
24.12.: 11 – 13 Uhr
WoBergedorfer Schloßstraße 4
21029 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Bergedorf (S2)

 

 

Spezielle Weihnachtsmärkte

1884. Alsterdorfer Advent
Wann28.11. – 29.11.
Öffnungszeiten11 – 18 Uhr
WoAlsterdorfer Markt 4
22297 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Sengelmannstraße (U1)

 

19Skandinavische Weihnachtsmärkte der Seemannskirchen
Wann13.11. – 15.11. und 20. – 22.11.
ÖffnungszeitenFr – So: 12 – 18 Uhr
WoDitmar-Koel-Straße
20459 Hamburg
HaltestelleU- und S-Bahn Landungsbrücken (S1/U3)

 

20Ökologischer Weihnachtsmarkt
Wann07.11. – 08.12.
ÖffnungszeitenSa: 10 – 20 Uhr
So 10 – 18 Uhr
WoMuseum der Arbeit
Wiesendamm 3
22305 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Barmbek (S1/U3)

 

21Veganer Weihnachtsmarkt
Wann28. und 29.11.
Öffnungszeiten28.11.: 12 – 20 Uhr
29.11.: 10 – 17 Uhr
WoGroßmarkthallen
Amsinckstr. 60
20097 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1, S3)

 

22Hamburgs kleinster Weihnachtsmarkt
Wann21.11. – 19.12.
ÖffnungszeitenMi – So: 11 – 19 Uhr
WoAlsterchaussee 3
20149 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Hallerstraße (U1)

 

Dänemark – Handydetox

Wo: Dänemark
Wann: November 2015

Ein verlängertes Wochenende in Dänemark: Weihnachtsfeier in Helsingør und noch zwei kuschelige Nächte nahe der schmalen Halbinsel Sjællands Odde. Drei kurze Novembertage fern der norddeutschen Heimat – dafür extra ein Smartphone-Datenpaket fürs Ausland kaufen? Och, nö. Kann schon nicht so schlimm werden ohne Internet, denke ich. Handy-Detox liegt ja schließlich voll im Trend.

Dänemark Handy Detox (c) spinagel.deDoch wann war das zuletzt? Ein Tag ohne Smartphone? Die Zeiten ohne mein geliebtes schwarzes Samsung liegen schon fast drei Jahre zurück. Als Erstes durchzuckt mich die Sehnsucht am dänischen Weihnachtsbuffet. So viele unbekannte Leckereien. Hering in Zimtmarinade und erst dieser herrlich frische Grünkohl-Salat mit Äpfeln und Granatapfelkernen, der wäre doch ein Foto und einen appetitanregenden Kommentar auf Facebook wert. Aber nein.

Dänemark Handy Detox (c) spinagel.de

Am nächsten Morgen beim Frühstück erkennen wir erst, dass wir direkt übers Brötchen hinweg auf den Øresund schauen können. Freier Blick – wenn auch etwas verregnet – bis Schweden! Das würde ich jetzt gern meiner Mutter whatsappen. Aber nein. Mein Freund und ich steigen ohne Erinnerungsfoto ins Auto und machen uns auf den Weg nach Nykøbing. Knapp zwei Stunden Fahrt, auch per Fähre über den Isefjord. Mir zuckt es ständig in den Fingern. Wie gern würde ich wenigstens einmal am Tag meine E-Mails checken. Nein, nein.

Durchschnittlich alle 12 Minuten aktivierten die Probanden einer Studie der Uni Bonn tagsüber ihr Telefon. Davon bin ich doch weit entfernt, beruhige ich mich. Kein viel beschworener Handy-Nacken hat sich bislang bei mir eingestellt, auch keine Nomophobie, die Angst, ohne Handy von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Und doch. Ich würde am liebsten schon wieder zum Smartphone greifen. Alle Straßennamen enden hier in dieser Siedlung auf „lodden“. Was heißt das wohl übersetzt? „Vej“ erschließt sich ja fast von allein, weil es wie das englische „way“ klingt, also Weg. „Gade“ bedeutet Straße, das weiß ich noch aus dem letzten Dänemark-Urlaub. Doch was heißt „lodden“, verdammt? Das Internet könnte mir bei diesem Straßennamenrätsel helfen. Aber nein!

Dänemark Handy Detox (c) spinagel.de

Es ist Sonntag. Albern zwar, aber ich bin ein bisschen nervös. Zur Mittagszeit sollten die Gewinnzahlen der Advents-Tombola in meinem Heimatdorf ausgelost und anschließend online veröffentlicht werden. Ob ich gewonnen habe? Keine Ahnung. Ich habe ja kein Netz. Mamma mia, gehöre ich nun doch dazu, zur „Head-down-Generation“? Diese Mitmenschen, die es nicht lassen können und ständig den Kopf senken, um auf ihrem Handy Nachrichten einzutippen, im Internet zu surfen oder Spiele zu spielen? Im chinesischen Chongqing wurde eigens für sie im vergangenen Jahr ein Smartphone-Gehweg eingerichtet, damit es nicht ständig zu Zusammenstößen mit anderen Fußgängern kommt.

Ein Spaziergang am Strand der Ordrup Næs lenkt ab. Vielleicht ist es auch die Ersatzdroge, ein ganz normaler Fotoapparat. Der liegt gut in der Hand und hält zuverlässig die schönen Momente des Lebens fest. Einen Apfelbaum, schon ohne Blätter aber noch mit Früchten, im letzten Sonnenlicht des Tages, die Begegnung mit zwei Rehen. So langsam komme ich zur Ruhe. Hab gar nicht so viel ans Handy gedacht, heute Nachmittag.

Dänemark Handy Detox (c) spinagel.de

Der Rückweg am Folgetag verheißt: nur noch wenige Stunden bis zur Grenze, dann bin ich wieder online. In Flensburg machen wir einen Kaffeestopp. Ich weiß auf Anhieb gar nicht mehr, wie ich das Muster ziehen muss, um mein Smartphone zu entsperren. Innerhalb von 74 Stunden vergessen. Dann gelingt es. Harmlose 59 Mails und 25 WhatsApps haben auf diesen Moment gewartet. Ich überfliege sie kurz. Nichts Dringendes verpasst.

Text: Petra Nickisch, November 2015
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Auflösung
Mit „lodden“ hat mich das Internet etwas allein gelassen. Nur im Langenscheidt Online-Wörterbuch bin ich fündig geworden. Demnach bedeutet „lod“ unter anderem Parzelle. Wikipedia erklärt, dass das angehängte „en“ den Artikel ausdrückt, also „die Parzelle“. Na gut, damit kann ich leben. Oder ich muss demnächst mal einen Dänen mit Deutschkenntnissen fragen.
Bei der Advents-Tombola habe ich leider nichts gewonnen. Dabei gab es doch auch ein Smartphone …

 

Fuerteventura – der einsame Südwesten

Wo: Fuerteventura
Wann: Oktober 2015

Ein Ausflug in den Südwesten ist ein kleines, aber lohnenswertes Abenteuer. Am Ende von Morro Jable zweigt kurz vor dem Hafen eine unscheinbare Straße nach rechts ab, an der ein Schild auf Punta Jandia hinweist. Ein paar hundert Meter ist die Straße noch geteert, die Kilometer danach sind nur eine Schotterpiste und schlängeln sich entlang der Küste bis zum südlichsten Punkt der Insel, dem Leuchtturm von Punt Jandia. Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, sollte vorher das Kleingedruckte im Auto-Mietvertrag lesen. Bei Schäden, die auf unbefestigten Straßen entstehen, besteht meistens kein Versicherungsschutz. Wir nehmen das Risiko in Kauf und vertrauen unserem kleinen Hyundai. Wir fahren nicht die gesamten 19 Kilometer bis zum Leuchtturm von Punta Jandia, da waren wir schon bei unserem letzten Besuch der Kanareninsel. Außer dem Leuchtturm stehen dort nur ein paar Hütten und Wohnwagen. Nicht so spannend. Nach knappen 15 Kilometern Wellblechpiste weist ein unscheinbares Blechschild auf der linken Seite den Weg in Richtung Punta Salinas. Wir biegen ab in Richtung Strand. Auf dem Strandparkplatz stehen meistens nur eine Handvoll Autos.

Punta Salinas Fuerteventura 2 (c) spinagel.deHier kann man dem Spiel der Wellen mit der schwarzen Lavaküste ungestört zusehen oder an dem sehr kleinen Strand baden.

Punta Salinas Fuerteventura (c) spinagel.deWem der Strand zu steinig ist (was bei höherem Wellengang auch nicht ganz ungefährlich beim Baden ist), sollte einfach um die nächste Landzunge Richtung Punta Jandia gehen. Dort ist eine größere Bucht mit weißem Sand und kaum Steinen. Mit etwas Glück hat man die Bucht für sich allein.

Auf dem Rückweg Richtung Morro Jable biegen wir auf halber Strecke links ab, in Richtung Cofete. Die Schotterstraße schlängelt sich jetzt in Serpentinen entlang des Barranco de Aqua Oveja bis zu einem Pass mit Aussichtspunkt, der einen atemberaubenden Blick über den gesamten Strand von Cofete bietet.

Cofete (c) spinagel.deHier sollte jeder unbedingt anhalten und einen Blick hinab auf die Küste werfen. Wir nutzen unseren Stopp um ein paar Fotos zu machen. Währenddessen kommt uns der Linienbus aus Richtung Cofete entgegen. Da es sich um einen umgebauten Unimog handelt, wird uns klar, dass es jetzt Ernst für unseren Mietwagen wird.

Cofete Unimog Bus (c) spinagel.deDie Straße wird holperiger und schmaler. Ein Blick nach links sagt mir, dass diese Abfahrt nichts für Menschen ist, die nicht schwindelfrei sind. Von der Straße abkommen sollte man auch lieber nicht, es geht teilweise steil diverse hundert Meter nach unten. Wir lassen einen Einheimischen vor und klemmen uns dahinter. Wenn der die Kurve nicht schafft habe ich wenigstens noch 50 Meter zum Bremsen, so der Plan. Die Taktik bringt uns schnell und sicher ans Ziel, dem Strand von Cofete. Das Auto neben dem alten Strandfriedhof abgestellt, dann sind es nur noch gut 300 Meter bis zur Wasserkante.

Cofete feiner Sand (c) spinagel.deWas von oben schon grandios aussah ist hier einfach nur wunderschön. Ein smaragdgrünes Meer wirft sich in Wellen mit lautem Tosen und strahlend weißen Schaumkronen an den goldgelben Strand, der in beide Richtungen im feinen Dunst der Gischt verschwindet. Dieser Strand ist für mich der Schönste der ganzen Insel, einsam, urgewaltig und etwas mysteriös.

Cofete Wellen (c) spinagel.deDas Meer lädt ein sofort hinein zu springen. Durch meine Recherchen bin ich aber etwas vorsichtig damit. An diesem Strand sterben jedes Jahr einige Menschen, die die Kraft der Wellen und den Sog in Richtung Atlantik unterschätzen. Wer in Cofete in den Atlantik springt sollte das nur bei gutem Wetter und den richtigen Gezeitenverhältnissen machen. Bei unserem letzten Besuch am Strand von Cofete haben wir erlebt wie ein Kitesurfer es nur mit letzter Kraft wieder an den rettenden Strand geschafft hat.
Das Spiel mit den Urgewalten der riesigen Wellen ist ein einmaliges, aber anstrengendes Erlebnis. Größere Wellen drücken mich schon mal unter die Wasseroberfläche, da hilft nur kurz Luft anhalten und nachdem einen das Meer wieder ausgespuckt hat, kurz orientieren wo oben und unten ist. Nachdem ich zum dritten Mal ungewollt mit der linken Schulter den sandigen Meeresgrund durchgepflügt habe, habe ich genug mit der Kraft des Meeres gespielt.

Cofete endloser Strand (c) spinagel.deIch lasse mich auf dem feinen Sand von der Sonne trocknen und genieße dabei die unbändige Natur. Unser Rückweg führt uns an der einzigen Bar des Ortes vorbei. Vor der sich, wegen des ständigen Windes unablässig ein Windrad dreht, dass für Energie weit ab vom Stromnetz der restlichen Insel sorgt. Eine kanppe Stunde Holperpiste, dann hat uns die Zivilisation wieder. Beim Abendessen im Hotel lassen wir den Tag Revue passieren. Was für ein außergewöhnlicher Strandtag.
Text: Boris Kohnke, Oktober 2015
Fotos: Boris Kohnke

Cofete
Cofete ist als Ort schon lange aus dem Inselregister verschwunden, aber immer noch leben in dieser besonderen und einsamen Ecke der Insel circa 15 Menschen. Zentraler Punkt des Ortes ist die sehr massiv gebaute Bar. Alle anderen Häuser haben eher den Charakter von besseren Schuppen. Einzig die Villa Winter sticht aus der spärlichen Bebauung heraus. Das Haus mit seinem prägnanten Turm wurde von dem Deutschen Gustav Winter erbaut. Winter hatte den südlichen Teil der Halbinsel Jandia gepachtet und das Haus und ein Flugfeld kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs errichtet. Bis heute ranken sich Geschichten um das inzwischen unbewohnte Haus. Von einem unterirdischen U-Boothafen, der über die verzweigten Keller der Villa Winter erreicht werden kann, bis zu einem Anlaufpunkt für Nazigrößen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Südamerika geflohen sind, reichen die Spekulationen.

 

Fuerteventura – Corralejo, die Wüste im Norden

Wo: Fuerteventura
Wann: Oktober 2015

Wir machen uns auf den Weg Richtung Nordspitze von Fuerteventura. Das ist an der Ostküste einfach, immer nur der einzigen Straße in nördliche Richtung, der FV-2, folgen. Etwa 40 Kilometer hinter der Inselhauptstadt Puerto Rosario begrenzt ein übergroßes Schild unsere Geschwindigkeit auf 70 km/h. Ein Grund steht auch in mehreren Sprachen auf dem Schild: „Häufige Sandverwehungen“. Noch sieht die Straße aber nicht ungewöhnlich aus, doch schon hinter der nächsten Kurve scheint es, als wären wir in der Wüste gelandet.

Corralejo (c) spinagel.deDabei ist es nur der Anfang der größten Düne der Insel. Auf einer Länge von 11 Kilometern nichts als Sand und ein paar windzerzauste Büsche zwischen den Hügeln und dem Meer. Nur das schwarze Teerband der FV-2 zieht sich schnurgerade durch diese riesige Sandkiste. Hin und wieder stehen ein paar Autos am Straßenrand. Bei der dritten Autogruppe stellen wir unser Auto dazu und gehen über den breiten Dünenrücken in Richtung Meer.

Corralejo SOS  (c) spinagel.deWie überall auf Fuerteventura bläßt auch hier ein beständiger Wind. Da er auf dem Weg durch die wüstenähnliche Düne von Corralejo immer etwas Sand mitbringt ist es eine ziemlich unangenehme Angelegenheit sich nach dem Sprung in den Atlantik einfach so auf sein Handtuch zu legen. Nach kurzer Zeit ist man rundum mit dem strahlend weißen Sand paniert.

Corralejo Strandburg (c) spinagel.deBesser man ist rechtzeitig vor Ort und besetzt eine der vielen Strandburgen aus Lavagestein. Mit ihren schwarzen Außenwänden setzen sie einen deutlichen farblichen Akzent im endlosen Weiß des Sandes.

Die ganze Gebiet ist seit 1982 wegen seiner besonderen Pflanzenwelt mit einigen endemischen Arten zum Nationalpark erklärt worden, dem „Parque Natural de Corralejo“. Kurz vor der Ausweisung des Nationalparks sind mitten am Strand zwei riesige Betonklötze hingestellt worden– die Hotels RIU Tres Islas und Oliva Beach. Ein Schelm wer dabei Böses denkt …

Corralejo RIU Hotels  (c) spinagel.deEigentlich sollten die Hotels nach Ablauf der Konzession 2017 abgerissen und die Dünenlandschaft renaturiert werden. Die kanarische Inselregierung hat aber 2013 beschlossen die Genehmigung um weitere 75 Jahre zu verlängern.

An der nördlichsten Spitze von Corralejo weht der Wind besonders stark, ein Grund warum sich an diesem Teil des Strandes die Kite- und Windsurfer treffen. Die kleine Nachbarinsel Lobos ist zum Greifen nah und auch die Nachbarinsel Lanzarote ist nur einen Steinwurf (8 Kilometer) entfernt.

Das Ende des Nationalparks markiert der kleine Touristenort Corralejo. Das größte Hotel steht fast im Zentrum des Ortes. Ein Bauzaun sperrt das Areal rund um das Hotel ab, es ist nie über das Rohbaustadium hinausgekommen. Es steht, wie viele andere Hotelruinen auf Fuerteventura als Mahnmal für die Spekulationsblase der späten 2000er.

Corralejo Hotelruine (c) spinagel.deWer ein wenig genauer hinschaut wird sogar feststellen, dass auch andere Häuser und Hotels in der Stadt aufgegeben wurden und langsam dem Verfall preisgegeben werden. Für uns etwas uns zu viel morbider Charme, wir machen uns auf den Rückweg in unser schon seit 1980 fertiggestelltes Hotel.

Text: Boris Kohnke, Oktober 2015
Fotos: Boris Kohnke

Lobos

Die kleine Nachbarinsel ist früher ein Piratenversteck und Stützpunkt für Schmuggler gewesen. Heute ist die Insel unbewohnt, nur ein paar Fischer haben ein Wochenendhäuschen auf dem Eiland. Den Namen hat die gut 4,5 Quadratkilometer große Nachbarinsel von Fuerteventura von den Mönchsrobben (Lobos Marinos), die aber inzwischen dort ausgerottet sind.

 

Fuerteventura – Ein Wiedersehen nach 10 Jahren

Wo: Fuerteventura
Wann: Oktober 2015

In Deutschland hat der Herbst Einzug gehalten. Die einzig warmen Sommerwochen in Deutschland sind uns durch einen ausgedehnten Skandinavien-Urlaub durch die Lappen gegangen. Was liegt also näher, als den Sommer dort noch ein wenig zu verlängern, wo es im Oktober noch warm ist. Die Wahl fällt auf Fuerteventura. Auf der Kanarischen Ziegeninsel war ich das letzte Mal vor 10 Jahren und eigentlich kann ich mich nur an die endlosen Strände erinnern. Die Wetter-App sagt für den geplanten Reisezeitraum mindestens 28 Grad voraus. Perfekt, das nehmen wir. Ein Flug zu humanen Zeiten, ein Hotel und ein Mietwagen (ohne geht es nicht wenn man die Insel erkunden will) sind schnell gefunden. Die Buchungsbestätigung erzeugt noch einmal ein kurzes Stirnrunzeln bei mir, der Airlinecode unseres Fluges ist LLC. Nie gehört, egal solange die Airline nicht auf der schwarzen Liste steht werden wir schon ankommen.

Small Planet Airline 1 (c) spinagel.deLLC erweist sich nach einer kurzen Internetrecherche als Small Planet Airline, die in Litauen beheimatet ist. Beim Check-In frage ich den freundlichen Flughafenangestellten, der unsere Koffer wiegt und die Tickets ausstellt, seit wann Small Planet Airline ab Hamburg fliegt. Mit einem breiten Grinsen antwortet er „ab heute, der erste Flug ist vor zwei Stunden gestartet, ihr seid die zweite Tour“. Was soll schon passieren, denk ich mir. Als mein Gegenüber uns noch Viel Glück wünscht komme ich doch etwas ins Grübeln.

Small Planet Airline innen (c) spinagel.deLetztendlich hatten wir aber eine lustige Crew, die in einem sehr bunten Flieger, mit ihren interessanten Durchsagen in einem litauisch-polnisch-englisch-Mix den Flug schnell hat vergehen lassen. Nur scheinen Litauer etwas kleinere Zeitgenossen zu sein. Ich hatte mit meinen knapp 2 Metern etwas Mühe meine Beine während des Fluges zu verstauen.

Unser Flieger ist mit einer knappen Stunde Verspätung in Puerto Rosario auf Fuerteventura gelandet. Meine Bedenken während des Fluges, dass wir unseren Mietwagen nicht mehr bekommen, waren überflüssig, da ich die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und den Kanaren nicht bedacht hatte. Die betrug, genau wie unsere Verspätung, eine Stunde.

Nachdem wir den Motor des Mietwagens gestartet und die Klimaanlage voll aufgedreht haben, suchen wir das Thermometer. 26 °C um Mitternacht, das ist auf jeden Fall eine gute Voraussetzung für unsere geplante Verlängerung des Sommers.

40 Minuten später sind wir in unserem Hotel an der Costa de la Barca. Wir inspizieren alles und lauschen vor dem zu Bett gehen noch ein wenig dem Rauschen der Wellen auf unserem Balkon. Es ist stockfinster, aber die Geräusche der Wellen auf dem Sand lassen uns mit der Gewissheit einschlafen, dass wir Meerblick haben.

Quellergebüsch (c) spinagel.deAm nächsten Morgen schauen wir nach, ob der Strand so gut ist, wie wir es in Erinnerung haben. Aus der Tür, einen kurzen Weg entlang, dann nur noch durch ein größeres Quellergebüsch (für alle die Queller mit den 10 Zentimeter hohen Pflänzchen an der Nordsee verbinden, auf Fuerteventura sind das wirklich ausgewachsene Büsche) und schon sind wir am türkisblauen, klaren Atlantik.

Jandia endloser Strand (c) spinagel.deDas Ende des Strandes können wir von hier aus nicht sehen. Kein Wunder der Strand zwischen Costa Calma und Morro Jable ist gut 21 Kilometer lang. Nach einem ausgiebigen Badetag sind wir froh ohne größere Verbrennungen wieder zurück in unserem Hotel zu sein.

Strand von Costa Calma (c) spinagel.deAbends recherchiere ich noch, was man sich auf Fuerteventura so ansehen muss. Die ersten drei Ergebnisse der Suche „Sehenswürdigkeiten Fuerteventura“ sind deutlich: Jeweils 9 der 10 Topp-Attraktionen sind Strände auf der Kanareninsel. Wenn die alle so spektakulär, wie unser Hausstrand sind ist das völlig verständlich. Die nächste Woche werden wir uns also alle Strände vornehmen, die wir erreichen können.

Hier geht es weiter mit dem einsamen Südwesten der Insel.

Text: Boris Kohnke, Oktober 2015
Fotos: Boris Kohnke

Fuerteventura

Die zweitgrößte der kanarischen Inseln liegt nur 120 Kilometer von der afrikanischen Küste entfernt. In gut viereinhalb Stunden ist man mit dem Flugzeug dort, wo der Sommer nie aufhört. Mit einer Länge von 96 Kilometern und einer Breite von 28 Kilometern bietet Fuerteventura ausreichend Platz für die Erkundungen eines längeren Urlaubs. An manchen Stellen erinnert die Vulkaninsel an die Oberfläche des Mondes – öd, steinig und staubig. Die pulsierende Inselhauptstadt Puerto Rosario setzt dazu den passenden Kontrapunkt. Für Urlauber hat Fuerteventura trotz Massentourismus vor allen Dingen viel Platz und Ruhe zu bieten.

 

Oldenburg – Nichts als Netze

Wo: Oldenburg
Wann: Oktober 2015

„Ich habe kaum Netz“, höre ich im Zug einen Mitreisenden klagen, als der Mobilfunk-Empfang gerade zu wünschen übrig lässt. Kaum läuft sein Handygespräch wieder flüssig, fragt er: „Bist du gerade im Netz?“ Nun ist das Internet gemeint. Wahrscheinlich wird er seinen Gesprächspartner gleich bitten, sich online eine spannende Webseite anzugucken. Oder sich in einem der Sozialen Netzwerke einzuloggen, um die neuesten Posts zu kommentieren. Unsichtbare oder virtuelle Netze umgeben uns überall.

Physalis

Meine Oma hätte beim Stichwort „Netz“ wahrscheinlich an ihr Haarnetz gedacht oder an ihr Einkaufsnetz. Ganz physisch und greifbar eben. Fragt man einen Fischer, fällt ihm bestimmt als Erstes sein Fangnetz ein. Ein Botaniker würde antworten: das filigrane Adernetz in den Blättern. Während ich in Oldenburg so durch die Straßen gehe, muss ich unter einem Gerüst hindurch, auf dem Handwerker an der Fassade eines Hauses arbeiten. Damit sie nicht versehentlich auf den Fußweg hinabstürzen, schützt sie – ein Netz.

Krabbenkutter mit Netz

Noch völlig in Gedanken, warum ich in den 80ern diese unmöglichen Netzhandschuhe cool fand und warum jeder heute unbedingt „Networking“ betreiben muss, betrete ich im Landesmuseum Natur und Mensch die Sonderausstellung „Ein Leben in Netzen“. Ein spannendes und anregendes Thema, oder? Da kommen die neuronalen Netze im Gehirn direkt auf Trab.

Netzbrücke

Doch gleich am ersten Exponat klebt ein Hinweisschild. Die letzte Seidenspinne im Ausstellungs-Terrarium ist leider einen Tag vor meinem Besuch gestorben. Was von ihr und ihren Kolleginnen übrig blieb? Natürlich ihre Spinnenetze! Und zusätzlich vier Ei-Kokons, weiße Kugeln an der Terrarium-Decke, von denen sich die Museumleitung erhofft, dass daraus bald der Spinnennachwuchs schlüpft. Noch bis zum 25. Oktober 2015 lenkt die kleine Ausstellung den Blick darauf, wie häufig Netzstrukturen in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens vorkommen. Von direkt sichtbaren wie Straßennetze, die besonders nachts und von oben gut zu erkennen sind, wenn Autos und Laternen die Straßen einer Stadt erleuchten, bis zu nur grafisch darstellbaren wie Handelsnetze in der Steinzeit. Vor dem Museum zeigt die Künstlerin Beate Lama ihre Installation aus technischen Schnüren (Foto unten) – ein Mensch, vernetzt aber irgendwie auch verstrickt.

Installation Beate Lama

Was Netze nicht so alles können: verbinden, auffangen, schmücken, schützen. Aber auch festhalten und einfangen. Ein sehr nützliches Prinzip, stelle ich gerade fest, während ich das Teenetz mit den losen Earl-Grey-Blättern aus meiner Tasse fische. Ich tippe die letzten Zeilen dieses Textes in die Tastatur und er kommt mir nun auch schon vor wie eine Art Netz. Ein ganz besonderes Text-Geflecht aus Wörtern und Gedanken. Doch jetzt ab damit. Ins Netz!

Text: Petra Nickisch, Oktober 2015
Fotos: Petra Nickisch, Boris Kohnke

Oldenburg

Unweit vom Museum interessieren mich anschließend die in der Vitrine von Veggiemaid ausgestellten Kuchen und Snacks. Ein ordentlicher Teller Vollkornpasta mit Rosenkohl und Cranberrys wappnet mich für den Oldenburg-Spaziergang. Trotz des nasskalten Tages gefällt mir die Universitätsstadt an den Flüssen Hunte und Haaren auf Anhieb. In der belebten City freut man sich schon auf die Grünkohl-Saison, die am 1. November beginnt. „Kohltour-Hauptstadt“ nennt sich Oldenburg dann. Bis dahin ziehe ich die frischen Waffeln im Kaffee Hamburg vor.

 

Flensburg – mit dem Wenckstern in den Sonnenuntergang

Wo: Flensburg
Wann: September 2015

Freitag kurz vor 19 Uhr, wir stehen dicht gedrängt im Büro der ehemaligen Tankstelle und üben uns im Wettgrinsen. An der einzigen Deko in dem kleinen Raum, einem Regal voller weißer Motorradhelme, kann es eigentlich nicht liegen, auch nicht daran, dass jeder einen achtseitigen Vertrag in der Hand hat. Der Vertrag ist Nebensache, den liest sowieso keiner. Ich hab eben unterschrieben, dass ich eine Waschmaschine gekauft habe? Egal! Gib mir einen Helm, der mir passt. Ich will los, das mit der Waschmaschine klären wir später.

Mini Hotrod in Flensburg

Flugs einen passenden Helm ausgesucht und raus geht’s zu dem Objekt der Begierde. Ordentlich aufgereiht stehen sieben Hotrods vor der Tür, damit geht es gleich auf eine Tour durch das abendliche Flensburg. Neben dem Auto stutze ich dann doch ein wenig, die Mini-Hotrods sind nur gut 2 Meter lang und der Fußraum sieht doch arg kurz aus Ob da meine fast 2 Meter Gesamtlänge überhaupt reinpassen? Mit ein wenig Zusammenfalten geht das dann doch ganz ordentlich. Das linke Knie so am Lenkrad vorbeischlängeln, dass man gleichzeitig bremsen und lenken kann geht nur, wenn das Knie unter den oberen Rand des Chassis geklemmt wird. Vorsichtig drehen wir zwei Runden auf dem gepflasterten Platz, bevor wir uns für die letzten Instruktionen unseres Guides nebeneinander aufstellen.

Start der Hotrod-Tour

Dann wird es Ernst. Im Konvoi biegen wir auf den Ochsenweg ab. Die Hotrods vor mir knattern munter los und verströmen den Duft von Benzin und Abenteuer. Also gebe auch ich Vollgas und die 14 Pferde direkt unter mir treten an. Ein Gefühl, als ob es mindestens 100 wären. Kurz darauf kommt das erste Straßenschild, 50 dürfen es hier maximal sein, da bin ich doch auf jeden Fall drüber. Ein kurzer Blick auf den Tacho verrät, dass es sich zwar anfühlt wie 80 km/h, es in Wirklichkeit aber erst knapp 40 sind. Was ein ungefedertes Fahrwerk und eine Sitzposition 5 cm über dem Asphalt doch vortäuschen können.
Kurz danach überfahre ich einen Gullydeckel und stelle schmerzhaft fest, dass keine Federung auch bedeutet, dass jede Unebenheit sich direkt bemerkbar macht. In meinem Fall auch als Schlag auf mein linkes Knie. Ich bringe, soweit es möglich ist, etwas Abstand zwischen mein Knie und das mich eng umschließende Fahrzeug. Jetzt machen sogar kurze Kopfsteinpflasterstrecken Spaß.

Nachdem ich mich erst einmal in meiner motorisierten zweiten Haut eingerichtet habe, kann ich mich auch ein wenig auf das abendliche Flensburg konzentrieren, Richtung Förde und am Hafen entlang. Flensburg ist auch aus der Froschperspektive eine sehr nette Stadt.
An der nächsten Ampel werden mir die Dimensionen meines Gefährts wieder sehr deutlich, ich kann mit der Hand auf die Straße fassen und die M-Klasse neben mir zeigt mir ihre Radläufe auf Augenhöhe und wirkt wie ein LKW.

Mini Hotrod in Flensburg

Die M-Klasse rollt langsam ein Stück weiter und zwei blonde Frauen schauen etwas ungläubig, aber sichtlich begeistert aus ihren Fenstern nach unten auf uns und unsere kleinen Knallerbsen. Wir sind auf jeden Fall der Hingucker. Nach einem Ferrari oder Lamborghini würden sich nicht so viele Autofahrer und Fußgänger umdrehen. Einige winken uns sogar begeistert zu. Die sind bestimmt bald auch mit einem Miet-Hotrod in Flensburg unterwegs.

Hotrods an der Ampel

Beim Abbiegen kann man perfekt den drängelnden normalen Autos entkommen. Die Kombination aus direkter Lenkung und dem Hotrod-Fahrwerk sind ganz großes Kino. Bremsen? Warum? Beherzt das Lenkrad einschlagen und Gas geben. Abbiegen mit 50 km/h ist kein Problem. Mir treibt es das Grinsen ins Gesicht und der Fahrer im Auto hinter mir staunt noch während er seine Gänge sortiert und versucht, mich wieder einzuholen.

Mini Hotrod von Wenckstern

Langsam erreichen wir den Stadtrand von Flensburg, in Wassersleben können wir einmal richtig Gas geben. 80 zeigt das Tacho, eine Wahnsinnsgeschwindigkeit. Bei Vollmond mit unseren kleinen Hotrods die Alleen entlangzuknattern ist schon ein tolles Erlebnis. Kurz danach wird es noch einmal Ernst. Da eine Straße gesperrt ist, müssen wir kurz auf die Autobahn. Auch das macht Spaß, obwohl uns alle anderen Autos überholen. Die nächste Abfahrt ist aber schon unsere und eine Stunde nachdem wir losgefahren sind, landen wir wieder im Ochsenweg 75, wo wir uns von den kleinen, weißen Flitzern trennen müssen. Erstes Thema nach dem Aussteigen: Wann treffen wir uns zur nächsten Runde?

Text: Boris Kohnke, August 2015
Fotos: Boris Kohnke

Die Väter der irren Kisten

Als Kind hat man Seifenkisten gebaut und sich todesmutig die enormen Hügel der norddeutschen Tiefebene heruntergestürzt. Wer technisch etwas bewandert war, hat in sein Kettcar einen Rasenmähermotor eingebaut und war damit unabhängig von einer geeigneten Rampe. Dieses ganz große Abenteuer ist aber schnell in Vergessenheit geraten, als man die ersten Fahrzeuge legal im Straßenverkehr bewegen durften.
Die Idee von den kleinen Flitzern haben Maik Wenckstern und sein Bruder also wohl schon lange mit sich herumgetragen. Den Traum aller großen Kinder haben sie sich 2009 erfüllt. Nach knapp zwei Jahren Entwicklungsarbeit und dem einen oder anderen Rückschag hatte der erste Mini-Hotrod eine Straßenzulassung. Inzwischen sind in der Wenckstern Manufaktur in Norderstedt, nördlich von Hamburg, über 200 der kleinen Spaßmobile entstanden. Die technischen Daten klingen erst einmal unspektakulär: Aus 150 Kubikzentimer bringt der kleine Einzylinder 13,6 PS an die Hinterachse und erreicht damit maximal 88 Stundenkilometer. Das ändert sich nach dem Einsteigen ganz schnell, die Beschleunigung fühlt sich eher nach über 100 PS an und mit 45 Sachen durch die Stadt zu cruisen, könnte dem Gefühl nach auch als 80 durchgehen.

Wer selbst einmal ausprobieren möchte, wie viel Spaß eine Runde in den Mini-Hotrods macht, kann das in vielen deutschen Städten selbst probieren, u. a. Hamburg, Flensburg, Goslar, Essen, Aachen, Wiesbaden oder aber auf Ibiza, Sylt oder Mallorca, bei einer geführten Tour mit einer Mietseifenkiste.

 

9 Schwedenhappen

 

Wo: Schweden
Wann: August 2015

Kaum zu glauben, dass ich mein Leben lang nicht nach Schweden gefahren bin, weil ich Angst vor den angeblichen Mückenhorden hatte. Auch, dass alles so unglaublich teuer sei, wurde mir erzählt. Auf einer Ostsee-Tour zwischen Malmö und Stockholm wollte ich meine Vorurteile überprüfen und musste schnell feststellen, was ich jahrelang Schönes verpasst habe. So viele Wasserflächen, herzerfreuende Holzhäuser, entspannter Autoverkehr … Fazit: nur 4 Mückenstiche in 14 Sommertagen und mein Lieblingstee war im Supermarkt sogar noch günstiger als zuhause.

 

Turning Torso Malmö (c) spinagel.de

Malmö

Die drittgrößte Stadt Schwedens trumpft mit dem höchsten Wolkenkratzer Skandinaviens auf. „Turning Torso“ nennt sich das 190-Meter-Hochhaus. Um den „drehenden Rumpf“ wächst das neue Stadtviertel Västra Hamnen auf einem ehemaligen Industriegebiet direkt am Meer heran. Beim Strandspaziergang zeigt sich beeindruckend lang die Öresundbrücke: Sie verbindet Malmö über die Meerenge hinweg mit Kopenhagen in Dänemark.

 

Falsterbro Ostseestrand (c) spinagel.de

Falsterbo

Einmal am südwestlichsten Zipfel Schwedens die Füße ins Wasser stecken. Herrlich! Aber auch sehr windig hier. Die meisten Strandgäste verstecken sich in den Sandkuhlen der Dünen. An Baden ist nicht für jeden zu denken. An Picknicken schon eher. Und an Kitesurfen. Erst hier an der Halbinsel Falsterbo beginnt offiziell die Ostsee und der Öresund endet.

 

Ystad (c) spinagel.de

Ystad

Als Schauplatz der Wallander-Krimis von Henning Mankell ist das Städtchen Ystad eine kleine Berühmtheit. Das Touristenbüro hat einen Stadtplan mit den markantesten Schauplätzen herausgegeben, auf geführten Touren erkunden die Fans jegliche Spur des kauzigen Kriminalkommissars. Doch wir suchen keine Leichfundorte, sondern nur ein schnuckeliges Café. Das Schild der Kaffestugan Bäckahästen lockt uns in einen Innenhof voller roter Tische und weißer Stühle. Wir wählen Waffeln mit Marmelade. Nicht mörderisch gut, aber nah dran.

 

Elchpark (c) spinagel.de

Elchpark

Schweden-Urlaub ohne Elchpark? Das machen die Fortgeschrittenen, aber nicht die Anfänger. Zwischen hauptsächlich deutschen Touristen durchqueren wir also das Gehege vom Grönåsens Älgpark in Kosta, um ihn zu sehen: den größten aller Hirsche, den bis zu 800 Kilogramm schweren und 3 Meter hohen Elch, von dem es im ganzen Land rund 300.000 Exemplare gibt. Für uns exotisch, für die Schweden wahrscheinlich – „gähn“?

 

Öland (c) spinagel.de

Öland

Über die Naturreservate der 140 km langen und bis zu 16 km breiten Insel kann man nur ins Schwärmen geraten. Sei es die Kalksteinsteppe Stora Alvaret und das Zugvögel-Paradies Ottenby im Süden oder das Wald- und Strandgebiet Trollskogen im Norden. Überall führen Wanderwege durch die schöne Landschaft. Ein weiterer Hingucker sind die vielen alten Windmühlen – die Wahrzeichen Ölands. Rund 400 sollen noch erhalten sein. Über die 6 km lange Brücke geht’s zurück aufs Festland.

 

Nacka Strand (c) spinagel.de

Nacka Strand

Was eine Skulptur so ausmacht. Der 18 Meter hohe „Himmelsbogen“ aus Stahl und Wasser hat eine unglaubliche Ausstrahlung und Anziehungskraft. Gott persönlich steht oben auf seiner Spitze und hängt neue Sterne in den Himmel, unterstützt von einem Engel, der vom Fuße des Bogens zu ihm hinaufschaut. Auf besondere Weise trägt dieser ungewöhnliche Springbrunnen des schwedischen Bildhauers Carl Milles zum Wohlbefinden der Hafenbesucher bei. In Nacka Strand starten viele Fähren nach Stockholm und zu den Schäreninseln.

 

Schären in Stockholm (c) spinagel.de

Vaxholm

Vaxholm? Lieber nicht. Nach einem kurzen Rundgang hatten wir schon genug von dem in jedem Reiseführer empfohlenen und deshalb überlaufenen Hauptort der Insel Vaxön. Aber eine Schifffahrt durch den Stockholmer Schärengarten gehört wirklich dazu. Zumal die Fähren alle naslang fahren. Einzige Schwierigkeit: im ausführlichen schwedischen Fahrplan-Heft den Überblick zu behalten.

 

Sigtuna kleinstes Rathaus Schwedens (c) spinagel.de

Sigtuna

Schwedens kleinstes Rathaus in Schwedens ältester noch bewohnter Stadt ist zwar schon niedlich, aber noch schöner ist es, durch die winzige Einkaufsstraße mit ihren bunten Holzhäusern zu bummeln. Oder am Hafen auf den spiegelglatten Seitenarm des Mälarsees hinauszuschauen. Auch Stockholm liegt an seinem Ufer. Genauso wie Schloss Drottningholm, der Wohnsitz der königlichen Familie.

 

UBahn Stockholm (c) spinagel.de

Stockholm

Dort sitzen, wo Prinz Carl Philip gerade erst seine Prinzessin Sofia geheiratet hat, zu Fuß die kleine Insel Skeppsholmen umrunden, im Abba-Museum zurück in die 70er-Jahre reisen. Ach, Stockholm hat so viele Reize. Sogar unterirdisch. Die stark für Auto- und Metrofahrer untertunnelte Stadt zeigt auch unter der Erdoberfläche ihre Schönheit – wie hier die blauen Ranken und Blumen in der U-Bahn-Station T-Centralen.

 

Text: Petra Nickisch, September 2015
Fotos: Boris Kohnke

Schweden-Hörspiele

Spannende Hörspiele versüßen lange Autostrecken. Was liegt auf einer Schweden-Tour näher, als den Kriminalfällen des Stockholmer Kommissars Martin Beck zu lauschen? Auch der Hörspiel-Thriller „Goldagengården“ (Box mit 5 CDs) von Marco Göllner lag in unserem Player. Ermittelt wird in Växjö, Südschweden. Auf dem Skatelövfjorden ist ein Millionär und Kunstsammler bei einem Kanuausflug über Bord gegangen … Mit dem blinden Privatdetektiv Peter Lundt waren wir im restlichen Skandinavien unterwegs. In Folge 12, „Peter Lundt und die Tränen der Elefanten“, bewacht der Hamburger Ex-Polizist wertvolle Orden in einer Ausstellung in Kopenhagen. In Folge 8, „Peter Lundt und die Stunden bis Helsinki“, sucht er auf einer Ostseefähre nach dem Klabautermann. Wir hatten Spaß!

 

Brodtener Steilufer

Wo: Brodtener Steilufer
Wann: August 2015

Durch Niendorf komme ich nicht, ohne mir ein unglaublich köstliches Kräutermatjes-Brötchen bei Klüver’s Hafenräucherei zu holen. Auch der Kuchen in der Strandvilla am Hafen ist grandios. Doch jetzt habe ich eine neue Attraktion entdeckt. Also für mich ist sie neu, andere kennen sie schon ewig: den Steilküstenwanderweg am Brodtener Ufer.

Brodtener Steilufer Wanderweg (c) spinagel.de

Gerade mal 45 Minuten geht man von der Niendorfer Bushaltestelle Brodtener Straße bis zum höchsten Punkt des Steilufers, der Hermannshöhe. Das habe ich im Mai getestet, als die Rapsfelder herrlich gelb blühten; Regen, Wind und Sonne sich ständig abwechselten. Weil der Blick über die Ostsee so herrlich war und ich nicht genug bekommen konnte, bin ich dem Weg weitere 2,9 Kilometer gefolgt bis zum Strandbahnhof Travemünde. Von dort fährt tagsüber der Bus 40 bequem zurück bis nach Niendorf und weiter bis Timmendorfer Strand und Scharbeutz.

Brodtener Steilufer abgestürzter Baum (c) spinagel.de

Jetzt im Sommer wollte ich unbedingt noch mal wiederkommen. Aber abends, zum Sonnenuntergang. Wir nahmen also das Auto und parkten in der Nähe der Steiluferallee, über die sich der Wanderweg – wie übrigens auch über den Niendorfer Strand – sehr gut erreichen lässt. Ganz in Ruhe schlenderten wir zur Hermannshöhe und setzten uns draußen in das gleichnamige Erlebniscafé. Bis 21 Uhr konnten wir uns zurücklehnen und unsere Getränke genießen, dann war dort Feierabend.

Brodtener Steilufer Sonnenuntergang (c) spinagel.de

Auf dem Rückweg zum Auto sahen wir die Sonne über der Lübecker Bucht versinken. Diese Weite, dieses Licht, diese Schönheit. „Ich könnte springen und schreien vor Freude“, sagte ich zu meinem Freund. „Mach doch“, antwortete er. „JIIIIPPPPPIIEEEEEEHHHHHH!!!!!!!!!!

Text: Petra Nickisch, August 2015
Fotos: Petra Nickisch, Boris Kohnke

Ostseeküsten-Radweg

Der Steilküstenweg am Brodtener Ufer ist Teil des Ostseeküsten-Radwegs, der in Deutschland bei Flensburg beginnt und bis nach Ahlbeck auf der Insel Usedom führt. Als Baltic Sea Cycle Route verläuft die Strecke weiter über Polen, Russland, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark – einmal rund um die Ostsee.

 

Die Wingenfelder auf Langeneß

Wo: Langeneß
Wann: Juni 2015

Ihr kennt nicht die Wingenfelder auf Langeneß? Das ist keine Bildungslücke, die sind auch äußerst selten auf der Hallig zu finden. Aber von Anfang an: Es ist Freitag, 15 Uhr in Schlüttsiel. Obwohl laut der großen Anzeigetafel in der nächsten Zeit keine Fähre auf die Halligen oder nach Pellworm abfährt, steht eine erstaunlich große Menschenmenge an der Südmole des kleinen Hafens und schaut hoffnungsvoll auf die Nordsee, die dank der Flut gerade wieder über die Weiten des Wattenmeeres hereinschwappt. Hier sind wir richtig. Hafen Schlüttsiel (c) spinagel.deWir gesellen uns zu der Truppe und bekommen nach einem kurzen Plausch mit einer rothaarigen Frau in hier etwas deplatziert wirkenden Stöckelschuhen ein schweinchenrosafarbenes Armband umgelegt. All inclusive durch das Wattenmeer – sieht so das neue Tourismuskonzept der Halligen aus? Knapp daneben. Die Veranstaltung heißt „Kultur auf den Halligen“ und heute spielt Wingenfelder in dem zur Bühne umgebauten Schafstall hinter dem Gasthof Hilligenley auf der Hallig Langeneß. Die beiden Wingenfelder-Brüder sind den Älteren wahrscheinlich eher durch ihre ehemalige Band Fury in the Slaughterhouse bekannt, die in den 90ern problemlos Stadien füllte. Die Veranstaltungsreihe „Kultur auf den Halligen“ findet dieses Jahr zum 7. Mal statt und bringt Künstler und Zuschauer in der entspannten Atmosphäre des nordfriesischen Wattenmeeres zusammen.

Seeadler im Hafen von Schlüttsiel (c) spinagel.de

Pünktlich um kurz nach drei kommt die MS Seeadler, um unsere Gruppe von knapp 150 Leuten an Bord zu nehmen. Die rothaarige Frau stöckelt tapfer als erste über die Gangway. Nachdem wir unser erstes Flens in der Hand haben, stellt sie sich als Christiane vor und gibt der gesamten Crew einen kurzen Überblick über den geplanten Tagesablauf. Erst ein wenig freies Spielen auf der Hallig, dann friesisches Grillbuffet, statt Verdauungsspaziergang tanzen zu Wingenfelder im Schafstall und nach dem Sonnenuntergang wieder im Gänsemarsch zu unserem Schiff zurück. Wenn alles gut geht, sind wir gegen 1 Uhr wieder auf dem Festland. Das hört sich nach einem guten Plan an.

Halligerkundung (c) spinagel.de

Auf Langeneß angekommen, setzen wir uns von dem Tross ab und erkunden auf eigene Faust einen Teil der gut 13 Kilometer langen Hallig. Die knapp 30 °C machen uns ein wenig zu schaffen, aber zum Glück entdecken wir auf unserem Weg entlang der Küste nach ein paar hundert Metern eine Badetreppe. Keine Badehose dabei und keiner in der Nähe, das passt doch.

Baden im Wattenmeer (c) spinagel.de

Nach der Abkühlung und einer ausgiebigen Salzwiesenerkundung meldet sich auch so langsam der Hunger. Das Grillbuffet ist grandios und der Ausblick beim Essen über die spiegelglatte Nordsee macht das Mahl für uns doppelt schön.

Warft auf Langeness (c) spinagel.de

Nach ein paar Buffetrunden machen wir uns zusammen mit dem Rest unserer Truppe und den inzwischen von Amrum, Föhr und den anderen Halligen dazugekommenen auf den Weg in den Schafstall. Der ist ordentlich geputzt und gar nicht unbedingt als Heimat der flauschigen Landschaftspfleger erkennbar.

Wingenfelder im Schafstall (c) spinagel.de

Das Ambiente und die Größe in Verbindung mit dem einen oder anderen Fury-Klassiker erinnern mich stark an mein erstes Fury-in-the-Slaugtherhouse-Konzert, 1988 im Husumer Speicher. Die Größe und die rustikale Innenausstattung kommen hin, nur waren es damals ein paar Zuhörer weniger. Die Location ist schon besonders, oder kann man sonst irgendwo während eines Konzerts ein paar Schritte nach draußen gehen und gleichzeitig die Bühne und den Sonnenuntergang über der Nordsee sehen?

Sonnenuntergang vor dem Schafstall (c) spinagel.de

Als es schon fast dunkel ist, machen wir uns auf den Rückweg Richtung Hafen. Zwischenzeitlich ist offensichtlich die Nordsee verschwunden, Ebbe nennt man das hier. Ob unser Schiff da noch eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hat? Unser Kapitän gibt alles und nach ein paar Versuchen lösen wir uns mühsam aus dem Schlick und schippern gemächlich in Richtung Festland.

Zurück zum Fwstland (c) spinagel.de

Christiane fasst über den Schiffslautsprecher noch einmal unseren Tag zusammen und widmet sich dann, wie die meisten, ihrem Feierabendbier. Das wir mitten in der Nordsee auf der Schweinerücken genannten Sandbank ein paar Mal auf Grund laufen, bekommt die eine Hälfte unserer Gruppe nicht mit und die andere Hälfte ist so entspannt, dass es ihr egal ist. Solange genug Flens in der Kombüse steht, kann der Tag auch noch ein wenig länger werden. Um kurz vor eins kommen wir wieder planmäßig in Schlüttsiel an. Nordseeluft, ein opulentes Mahl, tanzen und ein paar Bier – jetzt können wir auch alle gut schlafen und träumen schon von „Kultur auf den Halligen“ im nächsten Jahr.

Text: Boris Kohnke, Juli 2015
Fotos: Boris Kohnke

Halligen

Halligen sind keine Inseln (zumindest sagen das die Einheimischen). Beide liegen im Meer, haben aber einen entscheidenden Unterschied. Die Inseln werden bei einer Sturmflut (meistens) nicht überflutet, die Halligen schon. Land unter heißt das und tritt 15- bis 20-mal jährlich auf. Damit die Bewohner keine nassen Füße bekommen und die Tiere keine Schwimmrekorde aufstellen müssen, sind die Häuser auf künstlichen Erhöhungen, den sogenannten Warften, gebaut. Bei Land unter sind nur die im Wattenmeer verstreuten Häuser auf ihren Warften zu sehen. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gibt es 10 Halligen, von denen Langeneß mit knapp 10 Quadratkilometern die größte und mit circa 100 Einwohnern auch die bevölkerungsreichste ist.

 

Zukünftige Bildarmut in Reiseblogs?

Elbphilharmonie Hamburg mit Barkasse spinagel

Am 9. Juli 2015 wird im EU-Parlament über eine Novellierung der EU-Richtlinie 2001/29 debattiert und abgestimmt. Sollte der jetzige Entwurf ohne Änderungen durchgehen, wird dies weitreichende Folgen haben. Vor allen Dingen Reiseblogger und Reisemagazine gehören zu den Leidtragenden. Aber auch mit Urlaubsfotos auf der privaten Homepage oder bei Facebook und Co. muss man dann extrem aufpassen.

Was gilt zurzeit?

Bei Bildern auf der eigenen Internetseite oder in Social-Media-Kanälen muss man sowieso schon recht viel bedenken, unter anderem das Urheberrecht. Für das Gebäude auf dem Bild oben (für allen Nicht-Nordlichter, das ist die Elbphilharmonie in Hamburg) liegt das Urheberrecht bei den Architekten Herzog & de Meuron. Das gilt auch für Abbildungen von diesem Gebäude. Das deutsche Urheberrechtsgesetz sieht aber mit der sogenannten Panoramafreiheit eine Erleichterung vor. Solange ich das Gebäude (oder auch Kunstwerk) von einem öffentlichen Platz aus fotografiere und sich das Objekt dauerhaft an demselben Platz befindet, darf ich die Bilder veröffentlichen und sogar kommerziell nutzen. Also Elbphilharmonie von einer öffentlichen Wasserstraße aus geht.

Was soll sich ändern?

Versteckt unter Punkt 46 im Richtlinienentwurf ist der Satz, der es in sich hat: Bei kommerzieller Nutzung eines Fotos von einem dauerhaft installierten urheberrechtlich geschützten Werk wird zukünftig eine Lizenz des Urhebers benötigt.

Die kommerzielle Nutzung beginnt hierbei schon recht früh, blende ich hin und wieder ein Werbebanner ein (wie auf spinagel manchmal unterhalb des Artikels) ist das automatisch eine kommerzielle Nutzung. Wer bei Facebook oder Twitter die Nutzungsbedingungen genau durchliest, stellt schnell fest, dass jedes gepostete Foto kommerziell genutzt wird.

Was bedeutet das konkret?

Im konkreten Fall müsste ich vor einer Veröffentlichung meines Fotos die Architekten Herzog & de Meuron kontaktieren. Fraglich ist, ob ich überhaupt eine Antwort bekommen würde. Wenn jeder, der die Elbphilharmonie fotografiert die Architekten kontaktiert, brauchen diese sicherlich ein paar zusätzliche Angestellte. Falls ich doch eine Antwort bekomme, werde ich mit ziemlicher Sicherheit eine Lizenzgebühr zahlen müssen. Die neuen Angestellten werden sicherlich nicht umsonst arbeiten.
Sollte ich keine Antwort bekommen, bleibt mir zur Vermeidung eines Rechtsstreits nur noch das:

Elbphilharmonie Panoramafreiheit

Das mag in diesem Artikel noch recht niedlich aussehen, stellt euch aber bitte die fatalen Auswirkungen auf z. B. Wikipedia und andere Onlinelexika vor.

Welche Regelungen existierten im restlichen Europa?

Freedom_of_Panorama_in_Europe_NC

Grafik: Panoramafreiheit in Europa (Made by King of Hearts based on Quibik’s work [CC BY-SA 3.0]

Dunkelgrün: Panoramafreiheit auch für Kunstobjekte
Hellgrün: Panoramafreiheit für Gebäude
Gelb: Panoramafreiheit bei nicht kommerzieller Nutzung
Rot: Keine Panoramafreiheit

Sollte der Änderungsantrag der Urheberrechtsrichtlinie Erfolg haben wären alle EU-Länder tieforange.

Kann ich etwas dagegen tun?

Man kann (begrenzt) Einfluss auf die Entscheider nehmen, indem man z. B. eine Onlinepetition unterzeichnet oder die Fakten wie z. B. diesen Artikel mit anderen teilt. Der Königsweg ist sicherlich, seinen EU-Abgeordneten persönlich per Mail, Facebook oder Telefon zu kontaktieren und deutlich zu machen, warum der Wegfall der Panoramafreiheit nicht akzeptabel ist.

Nachtrag

Die Abstimmung des EU-Parlaments ist vorbei, eine überwältigend große Mehrheit hat gegen den Vorschlag zur Einschränkung der Panoramafreiheit gestimmt. Die Veröffentlichung des Selfies vor dem Bundestag wird also weiterhin genau so erlaubt sein, wie die Bilder von der Elbphilharmonie auf Spinagel. Die verlinkte Onlinepetition ist übrigens von mehr als 550.00 Befürwortern unterzeichnet worden, in der Kürze der Zeit ein beeindruckendes Ergebnis.

 

Mailand – Expo 2015

Wo: Mailand
Wann: Mai 2015

145 teilnehmende Länder und ein 110 Hektar großes Ausstellungsgelände mit einer 1,5 km langen Hauptstraße – klar, dass man die Expo Milano 2015 nicht komplett an einem Tag wuppen kann.

Expo Mailand 2015 Vanke (c) spinagel.de

Dann nur auf die Highlights beschränken? Selbst das fällt schwer. Es gibt einfach zu viele Anziehungspunkte, die farbenprächtig, mit außergewöhnlichen Elementen oder gar appetitanregend auf sich aufmerksam machen.

Expo Mailand 2015 (c) spinagel.de

„Feeding the Planet – Energy for Life“ heißt das zentrale Thema vom 1. Mai bis 31. Oktober 2015 in Mailand. Doch obwohl sich fast alles ums Essen und um die Ernährung aller Erdbewohner dreht, könnte man ebenso meinen, die Expo sei eine Architektur-Ausstellung. Die Pavillons übertreffen sich gegenseitig an Originalität und Schönheit. Allein beim Entdecken ihrer äußeren Hüllen und ihrer Innenleben haben wir Erwachsene genauso viel Spaß wie Kinder beim Bummel durch einen Vergnügungspark.

Expo Mailand 2015 Ecuador (c) spinagel.de

Statt Wildwasserbahn wandern wir zwar nur gemütlich durch einen österreichischen „Wald“ und atmen dabei erfrischende Luft ein. Statt Achterbahn-Looping reicht uns die Lasershow von Katar an Aufregung. Wir staunen über die vertikale Farm der US-Amerikaner und über ihre „sprechende Wasserwand“, deren fallende Wassertropfen verschiedene Wörter und Formen bilden. Und statt süßer Limo trinken wir gediegen einen schwarzen Tee mit Minzzucker – an einem Teich mit Springbrunnen im iranischen Pavillon. Wir lassen uns durch die ganze Welt treiben. Bis die Füße irgendwann so platt sind, dass wir glauben, es nur noch bis zur nächsten Metro-Station heimwärts zu schaffen.

Expo Mailand 2015 USA (c) spinagel.de

Was haben wir uns entgehen lassen? Das riesige Kletternetz von Brasilien, den Innenbereich von Deutschland, die abendliche Show vom Cirque du Soleil … Auch reichte die Zeit nicht, um wirklich ins Detail zu gehen. Länger lesend und vielleicht sogar über die Konzepte und Ausstellungsstücke diskutierend in den einzelnen Pavillons zu verweilen. Dafür bräuchten wir mindestens einen zweiten Tag. Wer sponsert?

Text: Petra Nickisch, Juni 2015
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Expo Astana 2017

Kasachstan präsentiert sich in Mailand bereits als Nachfolger: Die Expo 2017 findet vom 10. Juni bis 10. September 2017 in Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, statt. „Future Energy“ wird das Thema lauten. Während der drei Sommermonate soll sich alles um die Energien der Zukunft und um Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit drehen.

 

 

Aus dem digitalen Verließ an die Wand


WERBUNG


Wo: Im Internet
Wann: Mai 2015

Mein heutiges Ziel ist etwas untypisch für Spinagel, ich muss dafür nicht einmal das Haus verlassen. Ich habe eine große Leidenschaft – das Fotografieren. Ich gehe eigentlich nirgendwo ohne eine Kamera hin. Zumindest eine kleine Digitalkamera habe ich immer in der Hosentasche. Falls ich ein interessantes Fotomotiv erwarte, ist sogar meistens die Spiegelreflex mit dem zum Motiv passenden Zubehör dabei. Klar, dass sich da im Laufe der Zeit sehr viele Fotos auf meiner Festplatte eingefunden haben. Schon lange habe ich das Gefühl, dass ich den schöneren Exemplaren Unrecht tue, wenn ich sie in meinem Netzwerk nur virtuell verstauben lasse. Irgendwann habe ich mich zwar schon einmal aufgerafft und einige Bilder im Großformat auf Papier, Leinwand oder Forex ausdrucken lassen, zu einer weiteren Druckaktion konnte ich mich aber nie aufraffen.

Das Schwierigste dabei ist für mich immer, aus meinen jährlich mehreren tausend Fotos die schönsten auszuwählen. Eigentlich sind doch alle schön, sonst hätte ich sie ja nicht aufgenommen. Als Großformat an der Wand machen sich bestimmt auch viele sehr gut. Beim letzten Versuch hatte ich nach dem ersten Sichtungslauf gut 50 Top-Bilder ausgewählt. Die Anzahl weiter einzudampfen, fiel mir schwer und für alle fehlen mir einfach die freien Wände in meinem Haus. Wie zu erwarten, habe ich diese weder dringende noch lebenswichtige Entscheidung einfach auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wie häufig im Leben melden sich manche offenen Punkte auf Umwegen wieder von selbst. So auch in diesem Fall – vor ein paar Wochen kontaktierte mich eine freundliche Mitarbeiterin der Onlinedruckerei Prentu und fragte an, ob ich ihren Service nicht einmal testen und einen Erfahrungsbericht darüber schreiben möchte. Ich hatte sofort meine begonnene Auswahl der Top-Bilder vor Augen und habe spontan „ja“ gesagt. Ich habe dann doch ein paar Wochen über Aufhängeorte, zu bedruckendes Material und die konkrete Auswahl der Bilder nachgedacht (danke nochmal für die Geduld), bis ich meine neue Wanddekoration bestellt habe.

Was mir die Auswahl erleichtert hat (und was auch gleichzeitig eine kleine Einschränkung im Vergleich zu anderen Online-Printdiensten ist), ist die etwas geringere Auswahl an Formaten. Aber mal ehrlich, muss man seine Bilder auf jedes x-beliebige Format zuschneiden und passgenau drucken können? Früher gab es auch nur 9 x 13 und 10 x 15. Eine Möglichkeit individuelle Formate zu bestellen, wäre trotzdem nicht schlecht. Manchmal hat man halt den spezialgelagerten Sonderfall, der unbedingt genauso an die Wand soll. Ich habe mich für drei Bilder im Format 30 x 60 Zentimeter entschieden:

  • Einen Fiat 500 L aus den 60ern, den ich in Apulien gefunden habe. (Irgendwann steht so eine kleine Kugel auch in meiner Garage.)
  • Eine Dalbe (Pfahl zum Befestigen von Schiffen) auf der Müritz, die offensichtlich schon viel erlebt hat.
  • Eine Buhne an der Ostsee an einem Tag mit leichtem Seenebel.

Fiat 500 (c) spinagel.deDalben (c) spinagel.de Ostsee (c) spinagel.de

Als Material für den italienischen Kleinwagen habe ich mir Leinwand auf einem klassischen Keilrahmen ausgesucht. Bei den anderen Motive habe ich auf etwas Neues gesetzt und sie auf Aluminium-Dibond weiß drucken lassen. Das klingt nach stabil und trotzdem dünn. Da laut Prentu Fotos mit natürlichen Motiven auf der weißen Aluminiumplatte besonders scharf und farbbrillant wirken sollen, steht meine Wahl fest.

Die Bestellung im Onlineshop ist intuitiv aufgebaut und geht schnell von der Hand. Nach Auswahl von Material und Format lädt man sein Foto hoch und ist, falls man keine Sonderwünsche hat, nach einem Klick auf den Button „In den Warenkorb“ schon fertig. Vorgeschaltet ist nur ein Pop-up, das einem die beiden vom Seitenverhältnis passenden, nächstgrößeren Formate vorschlägt. „Beliebt“ ist dabei offensichtlich immer das nächstgrößere Format. Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Bilderdruck Größenauswahl

Bei Bildern auf Leinwand ist zu beachten, dass der Rahmen eine gewisse Höhe (hier 2 oder 4 cm) hat und diese als Zugabe zum Bildformat gewählt werden sollte. Ich habe testweise ein Format ohne die passende Zugabe für den Rahmen hochgeladen. Ich weiß, dass andere Druckereien da teilweise ziemlichen Blödsinn veranstalten. Mal sehen, wie Prentu sich hier schlägt.

Nach der Auswahl der Zahlungsmethode (PayPal, Klarna, Sofort Überweisung, Kreditkarte oder GiroPay) hat der hinter dem Druck-Onlineshop stehende Magento-Shop ein kleines Problem bei der Übergabe an PayPal und wirft mich raus.

Bilderdruck Paypal

Zum Glück ist mein Warenkorb noch gespeichert und ich kann mit drei Klicks erneut zum Bezahlen ansetzen. Jetzt klappt es und die Abschlussseite verspricht mir, dass meine Bestellung spätestens eine Woche später verschickt wird. Tatsächlich ist Prentu schneller und schon 6 Werktage später klingelt der GLS-Mann und überreicht mir einen überdimensionierten Pappumschlag. Auf den ersten Blick sieht die Verpackung etwas labil aus. Das bestätigt sich leider auch nach dem Auspacken. Die Alu-Dibond-Drucke sind aufgrund ihrer Eigenstabilität und den Plastik-Schutzecken heil angekommen. Das Leinwandbild war nur in eine Lage Kunststoff-Schaumfolie eingewickelt, an den unteren Ecken ist Farbe bis auf die Leinwand abgerieben. Nicht wirklich schlimm, aber ärgerlich, weil einfach vermeidbar.

unboxing (c) spinagel.de

Nachdem ich alle drei Bilder ausgewickelt habe, bin ich etwas enttäuscht vom Druck auf den Aluplatten. Die Farben sind matt, viel zu hell bzw. zu dunkel und der Druck bringt wenig vom vorher vorhandenen Kontrast auf die Oberfläche. Irgendwie sehen beide Bilder etwas matschig und flau aus. Ich habe mich vorher nicht großartig mit diesem Druckuntergrund beschäftigt, aufgrund der Aussage auf der Webseite hatte ich aber ein anderes Ergebnis erwartet.

Bilderdruck fertige Bilder

Der Druck auf Leinwand ist toll. Hier stimmt die Farbwiedergabe und der kleine Fiat leuchtet wie unter der italienischen Sonne.

Auch meine kleine Gemeinheit mit den Rändern wurde gut gelöst. Hier wurden einfach die letzten Pixel am Rand in derselben Farbe weitergezogen. Von vorne betrachtet fällt der Rahmen so gar nicht auf.

Bilderdruck Leinwand Rand

Fazit

Generell hat Prentu, mit anderen Druckdienstleistern verglichen, ein mittleres Preisniveau. Die Auswahl an Formaten ist bei vielen Wettbewerbern umfangreicher, alle Standardformate werden aber abgedeckt. Die Versandverpackung sollte noch ein wenig verbessert werden, eine dünne Lage Kunststoff-Schaumfolie ist bei der vorauszusehenden Behandlung durch einen Paketdienst etwas wenig. Ein Pluspunkt für mich ist, dass die zugesagte Produktionszeit deutlich unterschritten wurde.
Bei dem Alu-Dibond bin ich mir nicht sicher, ob das ein generelles Problem ist. Vielleicht bestelle ich mir noch einmal das kleinste Format, um zu sehen, ob das ein einmaliger Ausrutscher war. Den Leinwanddruck würde ich wieder bei Prentu bestellen. Hier passt die Qualität und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Den Druck auf Acryl werde ich bestimmt auch noch einmal testen, vielleicht entlockt das meinen enttäuschenden Alu-Bildern sattere Farben.

Text und Fotos: Boris Kohnke | Mit freundlicher Unterstützung von Prentu

 

Wilhelmsburg entdecken

Wo: Hamburg – Wilhelmsburg
Wann: Juli 2015

Spätestens seit der IBA und der iga können die nördlich der Elbe wohnenden Hamburger ihren Stadtteil Wilhelmsburg nicht mehr ignorieren. Durch die Internationale Bauausstellung (2006–2013) und die Internationale Gartenschau 2013 hat sich die Elbinsel ziemlich gemausert. Spannende Gebäude, gepflegte Parks, attraktive Sportmöglichkeiten und Cafés zeugen von der Veränderung, die näheres Hinschauen lohnt. Zumal Wilhelmsburg nur drei S-Bahn-Stationen vom Hauptbahnhof entfernt liegt – und noch schöner sogar auf dem Wasserweg zu erreichen ist.

Fähre 73

Fähre 73 Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Das ist immer wieder genial an Hamburg: Ein einfaches HVV-Ticket genügt, damit die Schiffsführer der sieben Hafenfährlinien ihre Fahrgäste über die Elbe schippern. Wilhelmsburg ist mit dem Anleger Ernst-August-Schleuse seit 2012 angebunden. Ein- bis dreimal stündlich startet die HADAG-Fähre 73 von den Landungsbrücken, Brücke 1. Leider fährt sie nur an Werktagen, die Fahrt dauert 15 Minuten. Kosten: 2,10 Euro.

 

Reiherstiegviertel

Energiebunker Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Vom Anleger Ernst-August-Schleuse sind es nur 10 Minuten zu Fuß bis zum Stübenplatz. Dort beginnt der von der IBA wunderbar ausgearbeitete Rundgang durchs belebte Reiherstiegviertel – vorbei am türkischen Hamam, am Veringkanal und am rund 42 Meter hohen Energiebunker. Je nachdem, wie oft man die vorgegebene Route verlässt oder eine Kaffeepause einlegt, dauert der Spaziergang etwa zwei Stunden.

 

Café Vju im Energiebunker

Cafe vju Wilhelmsburg (c) spinagel.de

Waffeln essen und Kaffee trinken im ehemaligen Schutzbunker. Damit konnte zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs keiner rechnen. Seit der Umwandlung zum Energiebunker ist das Beton-Monster in der Neuhöfer Straße 7 mit Solarhülle, Blockheizkraftwerk und Großwärmespeicher ausgestattet – und mit dem charmanten Café Vju, von dessen Aussichtsterrasse in 30 Metern Höhe der Blick bis zur Elbphilharmonie schweifen kann. Führungen durch das Ökokraftwerk (nur am Wochenende) kosten 3 Euro, inklusive 1 Euro Verzehrbon für das Vju (Do-So geöffnet).

 

Stadtmodell Hamburg

Baubehörde Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Aus dem Reiherstiegviertel fahren einige Buslinien die Station Inselpark an. Besonders zur Mittagszeit lohnt hier ein Stopp, um der Kantine der Behörden für Stadtentwicklung und Umwelt, Neuenfelder Straße 19, einen Besuch abzustatten. Das bunt gestreifte Verwaltungsgebäude ist aber auch wegen seiner wellenförmigen Schönheit und wegen des riesigen Stadtmodells im Foyer beeindruckend: Hamburg im Maßstab 1 : 500, zu besichtigen von Mo.– Fr. 9–19 Uhr sowie So. von 13–17 Uhr.

 

Wilhelmsburger Inselpark

Willi Villa im Inselpark Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Direkt gegenüber der Behörde und nur wenige Gehminuten vom S-Bahnhof Wilhelmsburg entfernt liegt der abwechslungsreiche Inselpark. Wer das Gelände nicht schon von der Internationalen Gartenschau 2013 kennt, sollte an der sonntäglichen Führung (Mai bis September, 5 Euro) teilnehmen. Die geht an allen markanten Punkten vorbei, wie dem Wälderhaus, dem Hochseilgarten, der Kletterhalle, dem Kanuverleih, dem Café Willi Villa, den Blumenschiffen, den diversen Spielplätzen … Von ruhig bis aktiv findet jeder hier sein Sonnenplätzchen.

 

Energieberg Georgswerder

Energieberg Georgswerder Wilhelmsburg (c) spinagel.de
Vom giftigen Müllberg zum grünen Hügel mit Spazierweg – die ehemalige Deponie Georgswerder hat sich zum regenerativen Energieberg gewandelt, der mit Windkraft und Sonnenenergie rund 4.000 Wilhelmsburger Haushalte mit Strom versorgt. An seinem Fuß liegt das Informationszentrum (Fiskalische Straße 2, geöffnet von April bis Oktober, Di–So 10–18 Uhr). Die dort gezeigte Multimediashow zur Geschichte des Deponiehügels ist unbedingt sehenswert. Mit dem Bus 154 geht’s in 12 Minuten zurück zur S-Bahn Wilhelmsburg.

Text: Petra Nickisch, Juni 2015
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Die Wilde 13

Die Buslinie 13 durchquert Wilhelmsburg von der S-Bahn Veddel bis Kirchdorf Süd in 29 Minuten. Wer die gesamte Strecke mitfährt, erlebt Wilhelmsburg und seine Bewohner im Schnelldurchlauf, ohne einen Schritt gehen zu müssen. Über die sogenannte „Wilde 13“ wurde bereits ein Buch geschrieben, ein Dokumentarfilm gedreht, ein Theaterstück verfasst – mit eigener Facebook-Fanseite. Die IBA nutzt die Buslinie jeden Samstag von 15–17.30 Uhr für eine geführte Tour: Mit der Wilden 13 durch Wilhelmsburg.

 

 

Kopenhagens Bankenviertel

 

Wo: Kopenhagen
Wann: August 2015

Superkilen, der Superkeil, liegt mitten im hippen Multikulti-Viertel Nørrebro in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Im Stadtplan sieht der Superkilen nur wie einer von vielen Kopenhagener Parks aus. Rasenflächen, Bäume und Büsche und einer paar Bänke? Klingt nicht sehr spannend. Etwas stutzig macht uns das Alter des Parks. 2012 eröffnet, vielleicht doch mal etwas Neues? Gänzlich überzeugt uns, dass der Superkilen den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis, den Institute Honor Award und den Red-Dot-Design-Award erhalten hat. Irgendetwas muss hier also besonders sein. Es ist nur ein kurzer Spaziergang von unserer Wohnung in Frederiksberg zum Superkilen. Also begutachten wir diesen Park doch einmal persönlich aus der Nähe.

Roter Platz (c) spinagel.de

Roter Platz auf dem Superkilen

Superkilen ist schmal, aber dafür sehr lang. Er beginnt an seinem breiten Ende mit einem großen Platz. Auch wenn die Farbe nach knapp drei Jahren deutlich verblasst ist, der riesige, beleuchtete Sowjet-Stern in der Mitte lässt keinen Interpretationsspielraum zu, hier sind wir auf dem Roten Platz.

Mini Schiffsschaukeln (c) spinagel.de

Mini-Schiffsschaukeln auf dem Roten Platz

Bis auf die gut besuchten Mini-Schiffsschaukeln finden wir es hier nicht so spannend. Also weiter zum zweiten Teil, dem schwarzen Marktplatz. Hier finden wir schon mal Bänke, damit hört die Schnittmenge mit dem normalen Stadtpark aus unserer Vorstellung aber auch schon auf.

Bänke aus Belgien

Bänke aus Belgien

Aber selbst die Bänke sind nicht wie sonst. Um den multikulturellen Charakter des Viertels widerzuspiegeln, sind die Bänke und der Rest des Parkinventars aus aller Herren Länder zusammengetragen worden. Spannend – wo kann man sonst auf einem Grill aus Argentinien grillen, sich mit dem Essen auf eine Bank aus Mexiko setzen und dabei auf einen Springbrunnen aus Marokko gucken? Wenn es dunkel wird, beleuchten eine Straßenlaterne aus Deutschland und ein übergroßer Zahn aus Doha in Qatar gemeinsam die Szene.

Bank aus Mexiko

Bank aus Mexiko

Es gibt hier viel zu entdecken, neben jedem Einrichtungsgegenstand des Parks befindet sich eine kleine Metalltafel, die den Ursprung des jeweiligen Gegenstandes dokumentiert. Allein vorher zu erraten, woher das jeweilige Objekt stammt, um sich dann in den meisten Fällen vom Metallschild von einer völlig anderen Provenienz überzeugen zu lassen, lässt die Zeit wie im Fluge vergehen.

Brunnen aus Marokko

Brunnen aus Marokko

Die vielen weißen Linien, die aussehen, als hätten die Kopenhagener Straßenmaler nach dem fünften Feierabendbier hier großzügig ihre Reste verstrichen, machen aus dem Asphaltplatz ein skurriles Kunstobjekt. Wer eine Kamera hat, entdeckt hier alle paar Meter wieder eine schräge Perspektive für ein außergewöhnliches Foto. Lange tobe ich mich hier mit meinem Fotoapparat aus. Noch nie hat mir eine schwarze Teerfläche soviel Spaß gemacht.

Superkilen von oben (c) spinagel.de

Im letzten Teil des Superkilen, dem grünen Park, kehrt wieder Ruhe ein, hier erinnern wieder viele Dinge an einen normalen Park. Nur an den abgeplatzten Fliesen der Bänke erkennt man, dass diese aus südlichen Gefilden stammen und nicht für skandinavische Minusgrade gedacht sind.

Bank aus Portugal

Bank aus Portugal

Am Ende angelangt, treffen wir noch den Parkwächter: Auf einem kleinen Grashügel thront unter einem goldenen Donut ein übergroßer spanischer Osborne-Stier und wacht über den Park.

Osborne-Stier (c) spinagel.de

Der spanische Parkwächter

Design-Awards hin oder her, der Superkilen macht allen einfach Spaß. Kopenhagener Kinder turnen auf dem japanischen Oktopus herum, während die Großen nebenan den Grill anfeuern. Dank des Parkinventars aus über 60 Ländern entdeckt man wahrscheinlich auch beim zehnten Besuch noch etwas Neues. Wer nach Kopenhagen reist, sollte sich diesen speziellen Stadtpark nicht entgehen lassen und daran denken, eine frische Speicherkarte in die Kamera zu stecken.

Nørrebrogade 208
2200 København N
www.superkilen.dk

Text: Boris Kohnke, August 2015
Fotos: Boris Kohnke

Die Köpfe hinter Superkilen

Diese bunte Collage aus Dingen, die rund um den Globus zusammengesucht worden sind, haben die dänischen Architekten der Bjarke Ingels Group zusammen mit dem deutschen Büro Topotek1 umgesetzt. Für den kreativen Input bei diesem Projekt hat die Künstlergruppe Superflex gesorgt.Von 2010  bis 2012 wurde auf einer Fläche von 2,7 Hektar für 10 Mio. Euro ein außergewöhnlicher Stadtteilpark geschaffen.

 

Quickborn – Ein Meer von weißen Puscheln

Wo: Quickborn
Wann: Mai 2015

Weiße Puschel haben uns angelockt. Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr den kurzen Weg nach Quickborn antreten, um das Wollgras bei der Blüte zu bewundern. Wie so oft im Leben hat es etwas länger gedauert, aber heute ist unser Tag des Wollgrases. Das Wetter ist ideal für unseren Ausflug: strahlender Sonnenschein und ein leichter Südwestwind bringen die schneeweißen, puscheligen Knäule zum Leuchten und dazu, uns freundlich zuzunicken.

Wollgras im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

So richtig wohl fühlt sich das Wollgras nur in intakten Moorgebieten. Das Himmelmoor wird zwar noch zum Abbau von Torf genutzt, große Flächen sind aber inzwischen wieder bewässert und damit renaturiert worden. Dort hat sich das flauschige Wollgras auch wieder großflächig angesiedelt.

Autor Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Auch ohne die putzigen Gräser ist ein Moor für mich immer ein spezieller Ort. Am deutlichsten fällt mir dies immer beim Gehen auf, der Untergrund ist weich und nachgiebig. Eigentlich möchte man sofort seine Schuhe ausziehen und barfuß laufen. Eine gewisse Tücke hat diese Fußbodendämpfung aber – wenn man sich nicht auf einer trockengelegten Fläche bewegt, sagt einem der schwankende Untergrund deutlich, dass man sich auf einem mehr oder weniger dicken Pflanzenteppich über einer Wasserschicht befindet. Wer sich hier nicht auskennt, kann durch einen falschen Schritt schneller zur Moorleiche werden als er denkt.

Wanderweg im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Wir bleiben lieber auf den breiten, angelegten Wanderwegen, die schnurgerade am Rande des Himmelmoores verlaufen. Auch hier spürt man noch deutlich die Weichheit und Nachgiebigkeit des Untergrundes.

Aussichtspunkt im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

In regelmäßigen Abständen sind neben dem Wanderweg ein paar Meter hohe Torfhügel aufgeschüttet. Von diesen Aussichtspunkten hat man einen tollen Überblick sowohl über die bewässerten Flächen mit ihren Tieren und Pflanzen, als auch über den maschinellen Torfabbau.

Torfabbau im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Die kreuz und quer durch das Himmelmoor gelegten Gleise der Feldbahn sind das deutlichste Zeichen für die wirtschaftliche Nutzung dieses Moores. Die Gleise sind teilweise so krumm und schief verlegt, dass man sich schwer vorstellen kann, dass hier ein Zug fährt, ohne zu entgleisen. Der kleine Zug mit seinen unzähligen Torfloren schafft es aber trotzdem immer wieder, den wertvollen Rohstoff unbeschadet aus dem Himmelmoor in das angrenzende Torfwerk zu befördern.

Torfwerk mit Lorenzug im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

In fünf Jahren ist hier endgültig Schluss mit dem Torfabbau, dann wird das Himmelmoor wieder komplett renaturiert. An den Stellen, wo schon jetzt kein Torf mehr abgebaut wird, sind die rostigen Reste der Feldbahngleise ein surreales Fotomotiv.

Alte Torfbahn im Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Am Ende unseres Ausflugs stürzen wir uns noch einmal auf das Wollgras mit seinen flauschigen Blütenkugeln. Wir fotografieren die Blüten aus allen erdenklichen Winkeln und haben manchmal kurz den Eindruck, dass die Pflanzen es genießen, auch einmal zu posieren und uns ihre puscheligste Seite zuzudrehen.

Wollgras Nahaufnahme Himmelmoor Quickborn (c) spinagel.de

Text und Fotos: Boris Kohnke

Himmelmoor

Mit 605 Hektar ist das Himmelmoor in Quickborn bei Hamburg das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins. Neben der einzigartigen Natur sind Moore schon immer eine wichtige Rohstoffquelle gewesen. Der abgebaute Torf wurde früher häufig zum Heizen verwendet, heutzutage ist er ein beliebtes Pflanzsubstrat für alle Gärtner. Torf wird hier schon seit dem 18. Jahrhundert abgebaut, am Anfang auf kleinen Parzellen durch die örtlichen Landwirte, später teilweise durch Strafgefangene und heute ausschließlich maschinell. 2020 ist Schluss mit dem Abbau der braunen Überbleibsel des Torfmooses und das Himmelmoor wird wieder sich selbst überlassen. Ein nicht zu unterschätzender Grund für die Renaturierung wirtschaftlich genutzter Moorflächen ist die Vermeidung des Treibhausgases Kohlendioxid. Moorflächen müssen für ihre Nutzung immer drainiert, d. h. entwässert werden. Aus den trockengelegten Moorböden wird durch Oxidationsprozesse das dort gebundene Kohlendioxid freigesetzt. Die freigesetzte Menge an Klimagasen aus deutschen Mooren entspricht mit 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten ungefähr dem jährlichen Ausstoß aller Flugzeuge im deutschen Luftraum.

Wer selbst einmal die Wollgras-Wiesen mit ihren unzähligen Flauschkugeln sehen möchte, sollte Anfang bis Mitte Mai das Himmelmoor besuchen.

Adresse: Himmelmoorchaussee 61, 25451 Quickborn

 

 

Hamburg – Streetfoodthursday

Wo: Hamburg
Wann: März 2015

Was früher Imbissbude hieß, heißt jetzt Streetfood-Truck. Auch inhaltlich hat sich einiges verändert. Früher war der Gipfel der Straßenkulinarik mit Pommes, Currywurst und allem anderen, was man gefahrlos in die Friteuse werfen konnte erreicht. Eine Ausnahmen waren die Nordlichter, für die gab es schon damals mit den Fischbrötchen eine etwas größere geschmackliche Bandbreite.

Streetfood Thursday Hamburg Menge (c) spinagel.de

Mit all dem hat der zweite Hamburger Streetfood-Thursday des Jahres, der trotz des Namens an einem Mittwoch stattfindet, wenig zu tun.

Der erste Streetfood-Thursday, wurde im Februar im Rahmen der Social-Media-Week 2015 rund um die Brauereigasthaus Altes Mädchen veranstaltet. Das der Veranstalter GOODevents damit das richtige Händchen hatte, merkt man bei der zweiten Veranstaltung deutlich. Die Social Media Fraktion zückt im Sekundentakt ihr Handy, das Tablet oder die große Spiegelreflex. Ich habe den Eindruck, dass am Anfang des Streetfood Thursday mehr fotografiert als gegessen wird. Mit ein wenig Post-Hopping kann man sich dafür nachträglich seinen persönlichen Livestream von dem Event zusammen klicken.

Streetfood Thursday Fischauktionshalle (c) spinagel.de

Es ist ein herrlich sonniger Frühlingstag in Hamburg, Genau das richtige Wetter, um einen aus dem Winterschlaf zu wecken und unternehmungslustig zu machen. Wir machen uns also auf um rechtzeitig zum Beginn um 17 Uhr bei den Fischauktionshallen zu sein um mit professioneller Hilfe des Streetfood Thursday etwas gegen den sich gerade entwickelnden Hunger zu tun. Kurz nach 17 Uhr staunen wir über die Schlange vor dem Eingang zu der Halle, die sonst den Hamburger Fischmarkt beherbergt. Die wird bestimmt kleiner denken wir uns und drehen erst einmal eine Runde über das Außengelände.

Streetfood Thursday Hamburg Goldmaedchen (c) spinagel.de

Das erste, was ich entdecke ist ein Steetfood-Truck, bei dem ganz klassisch Currywurst und Pommes angeboten werden. Das ist aber auch das einzig klassische auf dem kleinen Kopfsteinpflaster-Platz direkt an der Elbe. Burritos, American Cheescake, Flammkuchen und die veganen Pfannkuchen der Goldmädchen – wow, hier scheint es für jede Geschmacksrichtung das Richtige zu geben.

Streetfood Thursday vegane Burger Hamburg (c) spinagel.de

Kurz vor der Elbe lacht mich ein Stapel Burger an. Irgend etwas sieht an den grillgebräunten Scheiben anders aus als sonst, aber der fertige Burger, der gerade über den Tresen gereicht wird lächelt mich verführerisch an. Also flugs einen bestellt und noch ein paar Pommes dazu. Die werden hier aus Süßkartoffeln gemacht und haben eine unverschämt appetitlich rote Farbe. Als mich der Burgerchef fragt, ob ich auch die selbstgemachte Curcuma-Garlic-Sauce haben möchte, die selbstverständlich auch vegan sei, fällt mir das Schild direkt vor mir auf: Vincent Vegan. Mein Burgerfleisch ist also fleischlos, ob das gut geht?

Streetfood Thursday vegane Burger und suesskartoffel pommes Hamburg (c) spinagel.de

Ein paar Minuten später habe ich Gewissheit, es ist gut gegangen. Vincent Vegan hat etwas leckeres für mich gezaubert. Mit Burger hat das ganze zwar nicht all zu viel zu tun. Lecker war es aber trotzdem. Wie schon öfter stelle ich mir die Frage warum vegane oder vegetarische Produkte krampfhaft versuchen Fleisch zu imitieren. Erstens klappt das nicht und zweitens kann man aus den Pflanzenproteinen mit Sicherheit ganz andere und neue Produkte herstellen. Liebe Lebensmitteltechnologen seid doch einfach mal ein bisschen mutiger und kreativer.

Streetfood Thursday Fischauktionshalle Schlange (c) spinagel.de

Die Schlange vor dem Eingang ist inzwischen, entgegen unserer Vermutung, deutlich länger geworden und geht jetzt sogar über die ganze Länge der Fischauktionshalle. Es ist eine echte Völkerwanderung von hungrigen Hamburgern in Richtung Elbe geworden. Auch in Außenbereich sind die Fotoapparate inzwischen verschwunden und die Schlangen vor den Essensstationen sind unübersichtlich lang geworden. Man muss Angst haben, dass die hinten stehenden ohnmächtig vor Hunger werden, bevor sie den rettenden Tresen der Streetfoodtrucks erreichen. Wir werfen noch einen kurzen Blick in die hell erleuchteten Fenster und stellen zufrieden fest, dass wir alles richtig gemacht haben. Die interessanteren Leckereien sind draußen.

Streetfood Thursday Fischauktionshalle Fenster (c) spinagel.de

Text: Boris Kohnke, März 2015
Fotos: Boris Kohnke

Streetfood

In Asien und Südamerika ist es normal zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Kleinigkeit oder ein komplettes Mahl am Straßenstand einzunehmen. Aus dem dortigen alltäglichen Kampf gegen den Hunger ist inzwischen ein Trend geworden. Der über die USA und Großbritannien nach Berlin geschwappt ist und inzwischen auch die Elbmetropole Hamburg erreicht hat. Das Vorbild für den Hamburger Streetfood Thursday stammt aus Berlin und wird dort jeden Donnerstag in der Markthalle neun in Kreuzberg veranstaltet. Wer die komplette Bandbreite von Streetfood erleben möchte, sollte das Streetfood-Festival Stragusto in Trapani auf Sizilien besuchen. Hier wird jedes Jahr vier Tage lang internationale Streetfood präsentiert.

 

Oldendorf – Eine Stadt für die Toten?

Wo: Oldendorf
Wann: Oktober 2014

Oldendorfer Totenstatt 2 (c) spinagel.de

Meine Freundin hat einen Interview-Termin in Niedersachsen. Ich nutze die Gelegenheit, um meinem Schreibtisch den Rücken zu kehren und fahre mit. Es geht nach Oldendorf, unweit von Hamburg. Mit dem Auto sind wir in einer guten Stunde dort. Kurz bevor wir unser Ziel erreichen, erspähe ich im Vorbeifahren ein Schild auf dem irgendetwas mit Hünengrab steht. Das kann ich mir in der Zeit, die ich alleine verbringen muss, ja einmal ansehen. Durch die sonnige Heidelandschaft flanieren und ein paar Steine begutachten, hört sich nach einer sehr entspannten Beschäftigung für die nächsten zwei Stunden an. Nachdem ich meine Freundin bei ihrer Interview-Verabredung abgesetzt habe, versuche ich, den Wegweiser zum Hünengrab wiederzufinden. Nach einer Weile gelingt es mir, mit Hilfe einiger Schilder einen kleinen Waldparkplatz zu finden, von dem mich eine große Karte der Umgebung auf den Sagenhaften Hünen-Weg locken will. Vielleicht finde ich hier doch etwas mehr als ein paar Findlinge, die in der Heide verstreut sind.

Oldendorf sagenhafter Hünenweg (c) spinagel.de.jpg

Der QR-Code auf der Karte versorgt mich über die Webseite der Gemeinde Amelinghausen mit ein paar Hintergrundinformationen zu dem Ziel meiner Erkundung. Ich stehe direkt vor der Oldendorfer Totenstatt, einem Begräbnisplatz, der über einen unvorstellbar langen Zeitraum von mehr als 6500 Jahren benutzt wurde. Die deutlich sichtbaren Zeugnisse dieser Nutzung sind die Hünengräber aus der Jungsteinzeit, die knapp 6000 Jahre alt sind. Das größte dieser Bauwerke ist 80 Meter lang, 7,5 Meter breit und besteht aus 5 Jochen. Diese tonnenschweren Steine haben unsere Vorfahren mit einigen statischen Tricks zusammengebaut und das gut 1000 Jahre bevor die Ägypter angefangen haben, Pyramiden zu bauen. Ich bin beeindruckt und mache mich auf den Weg, mir das Ganze mal aus der Nähe anzusehen.

Oldendorfer Totenstatt 3 (c) spinagel.de

Mir fallen neben den drei Grabhügeln sofort die drei Hünengräber ins Auge. Kein Wunder, dass man vor Jahrhunderten noch fest davon überzeugt war, dass Hünen diese Steine zusammengestellt haben mussten. Ich erkunde das Gelände ein wenig und stelle für mich fest, dass diese Art Friedhof mit den riesigen Steinen und den knorrigen, alten Bäumen in der lieblichen Heidelandschaft eine sehr positive Ausstrahlung hat.

Oldendorfer Totenstatt 1 (c) spinagel.de
Die kleine Infohütte informiert mich darüber, dass diese Begräbnisstätte vom Beginn der Jungsteinzeit bis ins 6. Jahrhundert nach Christus genutzt wurde. Unsere Vorfahren haben die Toten auch regelmäßig besucht und sie um Rat und Beistand gebeten. Der Wohnort der Lebenden war nur durch einen kleinen Wald von der Stadt der Toten getrennt.

Oldendorf spinagel.de
Das Wichtigste in diesem Wald war aber die Luhe, ein kleiner, beständig fließender Fluss. Nach dem Glauben der Menschen aus der Jungsteinzeit konnten die Geister der Vorfahren keine fließenden Gewässer überqueren.

Oldendorf Luhe (c) spinagel.de

Nachdem ich ein wenig an der Luhe entlang spaziert bin, gucke ich auf meine Uhr. Höchste Zeit, um wieder aus meinen Tagträumen in dieser märchenhaften Landschaft aufzutauchen und meine Freundin abzuholen.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Die Oldendorfer Totenstatt

Wer selbst einmal die faszinierenden Hünengräber besuchen möchte, sollte sich auf den Weg ins niedersächsische Oldendorf machen. Mit der Totenstatt kann man dort ein eindrucksvolles Monument der Megalithkultur besichtigen. Ein Großteil der Funde aus den Gräbern wird im Ärchäologischen Museum von Oldendorf ausgestellt. Die Gemeinde Amelinghausen hat ein Webseite mit vielen Informationen zur Totenstatt und dem Sagenhaften Hünen-Weg.

 

Internet – Ein Stöckchen

Wo: Das Internet
Wann: März 2015

liebster-award

Dieses Mal ist es ausnahmsweise kein Ziel, sondern ein Stöckchen aus dem Internet. Anna von Die Gradwanderung hat mich für den „Liebster Award“ nominiert. Das Stöckchen nehme ich gerne auf und beantworte ihre 11 Fragen. Vielen Dank dafür.

Die Regeln des Awards sagen, dass ich anschließend 11 Bloggern, die ich mag, 11 neue Fragen stellen muss. Dabei werde ich ein wenig über den Tellerrand der Reiseblogger schauen und auch ein paar fachfremde, aber trotzdem sehr lesenswerte Blogs nominieren. Doch erst einmal zu Annas Fragen.

1. Fotografierst du gerne und wenn ja: mit welcher Kamera?

Ja, ich bin ein bekennender Foto-Junkie. Angefangen habe ich ganz klassisch mit Filmen im Kleinbild- und Mittelformat. Seit ich 1998 meine erste digitale Kamera, eine Kodak DC 210, gekauft habe, ist es deutlich schlimmer geworden. Ich verlasse das Haus fast nie ohne Kamera, meistens sind es sogar mehrere. Immer dabei ist meine Allroundwaffe, eine Casio Exilim EX-V8. Schon etwas älter, aber so etwas hat in den letzten Jahren kein Hersteller mehr auf die Beine gestellt: Superzoom, innenliegendes Periskopobjektiv, zwei Bildstabilisatoren und nahezu unzerstörbar. Die acht Megapixel reichen locker, nicht nur für das Internet. Ich hoffe, sie bleibt mir noch lange erhalten. Falls die mich mal verlässt, hat bis jetzt kein Hersteller einen echten Ersatz im Programm.
Meistens ist auch noch eine Canon Spiegelreflex dabei. Entweder mit einem Reisezoom oder ein paar passenden Objektiven. Je nachdem wie viel ich schleppen will. Mit den Fotos aus der Canon kann man später deutlich mehr anfangen.
Manchmal haben auch die GoPro, eine von den anderen Kompakten oder eine von den zwei Videokameras Ausgang. In meinen Artikeln findet ihr nur eine Handvoll Fotos, dahinter stehen aber meistens deutlich über 100 Bilder.

Muschel am Strand (c) spinagel.de

2. Bist du lieber in deinem direkten Umfeld unterwegs oder ist eine Reise erst richtig gut, wenn das Ziel möglichst weit weg ist?

Das ist mir eigentlich gleich. Wenn man sich die Mühe macht und genau hinsieht, findet man auch in seiner Nachbarschaft spannende Ziele. Das man nicht unbedingt den Kontinent wechseln muss, zeigen meine Ziele auf Spinagel. Auch in Deutschland und Europa gibt es eine Menge zu entdecken.

Spuren am Strand (c) spinagel.de

3. Dein größtes Missgeschick auf oder kurz vor einer Reise?

Vielleicht bin ich mit Gustav Gans verwandt, aber ein erwähnenswertes Missgeschick gab es bei mir noch nie. Nur Kleinigkeiten. Einmal wollte ich unbedingt einen Sturm in Spanien an einer Felsküste fotografieren und bin Opfer meiner Unvernunft und einer großen Welle geworden. Ich bin triefnass geworden und meine Kamera tropfte aus allen Gehäuseöffnungen. Daraufhin hat meine Kamera eine Woche gestreikt, aber danach noch jahrelang zuverlässig funktioniert.

4. Bist du ein Sommer- oder Winterreisender? Oder ist die Jahreszeit vollkommen egal?

Sommer oder Winter ist mir völlig egal, so lange da, wo ich hinfahre, Sommer ist. Es kann gar nicht warm genug sein. Ich gehe auch bei 40 °C im Schatten noch joggen, wenn selbst der englische Pauschaltourist längst seine Liege am Pool frei gemacht hat.

Rutsche

5. Meer oder Wüste?

Am liebsten eine Wüste, die am Meer endet. Wasser muss für mich immer in der Nähe sein. Das in Verbindung mit einer so einzigartigen Landschaft wie einer Wüste und ein wenig Wärme sind für mich die optimale Kombination. Spontan fällt mir hier die Skeleton Coast in Namibia auf, aber vielleicht entdecke ich noch andere Ecken mit dieser spannenden Kombination.

6. Wann hat dich das Reisefieber gepackt?

Für mich war es schon immer spannend, neue Dinge zu entdecken. Infiziert wurde ich wahrscheinlich durch meine Eltern, die mich schon früh auf Wandertouren nach Norwegen und Schweden mitgenommen haben. So richtig ausgebrochen ist das Reisefieber aber, als ich mit 18 mein erstes Auto hatte und damit völlig frei durch die weite Welt ziehen konnte. Das habe ich dann auch gleich ausgenutzt und bin knapp 3 Monate durch Deutschland und Frankreich getourt. Im Rückblick bin ich immer wieder erstaunt, dass ich damals fast die gesamte Zeit auf dem Bauch, auf dem Fahrersitz des Autos geschlafen habe. Heute würde ich mir dabei die Füße an den Pedalen brechen und hätte am nächsten Tag einen Bandscheibenvorfall.

7. Was ist für dich das Beste am Fliegen?

In erster Linie die Geschwindigkeit. Bei über 1,90 m Körpergröße aber auch ein Upgrade in die Business- oder First-Class.

Flugzeug (c) spinagel.de

8. Was war der gefährlichste Ort, den du jemals besucht hast?

Die Frage, die sich mir hier sofort stellt, ist: Was ist ein gefährlicher Ort? In Kapstadt haben wir vor vielen Jahren in einer nicht von Touristen besuchten Gegend gut gegessen und uns nach Sonnenuntergang nett mit ein paar Einheimischen unterhalten und ein paar Bier getrunken. Am nächsten Tag haben wir in unseren Reiseführern gelesen, dass man diese Gegend als Tourist nie besuchen soll, vor allen Dingen nicht nach Einbruch der Dunkelheit. War das ein gefährlicher Ort? Für uns damals nicht. Wenn ich zügig auf der linken Spur der Autobahn unterwegs bin und der LKW rechts vor mir meint, dass er beim Überholen nicht in den Spiegel schauen muss, ist mein Auto ein deutlich gefährlicherer Ort.

9. Gibt es etwas, das du niemals essen würdest – es dann aber doch getan hast?

Haggis. Da habe ich mich auf der britischen Insel nie rangetraut, dafür musste ich erst auf eine nordfriesische fahren. Auf Amrum bei meiner ersten Robert-Burns-Night habe ich erst zaghaft und dann begeistert Haggis gegessen. Selbst viele Schotten haben übrigens nicht viel für ihr Nationalgericht übrig. Auf Islay versuchten uns die Einheimischen am Nachbartisch davon abzubringen, Haggis zu essen. O-Ton: „It’s just awful, only things I won’t give to my dog.“ Gedanken über die Zusammensetzung darf man sich wirklich nicht machen. Haggis besteht aus allen möglichen Innereien, die mit Zwiebeln und Hafermehl in einen Schafmagen gestopft und langsam gedünstet werden.

Haggis (c) spinagel.de

10. Warum hast du deinem Blog gerade diesen Namen gegeben?

Jedes Kind braucht einen Namen. Als norddeutscher Jung musste es auch etwas aus der Region sein. Was liegt da näher, als eine Anleihe in Büttenwarder bei den liebenswertesten Landeiern aus Schleswig-Holstein zu machen? Spinagel, die berühmte Kreuzung aus Spinat und Spargel, stammt von Adsche aus der Fernsehserie Neues aus Büttenwarder. Der Name ist kreativ und keiner kann auf den ersten Blick etwas damit anfangen. Deswegen macht er neugierig und weckt irgendwie die Entdeckerlust.

11. Beschreibe die interessanteste Person, die du auf Reisen getroffen hast.

Das ist einfach, die sitzt gerade neben mir. Meine Freundin ist die interessanteste, schönste und liebenswerteste Frau, die man sich vorstellen kann. Manchmal muss man erst nach Teneriffa fliegen, um dort jemanden kennen zu lernen, der in der Heimat fast um die Ecke wohnt.

Teneriffa 2006 (c) spinagel.de

Weiter gehts

Das waren meine 11 Antworten, jetzt gebe ich weiter an die 11 Blogs, von denen ich mehr erfahren möchte:

Meine Nominierungen

  1. Die erste Nominierung geht natürlich an meine Co-Autorin Petra. Monatlich schreibt sie ihre Lichttexte über die schönen Momente im Leben.
  2. Die ENTDECKER(G)REISE, weil unsere Zielgebiete eine große Schnittmenge haben und, wenn ich deren Definition übernehme, bin ich auch schon ein Greis.
  3. Faszination Südostasien Stefan schreibt in seinem Blog mit viel Liebe über eine Ecke des Globus, die für mich noch ein weißer Fleck ist. Besonders die vielen guten Bilder machen Appetit auf Südostasien.
  4. An irishman on tour Auch wenn Patrick aussieht wie von der grünen Insel, ist er doch ein echter Kölscher Jung, der sich gerne mal eine Auszeit nimmt.
  5. Auch ein Reiseblogger hat ein Zuhause: Während seiner Abwesenheit soll alles automatisch weiterlaufen und in der kurzen Zeit, die er in seiner Wohnung verbringt, soll es möglichst komfortabel zugehen. Das geht am besten mit einem Smarthome und darüber berichtet mein Alter Ego auf Kabellabor.
  6. 101 Places Mein Lieblingsreiseblog. Patrick hat sich auf den Weg gemacht – Vom Lenker einer Online-Marketing-Agentur zum Vollzeitreisenden. Auf 101 Places schreibt er über die Erfahrungen auf seinen Reisen. Besonders seine nachdenkliche Art und das offene Bekenntnis zur Introvertiertheit machen Patricks Blog zum für mich lesenswertesten deutschen Reiseblog.
  7. Reiseaufnahmen Tanja schreibt in ihrem Blog viele schöne Geschichten über die 30 Tage im Jahr, die ihr als Vollzeitangestellte für ihre Reisen zur Verfügung stehen.
  8. Fränzi und Simon haben schon mehrmals ihre Zelte in der beschaulichen Schweiz abgebaut und sich auf eine neue Entdeckungsreise gemacht. Über ihre Erlebnisse während der knapp 5 Jahre auf Reisen erfährst Du mehr in ihrem Blog Umdieweltreise.ch.
  9. Küste gegen Plastik Welcher Meerliebhaber kennt nicht die bunten Zeugnisse des menschlichen Fortschritts, die an jedem Spülsaum der Welt zu finden sind? Den Plastikmüll an der Nordsee in den Griff zu bekommen, ist für mich als echter Nordfriese eine Herzensangelegenheit. Der Verein Küste gegen Plastik krempelt die Ärmel hoch und packt das Problem an.
  10. Buchtipp.me Reisen ist nicht nur das Ziel, sondern auch immer der Weg dorthin. Wie kann man sich die Zeit zu seinem Traumziel besser verkürzen als mit einem guten Buch? Stefanie stellt in ihrem Blog ideale Reisebegleiter abseits des Mainstreams vor.
  11. Philip zieht es regelmäßig aus der Hauptstadt in die weite Welt. Der Fokus von WOWPlaces liegt dabei, genau wie der von Spinagel auf Deutschland und Europa.

Meine Fragen an Euch:

  1. Wenn Du über Deinen Monitor schaust, was siehst Du dann?
  2. Fällt Dir schreiben immer leicht oder ist es manchmal auch eine echte Anstrengung?
  3. Was ist das größte Kompliment, das Du von einem Leser Deines Blogs erhalten hast?
  4. Wie sieht Dein Blog in zehn Jahren aus?
  5. Bist Du der frühe Vogel oder fängst Du den Wurm erst nach Mitternacht?
  6. Du schreibst gerne, aber kümmerst Du Dich auch genauso gerne um die Technik hinter Deinem Blog?
  7. Falls Du dieses Ziel noch nicht erreicht hast: Könntest Du Dir vorstellen, ausschließlich vom Bloggen zu leben?
  8. Wie wichtig sind gute Bilder und/oder Videos für Deinen Blog?
  9. Was war Deine erste eigene Internetseite?
  10. Kannst Du noch eine Schreibmaschine oder ein Telefon mit Wählscheibe bedienen oder bewunderst Du solche Dinge nur im Museum?
  11. Schreibst Du ausschließlich für den Blog, mit dem ich Dich nominiert habe oder hast Du vielleicht noch andere Interessen, über die Du bloggst?

Die Regeln des Liebster Award

  • Bedanke Dich bei dem Blogger, der Dich nominiert hat und verlinke seinen Blog in Deinem Beitrag.
  • Zeige in Deinem Artikel, dass Du am „Liebster Award“ teilnimmst und erwähne die Regeln.
  • Beantworte die Dir gestellten 11 Fragen.
  • Denke Dir selbst 11 Fragen aus.
  • Informiere die von Dir nominierten Blogger darüber, dass du sie nominiert hast und bitte sie, Deine Fragen zu beantworten.

 

Lübeck – Wassertheater

Wo: Lübeck
Wann: Februar 2015

Schwanzwedelnde Begrüßung am Eingang, kaum, dass uns Besuchern die Tür zur Lübecker „Probebühne“ geöffnet wird. Mein Freund und ich stellen uns an der Abendkasse an, schon drängelt sich der Golden Retriever an meinen Beinen vorbei, schlägt seine Rute gegen meine Knie, lässt sich von den beiden Damen vor mir durchs hellbraune Fell wuscheln. Mr. Finnlay, der Theaterhund, heißt alle freundlich in seinem Reich willkommen, noch bevor es Intendant, Musiker und Puppenbauer Wolf Malten tun kann.  Mr Finnlay (c) spinagel.de

Wir blicken uns um in der „Probebühne“, die eher einer riesigen Werkstatt gleicht, mit hohen Regalen voller Werkzeug und Materialien. Mittendrin einige Reihen Stühle und dünne Wolldecken für die Theaterbesucher sowie die leicht erhöhte Bühne, auf der eine Rarität thront: das 3.000-Liter-Theateraquarium. Eine „Soirée d’eau“ steht an diesem Februar-Abend auf dem Programm. Wolf Malten musiziert am Flügel, Anna Lübsee erzählt ungewöhnliche Märchen und Puppenspieler Hans-Dieter Flerlage bewegt gekonnt die Unterwasser-Marionetten durchs speziell beleuchtete Aquarium. Es ist wunderschön, ihm dabei zuzusehen, obwohl mein Blick natürlich weniger seinen Armen über der Wasseroberfläche als den fast lebendig wirkenden Puppen folgt.

Bubbles © Connfetti - Fotolia.com

Erst streift ein glitzerndes „Ungeheuer“ aus der kommenden „Loch Ness“-Produktion durch sein Revier. Es dreht sich, zieht seinen langen Schweif aus feinen Fäden hinter sich her. Mal langsam, mal schnell fließen seine Bewegungen. Ist das Wesen bedrohlich? Ist es einsam? Uns bleibt viel Raum für Fantasie. Später finden spielerisch eine rote und eine blaue Qualle zueinander. Wippende Tentakel, zarte Körper. Ich bin begeistert, liebe alle Figuren vom ersten Augenblick. Und würde nach einer kurzen Stunde Programm gern noch viel tiefer in ihrer fantastischen Unterwasserwelt abtauchen.

Text: Petra Nickisch, März 2015
Fotos: Boris Kohnke, ©Connfetti – Fotolia.com

Termine

Das „Lübecker Wasser Marionetten Theater“ ist ein Tourneetheater, doch auch die heimische Probebühne in Lübeck wird immer wieder bespielt. Die nächsten Termine der „Soirée d’eau“ sind am 4. April und 23. Mai 2015. Theaterhund Mr. Finnlay kommt am 18. April 2015 im gleichnamigen musikalischen Kleinkunstprogramm zu Ehren. Als nächste Premiere mit großem Wasserbecken und Flügel ist „Das Ungeheuer von Loch Ness“ für den Herbst in Vorbereitung.

 

Frankfurt – (K)ein Messehotel


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Wo: Frankfurt
Wann: Januar 2015

Ich war schon häufiger in Frankfurt, meistens für eine Messe. Jedes Mal, wenn ich in die Mainmetropole hineingefahren bin, ist mir als erstes das runde Hochaus des Radisson Blu ins Auge gesprungen. Ich habe dann sofort bedauert, dass ich bei dieser Messe wieder einmal ein anderes Hotel gebucht habe.
Eigentlich sind die meisten Hotel-Hochhäuser wenig spektakulär. Bei diesem hat sich der Londoner Architekt John Seifert aber etwas besonderes einfallen lassen. Das 87 Meter hohe Gebäude sieht aus wie eine stehende Scheibe. Nachts werden die Ränder dieser Scheibe, passend zum Namen der Hotelkette mit einem blauen Lichtband beleuchtet.
Im Höhenranking der Frankfurter Hochhäuser belegt die Scheibe zwar nur den 41. Platz, durch seine außergewöhnliche Form gehört es aber zu den prägnantesten Gebäuden Frankfurts.

Radisson Blu Frankfurt

Dieses Jahr ist es soweit, auf dem Rückweg von unserem Silvestertrip an den Starnberger See machen wir Station im Radisson Blu in Frankfurt. Die Zeit Anfang Januar ist ideal für einen ruhigen Aufenthalt. Keine hektischen Messereisenden und das Schwimmbad im 18. Stock, mit Blick über die Skyline der Bankenmetropole, für uns ganz allein. So soll ein entspannter Städteausflug sein.
An Wochenenden und in der Zeit zwischen dem 20. Juli und 20. August ist das Radisson Blu recht wenig belegt und man kann häufig schon zum Schnäppchenpreis hier übernachten. In der Rubrik Wellnesshotels wird das Radisson Blu über mydays.de erstaunlich günstig angeboten.

Radisson Blu Frankfurt Schwimmbad

Von den Zimmern ab dem 10. Stock hat man, besonders nachts durch die bodentiefen Fenster, einen spektakulären Blick über die hessische Großstadt. Zum Glück habe ich mein Weihnachtsgeschenk, ein Stativ, eingepackt. Damit kann ich meinen Ausblick auch im Bild festhalten.

Frankfurt bei Nacht (c) spinagel.de

Text: Boris Kohnke /// Mit freundlicher Unterstützung durch webworks
Fotos: Boris Kohnke (1), Radisson Blu Hotel, Frankfurt (2)

Patisserie de l‘ Arabie

Baklava, Balloria, Mabroume, Aishel Bulbul oder Warbat – Wem bei diesen Begriffen schon das Wasser im Mund zusammenläuft, der sollte auf jeden Fall die Patisserie de l‘ Arabie im Frankfurter Gutleutviertel besuchen. Aber auch allen anderen lege ich einen Besuch bei der arabischen Spezialitätenbäcker-Familie Qaterjy nahe. Die drei Brüder Abbas Josef, Hamsa und Hassan Jonas haben ihr Handwerk in der Heimatstadt ihres Vaters in Aleppo in Syrien und in Amman in Jordanien erlernt. Zusammen mit ihrem Vater backen sie auf Spezialmaschinen, die teilweise aus Syrien stammen, nach lange bewährten Originalrezepten kleine Köstlichkeiten wie aus 1001 Nacht.

Patisserie de l´ Arabie
Hardenbergstr. 15
60327 Frankfurt am Main

www.patisserie-delarabie.de

 

Nordseeküsten-Radweg

Wo: Nordsee, Europa
Wann: Februar 2015

Es gibt so viele Dinge im Leben, die finde ich richtig toll, weiß aber, ich werde sie nie selbst erleben. Ganz selbstverständlich in einer Suite im Burj Al Arab einchecken, zum Beispiel, mit Schildkröten tauchen, am Trapez durch ein Zirkuszelt schwingen oder die gesamten 6.000 Kilometer des Nordseeküstenradwegs abradeln.

Nordseeradwanderweg Buckie (c) spinagel.de
Dieser ausgeschilderte Weg entlang der Nordseeküste ist eine der längsten Radrouten der Welt. Durch sieben europäische Länder führt sie, von den schottischen Shetlands bis nach Bergen in Norwegen – meistens direkt in Meeresnähe. Allein in Deutschland können motivierte Radler gut 900 km zwischen Bunde in Ostfriesland und Rosenkranz in Nordfriesland in die Pedale treten. Doch welcher Normalbürger schafft das schon oder nimmt sich dafür die Zeit?

Westerhever (c) spinagel.de
2012 haben sich Rudi Altig, Jeannie Longo und Joey Kelly für eine TV-Dokumentation den britischen Teil der „North Sea Cycle Route“ erradelt. Im vergangenen Jahr schlossen sie die letzten 3.800 Kilometer an, von Belgien bis hoch nach Skandinavien. Wäre das nicht so mega-anstrengend, ich würde sie glatt beneiden um die Pralinen in Brügge und den Anblick der hübschen roten Holzhäuser oder gar Elche in Schweden.

North Sea Cycle Route (c) spinagel.de

Aber so werde ich nächsten Monat einfach vorm Fernseher sitzen (Arte, „Unterwegs auf dem Nordseeküstenradweg“, 2.–6. und 9.–13. März 2015, 19.30 Uhr), gemütlich im Geiste mit den drei Sportlern reisen und mir vornehmen, im Sommer wenigstens einen Teil der Strecke zu schaffen. Mit einem geliehenen Rad St. Peter-Ording umrunden. Oder mit meinem alten Drahtesel von Hamburg bis Wedel tuckern, das kriege ich hin. Traumerfüllung light.

Text: Petra Nickisch, Februar 2015
Fotos: Boris Kohnke

StreckenWer das Radfahren etwas ausdauernder angeht als ich, findet eine Übersicht über die Strecken sowie downloadbare GPS-Daten auf der englischen Webseite der North Sea Cycle Route. Deutsche Beschreibungen bietet das Radreise-Wiki oder der ADFC. Auch im Buchhandel sind viele Routenkarten und Reiseführer zu unterschiedlichen Teilstrecken des Nordseeküsten-Radwegs erhältlich.

 

Münster – Nachtwanderung

Wo: Münster, Deutschland
Wann: Dezember 2014

Nach langjähriger Recherche in unserem Freundes- und Bekanntenkreis sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass fast jeder mindestens eine Person aus Münster kennt oder selbst aus dieser Stadt stammt. Außerdem berichten alle Ex-Münsteraner viel Positives über ihre traditionsreiche westfälische Stadt. Grund genug für uns selbst, einmal Münster zu besuchen und uns dort umzusehen.
Der einzige Haken an der Geschichte ist, dass wir es dieses Mal nur auf der Durchreise Richtung München schaffen. Lohnt sich das überhaupt? Abends in Münster eintreffen und am nächsten Morgen schon wieder auf die Autobahn Richtung Bayern einsortieren? Die verbleibende Zeit wird der ehemaligen Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen sicher nicht ganz gerecht, aber auch ein Nachtspaziergang in Münster hat seine Reize.

Eisbahn Germania Campus (c) spinagel.de
Los gehts direkt vor unserem Hotel auf dem Germania Campus. Das ehemalige Gelände der Germania Brauerei ist nach der Schließung der Brauerei in ein Shopping- und Wohngebiet umgewandelt worden. Auf dem zentralen Platz hat der künstliche Winter in Form einer Eisbahn Einzug gehalten. Etliche Wintersportfreunde ziehen hier unter buntem LED-Licht mehr oder weniger schwungvoll ihre Runden.
Wir reißen uns los und machen uns auf in Richtung Prinzipalmarkt, der zentralen Shoppingmeile und guten Stube in der Innenstadt von Münster.

Galerie Ostendorff Münster (c) spinagel.de
Was uns auf dem Weg dorthin als erstes auffällt, ist die hohe Dichte von Galerien und Kunstgeschäften.

Stühle (c) spinagel.de

Von farbenfrohen Blechfiguren über ein buntes Sammelsurium der abenteuerlichsten Gegenstände, inklusive zweier seltsamer Stühle, bis hin zu der geschäftigen Gruppe von Holzfiguren, die einen aus ihrem Schaufenster heraus zu beobachten scheinen. Hier lohnt sich auch außerhalb der Öffnungszeiten ein Blick in die Auslagen.

Figuren im Fenster Münster (c) spinagel.de

Die erleuchteten Schaufenster der Galerien Ostendorff, Steinrötter, Schemm und etlicher weiterer lassen uns auf unserem Weg immer einmal wieder anhalten.

LWL Museum für Kunst und Kultur (c) spinagel.de
Als nächstes Motiv auf unserer Tour drängt sich uns die Fassade des LWL-Museum für Kunst und Kultur auf. Mit ihren wandernden Lichtern in immer neuen Formen müssen wir einfach ein paar Fotos machen. Seit 2014 zeigt das Museum an dieser Stelle ein Spektrum vom Mittelalter bis zur zeitgenössischen Avantgarde.

St Paulus Dom Münster (c) spinagel.de
Nach einem kurzen Abstecher zu einem der beiden Münsteraner Wahrzeichen, dem ab 1192 erbauten St. Paulus Dom, geht es weiter zum zweiten Wahrzeichen der Stadt Münster, dem historischen Rathaus. Die gotische Fassade reicht mit 31 Metern weit über das eigentliche Dach des Rathauses hinaus. Mit Reichtum prahlen, war schon früher manchmal nur Fassade.

Historisches Rathaus Münster (c) spinagel.de
Das Rathaus ist bekannt für die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete und es gilt als Geburtsort der modernen Niederlande, da hier 1648 der 80-jährige Spanisch-Niederländische Krieg beendet wurde.

Prinzipalmarkt Münster (c) spinagel.de
Weiter geht es den Prinzipalmarkt hinunter, vorbei an den vielen kleinen Geschäften hinter ihren historischen Fassaden, bis zur Lamberti-Kirche. Wir haben Glück und die Kirche hat noch geöffnet, aber nach nur einem Foto vom Taufbecken gehen plötzlich die Lichter aus.

Taufbecken Lambertikirche Münster (c) spinagel.de

Nur ein kurzes Vergnügen, aber eigentlich haben wir genug gesehen. Vom Turm der Lamberti-Kirche bläst die Türmerin jeden Abend zwischen 21 Uhr und Mitternacht – außer dienstags – jede halbe Stunde in ihr Horn. Das ist inzwischen recht selten geworden und in ganz Europa nur noch eine paar Mal anzutreffen.

Strasse Münster (c) spinagel.de
Am Ende des Prinzipalmarktes machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto und werfen dabei noch einen kurzen Blick auf das fürstbischöfliche Schloss, das jetzt Sitz und Wahrzeichen der Westfälischen Wilhelms-Universität ist.

Schloss Münster (c) spinagel.de

Als echte Nordlichter müssen wir natürlich noch die Gewässer der Stadt erkunden. In Münster sind dies der Aasee und der Hafen am Dortmund-Ems-Kanal.

Aasee Münster (c) spinagel.de
Entlang des Aasees entdecken wir eine ruhige Promenade mit Blick auf das bunt erleuchtete andere Ufer des Sees.

Kreativkai Münster (c) spinagel.de
Das zweite Innenstadtwasser, der Hafen von Münster, hat wie in vielen anderen Städten inzwischen deutlich an Bedeutung verloren. Das eine Ufer ist mit dem Kreativkai schon in seine neue Nutzungsform überführt worden. Auch am gegenüberliegenden Ufer werden aus den übrigen Lagerhäusern nach und nach moderne Wohnungen und Geschäfte.

Factory Hotel Münster (c) spinagel.de
Zurück auf dem Germania Campus ziehen die Schlittschuhläufer immer noch unbeirrt ihre Bahnen. Wir überlegen kurz, ob wir auch noch ein paar Schlittschuhe leihen sollen, entschließen uns dann aber dazu, im angrenzenden La Tapia einen Wein zum Abschluss unserer gelungenen Nachtwanderung zu trinken.

La Tapia Germania Campus (c) spinagel.de

Text und Fotos: Boris Kohnke, Dezember 2014

Germania Campus
Die Germania Brauerei in Münster wurde 1898 gegründet und an diesem Standort bis 1984 betrieben. Von 1987 bis 2001 wurde die alte Abfüllhalle in den Kunst- und Partytempel Jovel umgewandelt. Die letzte Veranstaltung fand hier im Juni 2006 statt. Ab 2009 wurde der Germania Campus in seiner heutigen Form umgebaut. In ein kleines, stylisches Areal zum Arbeiten, Shoppen, Wohnen und essen gehen.

 

Rüterberg – grenzenlos durch die Nacht

Wo: Rüterberg, Deutschland
Wann: November 2014

Mit leicht gemischten Gefühlen überqueren wir kurz hinter Hitzacker die Elbe. Hier war bis vor 25 Jahren die Welt zu Ende, zumindest für die Menschen auf der östlichen Seite des Flusses. Unser Ziel ist die ehemalige Dorfrepublik Rüterberg. Hier war bis zur Grenzöffnung im Jahr 1989 nicht nur die DDR-Außengrenze. Das Dorf lag so dicht an einem Teil der Grenze, der von drei Seiten von Niedersachsen umgeben war, dass die Bewohner komplett eingezäunt wurden. Die Rüterberger konnten ihr Dorf nur mit einem Passierschein betreten. Besucher waren nicht erlaubt und nachts wurden alle Tore der Dorfgrenze geschlossen und bewacht.

Zaun Rueterberg (c) spinagel.de

Ein Stück der ehemaligen Dorfumzäunung

Unsere Unterkunft im Ort ist ausgerechnet ein alter Wachturm der ehemaligen Grenzbefestigung. Es ist für uns schwer vorstellbar, dass es vor einigen Jahren noch nicht einmal möglich war, diesen Ort zu besuchen und wir heute in einem ehemaligen Grenzposten wohnen können.

Turm Rueterberg alt

Wachturm vor dem Ausbau zur Ferienwohnung

Der Wachturm ist bei unserer Ankunft kaum als Teil einer Grenzanlage zu erkennen. Grünes Weinlaub hat mit einigen herbstlich-rotbraunen Einsprengseln Besitz von der ehemals tristen Betonhülle ergriffen. Der einstmals gerodete Todesstreifen zwischen Turm und Elbe ist im grünen Band der Elbniederung untergegangen.

Turm Rueterberg (c) spinagel.de

Wachturm heute

Nachdem wir „unseren“ Turm in Besitz genommen haben, stellen wir fest, dass hier mit viel Liebe zum Detail aus einem ehemaligen Instrument der Unterdrückung eine einzigartige Ferienwohnung geworden ist. Im Inneren erinnern nur Kleinigkeiten daran, in was für einem Bauwerk wir uns befinden.

Turm Rueterberg Schiessscharte (c) spinagel.de

Schießscharten

Schießscharten haben sicherlich die wenigsten Ferienunterkünfte. Man kann dadurch aber nicht nur Republikflüchtlinge anpeilen, sie bieten auch morgens, noch im Bett liegend, einen kleinen Ausblick in die umliegende Natur. Besonders angetan sind wir von dem oberen Schlafzimmer. Über den Dächern von Rüterberg bieten Panoramafenster eine herrliche Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Sofort fallen uns die bereitgestellten Ferngläser auf, und ohne uns auch nur im Geringsten wie ehemalige Grenzer zu fühlen, beobachten wir die Vogelvielfalt entlang der sanften Biegungen der Elbe vor unserem Grundstück.

Fernglaeser Rueterberg (c) spinagel.de

Ausblick aus dem oberen Schlafzimmer

Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe ist sicherlich einer der wenigen Profiteure der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die Pflanzen- und Tierwelt konnte sich hier jahrelang gut bewacht ausbreiten.
Ein wenig holt mich die Vergangenheit dann doch wieder ein, als ich die Verhaltensvorschriften der ehemaligen Grenztruppen finde. Bis Ende April 1990 wurde die Dokumentation über den korrekten Umgang mit Staatseigentum akribisch gepflegt.

Richtlinie Rueterberg 2 (c) spinagel.de

Akribisch gepflegte Technische Richtlinie

Die Grenzer werden sich aber in ihren letzten Monaten auf unserem Turm wohl eher auf die Schönheit der umgebenden Natur konzentriert und Pläne geschmiedet haben, was sie sich auf der anderen Seite des Flusses in Zukunft so alles ansehen wollten.

Turm Rueterberg alt 2

Ehemalige Grenzanlage mit Turm

Nach einer ausgiebigen Tour durch Dömitz und die umgebende Landschaft fallen wir müde in unser Bett und beobachten im Liegen den Sternenhimmel. Auf eine Sache freue ich mich schon seitdem ich den Turm gebucht habe: den Sonnenaufgang über der Elbe. Hoffentlich schafft es mein Smartphone, mich aus meinen Träumen zu reißen.

Sonnenaufgang 2 Rueterberg (c) spinagel.de

Morgennebel über der Elbe

Obwohl ich vergessen habe, die Wecker-App auf laut zu stellen, wache ich rechtzeitig vor dem Schauspiel auf. Der Blick aus den Fenstern ist traumhaft. Die weitläufigen Bodennebel lassen in mir den Eindruck einer riesigen Seenlandschaft entstehen. Als die Sonne den ersten rosigen Streifen an den Horizont malt und langsam den Nebel vertreibt, wird mir wieder einmal klar, dass es wie so oft nur darauf ankommt, was man aus manchen Dingen macht. Auch aus einem Teil einer Grenzbefestigung kann ein sehr positiver und einzigartiger Ort werden.

Sonnenaufgang Rueterberg (c) spinagel.de

Sonnenaufgang über Rüterberg

 

Text: Boris Kohnke, November 2014
Fotos: Boris Kohnke, Karin Bailer

Dorfrepublik Rüterberg

22 Jahre war das Dorf Rüterberg, heute ein Ortsteil von Dömitz, komplett von einem Zaun umgeben. Am 24. Oktober 1989 beantragte der Schneidermeister Hans Rasenberger eine offizielle Einwohnerversammlung. Bei der Versammlung am 8. November 1989 werden die natürlich auch anwesenden Vertreter der Staatsmacht nicht schlecht gestaunt haben, als Rasenbergers Manifest, eine Dorfrepublik nach dem Vorbild der Schweizer Urkantone zu gründen, einstimmig von allen 90 anwesenden Einwohnern angenommen wurde. Mit der Dorfrepublik wollten die Einwohner die über 30-jährige Bevormundung durch die DDR-Organe beenden. Die neue Dorfrepublik stieß aber auf keinen großen Widerstand, da am nächsten Tag die Berliner Mauer fiel und damit das Ende der DDR eingeläutet wurde.

 

Weihnachtsmarkt-Radar Hamburg 2014

Was: Weihnachtsmärkte in Hamburg 2014
Wo: Hamburg, Deutschland

Der Schnee lässt noch ein wenig auf sich warten aber es ist so langsam kalt genug, dass der Glühwein, der an jeder Ecke ausgeschenkt wird, wieder schmeckt und wohltuend wärmt. Dazu Schmalzgebäck und eine Grillwurst? Oder sollen es in diesem Jahr vielleicht mal Poffertjes und Æbleskiver werden?
Wer das Glück hat, in der Vorweihnachtszeit Hamburg zu besuchen oder sogar hier wohnt, bekommt das und noch viel mehr ohne Probleme. Um eine Übersicht über die nahezu unüberschaubare Zahl an großen und kleinen Weihnachtsmärkten zu bekommen, stellt Spinagel die spannendsten ihrer Art vor. Glühwein und Autofahren sind keine guten Freunde, deswegen wird zu jedem Weihnachtsmarkt die passende Bahn-Haltestelle aufgeführt. Die größte Weihnachtsmarktdichte findet man traditionell im Bereich der Innenstadt, hier liegen die Weihnachtsmärkte so dicht zusammen, dass sie manchmal ineinander übergehen (blaue Kennzeichnung). Zusätzlich findet man als Weihnachtsmarktbesucher in fast jedem Stadtteil einen eigenen Markt (grüne Kennzeichnung). Für alle, die etwas spezielles suchen hat Hamburg etliche Themenweihnachtsmärkte zu bieten vom veganen Weihnachtsmarkt über den kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt bis hin zu skandinavischen Weihnachtsmärkten ist in Hamburg eine große Bandbreite zu finden.

Weihnachtsmarktradar Hamburg

Hamburgs spannendste Weihnachtsmärkte 2014

 

Innenstadtweihnachtsmärkte

1Historischer Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt
Wann24.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa 11 – 22 Uhr
WoRathausmarkt
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

2Fleetweihnachtsmarkt
Wann24.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – So 12 – 21 Uhr
WoAdmiralitätsstraße/Michaelisbrücke
20459 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Stadthausbrücke (S1)

 

3Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg
Wann24.11. – 06.01. (bis auf 24. und 25.12.)
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa: 11 – 22 Uhr
WoJungfernstieg
20354 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Jungfernstieg (S1/S2/S3/U1/U2/U4)

 

4Spitaler Straße
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So 11 – 21 Uhr
WoSpitalerstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

5St. Petri
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenMo – So 10.30 – 21 Uhr
WoMönckebergstraße
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Rathaus (U3)

 

6Weihnachtsmarkt auf dem Gänsemarkt
Wann24.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenSo – Do: 11 – 21 Uhr
Fr/Sa: 11 – 22 Uhr
WoGänsemarkt
20354 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Gänsemarkt (U2)

 

7Weihnachtsmarkt auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 25.12.)
ÖffnungszeitenMo – So: 10 – 21 Uhr
WoGerhart-Hauptmann-Platz
20095 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Mönckebergstraße (U3)

 

8Winter Pride
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 24., 25. und 26.12.)
ÖffnungszeitenSo – Do: 12 – 22 Uhr
Fr/Sa: 12 – 24 Uhr
WoLange Reihe
20099 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Hauptbahnhof (S1-S3/U1-U4)

 

 

Stadtteilweihnachtsmärkte

9Blankeneser Weihnachtsmarkt
Wann24.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 21 Uhr
WoBlankeneser Bahnhof
Erik-Blumenfeld-Platz
22587 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Blankenese (S1)

 

10Weihnachtsmarkt Niendorf
Wann27.11. – 24.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 20 Uhr
WoTibarg 3
122459 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Niendorf Markt (U2)

 

11Weihnachtsmarkt Altona/Ottensen
Wann24.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 21 UhrDo – Sa: 11 – 22 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoOttenser Hauptstraße
22765 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1/S3)

 

12HafenCity Weihnachtsmarkt
Wann24.11. – 31.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 12 – 20 Uhr
WoOsakaallee 16 – 18
20457 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Überseequartier (U4)

 

13Weihnachtsmarkt Eppendorf
Wann24.11. – 30.12. (bis auf 24. und 25.12.)
ÖffnungszeitenMo – Mi: 11 – 20 UhrDo – Sa: 11 – 21 Uhr
So: 12 – 20 Uhr
WoMarie-Jonas-Platz
20249 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Kellinghusenstraße (U1,U3)

 

14Santa Pauli – Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt
Wann20.11. – 23.12.
ÖffnungszeitenMo – Mi: 16 – 23 Uhr
Do: 16 – 24 Uhr
Fr/Sa: 13 –21 Uhr
So: 13 – 23 Uhr
WoSpielbudenplatz
20359 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Reeperbahn (S1/S3)U-Bahn St. Pauli (U3)

 

159. Wandsbeker Winterzauber
Wann07.11. – 04.01.
ÖffnungszeitenMo – So 10 – 22 Uhr
WoWandsbeker Marktstraße22041 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Wandsbek Markt (U1)

 

16Harburger Weihnachtsmarkt
Wann24.11. – 28.12. (bis auf 24. Und 25.12.)
ÖffnungszeitenMo – Do: 11 – 20 UhrFr/Sa: 11 – 21 Uhr
So: 13 – 20 Uhr
WoHarburger Rathausplatz 1
21073 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Harburg (S3)

 

17Bergedorfer Weihnachtsmarkt
Wann24.11. – 30.12.
ÖffnungszeitenMo – So: 11 – 22 Uhr
WoBergedorfer Schloßstraße 4
21029 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Bergedorf (S2)

 

 

Spezielle Weihnachtsmärkte

1827. Norddeutscher Christkindlmarkt
Wann28.11. – 30.11.
ÖffnungszeitenFr: 18 – 21 Uhr
Sa/So: 10 – 18 Uhr
WoMuseum für Völkerkunde
Rothenbaumchaussee 64
20148 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Hallerstraße (U1)

 

19Skandinavische Weihnachtsmärkte der Seemannskirchen
Wann14.11. – 16.11. und 21. – 23.11.
ÖffnungszeitenFr – So: 12 – 18 Uhr
WoDitmar-Koel-Straße
20459 Hamburg
HaltestelleU- und S-Bahn Landungsbrücken (S1/U3)

 

20Ökologischer Weihnachtsmarkt
Wann28.11. – 30.11.
ÖffnungszeitenFr: 14 – 18 Uhr
Sa/So 10 – 18 Uhr
WoMuseum der Arbeit
Wiesendamm 3
22305 Hamburg
HaltestelleS-/U-Bahn Barmbek (S1/U3)

 

21Veganer Weihnachtsmarkt
Wann06.12.
Öffnungszeiten10 – 22 Uhr
WoSchützenstraße 21
22761 Hamburg
HaltestelleS-Bahn Altona (S1, S3)

 

22Hamburgs kleinster Weihnachtsmarkt
Wann22.11. – 21.12.
ÖffnungszeitenMi – So: 11 – 19 Uhr
WoAlsterchaussee 3
20149 Hamburg
HaltestelleU-Bahn Hallerstraße (U1)

 

Apulien – Trulli-Land

Wo: Apulien
Wann: Oktober 2014

Im Stiefelabsatz Italiens ragen sie keck zwischen Oliven- und Feigenbäumen hervor oder strecken ihre weißen Zipfelmützen über die die engen Straßen begrenzenden Steinmauern hinweg: Trulli, die typischen Rundhäuser Apuliens, bei denen man von jedem einzelnen sofort annimmt, dass es in seinem Inneren verdammt gemütlich sein muss und dass hier ganz bestimmt nur nette Menschen wohnen können!

Trullidächer (c) spinagel.de

Nicht etwa vereinzelt, sondern sehr häufig sind sie anzutreffen, wenn man im Itria-Tal und in der weiteren Umgebung rund um das Barockstädtchen Martina Franca unterwegs ist. Fühlt man sich deshalb so schnell mit ihnen vertraut? Oder mögen wir einfach das Runde, Kleine, Hutzelige?

Trullo (c) spinagel.de

Zur typischen, mörtellosen Trullo-Bauweise gehört das kegelförmige Bruchsteindach, das oft mit weißen Symbolen bemalt und von einer Kugel gekrönt ist. Schicht für Schicht stapeln sich die Steinplatten zu einem „falschen Gewölbe“ in die Höhe. Im 17. Jahrhundert, so heißt es, befahl ein Feudalherr seinen Bauern diese Trockenbauweise. Für gemauerte Gebäude hätte er Steuern an den Vizekönig zahlen müssen. So entstand angeblich die Anhäufung der Trulli in dieser Region.

Trulli (c) spinagel.de
Heute sind viele der ehemaligen Bauernhäuschen zu schicken Ferienwohnungen avanciert, in denen es an nichts mangelt. Schon gar nicht an der obligatorischen Flasche Olivenöl, denn Italiens größter Olivenöl-Produzent ist: Apulien.

Text: Petra Nickisch, Oktober 2014
Fotos: Boris Kohnke, Petra Nickisch

Alberobello

Sie gilt als die Trulli-Hauptstadt Apuliens. Immerhin ist Alberobello mit über 1.000 dicht an dicht stehenden Trulli Unesco-Weltkulturerbe. Sogar ein zweistöckiger Trullo ist zu entdecken, der Trullo Sovrano aus dem 18. Jahrhundert. Im Museo del Territorio sehen die Besucher, wie die kleinen Rundhäuser gebaut werden.

 

Helsinki in 8 Tassen

Wo: Helsinki
Wann: Mai 2011

Finnlands Hauptstadt in zwei Tagen und acht Tassen. Ein frühlingshafter Stadtrundgang durch Cafés, Bars und Restaurants.

Samstag, 7:30 Uhr. Ankunft im Hafen Vuosaari. Nach gut 27-stündiger Fährfahrt von Travemünde nach Helsinki und zwei Nächten an Bord ist der gefällige Knick im Henkel der Frühstückstasse immer noch ein Hingucker. Die Fracht- und Passagierschiffe der Reederei Finnlines verbinden Deutschland und Finnland täglich mit entspannten Schifffahrten durch die Ostsee.
Samstag, 13:10 Uhr. Mittagspause am Crêpesstand auf dem Marktplatz (Kauppatori) zwischen Hafen und hellblauem Rathaus von 1833. Ist es draußen noch zu kalt für einen Snack im Freien, ist die gemütliche Alte Markthalle (Wanha Kauppahalli) nur wenige Schritte entfernt. Dort gibt es Lachsbrötchen oder Suppe, die wieder fit machen für einen Spaziergang zum strahlend weißen Dom am Senatsplatz.
Samstag, 14:45 Uhr. Im Café Lasipalatsi (Glaspalast), Mannerheimintie 22-24, wird loser Forsman Tee frisch aufgebrüht. Über 2,50 Euro pro Kännchen kann man nicht meckern, zumal bei grünem Tee heißes Wasser auf Wunsch nachgeschenkt wird. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich schon die großen Kaufhäuser Sokos und Stockmann. Shopping-Alarm!
Samstag, 21 Uhr. Kuksa heißt die Holztasse mit den beiden Fingerlöchern und dem Lederband. Ihr Inhalt: Kaffee mit Brandy, ein wundervoller Digestif nach Lachstartar, gebratenem Rentier und Blaubeereis im originellen Restaurant Lappi, Annankatur 22. Auf der Karte stehen weitere lappländische Gerichte wie Elchfilet oder Maränen. Ambiente und Küche sind unübertrefflich.
Sonntag, 8:35 Uhr. Schlichtes Geschirr, aber ansonsten perfektes Jugendstil-Flair. Das Hotel Seurahoune, Kaivokatu 12, liegt direkt am Hauptbahnhof. Zentral und mit einer fast 180-jährigen Geschichte begeistert es wohl jeden Tourist. 2006 erhielt das 118-Zimmer-Hotel eine Komplettrenovierung – jetzt glitzern die Kristallleuchter im Restaurant wieder.
Sonntag, 13 Uhr. Tippaleipä steht unter dem Gebäck im süß und salzig gefüllten Tresen vom Karl Fazer Café, Kluuvikatu 3. Mit dem ausgestreckten Zeigefinger bestelle ich nur „one of these“. Mehr als kiitos (danke) will mir auf Finnisch noch nicht über die Zunge. Obwohl sich die Reiseleiterin gestern die größte Mühe gab, unserer Gruppe das Wort Jäätelötötterö beizubringen, auf Deutsch: Eistüte. Sie blieb erfolglos …
Sonntag, 14:45 Uhr. Ein Blick aus der Ateljee Bar im 14. Stock des Hotel Torni, Yrjönkatu 26, gehört einfach dazu. Auch wenn man keine heiße Schokolade bestellt, sondern nur die leere Tasse eines soeben gegangenen Gastes fotografiert, stört sich daran keiner. Ab 14 Uhr ist die kleine Bar mit den zwei Außenterrassen jeden Tag geöffnet, samstags schon ab 12 Uhr.
Sonntag, 16:30 Uhr. Schwarzer Tee mit Waldbeeren-Aroma. Ein Abschiedsschluck im Flughafen Vantaa muss sein. Pünktlich um 17.30 Uhr startet der Finnair-Flieger, um knapp zwei Stunden später schon wieder in Hamburg zu landen. So nah ist Helsinki? Warum war ich nicht längst schon mal da?

Text und Fotos: Petra Nickisch, Mai 2011

Vappu-Fest

Weiße Studentenmützen sind am 30. April und 1. Mai auf den Köpfen fast aller Finnen in Helsinki zu sehen. Luftballons, viel Sekt und das Fettgebäck Tippaleipä gehören auch dazu, wenn beim Vappu-Fest der Frühling begrüßt wird. Am Vorabend (30.4., 17-18 Uhr) waschen die Studenten die Brunnen-Statue Havis Amanda und schmücken sie mit einer weißen Mütze. Am Feiertag Vappu (1.5.) treffen sich alle zum Familien-Picknick im Kaivopuisto Park – bei jedem Wetter.

 

Mallorca – Eine Insel, die mehr zu bieten hat als man denkt


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Die größte der Baleareninseln lockt mit weißen Sandstränden, wildromantischen Steilküsten, mediterranem Klima, Ursprünglichkeit und der Möglichkeit, zu jeder Jahreszeit Urlaub zu machen. Wer seine Tage am Meer verbringen möchte oder ein aufregendes Nachtleben schätzt, kommt hier ebenso auf seine Kosten wie der Wanderfreund und Kulturbegeisterte.

Mallorca1

Im Süden der Insel liegen die größten Städte und die längsten Strände. In der Inselhauptstadt Palma ziehen die monumentale Kathedrale La Seu mit dem Almudaina-Palast und das historische Altstadtviertel mit vielen kleinen Cafés und trendigen Restaurants Besucher in ihren Bann. Das Museu Palau March beeindruckt durch eine faszinierende Ausstellung. Wer gepflegt einkaufen gehen möchte, dem sei der mondäne Passeig d’es Born empfohlen. Nicht weit von Palma liegen die Gärten Alfabias im Nordwesten der Insel. Mitten im Herzen des Tramuntana-Gebirges erwartet den Besucher eine blühende Oase der Ruhe und Sinnbild maurischer Kultur.

Mallorca2

Mallorca ist reich an Naturschönheiten. Dichte Wälder und hohe Steilküsten mit malerischen Buchten zeichnen die weit ins Meer hinausführende Halbinsel Formentor aus. Hoch auf den Klippen liegt der ehemalige Wohnsitz Son Marroig des Erzherzogs Salvator von Habsburg – heute ein Museum. Der von ihm angelegte Reitweg wurde zum Wanderpfad. Berühmt ist die Insel auch für ihre Tropfsteinhöhlen. Ein Kleinod sind die Coves de Campanet in einem abgelegenen Bergdorf mit kleinem Café und charmanter Führung. Valldemossa hingegen ist ein uriger Ort am Fuße des Gebirges mit mittelalterlichem Ambiente und einer tollen Aussicht. Umgeben von Tomatenpflanzungen, Olivenhainen und Weinbergen liegt die Gemeinde Estellencs mit über 600 Jahre alten Natursteinhäusern und Terrassenfeldern im ländlichen Südwesten der Insel.

Was wäre Mallorca ohne Sonnenbaden und Wassersport? Ein Geheimtipp ist Cala Deiá nahe dem Künstlerdorf Deiá an der Westküste. Die Felsenbucht bietet kristallklares Wasser. Im Nordosten locken die alte Römerfestung Artá mit der Cala Mesquida und der breite Sandstrand. Als besonders familienfreundlich gilt der Ort Es Trenc im Südosten der Insel. Mallorca ist zwar ein bekannter Klassiker bietet aber mehr als man in den meisten Reiseführern lesen kann – Darum am besten direkt einen Mallorca Urlaub buchen.

Text: 2014 Patrick Neukirch /// mit freundlicher Unterstützung durch JT Touristik
Fotos: JT Touristik 

Balearen

Neben den fünf bewohnten Inseln Mallorca, Ibiza, Formentera, Menorca und der Ziegeninsel Cabrera, gehören 146 unbewohnten Inseln zu der Inselgruppe im westlichen Mittelmeer. Knapp 75 Prozent der Fläche entfällt auf die größte Insel Mallorca. Der Name der Inselgruppe leitet sich von den Baliarides ab. Sie waren mit ihren treffsicheren Steinschleudern gefürchtete Söldner in der Antike.

 

Hamburg – Ein Traum in Moosgrün

Wo: Hamburg
Wann: Oktober 2014

„Genau solche hatte meine Oma in der Küche“, freue ich mich und versuche, das Fundstück meiner Freundin zu zeigen. Die ist aber schon ins nächste Zimmer gehuscht und hat selbst etwas entdeckt. „Kaum zu glauben, dass man sich so etwas früher an die Wand geklebt hat.“ Höre ich sie aus dem Off sagen. Wir fühlen uns in die Vergangenheit zurückversetzt. In eine Zeit, in der Moosgrün, Bahamabeige, Bermudablau und das unvergessene schweinchenrosafarbene Magnolia Einzug in die Keramikabteilungen unserer Wohnungen gehalten haben.

Rosa Badewanne (c) spinagel.de
Gemeinsam überlegen wir, wie viel man uns bieten muss, damit wir eines unserer Bäder so fliesen, wie wir es gerade vor uns sehen. Wir sind uns einig, dass es schon sehr viel Geld sein müsste, um uns die alten Designs und vor allen Dingen die psychedelischen Farben schmackhaft zu machen. Doch je mehr wir lästern, desto größer wird auch unser Spaß an den Fundstücken und den damit verbundenen Erinnerungen.

Abzieher (c) spinagel.de

In einem der kleinsten Museen Hamburgs hat sich die Familie Schittek einen Traum erfüllt und präsentiert ein paar ihrer Schätze der Allgemeinheit. In ersten Stock des Fliesenhandels werden die Sanitärträume der 60er- bis 80er-Jahre wieder lebendig. Man erfährt einiges über die Geschichte des keramischen Wand- und Bodenbelags, sieht zeitgenössische Werkzeuge und kann in alten Fliesenkatalogen die Wunschbadezimmer unserer Eltern und Großeltern begutachten. Neben kompletten Bädern findet der Besucher wunderschöne Jugendstilfliesen und eine Sammlung alter Dokumente.

Alte Badewanne (c) spinagel.de

Hinter der nächsten Tür entdecke ich das Badezimmer meiner Eltern aus dem Jahr 1976. Moosgrüne Keramik, schrill-grüne Wandfliesen mit Blumenmuster und eine in Aluminium gefasste Plexiglas-Duschabtrennung. Das war damals der letzte Schrei. Heute würde dieses Bad bei mir nur dafür sorgen, dass ich morgens schon vor dem ersten Kaffee schlagartig hellwach wäre.

Grünes Badezimmer (c) spinagel.de

Während wir im ersten Stock jede Ecke erkunden, stehen unten Handwerker und Privatpersonen am großen Tresen und hoffen inständig, dass noch eine ausreichende Menge von genau der alten Fliese vorrätig ist, die sie gerade benötigen. Auf der anderen Seite des Tresens sieht es aus wie früher in einem Schallplattenladen. Auf großen Tischen sind die Fliesen hochkant gestapelt und nach Art und Farbe sortiert. Die Mitarbeiter blättern in ihrem Archiv und können den Kunden in fast drei Viertel aller Fälle in das Lager auf der gegenüberliegenden Seite schicken, um dort die gewünschten Keramikplatten in Empfang zu nehmen.

Fliesen (c) spinagel.de

Wer selbst einmal in alten Erinnerungen schwelgen möchte, kann dies werktags zwischen 7 und 17 Uhr im Winsener Stieg 1a, in Hamburg machen. Der Eintritt ist frei.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Fliesenhandel

Im Museum der Firma Schittek im Hamburger Stadtteil Sinstorf findet wahrscheinlich jeder eine alte Bekannte aus quadratischer Keramik. Seit über 30 Jahren beschäftigten sich erst Konrad Schittek und nun auch seine Söhne Jan und Felix damit, dem Wahlspruch ihrer Firma „Für alles gibt es hier Ersatz“ gerecht zu werden. Gut 70 Prozent der angefragten, bis zu hundert Jahre alten Fliesen sind ab Lager vorrätig. Angefangen hat der Firmengründer damit, Fliesen, die nicht mehr im Handel erhältlich waren, nachzumalen, bevor er sich zusätzlich die häufig nachgefragten Sorten in sein Lager gelegt hat. Heute lagern auf 4.000 Quadratmetern gut 6.500 Paletten mit Fliesen der letzten einhundert Jahre.

www.fliesenhandel-schittek.de

 

Deutschlands Oktoberfeste


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Wo: ganz Deutschland
Wann: ab September 2014

Bald geht es wieder los – überall in Deutschland treffen sich die Anhänger von Maß-Krügen, Trachtenmode und kalorienreicher Hausmannskost und zelebrieren das Oktoberfest. Das Original wird seit 1810 zünftig mit Hax‘n, Hendl, Weißwurst, Schweinsbraten und natürlich viel Bier auf der Theresienwiese in der bayrischen Landeshauptstadt München gefeiert.

Oktoberfest (c) Follow Me - Fotolia.comInzwischen gibt es aber in fast jeder Ecke Deutschlands Ableger des größten Volksfestes der Welt. Wie im Rest der Republik gefeiert wird, stellt Spinagel am Beispiel der fünf größten Städte Deutschlands, Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt, vor.

 

Los geht’s in Berlin 

Hier fängt das Oktoberfest früh an, ab 5. September heißt es am Hauptbahnhof „O´zapft is“. Bis zum 22. September haben im Löwenbräu-Zelt auf dem Washingtonplatz über 1.000 Menschen Platz.
Öffnungszeiten: 5. bis 22. September, täglich von 11 – 22 Uhr, am Wochenende 11 – 24 Uhr
Bier: Löwenbräu
Web: www.oktoberfest-bb.de
Eintritt: frei

Auf dem zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm findet 2014 Berlins größtes Oktoberfest statt. Auf 1.600 Quadratmetern werden im Paulaner-Zelt vom 19. September bis zum 5. Oktober bayrische Spezialitäten und natürlich Paulaner serviert.
Öffnungszeiten: 19. September bis 5. Oktober, Mo, Di und Do 15 – 22 Uhr, Mi 15 – 23 Uhr, Fr und Sa 15 – 24 Uhr, So 12 – 22 Uhr, am 3. Oktober 12 – 23 Uhr
Bier: Paulaner
Web: www.berliner-oktoberfest.de/oktoberfest-berlin.html
Eintritt: 2. und 3. Oktober 5 Euro, alle anderen Tage frei

Weitere Oktoberfeste in Berlin:

Oktoberfest auf dem Alexanderplatz
Die Besucher erwartet, neben Festzeltatmosphäre und Livemusik, jeden Abend ein Wettbewerb, bei dem das schönste Dirndl gekürt wird.
Öffnungszeiten: 26. September bis 12. Oktober
Bier: Paulaner
Web: www.berlin.de/restaurants/oktoberfest/2698409-2698384-oktoberfest-auf-dem-alexanderplatz.html
Eintritt: frei

Berlin_Schild_Bahnhof_Alexanderplatz (c) Wladyslaw Sojka

Oktoberfest in Marzahn
Das EastSide-Oktoberfest bietet im Löwenbräu-Zelt Platz für 1.000 Besucher.
Öffnungszeiten: 6. September bis 05. Oktober, Mo bis Do 15 – 22 Uhr, Fr und Sa 15 – 24 Uhr, So 12 – 20 Uhr
Bier: Löwenbräu
Web: www.oktoberfest-bb.de
Eintritt: frei

Oktoberfest in Spandau
An der Zitadelle Spandau öffnet jeweils freitags und samstags das große Festzelt mit über 1.000 Sitzplätzen.
Öffnungszeiten: 10. bis 25. Oktober, Fr und Sa 15 – 24 Uhr
Bier: Löwenbräu
Web: www.oktoberfest-bb.de
Eintritt: frei

 

Nächster Stopp Hamburg

Auch die Nordlichter lassen sich keine Gelegenheit entgehen zu feiern. Der Klassiker in der Fischauktionshalle findet an zwei verlängerten Wochenenden (Donnerstag, 02.10. bis Samstag, 4.10. und Donnerstag, 09.10. bis Samstag, 11.10.) direkt an der Elbe statt. Ausgeschenkt wird auf der Elb-Wiesn Erdinger Weißbier, dazu gibt es natürlich auch deftige Spezialitäten aus Bayern. Die „Deich-Tiroler“ heizen den Besuchern mit Livemusik ein.

Öffnungszeiten: 2. bis 4. Oktober und 9. bis 11. Oktober, Do 18 – 23 Uhr, Fr und Sa 18 – 1 Uhr
Bier: Erdinger Weißbier
Web: www.fischauktionshalle.com/event/hamburger-oktoberfest
Eintritt: Vorverkauf 12 EUR, Abendkasse 14 EUR

Hamburger Fischauktionshalle (c) spinagel.de

Hofbräuhaus Hamburg an der Alster
Im Hofbräu Hamburg an der Alster heißt es traditionell um 12 Uhr „O’zapft is“. Mit Live-Schaltung zum Anstich nach München ab 11.45 Uhr. Ausgeschenkt wird original Hofbräu Oktoberfestbier. Das Unterhaltungsprogramm sorgt für authentische Festzelt-Stimmung.  Vom 20.09. bis 5.10 wird dann mit Wiesn-Bier und oft Livemusik gefeiert.

Besondere Termine:
20. September, 1. Anstich 12 Uhr
20. September. 2. Anstich 20 Uhr
Öffnungszeiten: 20. September bis 5. Oktober, So und Mo 11 – 22 Uhr, Di bis Sa 11 – 24 Uhr
Bier: Hofbräu
Web: www.hamburg-hofbraeuhaus.de/oktoberfest.htm
Eintritt: frei

Wandsbeker Wiesn
Einen Tag früher als beim Original heißt es im Festzelt auf dem Wandsbeker Marktplatz „O´zapft is“. Am 19. September 2014 wird die Wandsbeker Wiesn mit dem traditionellen Fassanstich eröffnet. Neben bayrischen Schmankerln bringt bayrische Livemusik die Besucher während der Wiesn in Stimmung.

Hamburger Oktoberfest
Öffnungszeiten:
 19. September bis 4. Oktober, So bis Di 11 – 22 Uhr, Mi bis Sa 11 – 24 Uhr
Bier: Paulaner
Web: www.oktoberfest-hamburg.de
Eintritt: frei

Hamburg-Bergedorf
Hamburgs größtes Oktoberfest steigt in Bergedorf auf dem Frascatiplatz. Neben einem Festzelt mit Livemusik sorgt ein Jahrmarkt für Stimmung wie im Süden.
Öffnungszeiten:  19. September bis 21. September, Fr ab 17 Uhr, Sa ab 14 Uhr, So ab 12 Uhr
Web: www.facebook.com/bergedorfer.oktoberfest
Eintritt: frei

 

Das Original – Oktoberfest in München

In Deutschlands drittgrößter Stadt München wird seit 1810 die Mutter aller Oktoberfeste gefeiert.

Nach dem Einzug der Wiesnwirte und Brauereien mit ihren traditionell geschmückten Pferdefuhrwerken, beginnt das Oktoberfest um genau 12 Uhr mit dem Anstich des ersten Bierfasses durch den Münchener Oberbürgermeister. Danach darf in den 14 großen und 21 kleinen Festzelten mit ihren über 100.000 Sitzplätzen das Bier fließen. Ausgeschenkt wird nur spezielles Oktoberfestbier der sechs Münchener Brauereien Augustiner, Hacker Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Mit einem Stammwürzegehalt von mindestens 13,5 % und einem Alkoholgehalt von ca. 6 % ist das Wiesnbier etwas stärker als ein normales Bier.

München Frauenkirche und Oktoberfest

Wer neben Bier und bayrischen Schmankerln etwas Aktivität benötigt, kann in einem der klassischen Fahrgeschäfte Riesenrad, Krinoline, Hexenschaukel, Tobogan und Teufelsrad Adrenalin tanken oder sich die tollkühnen Motorradfahrer mit ihren 30er-Jahre Motorrädern an Pitts Todeswand ansehen. Neben den klassischen Jahrmarktattraktionen gibt es natürlich auch moderne Geräte, wie z. B. die größte mobile Achterbahn der Welt mit ihren fünf Loopings.

Zum 200-jährigen Jubiläum im Jahre 2010 wurde direkt neben der Theresienwiese die Oide Wiesn ins Leben gerufen. Eine Homage an das ursprüngliche Oktoberfest mit Steckerlfischbraterei, Kettenkarussell und anderen historischen Jahrmarktattraktionen.

Am 5. Oktober ist die Gaudi wieder vorbei und die gut 6 Millionen Besucher werden über 60.000 Hektoliter Bier, bei einem Preis für die Maß von knapp 10 Euro, getrunken und über 1.000 Tonnen Müll erzeugt haben.

Öffnungszeiten:  20. September bis 5. Oktober, Mo bis Fr 10 – 23.30 Uhr, Sa, So und Freitag den 3.10. 9 – 23.30 Uhr
Bier: Augustiner, Hacker Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten
Web: www.oktoberfest.de
Eintritt: frei

Die wichtigsten Fakten zur Wiesn sind auf dieser Infografik von Accorhotels.com sehr schön zusammengestellt:

Infografik Münchener Oktoberfest von Accorhotels

 


Auf zu den Jecken nach Köln

Die Kölner wissen, wie gefeiert wird, das beweisen sie uns jedes Jahr mit dem Karneval. Ob die Jecken auch ein zünftiges Oktoberfest feiern, kann jeder auf dem Platz vor dem Südstadion selbst erkunden. Auf 3.000 Quadratmetern werden sich auch dieses Jahr wieder um die 20.000 feierlustige Kölner treffen. Bereits zum 10. Mal findet das 1. Kölner Oktoberfest statt. Für den Anstich des ersten Fasses haben die Kölner den Münchener Ex-Oberbürgermeister Christian Ude verpflichtet. Statt einem Fass mit Oktoberfestbier wird Ude hier aber ein Kölsch-Fass anstechen. Das Kölsch wird auch nicht in Maß-Krügen, sondern in speziell gefertigten 0,3-Liter-Krügen ausgeschenkt. Der Stimmung der rheinischen Frohnaturen wird dies sicherlich nicht hinderlich sein.

Kölner Oktoberfest

Öffnungszeiten: 19., 26. September und 2. Oktober 18 – 23 Uhr, 20., 27. September, 3. und 4. Oktober 16.30 – 23 Uhr
Bier: Gaffel Kölsch
Web: www.koelner-oktoberfest.de
Eintritt: 26,50 EUR

Kölner Dom (c) José Porras

 

Frankfurt – Oktoberfest in Mainhattan

Auf dem Wiesn-Gelände an der Commerzbank-Arena können Blasmusik- und Dirndl-Freunde das Oktoberfest in der Mainmetropole feiern. Nach der Eröffnung durch den Frankfurter Oberbürgermeister feiern an jedem der 21 Abende bis zu 2.500 ausgelassene Partygäste die Frankfurter Wiesn. Natürlich wird im Festzelt auch Ebbelwoi ausgeschenkt, so ganz aus ihrer Haut können die Hessen auch im Oktober nicht. Neben speziell für diesen Anlass gebrautem Binding-Bier wird auch Radler und alkoholfreies Bier in Maß-Krügen ausgeschenkt. Liebe Bayern, bitte verzeiht den Hessen diesen kleinen Fauxpas bei der Getränkeauswahl, es wird mit Sicherheit trotzdem urbayrisch gefeiert.

Fankfurter Oktoberfest

Öffnungszeiten:  18. September bis 11. Oktober, Mo bis Sa 17.30 – 24 Uhr, So Frühschoppen 10.30 – 16 Uhr
Bier: Binding, Henninger, Schöfferhofer und Clausthaler
Web: www.frankfurter-oktoberfest.de
Eintritt: 39,90 – 51,30 EUR inkl. 20 EUR Verzehrgutschein

Commerzbankarena (c) Mo4jolo

Text: Boris Kohnke 2014 /// mit freundlicher Unterstützung durch Accorhotels
Fotos: Frankfurt – Commerzbank Arena: (c) Mo4jolo, Oktoberfest: (c) Ballcom; München – Frauenkirche und Oktoberfest: (c) B. Roemmelt/München Tourismus; Köln – Oktoberfest: (c)  Joachim Badura, Kölner Dom: (c) José Porra; Hamburg – Oktoberfest: (c) Hamburg Events HES, Fischauktionshallen: (c) Boris Kohnke; Berlin – Alexanderplatz: (c) Wladyslaw Sojka; Oktoberfest (c) Follow Me – Fotolia.com

Hannover

Das zweitgrößte Oktoberfest Deutschlands, mit 960.000 Besuchern im letzten Jahr, wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover gefeiert. Die Hannoveraner Wiesn blickt auf eine lange Tradition zurück und jährt sich dieses Jahr zum 50. Mal. Ausgeschenkt wird in Anlehnung an die bayrische Tradition Hannoversches Festbier der Privatbrauerei Herrenhausen, das speziell für dieses Fest gebraut wird.

Web: oktoberfest-hannover.de

Öffnungszeiten:
9. September bis 5. Oktober 2014, Mo bis Do 14 – 23 Uhr
Fr, Sa, So und vor Feiertagen 14 – 24 Uhr

 

Ausflug von Sizilien nach Reggio di Calabria

 


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Wo: Reggio di Calabria
Wann: Sommer 2014

Auf Sizilien kann man einen ganzen Italienurlaub verbringen. Anders als auf dem Festland, wo man durchaus mal regionenübergreifend eine Städtereise unternimmt, kann man in Sizilien Wochen verbringen und hat immer noch nicht alles gesehen. Und doch reizt der Gedanke, zumindest einmal ein oder zwei Tage nach Kalabrien herüber zu fahren. Eine besondere Stadt wartet dort auf ihre Besucher.

Stazione Reggio di Calabria gegenüber Sizilien (c) weltvermessen.de_kl Stazione Reggio di Calabria gegenüber Sizilien

Die heimliche Hauptstadt Kalabriens

Mit Reggio di Calabria wartet nicht nur die größte Stadt Kalabriens, sondern auch eine der mondänsten und architektonisch besonders wertvollen Städte des Südens auf neue Gesichter. Die Haupteinnahmequelle in Kalabrien ist, genau wie in Sizilien auch, der Tourismus / das Dienstleistungsgewerbe, und so trifft man eine ordentliche Infrastruktur mit hilfsbereiten Kalabresen. Auf altbekannte Probleme bzw. Phänomene trifft man auch in Reggio, aber das sei mal hintangestellt.

Von Messina Marittima aus fährt stündlich eine Staatsbahn über die Brücke zum Festland hinüber, nach Villa S. Giovanni. Vom Hauptbahnhof Messina gelangt man mit der ersten U-Bahn, die in dieser Region gebaut wurde, zum „MM“. Nach dem Umsteigen in Giovanni geht es weiter Richtung Süden. Nach insgesamt nicht einmal einer Dreiviertelstunde ist man in Reggio di Calabria angelangt.

Eine Autofähre gibt es natürlich auch von Sizilien zum Festland, aber ein motorisiertes Gefährt ist für Reggio etwas unpässlich, da man zudem auch eher am Lungomare und in der überwiegend autofreien Innenstadt flanieren sollte.

Die Innenstadt von Reggio di Calabria

Castello Aragonese in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_kl Castello Aragonese in Reggio di Calabria

Es gibt neben der Architektur der Häuser und Wohnungen allgemein insgesamt eine Vielzahl von Kirchen, Kastellen und Monumenten zu besichtigen. Mitten im Netz der Straßen und des Verkehrs gibt es einen großen Platz mit dem mächtigen Castello Aragonese, neben dem der Autor wie ein weißer Zwerg anmutet.

Kathedrale von Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klKathedrale von Reggio di Calabria

Nicht weniger imposant ist die Kathedrale von Reggio di Calabria, die in ihrem Inneren sehr formvollendet ist. Sie ist der Sitz des Erzbistums Reggio Calabria-Bova und beherbergt Statuen vom Heiligen Paulus und vom Heiligen Stefan. Schon seit über 85 Jahren steht sie hier, und wird auch noch eine Weile stehenbleiben.

Villa Comunale in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klVilla Comunale in Reggio di Calabria

Die erste Station touristischer Art, nachdem man aus dem Hauptbahnhof gekommen ist, ist der Stadtgarten, auch Villa Comunale genannt. Hier ranken sich allerlei Palmen und Gebüsch um die Wege, ein Brunnen und eine Art Pavillon laden in deren Mitte zum Verweilen ein.

Römische Thermen mit gekacheltem Mosaikboden in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klRömische Thermen mit gekacheltem Mosaikboden in Reggio di Calabria

Dies sind antike römische Thermen. Sie sind im Reiseführer Kalabrien von Ilona Witten (ISBN: 978-3770172856) und wohl auch in anderen aufgeführt – man findet sie nur nicht so einfach. Wenn man von der, je nach Perspektive, Ostseite aus der Villa Comunale tritt und in Richtung Innenstadt geht, muss man auf die Straßenseite wechseln, die näher am Wasser ist. Hinter einem Geländer geht es etwas in die Tiefe, wo sich die Überreste des Wohlfühlbeckens von einst befinden.

Chiesa degli Ottimati in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klChiesa degli Ottimati in Reggio di Calabria

Die Chiesa degli Ottimati ist beinahe etwas frech konstruiert. Von weitem sieht man es nicht, aber ihr neuer Giebelkitt, wenn die Malerarbeiten denn nicht intentional durchgeführt wurden, ist zu einem Grinsen geraten, wie man im vergleichenden Bildausschnitt sieht. Ein Humor, der gut ankommt.

Die Bronzestatuen „Krieger von Riace“ von Reggio di Calabria

Palazzo della Regione in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_kl Palazzo della Regione in Reggio di Calabria

Im Palazzo della Regione bzw. nach Fertigstellung der Renovierungsarbeiten auch wieder im Archäologischen Nationalmuseum werden die weltberühmten „Krieger von Riace“ aufbewahrt und ausgestellt. Man darf sie nicht fotografieren, weshalb hier auch lediglich der Palast gezeigt wird.

Diese Bronzestatuen stammen aus dem 5. Jahrhundert vor Christi und wurden 1972 vor Reggios Küste gehoben. Sie wurden aufwändig restauriert und stellen nicht nur materiell einen unschätzbaren Wert dar, sondern auch historisch.

Am Uferweg Lungomare von Reggio di Calabria

Ionisches Meer vor Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klIonisches Meer vor Reggio di Calabria

Am südlichen Ende der Meerpromenade der Stadt, dem sogenannten Lungomare, kurz nachdem man die Römischen Thermen passiert, sollte man auf dem Weg zur Innenstadt an jenem Meer etwas entlanggehen. Gegenüber sieht man schon Sizilien, und auch sonst trifft man einige Sehenswürdigkeiten hier an.

Arena dello Stretto in Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klArena dello Stretto in Reggio di Calabria

Die Arena dello Stretto ist eine Art Freiluft-Theater direkt am Ionischen Meer, an deren Spitze eine Statue von Victor Emanuel steht. Hier werden oft Musik- und Schauspielkünste dargeboten. Das Publikum sitzt dann auf den Treppen. Das Wasser ist hier etwas dunkler, grünlicher, aber sorgt für ein maritimes und beruhigendes, gar tiefenentspannendes Flair.

Hafen von Reggio di Calabria (c) weltvermessen.de_klHafen von Reggio di Calabria

Der Hafen von Reggio di Calabria ist da hingegen ein großer Umschlagplatz. Hier werden Güter verladen, die Marine patrouilliert in den Küstengewässern und ab und zu sieht man einen Kutter ab- oder anlegen, dessen Besatzung sich dem Thunfisch- oder Makrelenfang widmet.

Rückreise nach Sizilien

Statue Victor Emanuel Arena dello Stretto (c) weltvermessen.de_klStatue Victor Emanuel Arena dello Stretto

Man kann in Reggio di Calabria übernachten, oder mit etwas Frühaufstehergeist auch einen Tagesausflug aus dem Besuch machen. Mit der Bahn kommt man um 23 Uhr noch zurück nach Messina. Empfehlenswert ist jedoch, den Abend in einer Taverne in Reggio ausklingen zu lassen.

Hier noch ein paar Linktipps für einen Aufenthalt in Reggio di Calabria:

Zugverkehr in Italien, italienisches Äquivalent zur Deutschen Bahn:
http://www.trenitalia.com/

Hotels in Sizilien:
http://www.ewtc.de/Italien/Sizilien/Hotels.html

Italienisches Nationalmuseum mit den Kriegern von Riace:
http://www.archeocalabria.beniculturali.it/archeovirtualtour/

Text: Thilo Götze, September 2014
Fotos: (c) www.weltvermessen.de

Sizilien

Sizilien liegt direkt vor der Stiefelspitze Italiens und ist die größte Insel im Mittelmeer. Zusammen mit einigen kleineren Inseln bildet sie die Autonome Region Sizilien. Vom italienischen Festland ist die Insel durch die Straße von Messina getrennt, die an der schmalsten Stelle nur circa 3 Kilometer breit ist. An der Ostküste befindet sich der höchste Berg Siziliens der Ätna. Mit seinen 3345 Metern ist er nicht nur der höchste Vulkan Europas sondern auch der aktivste.

 

Die Ostsee an Bord einer Segeljacht entdecken


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Wo: Deutschland, Ostsee
Wann: Sommer 2014

Feinsandige Badestrände, beeindruckende Steilküsten, moderne Seebäder, idyllische Fischerdörfer, charmante Städte mit unzähligen Sehenswürdigkeiten, verschiedene Feste und Veranstaltungen – all dies ist Urlaub an der Ostsee!
Allein auf deutschem Territorium, von der Insel Usedom bis zur Kieler Bucht, zieren mehr als 2.000 Kilometer Strände die Küstenlinie. Damit bieten sich beste Bedingungen zum Sonnenbaden, Schwimmen, zu ausgiebigen Strandspaziergängen und natürlich zu Wassersportaktivitäten wie Segeln oder Surfen. Abseits der Strände warten Felsküsten, dichte Wälder und dunkle Moore für Erlebnisse für Wanderer und Radfahrer. Voll auf ihre Kosten kommen an der Ostsee auch Gäste, die Erholung mit Kultur verbinden möchten. In den altehrwürdigen Hansestädten wie etwa Lübeck oder Rostock begeistern herrliche Sehenswürdigkeiten und interessante Museen. Familien mit Kindern dürfen sich zudem auf Tier- und Erlebnisparks freuen.

Segeltörn

So vielfältig die Möglichkeiten auch sind, so eingeschränkt ist der Urlaubsgast ob der großen Entfernungen dann manchmal doch. Wer etwa auf Usedom Ferien macht, wird kaum die fast dreistündige Fahrt nach Lübeck auf sich nehmen. Für Reisende, die die Ostsee in wirklich allen Facetten kennenlernen möchten, bietet sich eine Alternative: ein Segeltörn! Der große Vorteil einer derartigen Reise liegt auf der Hand: Statt die gesamte Reisezeit an einem Ort zu verbringen, wechseln die Reiseziele an Bord eines Segelschiffes täglich. Ein Yachtcharter bietet sich dabei besonders an, mit oder ohne gemieteten Skipper kann die Ostsee in gemütlicher Atmosphäre mit Freunden und Familie entdeckt werden.

Schlei

Die Ostsee gilt tatsächlich als eines der schönsten Segelreviere der Welt. Die vielen verschiedenen Häfen erlauben höchst abwechslungsreiche Routen im Norden Europas, etwa von der Dänischen Südsee bis in die Gewässer Polens. So kann in einer Woche die kulturell interessante Tour Warnemünde-Kopenhagen-Warnemünde gesegelt werden. Entlang der Strecke begeistern die Klint- und Kreidefelsen der Insel Møn, die Sehenswürdigkeiten der dänischen Hauptstadt oder der Fischereihafen von Rødvig. Eine ähnliche Strecke kann ab Rügen zurückgelegt werden, die größte deutsche Insel bietet sich aber vor allem für eine Tour rund um das Eiland an. So warten auf der Insel Hiddensee charmante Fischerdörfer mit den typischen, reetgedeckten Häusern sowie kilometerlange Sandstrände. Auf der weitgehend unbewohnten Insel Greifswalder Oie locken hingegen ausgedehnte Vogelschutzgebiete, während Stralsund mit gotischen Backsteinhäusern und historischen Bauwerken punktet.

Abendstimmung Burgtief

Segler, die das ganz besondere Erlebnis suchen, finden mit der deutschen Ostsee den perfekten Ausgangspunkt für Törns bis England, Irland, Norwegen oder Schweden. Derartige Touren dauern üblicherweise zwei Wochen und sind je nach Entfernung One Way- oder Return-Routen. Mehrwöchige Touren sind aber natürlich auch an der deutschen Ostsee möglich. Von Flensburg bis Usedom bieten die Häfen ausgezeichnete Infrastrukturen, die auch längere Ferien an Bord eines Segelbootes zulassen!

Text: 2014 /// mit freundlicher Unterstützung durch Master Yachting
Fotos:  Master Yachting

Ostsee

Die Ostsee ist mit einer Größe von gut 412.000 Quadratkilomentern das größte Brackwassermeer der Erde. Besonders von der See aus erschließen sich die vielfältigen Küstenformationen der Ostsee. Von der schwedischen und finnischen Schärenküste, über die spektakulären Kliffküsten von Rügen oder Gotland, die Fördenküsten als ehemalige Gletschertäler, bis hin zur lieblichen vorpommerschen Boddenküste, hier ist kaum ein Küstenabschnitt wie der andere.

 

Bad Harzburg – Harzer Luchse

Wo: Bad Harzburg
Wann: August 2014

Zum Verlieben! Diese weiß umrahmten Augen, die Pinselohren, die puscheligen Tatzen. Am liebsten möchte man über den Zaun steigen und mit der edlen Luchsin schmusen, die dort im Waldgehege ganz gelassen durch den Schatten zu einem warmen Plätzchen stromert. Als wäre sie sich ihrer Schönheit bewusst, legt sie sich geschmeidig in einen Spot aus Sonnenstrahlen, räkelt sich zwischen Steinen und Gräsern und kokettiert regelrecht mit unseren Kameras. Heidis Mädchen sind ein Witz dagegen!

Luchs (c) spinagel.de
Ein Rundwanderweg bei Bad Harzburg führt zu den fünf Luchsen, die derzeit das (kostenlos zugängliche) Schaugehege an der Rabenklippe bewohnen. Pamina, Tamino, Paul, Alice und Ellen sind das Ziel vieler Wanderer, die die rund acht Kilometer gern auf sich nehmen.

Rabenklippe (c) spinagel.de

Besonders mittwochs und samstags lohnt sich der Weg, wenn die Tiere um 14.30 Uhr mit Fallwild gefüttert werden – nachdem ein Nationalpark-Mitarbeiter einiges über ihre Eigenarten und über das Luchs-Auswilderungsprogramm erzählt hat. „Luchse sind für uns Menschen generell ungefährlich“, betont er. „Noch nie hat ein Luchs in freier Wildbahn einen Menschen angefallen.“ Wir passen einfach nicht in sein Beuteschema.

Luchs Wanderweg (c) spinagel.de
Vor rund 200 Jahren waren die Harzer weniger gut auf den Luchs zu sprechen. Sie sahen in dem Jäger eine Bedrohung und eine Konkurrenz, deshalb wurde 1818 auch noch der letzte Harzer Luchs verfolgt und bei Lautenthal erschossen. Zu dieser Zeit war die größte europäische Katzenart in Mitteleuropa fast ausgerottet. Heute denkt man in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zum Glück anders darüber: Anfang 2000 gestartet, hat sich das Luchsprojekt Harz der Wiederansiedlung der Tiere verschrieben. In einer Datenbank sammelt die Nationalparkverwaltung Harz alle gemeldeten Luchs-Beobachtungen – vom Trittsiegel bis zum Rissfund.

Text: Petra Nickisch, September 2014
Fotos: Boris Kohnke

Rabenklippe

Nicht jeder schafft eine 8-Kilometer-Wanderung, darum fährt von April bis Anfang November täglich fünfmal der Bus 875 von Bad Harzburg bis zur Station Rabenklippe und zurück. Mit dem Auto sind die Luchse nicht zu erreichen!
Im Waldgasthaus Rabenklippen, direkt am Gehege, warten deftige Speisen und eine herrliche Sonnenterrasse mit Blick über das Eckertal und auf den Brocken.

 

Hamburg – Lichtdesign

Wo: Hamburg
Wann: August 2014

Ziel: U4-Haltestelle HafenCity Universität in Hamburg. Verwunderlich: Wir steigen aus der U-Bahn aus, bleiben unter der Erde auf dem Bahnsteig. Wir gehen nicht nach oben ans Tageslicht, sondern fahren nach 20 Minuten wieder die zwei Stationen zum Jungfernstieg zurück. Mit einem Lächeln im Gesicht.

Lichtdesign U4 Hamburg (c) spinagel.de

Warum? Es liegt an den zwölf Leuchtcontainern, die seit über einem Jahr jedes Wochenende kostenlose Lightshows bieten. Zwischen 10 und 18 Uhr, zu jeder vollen Stunde startet das „Licht und Klangfeuerwerk“. Verdi, Bach und Brahms erklingen dann durch die Lautsprecher und die gigantischen Quader unter der Decke blinken rhythmisch in allen Farben.

Lichtdesign U4 Hamburg (c) spinagel.de

Einige Touristen sind völlig überrascht und bleiben erstaunt stehen. Andere, wie meine Familie und ich, sind vorbereitet und warten mit gezückten Fotoapparaten auf der Zwischenebene, dass die Musik beginnt und die 280 computergesteuerten LEDs ihr Bestes geben. Wir werden nicht enttäuscht.

Lichtdesign U4 Hamburg (c) spinagel.de

Die Hamburger Hochbahn hat mit ihrer neuesten U-Bahn-Station eine ganz spezielle Attraktion geschaffen. Im Kontrast zur wimmeligen, stets belebten Haltestelle Jungfernstieg wirkt die HafenCity Universität nicht wie ein funktionaler Umsteigetunnel, sondern eher wie ein begehbares, exklusives Kunstwerk.

Text und Fotos: Petra Nickisch, August 2014

Architekten: Raupach Architekten
Lichtplanung: Pfarré Lighting Design / D-Lightvision
Container-Design: Design Stauss Grillmeier

Container

Durch ihre Gestaltung soll die U-Bahn-Station HafenCity Universität die besondere Hafenatmosphäre der oberirdischen Umgebung widerspiegeln. Die zwölf Leuchtcontainer sind 20-Fuß-Standard-Containern aus Stahl nachempfunden, wie sie im Hamburger Hafen täglich be- und entladen werden. Für ihr exzellentes Lichtdesign haben die Planer schon mehrere Preise wie den International Lighting Design Award 2013 erhalten.

 

Heiligenhafen – Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Wo: Heiligenhafen
Wann: Juli 2014

Die Sonne scheint erbarmungslos auf unsere Stadt, was liegt da näher, als ein paar Tage an die See zu fahren? Gesagt, getan. Am nächsten Tag packen wir ein paar Sachen ins Auto und fahren an die Ostsee. Unser Ziel ist Heiligenhafen. Hier soll es auch in der Hochsaison noch kurzfristig Ferienwohnungen im Ferienpark geben. Ich gebe zu, die Entscheidung war recht spontan und ich habe vorher nicht gründlich recherchiert, was genau sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Der Ferienpark entpuppt sich bei unserer Ankunft als riesiger Betonklotz und erinnert mich verdammt an den Baustil der 70er-Jahre.

Ferienpark Heiligenhafen (c) spinagel.de

Auch nachdem wir das Auto geparkt haben, entdecke ich einige Parallelen: die Betonarchitektur der umliegenden Restaurants und Läden, Garagenhöfe wie damals und eine Trinkkurhalle. Ja, das war früher wirklich mal eine angesagte Urlaubsbeschäftigung: Heilwasser trinken und dabei durch die Trinkkurhalle wandeln.

Das kann ja heiter werden, denken wir uns, aber wir haben ja auch nur vor, hier zu schlafen.

Es ist wirklich problemlos möglich, mitten in der Hauptsaison eine Ferienwohnung für zwei Tage zu mieten. Mit dem Wohnungsschlüsel in der Hand nähern wir uns vorsichtig dem grauen Ungetüm. Der Geruch der Treppenhäuser, die alten Fahrstühle und die Müllschlucker – wenn man sich ein wenig darauf einlässt, ist dies der ideale Ort für eine mentale Reise in die Vergangenheit. Während unserer Fahrstuhlfahrt bewundern wir das Typenschild Baujahr 1972, also alles noch original.

Nach der ersten Besichtigung unserer Unterkunft für die nächsten Tage stellen wir fest, dass das Betonmonster von innen gar nicht so schlimm ist. Sieht alles ganz nett aus. Aus dem achten Stock hat man außerdem einen prima Blick auf die Ostsee und ein paar gemächlich in einem See badende Galloways. Vielleicht werden wir uns ja doch nicht nur zum Schlafen hier aufhalten.

Badende Galloways (c) spinagel.de

Auf zur ersten Erkundungstour durch den Ort. Bei der Größe von Heiligenhafen wäre ein Fahrrad ganz praktisch. Hatte ich beim Einparken nicht einen Fahrradverleih direkt vor dem Haus gesehen? Leider hat Willy, der Besitzer, schlechte Nachrichten: „Heute habe ich keine Räder mehr für euch. Kommt morgen kurz bevor ich öffne, dann habt ihr vielleicht eine Chance.“ Genau, da war doch was – Hauptsaison. Weil wir so bedröppelt dreinschauen, gibt uns Willy noch einen Tipp, wo wir am nächsten Morgen richtig gut frühstücken können.

Das Frühstück am folgenden Tag bei Kai direkt am Marktplatz von Heiligenhafen ist wirklich so gut, wie Willy uns erzählt hat. Ausreichend gestärkt machen wir uns auf die Suche nach den Galloways, die wir gestern beim Baden beobachtet haben. Eine halbe Stunde später erreichen wir mit unseren knallgelben Rädern die Weide mit dem Rinderfreibad. Die hauptamtlichen Salzwiesenpfleger und ihre Kälber ruhen im Schatten einiger nordischer Eschen. Zum Baden ist es wohl noch etwas zu früh. Die kleinen Belted Galloways Cem, Pia, Kati und Olani beobachten uns interessiert, aber ängstlich. Am liebsten würden wir sie mitnehmen.

Belted Galloway (c) spinagel.de

Wir radeln weiter. Von der Westseite des Heiligenhafener Binnensees in Richtung Ostufer des Sees. Direkt zwischen dem Yachthafen und dem Strand entsteht hier das neue Heiligenhafen. Das „Marina Resort“ mit einem 4-Sterne-Superior-Hotel, einem 3-Sterne-Lifestyle-Hotel und einem in die Dünen gebauten Ferienhausdorf ist zurzeit eines der ehrgeizigsten touristischen Bauprojekte an der Ostseeküste.

Ob man in Heiligenhafen die schicke Zukunft auf der östlichen Seite des Binnensees oder einen authentischen Trip in die Vergangenheit im Ferienpark auf der Westseite bevorzugt, kann bald jeder für sich entscheiden.

Inzwischen ist uns auch trotz leichter Seebrise deutlich warm geworden. Wir stärken uns schnell mit einem original dänischen Hotdog am Hafen und machen uns dann auf an den Graswarder. Hier im Naturschutzgebiet ist der Strand zwar etwas steiniger, aber auch mitten im Juli hat man hier noch ausreichend Platz.

Seebrücke Heiligenhafen (c) spinagel.de

Ein ausgiebiges Bad in der Ostsee ist jetzt genau das Richtige. Ausreichend abgekühlt erkunden wir die 2012 eingeweihte Seebrücke von Heiligenhafen. Auf den 435 Metern Länge finden die Kleinen einen Spielplatz mit interessanten Spielgeräten und die Großen in der Meereslounge einen Platz, um auf gemütlichen Sesseln die Ostsee zu beobachten. Jetzt noch schnell die Fahrräder abgeben, damit wir rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang wieder zurück am Strand sind.

Sonnenuntergang Heiligenhafen (c) spinagel.de

Die Ostseelounge, eine Beachbar direkt am Anfang der Seebrücke ist der ideale Platz, um in gemütlichen Liegestühlen bei einem Cocktail den Sonnenuntergang zu bewundern.

Feuerpois Heiligenhafen (c) spinagel.de

Mit einer Feuerpoi-Show klingt unser letzter Heiligenhafen-Abend stimmungsvoll aus und wir spazieren durch den Sand zurück in unsere 70er-Jahre-Urlaubsunterkunft am Westende des Binnensees. Als die letzten Galloways auf der Weide aufhören zu muhen, gehen auch wir schlafen und träumen beide von unserer Kindheit.

Text und Fotos: Boris Kohnke, August 2014

Vergangenheit – Ferienpark

Im Ferienpark gibt es eigentlich immer irgendwo eine freie Wohnung. Buchen kann man vor Ort z. B. bei Borsum direkt auf dem Gelände.

Zukunft – Marina Resort

Wer ein wenig Geld über hat, kann noch eines der neuen Häuser im Marina Resort kaufen.

Fahrräder

Wer im Ferienpark wohnt, hat Pit’s Fahrradverleih direkt vor der Tür.

Frühstücken

Direkt am Markt serviert Kai leckeres Frühstück.

Markt 10
23774 Heiligenhafen
Tel.: 0 43 62/50 22 671

Sonnenuntergang

Den fantastischen Sonnenuntergang über der Ostsee beobachtet man am besten aus der Ostseelounge.

Zum Sonnenuntergang auf dem Binnensee schmecken die Fischgerichte auf der Terrasse des Anno 1800.

 

Heiligenhafen – Kunstparcours

Wo: Heiligenhafen
Wann: Juli 2014

Hula-Hoop-Reifen auf der Seebrücke, Gipshände am Strand, ein stählernes Seeungeheuer im Binnensee. Gehören die hierher? Bei einem Bummel durch das Ostseebad Heiligenhafen haben diesen Sommer sicher schon einige Urlauber die Stirn gerunzelt: Dicht entlang der Spazierstrecke vom Marktplatz bis zur neuen Erlebnis-Seebrücke zeigen 17 Künstler für drei Monate ihre „outdoor art“.

Sonne (c) spinagel.de
„Heiligenhafen Installation Parcours – hip(4)“
heißt das Projekt des Kunstvereins Wagrien, das in unterschiedlicher Form die vier Elemente Wasser, Wind, Sand und Sonne in den Vordergrund stellt. So folgt auf das erste Stirnrunzeln stets ein zweiter neugieriger Blick und bald auch das Suchen der zum Kunstobjekt passenden Infotafel. Denn die Veranstalter lassen die Betrachter nicht mir ihrer Verwunderung allein, sondern klären auf Deutsch und Englisch auf, welche Idee und welcher Künstler hinter der jeweiligen Skulptur steckt.

Der Schrei (c) spinagel.de
Jörn Konrads „Sonne“ (Foto oben) scheint auf das graue Kopfsteinpflaster des Marktplatzes. 200 Robinien-Stäbe hat der gelernte Theatertischler strahlenförmig zu einem auffälligen Holzball angeordnet, der sich im Laufe der Zeit – Wind, Sonne und Regen ausgesetzt – farblich verändern wird. Johanna Martin hat ihr Werk „Der Schrei“ genannt (Foto Mitte). Mit weit geöffnetem Mund ragt ein Männerkopf aus dem Wasser. Er soll an die Menschen erinnern, die schwimmend versuchen, Europa zu erreichen.

Hände hoch (c) spinagel.de
Die Gipshände aus dem Workshop mit Elke Mark dienen eher dem Spaß (Foto unten). „Hände hoch“ hieß es an einem Samstag im Juni, als sie Passanten am Strand bat, einen Abguss ihrer Hände herstellen zu dürfen, den sie anschließend auf einer Platte befestigte. Wie alle anderen Ausstellungsstücke bleibt auch dieses noch bis zum Ende der gelungenen Kunst-Aktion am 30. August 2014 auf dem insgesamt rund 1,4 km langen Parcours bestehen.

Text und Fotos: Petra Nickisch, Juli 2014

Seebrücke

440 Meter erstreckt sich die Erlebnis-Seebrücke zickzackförmig von der Promenade hinein in die Ostsee. Wer zum letzten Mal als Kind in Heiligenhafen war und nun als Erwachsener wiederkommt, wird sich wundern, mit welchen modernen „Attraktionen“ das Seebad nachgerüstet hat. Die erst 2012 eröffnete Brücke, die teilweise über zwei Ebenen verläuft, gehört dazu. Auf ihr haben Spielgeräte, eine verglaste Lounge, viele Sonnenbänke und eben auch Kunst Platz.

 

Wasserplätze

Wo: Hamburg und Umgebung, Deutschland
Wann: Juni 2014

Nicht 44, sondern „99 Lieblingsplätze am Wasser“ hat die Metropolregion Hamburg in einer kostenlosen Broschüre zusammengestellt. Noch zu wenig. Wahrscheinlich würden mir glatt 555 herrliche Plätze einfallen. Denn die offizielle Metropolregion ist mittlerweile ziemlich groß geworden, wenn ich mir die Landkarte in der Broschüre so anschaue. Von der Lüneburger Heide in Niedersachsen bis hoch zur Insel Fehmarn im Kreis Ostholstein erstreckt sich Hamburgs Einzugsgebiet. Und Wasser hat es mit Nordsee, Ostsee und dem Elbstrom reichlich zu bieten.Strandkorb 44 an der Ostsee
Spontan zum Sonnenuntergang nach Scharbeutz fahren? Den Nachmittag auf der Schlossinsel im Rantzauer See vertrödeln? Ein verlängertes Wochenende in Cuxhaven verbringen? Oder nur zur Teatime an den Sandtorhafen in der Hamburger HafenCity? Tipps für entspannte Orte mit viel Frischluft kann man nie genug bekommen. Besonders, wenn der Blick aufs Wasser dazu noch gratis ist. Wie die inspirierende Ausflugsbroschüre „99 Lieblingsplätze am Wasser“, die hier bestellt, heruntergeladen oder online gelesen werden kann.

Text und Foto: Petra Nickisch, Juni 2014

Wettbewerb

Bis zum 15. September 2014 läuft der Wettbewerb „Mein Lieblingsplatz“. Die Einwohner der Metropolregion Hamburg sind gefragt, ihre schönsten Plätze am Wasser preiszugeben. Eine Teilnahme ist per E-Mail oder per Vordruck in der Broschüre möglich.

 

Norderstedt – Trimm-dich-Pfad

Wo: Norderstedt, Deutschland
Wann: Mai 2014

Mit Bauchmuskelkater muss man rechnen, mit ein paar matschigen Pfützen und mit aufblitzenden Kindheitserinnerungen auch. Bereit dazu? Also los, Turnschuhe an und ab geht’s ins Norderstedter Waldstück „Große Heidekoppel“ zum Trimm-dich-Pfad.
Fuesse (c) spinagel.de
Wir gehen zu dritt, zwei Erwachsene und ein Teenager. Ein sportlicher Spaziergang am Samstagnachmittag ist geplant, kein Jogging. Wir wollen erst mal langsam anfangen. Station 1 kommt uns da sehr gelegen: Armkreisen, vor- und rückwärts. Okay, kein Problem. Schon bald schlendern wir lässig weiter, kicken nebenbei einige Tannenzapfen. So angenehm, dieser weiche Waldboden unter unseren Füßen. Wir tänzeln nur so über jede Wurzel, die sich als mögliche Stolperfalle in den Weg gelegt hat und erreichen die zweite Station. Rumpfbeugen. Easy. Als Drittes erwartet uns Kniewippen mit Armschwingen vorwärts. Helau, sind wir fit!
Rumpfbeuge (c) spinagel.de
Doch das erste Stöhnen bleibt nicht lange aus. Besonders anstrengend: Station 8 – Klimmzüge. Schon lange her, dass wir das zum letzten Mal gemacht haben. Auch nicht ohne: Station 14 – Bockspringen. Der Teenie hüpft uns leichtfüßig davon und nimmt die fünf hintereinanderstehenden Hölzer mit links. Ächz! Wir Großen können nur schlapp von unserer Steifheit ablenken, wahlweise mit „Schau mal dort, der Eichelhäher!“ oder mit „Oh, ein Schmetterling!“.
Schmetterling (c) spinagel.de
Wir sind schließlich nicht nur der Bewegung zuliebe hier, sondern auch wegen der Natur. Schon mal so viele Grüntöne gesehen? Maigrün, moosgrün, blassgrün, grasgrün. Die Blätter und Nadeln um uns herum zeigen diese Farbe in allen Schattierungen. Wenn dann noch die Sonne ihre Strahlen durch das Baumdach wirft und einen besonders schönen Farn oder einen Ameisenhügeln anleuchtet, ist das jedes Mal ein Grund, innezuhalten und zu staunen. Die sportliche Herausforderung bleibt trotzdem …
Trim Dich Pfad (c) spinagel.de
Endlich, an Station 20 können wir Erwachsenen wieder punkten. Wenn auch nur mit unserem Gewicht. Ein Rad soll hangelnd über eine Schiene vorwärts bewegt werden. Kein bisschen einfach, aber es gelingt – wenn man die schmerzenden Finger ignoriert und das Gefühl, ein berstender Kartoffelsack zu sein. Als Entschädigung ist die letzte Station, Nummer 21, mit etwas Konzentration für alle gut zu bewältigen: Balancieren auf ungerader Strecke.
Balancierbalken (c) spinagel.de
Gut durchgelüftet, mit ein paar Schwielen an den Händen, gehen wir die letzten paar Schritte zum Parkplatz am Kirschenkamp. Der Blick auf die Uhr lässt uns staunen. Knapp zwei Stunden haben wir im Wald verbracht. Laufend, lachend, uns lockernd. Schön war’s!

Text: Petra Nickisch, Mai 2014
Fotos: Boris Kohnke

Outdoor Fitness

Aus den 1970er-Jahren hat sich die Idee der Trimm-dich-Pfade bis ins Heute gerettet. Mal mehr, mal weniger gut gepflegt sollen sie jedermann zu Fitness-Übungen im Freien anregen. Ihre Ausstattung reicht dabei von einfachen, erklärenden Holzschildern bis zu modernen Edelstahlgeräten, wie sie zum Beispiel seit ein paar Jahren an der Joggingstrecke um Hamburgs Alster oder an der Strandpromenade in Scharbeutz stehen. Der Gebrauch der Geräte ist kostenlos. Unter www.trimm-dich-pfad.com sind der Norderstedter Pfad und weitere Parcours in Deutschland aufgeführt.

 

Grönwohld – Auf den Spuren vom Spinagel

Wo: Grönwohld, Deutschland
Wann: Mai 2014

Vielleicht hat es den einen oder anderen schon auf die „Über Spinagel“-Seite verschlagen. Für alle, die diese Seite noch nicht gelesen haben, und sich schon immer gewundert haben was zum Geier Spinagel sein soll, hier die Erklärung:

In der NDR-Serie „Neues aus Büttenwarder“ leben die beiden Freunde und Hauptdarsteller Arthur „Adsche“ Tönnsen (Peter Heinrich Brix) und Kurt Brakelmann (Jan Fedder) ein idyllisches Dorfleben im fiktiven Ort Büttenwarder. Es könnte hier ruhig und beschaulich sein, wenn nicht hin und wieder kleine Nickeligkeiten zwischen Adsche und Brakelmann aufpoppen würden, bei denen es meistens um das liebe Geld geht. Da die beiden bei der Jagd nach den Euros recht kreativ sind, kommen auch einige skurrile Erfindungen von ihnen, die einen gewissen „Nennwert“ haben sollten. Eine dieser Erfindungen ist der Namensgeber dieser Seite, der Spinagel, eine Kreuzung aus Spinat und Spargel.

Schon seit Jahren steht es auf meiner To-do-Liste, die Heimat der Serie zu besuchen. Dieses Jahr ist es endlich soweit, wir machen uns auf an die Hauptdrehorte von Neues aus Büttenwarder. Vor allen Dingen, um im Dorfkrug auf Brakelmanns Platz zu sitzen und wie er „Lütt un Lütt“ (kleines Bier und ein Korn) zu trinken.

Gasthof Unter den Linden GrönwohldDer Dorfkrug heißt eigentlich „Gasthof unter den Linden“ und steht im Ort Grönwohld, nördlich von Trittau. Als wir auf den Parkplatz des Dorfkrugs abbiegen, kommt uns alles seltsam bekannt vor, also nichts wie rein und den Tresen entern.

Eingang Dorfkrug

Kurz hinter der Eingangstür scheint die Zeit stehen zu bleiben. Eine Ehrenurkunde der Holsten-Brauerei dankt den Inhabern für 25-jährige Treue. Das hört sich nicht besonders alt an? Stimmt, die Urkunde trägt aber das Datum 1. Mai 1976.

Urkunde DorfkrugDrinnen sieht es genauso aus, als wären Adsche und Brakelmann gerade aufgestanden und mit ihrem Mofa und dem Traktor von Fendt vom Hof geritten. Nur leider scheinen die beiden auch Shorty, den Wirt mitgenommen zu haben.

Tresen Dorfkrug Büttenwarder

Also setze ich mich nach ein paar Fotos zu den anderen Gästen nach draußen und bestelle brav mein alkoholfreies Lütt un Lütt. Ich bin ja schließlich mit dem Auto da.

Lütt un LüttDer Hahn vom Nachbarhof kommt uns noch kurz inspizieren. Mit hoch aufgestelltem Kamm stolziert er über die Straße, hüpft auf die Gartenmauer, guckt sich kurz um und stößt ein deutliches Kikeriki aus, um dann betont lässig herunterzuhüpfen und uns einmal zu umkreisen. Das könnte glatt eine Szene aus Büttenwarder sein.

Hahn in Grönwohld (c) spinagel.deAuf zum nächsten Drehort, dem Hof von Kurt Brakelmann. Der Hof gehört im wirklichen Leben dem gut 90-jährigen Herrmann, der während der Dreharbeiten in ein Hotel ausquartiert wird und wahrscheinlich jedes Mal den Kopf schüttelt, was der NDR an seinem Hof wohl so besonders findet. Zum Dreh muss das Team vom NDR auch immer einen Kühlschrank mitbringen, so was hat Herrmann nicht. Die letzten Jahrzehnte reichte die Speisekammer doch auch und außerdem schlucken diese neumodischen Dinger viel zu viel Strom.

Brakelmanns Hof (c) spinagel.de

Noch ein kurzer Blick um die Ecke, bevor es uns wieder in die reale Welt zieht, und da sehe ich ihn, den alten Fendt. Er ruht sich in der Sonne hinter einer alten Eiche aus und wartet darauf, dass Brakelmann die Landserkappe aufsetzt, ausreichend vorglüht und dann ganz gemächlich in seinen Dorfkrug treckert, um da die nächste Runde Lütt un Lütt zu bestellen.

Brakelmanns Fendt (c) spinagel.de

 Text und Fotos: Boris Kohnke

Neues aus Büttenwarder

Seit der Erstausstrahlung am 16.01.2001 wurden insgesamt 55 Folgen der NDR-Kultserie aus dem fiktiven Dorf Büttenwarder gedreht. Die Originalorte der Handlung liegen alle im Kreis Stormarn, östlich von Hamburg. Jede Folge ist 25 Minuten lang und wird zweisprachig produziert. Wer es ganz besonders authentisch haben möchte, sollte sich die plattdeutsche Version ansehen. Die Schauspieler synchronisieren sich selbst, nachdem die Folge auf hochdeutsch gedreht wurde. Für alle, die deutlich südlich der Elbe aufgewachsen sind, kann das Plattdeutsche aber zu massiven Verständnisproblemen führen.

 

Blüten und Brisighella

Wo: Italien, Emilia-Romagna
Wann: April 2014

Beim Frühlingsausflug in die Emilia-Romagna kommen die Gänseblümchen zu ganz neuen Ehren. Dicht an dicht bevölkern sie Parkwiesen, schmücken die noch kargen Weinfelder und begleiten die Autofahrer zu Tausenden an fast jedem Straßenrand. Sie recken sich zur Sonne als müssten sie einen Model-Contest bestehen. Stimmt schon, die Schönheitskonkurrenz ist groß in dieser norditalienischen Region. Überall weiß blühende Bäume, leuchtend gelbe Forsythien und zartrosa Pfirsichblüten – felderweise. Doch wer kann schon der unermüdlichen Fröhlichkeit so vieler kleiner Gänseblümchen widerstehen?

Gänseblümchen (c) spinagel.de

Vielleicht jemand, der lieber ans Essen denkt. Denn was heute blüht, das kann schon bald verzehrt oder getrunken werden, gerade in der Emilia-Romagna, diesem Schlemmergebiet. Sehr viel Obst wird hier angebaut, Oliven, Wein … Die Städte Modena oder Parma sind bekannt für ihren Aceto balsamico (Balsamessig) sowie ihren Schinken und ihren Hartkäse, den Parmigiano-Reggiano. Aus Bologna stammt die beliebte Fleischsoße „alla bolognese“, die hier ganz schlicht „al ragù“ heißt. Verhungern muss also keiner, das ist schon mal klar. Pasta und Piadine, die flachen Teigfladen, sind hier Grundnahrungsmittel.

Aprikosenblüte (c) spinagel.de

Auf den 13 kulinarischen Weinstraßen, den „Strade dei vini e dei sapori“, die die Region durchziehen, streift man immer beides: die Genüsse für die Augen und die für den Magen. An einer von ihnen, der „Strada del Sangiovese“, liegt das mittelalterliche Städtchen Brisighella mit seinen bunten Häuserfassaden. Vom Zentrum aus führen schmale Wanderwege hoch zu zwei gegenüberliegenden Hügeln. Einer krönt sich mit einem Uhrenturm, der andere mit der Burg der Faenza-Fürsten Manfredi.

Brisighella (c) spinagel.de

Von unten wie von oben – die Ausblicke auf die Umgebung von Brisighella sind wunderschön. Sie bieten einen guten Einstieg in eine reiche Region, die viel Reisezeit erfordert. An einem verlängerten Wochenende gelingt es gerade mal, einen Bruchteil zu entdecken. Da heißt es: länger bleiben oder bald wiederkommen. Die süßen Gänseblümchen blühen ja auch noch bis zum Herbst.

 

Text: Petra Nickisch, April 2014
Fotos: Petra Nickisch, Boris Kohnke

Sangiovese

Die Rebsorte Sangiovese wächst nicht nur an der „Strada del Sangiovese“, obwohl die Emilia-Romagna eines ihrer Hauptanbaugebiete ist. In Italien ist die rote Traube auch in anderen Regionen zu finden, die Winzer der Toskana produzieren mit ihr beispielsweise den Chianti-Wein.Sortenrein wird der Sangiovese in Brisighellas „caffè della loggia“, Via Naldi 9, ausgeschenkt. Vier unterschiedliche Weine stehen zur Auswahl. Für 3,50 Euro pro Glas schmecken sie zur Piadina oder zur Aufschnitt-Platte mit Schinken, Salami und Mortadella.

 

Wrist – horizontale Ausfahrt

Wo: Wrist
Wann: März 2014

Heute ist es soweit. Ich stehe mit drei Freunden auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes in Wrist und begutachte vier seltsame Konstruktionen aus knallgelb und silber lackiertem Metall. Damit sollen wir gleich 30 Kilometer weit fahren? Mein Physikwissen sagt mir: Ein tiefer Schwerpunkt gibt Stabilität. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es gleich wesentlich wackeliger wird, als alle physikalischen Theorien das voraus berechnen können.Eine Liegeradtour als Geburtstagsgeschenk für Guntram. Wer war noch gleich auf diese Idee gekommen? Egal, der Erste faltet sich in den Aluminiumrahmen, begleitet von aufmunternden Worten des Liegerad-Konstrukteurs Arved Klütz (Toxy), bei dem wir unsere Räder für diesen Ausflug geliehen haben. Für die wenigen Spaziergänger muss es so aussehen, als ob vier Schulkinder zum ersten Mal ohne Stützräder fahren. Mit einem ordentlichen Schubs und einer kurzen Begleitung im Laufschritt entlässt Arved Klütz jeden von uns zu einer Probefahrt auf den Parkplatz.

Toxy ZR Wrist

Jetzt bin ich an der Reihe. Der Tipp, mit dem Rücken fest an der Lehne zu bleiben, verhallt ungehört und nach nur zwei Pedal-Umdrehungen ist Schluss. Puh, gar nicht so einfach. Der nächste Versuch, fest im gemütlichen Sessel sitzend, ist schon besser. Ich fahre. Geradeaus ist das kein Problem, nur der Unterstand für die Einkaufswagen kommt auf einmal ganz schön schnell näher. Links dran vorbei wäre gut. Ich verlagere mein Gewicht, wie ich es von meinem normalen Fahrrad gewohnt bin, und nichts passiert. Bremsen, absteigen und umdrehen. Nächster Versuch, jetzt ohne das Gewicht zu verlagern und mit beherztem Lenken. Es geht!

Ich bin begeistert. Wenn man den kritischen Startmoment überwunden hat und etwas Fahrt aufnimmt, ist alles ganz einfach. Wir drehen noch ein paar Runden auf dem Parkplatz und alle stellen eins fest: Mit Fahrradfahren, wie wir es seit Jahrzehnten praktizieren, hat das hier nichts zu tun. Unser Vermieter entlässt uns, nach ein paar Übungsminuten mit einem Gruppenfoto in unser Abenteuer.

Gruppenfoto mit Liegerädern (c) spinagel.de

Jetzt sind wir wohl bereit für den normalen Straßenverkehr. Es geht zum Glück erst einmal durch eine 30-Zone, in der die wenigen Autos, die uns entgegenkommen, mit Schrittgeschwindigkeit so weit auf den Grünstreifen fahren, dass sie fast die Zäune der benachbarten Grundstücke streifen. Ich habe das Gefühl, dass wir nicht die Ersten sind, die breit grinsend versuchen, dieses ungewohnte Gefährt irgendwie auf der Straße zu halten.

Nach ein paar Kilometern muss ich mich nicht mehr darauf konzentrieren geradeaus zu fahren und kann mich auch nebenbei noch entspannt unterhalten. Einige Kilometer später radele ich sogar einhändig, fummele meine Kamera aus der Jackentasche und mache Fotos und Filme von diesem ungewöhnlichen Tag. Die Perspektive ist völlig anders, die Pferde auf der Weide gucken zu uns runter und der laut bellende Hofhund ist mit uns auf Augenhöhe. Gut, dass uns noch ein Zaun trennt.

Liegeradtour Landstrasse (c) spinagel.de

Trotzdem werfen die Liegeräder jeden einmal ab. Meistens weil alte Gewohnheiten vom normalen Fahrrad kurz durchkommen. Der Erste tritt einfach nach unten,  weil da immer die Pedale waren, der Zweite startet in einem zu großen Gang und kommt nicht schnell genug in Fahrt und der Dritte lehnt sich einfach nicht fest genug an. Nur Nummer vier bleibt immer fest im Sattel. Der zählt aber auch nicht, weil er – anders als der Rest – vorher schon öfter Liegerad gefahren ist und selbst zwei Liegeräder besitzt.

So lange wir auf dem von Toxy vorgeschlagenen Rundweg bleiben, scheinen alle unsere seltsamen Fortbewegungsmittel zu kennen. Die Autos fahren vorsichtig an uns vorbei und kaum einer beachtet uns. Ab Kellinghusen schlagen wir uns aber auf eigene Faust durch. Auf einmal drehen sich die meisten Passanten nach uns um, als ob wir Aliens wären, die mit ihren gelben Earth-Rovern diesen Planeten erkunden. In einem Wohngebiet kreuzt eine alte Frau mit ihrem Rollator unseren Weg. „So was hat es früher nicht gegeben“, ruft sie mir zu. „Fahren Sie ruhig vor, junger Mann, das sieht bei Ihnen wackeliger aus als bei mir.“ Danke! Von jemandem, der mindestens doppelt so alt aussieht wie ich, vorgelassen zu werden, das ist mir noch nie passiert. Aber wahrscheinlich hat sie recht. Quer über die Straße, einen Kantstein rauf und danach eine Steigung bewältigen ist mit etwas Schwung sicherlich besser als mitten auf der Straße stehen zu bleiben und erst einmal den Rollator mit Omi im Schlepptau vorbei zu lassen.

Kurz vor unserem Ziel Wrist wird es noch einmal eng: Betonplattenwege, maximal 50 cm breit, und auf beiden Seiten ein Absatz, der nicht so aussieht, als könnte man einfach so wieder auf den rettenden Weg zurückfahren. Das gepaart mit Pfützen, Matsch und Pferdeäpfeln sorgt zwangsläufig für eine etwas konzentriertere Fahrweise. Kein Problem für uns, wir sind doch inzwischen fast Profis. Als wir an einer Kreuzung anhalten, um auf der Karte nach dem richtigen Weg zu schauen, passiert es dann doch … Beim Anfahren schaue ich noch kurz nach rechts – Pferdemist und eine große Pfütze. Wenn jetzt die Kette abläuft, wie schon dreimal heute, muss ich mir schnell etwas einfallen lassen. Während ich das denke und beherzt in die Pedale trete, höre ich ein vertrautes Krrk und trete ins Leere. Ein beherzter Sprung auf den Grünstreifen ist das Einzige, was mir jetzt einfällt, er rettet mich vor einem totalen Schlammbad. Nur das rechte Hosenbein und mein Rad haben ein wenig Matsch abbekommen. Die ölverschmierten Hände vom Kette auflegen sind fast schlimmer, die kenne ich aber inzwischen.
Den nächsten Startversuch mache ich lieber nach einer kurzen Schiebung auf einem  trockeneren Stück des Weges. Wenig später kommen wir auch wieder in Wrist bei unserem Fahrradverleih an. Jetzt haben wir uns den zweiten Teil des Geburtstagsgeschenks, den Abend in einem Wellnesshotel mit Sauna und frisch gezapften Bier, auch redlich verdient.

Absprung (c) spinagel.deWas ich heute gelernt habe: Nicht alles was zwei Räder und Pedale hat fährt sich wie ein normales Fahrrad. Spaß macht es aber auf jeden Fall mit den knallgelben Liegerädern durch die norddeutsche Landschaft zu gleiten. Das zeigt auch der folgende NDR-Beitrag:

Sechs Dinge, die man beachten sollte, wenn man auf einem Liegerad fährt:

  • Gut anlehnen, das gibt Stabilität.
  • Beim Aufsteigen Bremse ziehen und festhalten.
  • Beim Anhalten immer in einen kleinen Gang wechseln. Für eine stabile Geradeausfahrt braucht man ein wenig Geschwindigkeit. In einem großen Gang anfahren, funktioniert nicht wirklich.
  • Wenn man um die Kurve will: Lenken! Hört sich komisch an, ist aber so. Beherzt am Lenker ziehen ändert bei einem Liegerad die Richtung, Gewicht verlagern fast gar nicht.
  • Am Anfang ruhig eine Handbreit mehr Abstand zum Straßenrand lassen. Je mehr Erfahrung, desto weniger Zickzack.
  • Die Rückspiegel einstellen. Umdrehen ist bei den meisten Modellen prinzipbedingt recht schwierig. Die Rückspiegel sind sehr hilfreich, wenn man wissen möchte, was hinter einem los ist.

Text und Fotos: Boris Kohnke
Filme: Boris Kohnke
, NDR

Toxy in Wrist

Wer einmal selbst ein Liegerad in Norddeutschland ausprobieren möchte, ist in Wrist bestens aufgehoben. Hier ist der Hersteller Toxy beheimatet. Inhaber Arved Klütz entwickelt und baut seit seiner Jugend Liegeräder. 1994 hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Jetzt werden in seiner Firma in dem kleinen Ort zwischen Kellinghusen und Itzehoe jährlich mehrere Hundert individuelle Liegeräder gefertigt. Mehr Knowhow und Geschichten rund um diese ungewöhnlichen Fahrzeuge sind im Norden wahrscheinlich schwer zu finden.Das Angebot von Toxy umfasst eine breite Palette an Liegerädern. Vom Klassiker CL über ein Faltliegerad, ein E-Bike und das Rennbike ZR mit Frontantrieb bis hin zum dreirädrigen Transportrad Trimobil hier sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Räder von der Stange gibt es bei Toxy nicht, jedes Rad wird individuell auf die Wünsche und Maße des zukünftigen Besitzers zugeschnitten. Der Preis ist deswegen auch deutlich höher als bei einem normalen Fahrrad. Wenn man sich aber die Technik genau ansieht, stellt man schnell fest, dass der Preis gerechtfertigt ist. Außerdem machen die Liegeräder den Eindruck als wären sie für die Ewigkeit gebaut.

Neben der großen Auswahl an Fahrzeugen und der fachkundigen Beratung ist bei einer Probefahrt die geringe Verkehrsdichte in Wrist und Umgebung ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Auf den ersten Kilometern fährt es sich deutlich entspannter, wenn man nicht noch zusätzlich auf Autos achten muss.

 

 

Neues aus Nizza


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Wo: Frankreich, Nizza
Wann: Sommer 2013

Wie? Nizza hat eine Tram? Seit wann das denn? Seit der Jahrtausendwende fahre ich alle paar Jahre in die südfranzösische Stadt, aber von dieser verkehrstechnischen Entwicklung hatte ich noch nichts mitbekommen.

Nizza Blick auf die Baie des Anges (c) spinagel.de
Die letzte Nizza-Pause war wohl etwas länger als gedacht. „Schon seit Ende 2007 haben wir die Tram“, klärt mich ein Mitarbeiter an der Touristeninformation grinsend auf. Er überreicht mir eine schicke deutsche Broschüre, „Nizza, vom Licht verwöhnt“. In ihr lese ich nach, dass die bislang einzige „tramway ligne 1“, mit der mein Freund und ich gerade bis zur Place Masséna gefahren waren, direkt durch das Centrum der Stadt läuft und den Norden mit dem Osten verbindet.

Nicht nur die Tram, auch diese Anlaufstelle für Touristen ist für mich neu. Und überhaupt, der Masséna Platz, auch er hat sich verändert. Sieben Skulpturen des spanischen Künstlers Jaume Plensa säumen nun rechts und links die Schienen der Straßenbahn. Weiße, muskulöse Männer, die in neun Metern Höhe auf einer Plattform hocken und als Skulpturengruppe ihre stille „Conversation à Nice“ führen, ganz gemäß ihrem Namen. Nachts wechseln die Figuren, die die sieben Kontinente darstellen sollen, ihre Farbe. Sie leuchten in grün, gelb, rot, pink, lila und machen den eh schon belebten Platz noch lebendiger.

Place Massena Nizza (c) spinagel.de
Lebendig ist ehrlich gesagt noch untertrieben. Die Stadt quillt über im Juni 2013, denn die Events Ironman und Fête de la Musique fallen zusammen. Triathlon-Sportler treffen auf Jazz-Musiker, Fahrräder auf Gitarren, Absperrungen auf neugierige Zuschauer. Die Altstadt und die Strandpromenade am Quai des États-Unis sind eine einzige Drängelei, also rauf auf den Schlossberg, um die Stadt und die herrliche Baie des Anges (Bucht der Engel) von oben zu betrachten.

Es ist ein recht gemütlicher Aufstieg. Ausgehend von der Rue Rossetti schlängelt sich der Fußweg den Hügel hinauf, vorbei an schönen Wandmosaiken und künstlichen Wasserfällen. Schritt für Schritt kommen wir der obersten Aussichtsterrasse näher und meine Gedanken schweifen zu den Dingen, die sich noch nicht in Nizza verändert haben, und derentwillen ich immer wieder gern herkomme.

Nizza Meerjungfrau (c) spinagel.de
Auf Platz eins: die Farben der Stadt. Rosa Villen, buttercremefarbene Fensterläden, sattgrüne Pinien und Palmen, Meereswellen in türkis.

Auf Platz zwei: Es gibt Socca. Die dünnen, crêpesähnlichen Fladen aus Kichererbsenmehl und Olivenöl. Ein bisschen Salz und Pfeffer drauf, fertig. Mein liebster und wohl auch günstigster Snack in der Stadt.

Auf Platz drei: Schöne Ausflugsziele an der Côte d’Azur und im Hinterland sind mit öffentlichen Bussen oder dem Auto schnell zu erreichen. Die Filmfestivalstadt Cannes, die Parfümstadt Grasse, die Zitronenstadt Menton oder doch lieber ins Fürstentum Monaco oder auf ein Eis ins italienische San Remo? Alles nicht weit weg.

Nizza Ausflug (c) spinagel.de
Auf Platz vier: das Chagall Museum. In einem flachen, unauffälligen Gebäude haben die poetischen Werke von Marc Chagall ihren Platz gefunden. Biblische Motive, Fensterbilder, Lithografien. Der Besuch im Musée National Marc Chagall  lohnt sich doppelt. Zum einen wegen der fabelhaften Kunst des französischen Malers russischer Herkunft, zum anderen, weil der gepflegte Museumsgarten mit dem kleinen Café ein idealer Rückzugsort aus der trubeligen Stadt ist.

Auf Platz fünf: dieser herrliche Blick von genau hier oben übers Meer.

Wir sind mittlerweile auf dem Schlossberg angekommen, verweilen ein wenig, schauen ein paar Slacklinern zu und beginnen gemächlich auf der Rückseite des Hügels wieder den Abstieg Richtung Hafen und anschließend zur Place Garibaldi, wo in einer Pâtisserie noch eine weitere Spezialität der Stadt auf uns wartet: der Mangoldkuchen „Tourte de Blette“.

Nizza Place Garibaldi (c) spinagel.de
Nur zwei Stunden dauert der Flug, wenn man von Hamburg aus direkt nach Nizza fliegt. Günstige Hin- und Rückflüge sind gemäß der Plattform Bravofly Billigflüge schon für rund 100 Euro zu haben.

Vom Aéroport Nice Côte d’Azur bringen viele Busse die Reisenden bequem in die Stadt. Und wer sich, wie ich, wahrscheinlich erst wieder in ein paar Jahren auf den Weg machen wird, kann dann die bereits im Bau befindliche neue Tram-Strecke benutzen. Ende 2017 soll die zweite Linie in Betrieb gehen, die den Flughafen im Westen mit dem Hafen im Osten verbindet.

Text: Petra Nickisch, Boris Kohnke, März 2014 /// mit freundlicher Unterstützung durch Bravofly
Fotos: Boris Kohnke

Grasse

Spätestens seit Patrick Süskinds Roman „Das Parfüm – Geschichte eines Mörders“ kennt jeder die kleine Stadt in den französischen Seealpen. Die Welthauptstadt des Parfüms liegt nur knapp 50 km von Nizza entfernt. Ein Ausflug hierhin lohnt sich auf jeden Fall.

Im 17. Jahrhundert haben sich hier Parfümeure darauf spezialisiert, aus den Blüten der Umgebung die wertvollen Duftstoffe zu extrahieren. Die großen Blumenplantagen des Mittelalters sind inzwischen verschwunden, da der Anbau der Pflanzen in anderen Ländern preisgünstiger ist. Das Handwerk der Parfümherstellung und der einzigartige Duft der Stadt sind aber bis heute erhalten geblieben.

Eine Führung durch eine der großen Parfümmanufakturen wie z. B. Fragonard, Galimard oder Molinard sollte sich keiner entgehen lassen.

 

Amrum – Slàinte, Robert Burns!

Wo: Amrum
Wann: 25.01.2014

Es ist kurz nach acht Uhr abends. Ich stehe in 6 Meter blaukarierten Stoff gewickelt mit zwei Freunden unter einer Espressomaschine, einem Bikinioberteil und einem englischen Nummernschild und frage mich, wo meine Hosentaschen geblieben sind.

Was mache ich hier? Richtig, heute ist der Abend, auf den ich mich ein ganzes Jahr lang gefreut habe: der 25. Januar, Geburtstag des schottischen Dichters und Nationalhelden Robert Burns, alljährlich von den Schotten und ihren Freunden als „Burns Night“ mit viel Brimborium gefeiert.

Darauf erst einmal einen Jim McEwans Symphony No. 1 Islay Blend. Die Geburt eines Schotten muss mit einem Whisky begossen werden. Besser gleich mit mehreren, darum sollen auf den Symphony No. 1 im Laufe des Abends noch 12 Whiskys folgen.

Im Kilt in der Blauen Maus

Bild: Kinka Tadsen

„Burns Night“ und Whiskytasting – heute ist der Höhepunkt meines persönlichen Whiskykalenders. Ich bin auf Amrum, in der Blauen Maus, einer der besten Bars in Deutschland, wenn es um schottischen Whisky geht. Janny Maus (eigentlich Jan von der Weppen) bringt hier seit 1970 allen Interessierten eines der spannendsten Getränke weltweit näher, den schottischen Whisky. Und seitdem wir hier letztes Jahr den Geburtstag des schottischen Nationalhelden gefeiert haben, wusste ich, dass ich heute wieder an einem seiner Tische sitzen werde.

Janny Maus Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de

Janny taucht hinter der Bar auf, vor sich eine imposante Kollektion Single-Malt-Flaschen. Sein kurzer Abriss der schottischen Tradition und dem daraus folgenden Verlauf des Abends entlockt meinem linken Nachbarn den Kommentar: „Vor ein paar hundert Jahren kamen die Wikinger nach Amrum, jetzt kommen die Schotten. Was das wohl gibt?“ Ich bin fest davon überzeugt, dass die Schotten viele gute Traditionen auf der norddeutschen Insel hinterlassen werden, wir müssen nur ein paar Jahrhunderte durchhalten. Heute sind wir auf jeden Fall mit gut 30 weiteren Amrumern dabei, die schottischen Traditionen im lokalen Brauchtum zu verankern.

Im schottischen Alloway wurde am 25. Januar 1759 mit der Geburt von Robert Burns der Grundstein für unsere heutige Zusammenkunft gelegt. Der Lyriker verfasste viele seiner Gedichte und Lieder in Scots, einem Dialekt, den ich auch trotz recht guter Sprachkenntnisse nicht annähernd verstehe. Für einen Künstler führte Robert Burns ein recht normales Leben mit vielen Liebschaften, langer Erfolglosigkeit, zu viel Whisky und einem unpassenden Job als Steuereintreiber. Einige seiner Werke sind immer noch bekannt, so ist sein erfolgreichstes Lied „Auld lang Syne“ beispielsweise zum Abschiedslied der internationalen Pfadfinderbewegung geworden. Schotten, Exil-Schotten und viele, die sich wie wir mit Schottland verbunden fühlen, feiern heute weltweit mit dem „Burns Supper“ ihren schottischen Nationalhelden.

Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de
Während wir einen Kilkerran in unseren Drams schwenken, verschwindet Janny in der Küche, um das Essen vorzubereiten. Hauptgang bei diesem „Burns Supper“ ist die Königin der Würste, besser bekannt als Haggis. Aus was genau das schottische Nationalgericht Haggis besteht, findet ihr rechts im grünen Kasten. Ich empfehle allen, die diese Spezialität probieren möchten: erst kosten, dann Kasten lesen! Sonst könnte man ein paar Vorurteile gegenüber diesem leckeren Essen haben und nur unmotiviert darin herumstochern.

Jörg Bernkopf Robert Burns Night 2014 (c) spinagel.de
Der Haggis wird traditionell reingepfiffen. Dieses Jahr begleitet Jörg der Piper mit seinem Dudelsack den Einmarsch der Hauptspeise. Angekommen in der Mitte der freudig wartenden Runde wird die Königin der Würste vom Hausherren zu einer Rezitation des Gedichts „The Address to a Haggis“ an genau der richtigen Stelle in der dritten Strophe (cut you up wi’ ready slight) aufgeschnitten und dann kann das Festmahl beginnen. Die klassischen Beilagen neeps and tatties (Rüben und Kartoffeln) und viel flüssige Butter sind natürlich auch mit von der Partie.

Haggis (c) spinagel.de

Mit einer ordentlichen Portion Haggis auf dem Teller geht es an die große, mit schottischen Accessoires geschmückte Tafel. Beim Hinsetzen merke ich, dass es sich irgendwie anders anfühlt als sonst. Stimmt, da war noch etwas. Der Schotte und auch diejenigen, die diesen Tag stilecht begehen wollen, tragen einen Kilt. In unserem Fall ist es ein belted plaid, der ist sogar beim Anziehen schon anstrengend. Aus 6 Metern Stoff einen Kilt zu falten, das mache ich auch nicht jeden Tag. Aber das ist eine der nächsten Geschichten auf Spinagel.

Die Mädels auf der anderen Seite des Tisches können das mit dem Hinsetzen irgendwie besser, aber die haben wahrscheinlich auch deutlich mehr Erfahrung mit Röcken. Beim zweiten Haggis-Nachschlag klappt alles ohne langes Zurechtrücken. Es ist so, als hätte ich schon immer mit Kilt und Jakobiterhemd an schottischen Tafeln Platz genommen. Sicherlich hilft beim fließenden Einparken am großen Tisch auch die Robert Burns Edition des Isle of Arran ein wenig, die es jetzt gibt.

Whiskys (c) spinagel.de
Nach dem Essen ist endlich etwas Zeit, die Dekoration genauer unter die Lupe zu nehmen. Jeder Besuch in der Blauen Maus stärkt meinen Eindruck, dass Generationen von Strandgutsammlern, Walfängern und Weltreisenden schräge Fundstücke aus allen Himmelsrichtungen zusammengetragen haben, um sie hier unter die Decke zu schrauben oder an die Wand zu hängen und so für die Nachwelt zu erhalten. In welcher Bar findet man sonst eine Espressomaschine, einen Außenbordmotor, unzählige Schilder aus aller Welt, exotische Fische und Holzschuhe unter der Decke? Jedes Mal entdecke ich neue Skurrilitäten, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Blaue Maus Amrum (c) spinagel.de
Als es später bei einem Tullibardine  etwas ruhiger wird, setzt sich Janny zu uns und erzählt von seinen unzähligen Erlebnissen aus Schottland, die fast alle etwas mit uisge beatha, dem Lebenswasser zu tun haben. Uns ist für dieses Getränk die Bezeichnung Whisky geläufiger. Nachdem wir den letzten Whisky des Abends, einen Peat’s Beast getrunken haben, sind wir uns alle einig: Robert Burns wäre stolz auf diese kleine Kolonie Amrumer Schotten.

Text: Boris Kohnke
Fotos: Kinka Tadsen (1), Boris Kohnke (6)

Haggis

Ursprünglich haben die Römer dieses Gericht erfunden: gekochte Innereien im Tiermagen. Die Schotten haben die Zubereitung aber perfektioniert. Eigentlich ist dieses Rezept erdacht worden, um die schnell verderblichen Innereien nach dem Schlachten länger haltbar zu machen. Heutzutage gilt Haggis bei vielen Schotten als Spezialität, wird aber auch in schottischen Fast-Food-Restaurants mit Pommes Frites serviert. Der Haggis besteht aus einem mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett, Zwiebeln und Hafermehl gefüllten Schafsmagen. Er wird scharf mit Pfeffer gewürzt und mit viel Butter, Kartoffeln und Rüben gegessen. Wer nach diesem Text keinen Haggis mehr probieren möchte, ist selbst Schuld. Der Geschmack lässt nämlich kaum etwas von den Zutaten erahnen.

 

Stadtwandern in Salzburg

Wo: Österreich, Salzburg

Wann: Februar 2014

Wann ist Salzburg schöner? Im Winter oder im Sommer? Verschneit oder sonnenverwöhnt? Am besten, man schnappt sich bequemes Schuhwerk, lädt auf Salzburg.info den kostenlosen Stadtwandern-Plan „Salzburg auf neuen Wegen“ herunter und marschiert direkt vom Zentrum aus los. Zu Fuß lässt sich die Stadt am Nordrand der Alpen noch am gründlichsten erkunden – zu jeder Jahreszeit.

Stadtpanorama im Winter

Den Anfang macht, klar, die Innenstadt mit Mozarts Geburtshaus, dem barocken Salzburger Dom und der lebendigen, herrlich beschilderten Getreidegasse, in der selbst Fastfood-Restaurants ihrem Logo einen angemessenen Look geben müssen.

2Salzburg-McD

Aber dann darf es hoch hinaus gehen. Per pedes rauf auf Salzburgs Hausberge. Denn wer den Anstieg auf die Erhebungen am rechten und linken Ufer der Salzach nicht scheut, dem gewährt Österreichs viertgrößte Stadt ihre schönsten Ausblicke. Südlich der City ragt der Festungsberg bis zu 542 Meter (über dem Meeresspiegel) in die Höhe, getoppt noch von der Festung Hohensalzburg, der weißen Krone der Stadt. Die Festung ist das Wahrzeichen Salzburgs und gleichzeitig eine der größten Burgen Europas. Wenn im Winter die Dächer der Stadt mit einer weißen Schneeschicht überzogen sind, kann der Postkartenblick über die Häuser und den Fluss kaum romantischer sein.

Doch auch der Herbst hat seine Vorzüge, wenn die verfärbten Bäume die Stadtbauten wie ein rot-gelb-grünes Netz durchziehen.

Kapitelplatz mit Festungsblick

Doch was ist im Sommer? Auch da lohnt es sich, über die verschiedenen Wanderwege von der Festung aus zum anderen Ende des an den Festungsberg angrenzenden Mönchsbergs zu spazieren. Besonders, weil in ca. 1,7 Kilometer Luftlinie entfernt das hunger- und durststillende Bräustübl Augustiner Bräu liegt. „Stübl“ ist dabei stark untertrieben. Das Lokal ist heute die größte Biergaststätte Österreichs und bietet allein im Biergarten 1.500 Sitzplätze.

Vom Augustiner Bräu ist es nicht weit zum Mirabellgarten, der bei keiner Salzburg-Erkundungstour fehlen darf. Der auf dem nützlichen Stadtwandern-Plan eingezeichnete Müllnersteg überquert die Salzach und ist die kürzeste Verbindung vom nördlichen Mönchsberg zum Schloss Mirabell und seiner Grünanlage.

Mirabellgraten

So farbig der Park im Sommer erblüht, so verträumt wirkt er im Winter. Die Einhörner hüllen sich dann mit einer zarten Schneeschicht ein, vor der Pegasus-Statue bauen Kinder ihre Schneemänner. Trotz Kälte mag man sich gar nicht trennen von den vielen Statuen, die einen mystischen, angenehm verspielten Eindruck hinterlassen. Doch es gibt ja noch einen dritten Berg zu erklimmen. Den nur wenige hundert Meter entfernten, östlich der Salzach verlaufenden Kapuzinerberg.

5Salzburg-Pegasus

Das alles ist gar nicht an einem Tag zu schaffen? Stimmt. Darum sollte man auch besser über Nacht bleiben, um Salzburg richtig kennenzulernen. Eine Empfehlung ist das zentrale Altstadthotel Wolf-Dietrich mit kleinem Spa und Bio-Frühstück. Auf Expedia.de wird es mit durchschnittlich 4,5 von 5 Punkten bewertet. Die Freundlichkeit der Hotel-Mitarbeiter, die einige Gäste auf dem Reiseportal hervorheben, kann ich nur bestätigen.

Manch ein Stadtwanderer muss vielleicht einen Übernachtungsstopp einlegen, weil er den Jakobsweg geht und noch eine weite Strecke vor sich hat. Jakobsweg? Ja, der österreichische Teil des Jakobswegs führt die Pilger auch durch Salzburg, direkt am Ufer der Salzach entlang und über den schon passierten Müllnersteg beim Mirabellgarten. Sein Verlauf ist in gelben Strichen auf dem Stadtwandern-Plan eingezeichnet. Wie der Weg weiter durch das Salzburger Land führt, welche Etappen noch zu bewältigen sind und was ein Pilger in seinen Rucksack packen sollte, beschreibt die Webseite Jakobs-Weg.com ausführlich.

Das wäre doch eine Wanderidee für den kommenden Frühling. Oder erst für den Sommer? Ach, ich kann mich nicht für nur eine Salzburger Jahreszeit entscheiden. Muss ich zum Glück auch nicht.

Text: Petra Nickisch, Februar 2014
Fotos: Tourismus Salzburg, Boris Kohnke

Ausflug nach Anif

Noch ein bisschen Landluft schnuppern? Dann ab in den grünen Süden der Stadt. Salzburg ist über die Buslinie 25 direkt mit der kleinen Gemeinde Anif verbunden, in der einst der Dirigent Herbert von Karajan lebte. Vom Hauptbahnhof bis zur Station Friesacher mitten im Ort dauert die Fahrt 25 Minuten. Mit dem Auto ist es jedoch leichter, die schöne Umgebung zu erkunden und an heißen Tagen vielleicht einen Sprung ins Waldbad Anif zu wagen oder im Advent über den stimmungsvollen Markt vor dem Schloss Hellbrunn zu bummeln.

 

 

Rügen – Jahreswechsel auf der Insel

Wo: Deutschland, Rügen
Wann: Dezember 2013

Silvester auf Rügen ist eine feine Sache. Das Meer, die weißen Villen, viel Natur. Darum ist Deutschlands größte Insel zum Jahreswechsel gut besucht, aber glücklicherweise nicht überlaufen. Ein nettes Plätzchen lässt sich überall finden. Wo, das beschreiben die folgenden Tipps, die aufs letzte Silvester zurückblicken und auf kommende Kurztrips Appetit machen.

Ruegen01Vortag:
Naturerbe Zentrum
Seit letztem Sommer ist der Baumwipfelpfad im Binzer Ortsteil Prora die neue Attraktion auf Rügen. Er schlängelt sich über einen Kilometer durch den Wald und gipfelt in 40 Metern Höhe auf der obersten Etage des Aussichtsturms. Zwölf Turmrunden müssen die Besucher drehen, bis sie oben ankommen und im offenen „Adlerhorst“ den freien Blick über die Ostsee, die Wälder und den Kleinen Jasmunder Bodden genießen können. Vom Kind bis zum Rentner mit Rollator – diesen Aufstieg schafft jeder.
Forsthaus Prora 1, 18609 Binz, Tel. 038393/ 66 22 00, Nov.-März 9.30-17, Mai-Sept. 9.30-19.30, Apr. & Okt. 9.30-18 Uhr, www.nezr.de
Vortag:
Hans im Glück
Vegetarische Burger, die schmecken, danach habe ich schon lange gesucht. Bei „Hans im Glück“ habe ich sie nun gefunden. Und das gleich in zehn Varianten. Der „Luftsprung“, ein Walnussbratling im Mehrkornbrötchen mit Gorgonzolacreme und Rauke, ruft Verzückung hervor. Dazu Salat statt Fritten und man ist auch nach dem Essen noch zu Luftsprüngen fähig. Selbst Veganer und natürlich die Fleischfans finden im märchenhaft mit Birkenstämmen dekorierten Lokal ihr Leibgericht. In diesem Burgergrill wird wirklich jeder Hans glücklich.
Strandpromenade 23, 18609 Binz, Tel. 038393/ 66 63 46, tgl. ab 12 Uhr, www.hansimglueck-burgergrill.de
Ruegen02
Ruegen03Silvester:
Café Peters Fährhafen Mukran
Wäre man nicht schon im Urlaub, würde hier sofort Urlaubsstimmung aufkommen. Am Fährhafen Mukran hat die Bäckerei Peters ihre auffälligste Filiale eingerichtet. Wer im Dunkeln auf der Strecke von Sassnitz nach Binz vorbeikommt, sieht sie schon von Weitem leuchten und fühlt sich magisch angezogen, bald im Hellen wiederzukommen. Zum Beispiel zum entspannten Silvesterfrühstück mit Blick aufs Meer. Dann lassen sich auch gleich die leckeren Berliner (die hier Pfannkuchen heißen) für den Abend einkaufen.
Neu Mukran 19 b, 18546 Sassnitz, Tel. 038392/ 310 11, tgl. 7-18 Uhr,
www.baeckerei-peters.de
Silvester:
Zur Strandburg
Die Mönchguter Hofbrennerei „Zur Strandburg“ hat sich einen Premiumplatz auf der Insel gesichert. Leicht erhöht thront das gelb-grüne Haus über dem Rügischen Bodden. Vor sich eine schmale Landzunge, rechts und links die Buchten des Boddens. Ein filmreifer Ausblick. Auf der Terrasse wärmen sich Spaziergänger mit heißem Apfelpunsch oder testen den hauseigenen Whisky, während Familie Kliesow dafür sorgt, dass der Nachschub an Obstbränden, Likören und Fruchtaufstrichen für den Hofladen nicht ausgeht.
Hövt 36, 18586 Alt Reddevitz, Tel. 038308/ 341 05, Nov.-März tgl. 11-16, Apr.-Okt. tgl. 10-18 Uhr, www.hofbrennerei-strandburg.de
Ruegen04
Ruegen05Silvester:
Café Moccavino
Ibiza und das Café del Mar sind in weiter Ferne? Stimmt, aber die Sonne geht genauso schön auch in Alt Reddevitz beim Café Moccavino unter. An diesem Silvesterabend schon um 17 Uhr. Das Café ist zu dieser Zeit brechend voll, selbst draußen sitzen die Gäste bei mehrstöckigen Torten und heißem Kaffee, eingemummelt in warme Decken. Gebannt schauen sie auf den sich rötenden Himmel. Für uns Zuspätkommer ist kein Platz mehr frei, also schlendern wir einfach über die Straße zum schmalen Strand, um das letzte Licht des Tages dort in uns aufzunehmen.
Alt Reddevitz 18 a, 18586 Alt Reddevitz, Tel. 038308/ 663 36, Mai-Sept. Do-Di ab 11, Okt.-Apr. Do-Mo ab 11 Uhr, www.moccavino.com
Silvester:
Feuerwerk Binz
Silvesterfeuerwerk um 18 Uhr. Wo gibt es denn so was? Im familienfreundlichen Binz über der Seebrücke. Es kracht und blinkt und leuchtet, als wenn es schon Mitternacht wäre. Irgendwie seltsam, wenn es so früh am Abend ist, das alte Jahr gefühlt aber schon vorbei. Um 18.30 Uhr leeren sich Strand und Hauptstraße wieder, alle gehen zum Essen, versammeln sich an den Glühweinbuden oder ziehen weiter zu den Partys …
Strandpromenade, 18609 Binz, www.ostseebad-binz.de
Ruegen06
Ruegen07Neujahr:
Jasmar Therme
Lange ausschlafen, frühstücken, rumtrödeln und dann in der Sauna so richtig durchwärmen lassen. Im Nordosten der Insel bietet sich dafür die Jasmar Therme an. Am Neujahrstag ist die über 1.000 m² große Badelandschaft mit der 80 Meter langen Riesenrutsche gut besucht, aber keinesfalls überfüllt. Kinder dürfen bis 18 Uhr mit ihren Eltern in die unterschiedlichen Saunen und Dampfbäder gehen, danach ist dieser Bereich den Erwachsenen vorbehalten.
Jasmar Therme & Fitness im Jasmar Resort Rügen, Neddesitz, 18551 Sagard, Tel. 038302/ 977 00, tgl. 8-22 Uhr, www.jasmar.de

Text: Petra Nickisch, Januar 2014
Fotos: Boris Kohnke (4), René Sievert (1), Jasmar Resort Rügen (1)

Alt Mukran

Der Strand unter der Steilküste von Alt Mukran zählt zu den Orten auf Rügen, an denen Fossilien-Sammler am ehesten fündig werden. Neben versteinerten Seelilien, Schwämmen und Donnerkeilen, findet man mit etwas Glück auch versteinerte Seeigel, denn Teile der Steilufer rutschen regelmäßig nach starken Regenfällen ab und geben dadurch neues Material frei. Von der anderen Seite schwemmt das Meer leider auch viel Müll an. Kurz nach Silvester liegen leere Kosmetiktuben, bunte Tüten, Plastikflaschen und Reste von Feuerwerksraketen am Strand. Aber auch frische Rosen in allen Farben. Sie stammen von Bestattungen auf See.

 

Sonnenuntergänge

Es gibt wenige Dinge, die einem auf wirklich jeder Reise begegnen. Wenn sie dann noch fast allen Reisenden gefallen, hat das schon Seltenheitswert. Eins dieser seltenen Dinge sammle ich auf dieser Seite: Meine Sonnenuntergänge. Die tiefstehende Sonne über dem Meer, der Skyline einer Stadt oder über Bäumen und Bergen bringt auch die hartgesottensten Realisten ein wenig ins Innehalten und Schwärmen.

 

Flensburg – Nördlichster Stadtweihnachtsmarkt Deutschlands

Wo: Deutschland, Flensburg
Wann: Dezember 2013

Letzte Station meiner kleinen Weihnachtsmarkttour in diesem Jahr ist Flensburg, die nördlichste Stadt Deutschlands.

Wir beginnen am Nordermarkt. Hier geht es im Vergleich zu Leipzig und Hamburg ruhig und beschaulich zu. Dass wir hier ganz im Norden der Republik sind, wird gleich am ersten Stand deutlich ein übergroßer Dannebrog, die dänische Nationalflagge, strahlt uns in freundlichem rot-weiß an.

Weihnachtsmarkt Flensburg Danebrog - (c) spinagel.de

Wer Dänisch versteht, ist hier klar im Vorteil, ohne Dänisch-Kenntnisse kann man sich hier nicht mit allen Weihnachtsmarktbesuchern verständigen. Mit steigendem Glühweinkonsum werden die Sprachbarrieren aber zunehmend unwichtiger.

Je weiter wir in Richtung Südermarkt vorstoßen, desto voller wird es. Am Südermarkt angekommen, stellt sich auch in Flensburg wieder das typische Weihnachtsmarktfeeling ein. Hier wird geschoben und gedrängelt und die Besucher stehen so dicht, dass man auch nach reichlichem Glühweingenuss nicht umfallen kann.

Weihnachtsmarkt Flensburg Weihnachtspyramide - (c) spinagel.de

Wir beschließen erst einmal für ein wenig Grundlage zu sorgen und versuchen, einen Platz in einem der zahlreichen Restaurants entlang der Flensburger Einkaufsmeile zwischen Nordermarkt und Südermarkt zu ergattern. Diese Idee hatten offensichtlich schon andere von Hunger Geplagte vor uns, so dass wir erst im fünften Restaurant, nach einer kurzen Wartezeit am Tresen, einen Tisch bekommen.

Nach einer ausgiebigen Beschäftigung mit griechischen Grillspezialitäten fühlen wir uns ausreichend gestärkt, um noch eine Runde über den zentralen Platz des Weihnachtsmarktes zu drehen. Auf dem Südermarkt, wo sonst jeden Mittwoch und Samstag der Wochenmarkt stattfindet, sind jetzt 50 Kubikmeter Holzhackschnitzel ausgestreut, um ein weihnachtliches Ambiente zu erzeugen. Dieses Jahr kommen die geschredderten Bäume übrigens aus der Region. Dank der letzten beiden Herbststürme Christian und Xaver herrschte in der Vorbereitungszeit kein Mangel an umgestürzten Bäumen, die den Rohstoff liefern konnten.

Unser Ziel ist der kleinste Tresen der Welt, an dem der legendäre Tallinpunsch in verschiedenen Variationen ausgeschenkt wird. Leider ist der Stand wirklich so klein, wie der Name es vermuten lässt und steht in keinem Verhältnis zu dem Andrang auf den Punsch aus Estland. Wir haben keine Chance, uns hier mit einer warmen hochprozentigen Stärkung zu vergnügen. Selbst ein Foto ist schwer zu schießen. Ab drei vor dem Stand stehenden Personen ist außer dem kleinen Schild über dem knapp 1 Meter breiten Tresen nicht mehr viel zu sehen.

Weihnachtsmarkt Flensburg kleinster Tresen der Welt - (c) spinagel.de

Also drehen wir noch eine kleine Runde, um die, auf jeden Weihnachtsmarkt obligatorische, Weihnachtspyramide und dann geht es wieder in ruhigeres Fahrwasser Richtung Nordermarkt. Hier bekommen wir für 2,50 Euro einen ordentlichen Becher Glühwein ohne Becherpfand. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier auf jeden Fall besser als in den Großstädten.

Weihnachtsmarkt Flensburg Südermarkt mit Weihnachtspyramide - (c) spinagel.de

Das erklärt auch, warum unsere dänischen Nachbarn so gerne den Flensburger Weihnachtsmarkt besuchen. Erstens ist hier mehr los als in ihrer Heimat und zweitens hatben sie die Fahrtkosten nach ein paar Glühweinen wieder raus. Im Unterschied zu der dänischen Glühweinversion Glögg fehlen dem deutschen Pendant die Rosinen und Mandelstifte. Das ist bei dem Preisunterschied aber für die meisten Dänen zu verschmerzen. Und hyggelige (= gemütliche) Stimmung gibt es auch südlich der Grenze. Nur auf das, für unsere nördlichen Nachbarn typische, Weihnachtsbier müssen sie hier verzichten.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Flensburger Weihnachtsmarkt 2016

Wann?
21.11.2016 bis 31.12.2016, Montag bis Samstag von 10-22 Uhr

Sonntag von 11-20 Uhr,

Heiligabend bis 13 Uhr,

25. Und 26.12. geschlossen.

Wo?
Fußgängerzone zwischen Südermarkt und Nordermarkt
24937 Flensburg

Dänisches Weihnachtsbier

Das dänische Weihnachtsbier (Julebryg), kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Auf dem Land wurde früher zur Weihnachtszeit ein besonders gutes und starkes Bier gebraut, das zu dem fetten Essen dieser Jahreszeit passte. Die modernen dänischen Weihnachtsbiere werden mit großen Mengen dunklen meist karamellisierten Malz und exotischen Zutaten wie Anis, Vanille, Zimt, Schokolade, Heidelbeeren oder Lakritze gebraut. Der typische süßliche Geschmack ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, passt aber wirklich prima zur kalten Jahreszeit. Verkaufsstart ist immer am ersten Freitag im November, dem J-Day, um genau 20:59 Uhr.

 

 

Hamburg meine Weihnachtsperle

Wo: Deutschland, Hamburg
Wann: Dezember 2013

Nach dem Auftakt in Leipzig begutachten wir dieses Mal den Weihnachtsmarkt in Hamburg.

Ich gestehe – ich bin vorbelastet. Ich war auf keinem Weihnachtsmarkt so oft wie auf dem in Hamburg. Aber Moment mal, der „Hamburger Weihnachtsmarkt“, gibt es den überhaupt? Nein, an die 50 sind es in diesem Jahr in Hamburg. Allein rund um die Innenstadt sind in 13 Bereichen Glühweinhütten, Wurststände und andere Fressbuden aufgebaut. Teilweise gehen diese Weihnachtsmärkte ineinander über, so dicht schmiegen sie sich aneinander. Auf der anderen Seite findet man wohl auch selten in Deutschland eine Stadt, in der die verschiedenen Weihnachtsmärkte thematisch so weit voneinander entfernt sind. Von Santa Pauli, dem ersten Weihnachtsmarkt für Erwachsene auf dem Hamburger Kiez, der traditionell mit einem Blaskonzert auf Astra-Flaschen eröffnet wird, bis zum historischen Weihnachtsmarkt auf Hamburgs größtem Platz, dem Rathausmarkt, reicht hier die Bandbreite.

Hamburger Weihnachtsmarkt (c) spinagel.de

Wir starten kurz vor 18 Uhr mit dem historischen Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt, denn wir wollen eine der Attraktionen des größten Weihnachtsmarktes der Hansestadt nicht versäumen. Dreimal täglich, um 16, um 20 und eben auch um 18 Uhr fliegt der Weihnachtsmann in seinem Schlitten mit lautem „Ho Ho Ho“ quer über den Rathausplatz. Wer genau hinsieht, erkennt das dünne Stahlseil, an dem der bunt beleuchtete Schlitten mit einem „echten“ Weihnachtsmann von der Mönckebergstraße bis fast an die Spitze des großen Weihnachtsbaums gezogen wird.

Auf dem Weihnachtsmarkt ist es genau, wie ich es aus dem letzten Jahr in Erinnerung hatte. Man dreht sich ungefähr in die Richtung, in die man möchte und lässt sich danach durch die Gassen des Weihnachtsmarktes schieben. Eigene Richtungsentscheidungen? Fehlanzeige. Die muss man aufgrund des Gedränges manchmal leider zurückstellen und sich einfach treiben lassen. Regionale Spezialitäten, wie Kieler Sprotten haben wir auf dem direkten Weg über den Weihnachtsmarkt leider nicht gefunden, dafür aber die Spielzeuggasse in der viele Mitbringsel für kleine und große Kinder angeboten werden, die meistens auch noch handgemacht sind.

Wir verlassen den Rathausmarkt Richtung Alster und kommen an dem Fressmeilen-Weihnachtsmarkt der Stadt vorbei. Wer nach den heißen alkoholischen Spezialitäten vom kleinen Hunger besucht wird oder wer noch eine Grundlage vor dem Start braucht, ist hier am Jungfernstieg richtig. Hier geht es nicht ganz so trubelig wie auf den meisten anderen Weihnachtsmärkten zu und bei der Auswahl an kleinen kulinarischen Highlights findet bestimmt jeder etwas nach seinem Geschmack.

Weihnachtsmarkt Jungfernstieg (c) spinagel.de

Direkt vor der Flaniermeile liegen festlich geschmückte Alsterdampfer. Auch dies ist seit Jahren Tradition in Hamburg. Hier macht jedes Jahr zu Weihnachten die Flotte der Märchenschiffe fest. Während die Großen entspannt einkaufen, können sie hier den Nachwuchs kindgerecht parken. Auf den Backschiffen Saselbek und Sielbek können die Lütten Weihnachtskekse backen, sich im Traumschiff Ammersbek schminken lassen oder im Theaterschiff Bredenbek in das Mitmach-Theaterstück eingreifen. Damit die großen sich nicht ganz so ausgegrenzt  vorkommen, liegt in der Mitte der kleine Flotte das Caféschiff Susebek entspannt man gemütlich auf der Alster schaukelnd und kann sich nebenbei das hektische Treiben vor den Geschäften auf dem Jungfernstieg anschauen.

Hamburgs einzig wahrer Repräsentationsweihnachtsbaum steht auch dieses Jahr wieder auf seiner kleinen Privatinsel mitten in der Binnenalster und strahlt zu allen Besuchern freundlicher herüber. Ob die neue Lightshow mit dem herunterlaufenden Licht zu diesem hanseatischen Klassiker passt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Weihnachtsbaum auf der Alster (c) spinagel.de

Eine Runde wollen wir aber noch durch die Weihnachtsmarktszene dieses Jahres drehen. Durch die Spitaler Straße geht es direkt hin zu der grell beleuchteten Weihnachtspyramide. Gleich daneben haben wir dann auch eine typisch norddeutsche Spezialität gefunden: Grünkohl „mit alles“. Leider haben wir uns schon auf dem Weg hierhin mit für Hamburg  untypischen Kleinigkeiten, wie Thüringer Bratwurst und Kartoffelpuffern den Bauch vollgeschlagen. Wir verzichten, um noch Platz für einen Bratapfelpunsch zu lassen und saugen nur im Vorbeigehen den lecker würzigen Duft ein.

Weihnachtspyramide Spitaler Strasse (c) spinagel.de

Letzte Station ist der kleine aber auch sehr gut besuchte Weihnachtsmarkt auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz. Zielstrebig steuern wir am Poffertjes-Stand, der sonst eigentlich immer ein Muss ist, vorbei und genehmigen uns den ersehnten Bratapfelpunsch.

Weihnachtswald Gerhart Hauptmann Platz (c) spinagel.de

Auf dem Rückweg fällt uns noch der kleine künstliche Wald in der Mitte dieses Weihnachtsmarktes auf. Viele kleine, lauschige Ecken laden ein, sich mitten in Hamburg ein bisschen wie im Harz zu fühlen. „Das ist der Knutschwald“ flüstert mir meine Freundin ins Ohr und zieht mich ins Dunkel …
Text und Fotos: Boris Kohnke

Alle Innenstadt-Weihnachtsmärkte in Hamburg

Weißer Zauber auf dem Jungfernstieg:

25. November 2013-06. Januar 2014, täglich 11-21 Uhr, Fr und Sa bis 22 Uhr (24. und 25.12.2013 geschlossen)

An der Petri-Kirche:

25. November–30. Dezember 2013, täglich 11-21 Uhr (25. und 26.12.2013 geschlossen)

Spitalerstraße:

25. November-30. Dezember 2013, täglich 11-21 Uhr (25. und 26.12.2013 geschlossen)

Gerhart-Hauptmann-Platz:

25. November-30. Dezember 2013, täglich 10-21 Uhr (25.12.2013 geschlossen)

Gänsemarkt:

25. November-23. Dezember 2013, täglich 11-21 Uhr

Rathausmarkt:

25. November-23. Dezember 2013, täglich 11-21 Uhr, Fr und Sa bis 22 Uhr

Fleetweihnacht (Admiralitätstraße):

25. November-23. Dezember 2013, täglich 12-21 Uhr

HafenCity (Überseeboulevard):

25. November-23. Dezember 2013, täglich 12-20 Uhr

Santa Pauli (Spielbudenplatz):

21. November-23. Dezember 2013, Mo bis Do 16-23 Uhr, Fr und Sa 13-01 Uhr, So 13-23 Uhr

Weihnachtsmarkt am Michel (Englische Planke):

29. November-01. Dezember 2013 11-19 Uhr

Märchenschiffe auf der Binnenalster (Anleger Jungfernstieg):

25. November-23. Dezember,  Theaterschiff und Traumschiff: Mo bis Fr 10-18 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr. Caféschiff: täglich 11-18 Uhr, Backschiffe: Mo bis Fr 8.30-16.30 Uhr, sowie Sa und So 10.30-17 Uhr

Hamburger Winterdom (Heiligengeistfeld):

08. November-08. Dezember 2013, Mo bis Do 15–23 Uhr, Fr und Sa 15-00:30 Uhr, So 14-23 Uhr

Winter Pride (Lange Reihe/Ecke Kircheallee):

25. November-30. Dezember 2013 (24.-26.12.2013 geschlossen), So bis Do 12-22 Uhr, Fr bis Sa 12-0 Uhr

 

Auf eine Cremewaffel nach Leipzig

Wo: Deutschland, Leipzig
Wann: Dezember 2013

Weihnachtsmärkte sind grundsätzlich überall gleich: Wurst, Waffeln, lokale Spezialitäten, Glühwein und anderer heißer Alkohol, am Wochenende schlimmes Geschiebe und vor allen Dingen hunderttausende bunter Lampen. Ob das ein schlimmes Vorurteil aller Ho-Ho-Ho-Verächter und Weihnachtsmuffel ist, werde ich dieses Jahr auf unterschiedlichen Weihnachtsmärkten erkunden.

Leipzig Strassenbahn (c) spinagel.de

Los geht’s in Leipzig. Die Straßenbahn spuckt uns zwischen der futuristischen Fassade des Universitäts-Campus Augustusplatz der Leipziger Alma Mater und dem wild blinkenden Riesenrad aus. Wir gehen keine 10 Schritte, bis uns ein lila gekleidetes Weihnachtsmannimitat den Weg versperrt. Beide Hände voller kleiner, süßer Schokokopien von ihm. „Nehmt ruhig eine ganze Hand voll, ich habe noch genug.“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, der Auftakt in Leipzig ist schon einmal vielversprechend.

 Riesenrad Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Die Schlange vor der Riesenradkasse schlängelt sich bedrohlich über den halben Augustusplatz. Zu lang für uns ist das Ergebnis der Abwägung zwischen dem bestimmt tollen Überblick über das Lichtermeer des Weihnachtsmarktes und dem Zeitverlust.

Gegenüber wartet das erste Abenteuer, eigentlich nur für die ganz Kleinen. Da es etwas Derartiges auf den Weihnachtsmärkten meiner Heimatstadt Hamburg nicht gibt, steuern wir zielsicher auf das Leipziger Märchenland zu. Hinter dem blauen Eingangstor erwartet uns ein kleiner Rundkurs mit liebevoll aus buntem Plastik und ein wenig Holz nachgebauten Szenen aus den Märchen, die seit Generationen dem Nachwuchs beim Einschlafen helfen. Damit die Kinder auch etwas zu tun haben und nicht nur quengelnd an Opas Hand zerren, der jeden der sechs Zwerge einzeln fotografieren muss, haben die Erbauer 4 Fehler in die Märchen eingebaut. Okay, die finden wir auch im Vorbeigehen: die Zwerge hatten früher keine LED-Lampen, keine falschen Wimpern, keine Plastikteller und Baumbart lungerte auch nicht in deren Wald herum, sondern steht im Fangorn-Wald in Mittelerde. Gleich alle vier Fehler im ersten Bild? Nein, man darf das nicht so pingelig sehen, die Details interessieren nicht, nur die ganz groben Schnitzer zählen, die auch dem 3-jährigen Enkel mit seinem noch begrenzten Artikulationsvermögen auffallen. Richtig, hier stehen nur sechs Zwerge, das hat nicht einmal Opa bei seinen liebevollen Porträts der rotbackigen Plastikgesellen bemerkt, der Kurze aber freut sich, erster Fehler gefunden.

 Baumbart Märchenland Leipziger Weihnachtsmarkt

Märchen sind ja ganz niedlich, gehören aber nicht zu den abendfüllenden Beschäftigungen, wenn man schon ein paar Winter mehr erlebt hat.

Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Auf durch das Tor und rein ins Geschiebe. Das klappt in Leipzig mindestens so gut wie in Hamburg. Immerhin haben wir uns den Samstagabend ausgesucht, wenn es da nicht voll ist, läuft irgendetwas ganz falsch.

Feuerzangenbowle3 Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Die 8 Meter hohe Pyramide mit dem verheißungsvollen Schriftzug „Feuerzangenbowle“ zieht uns magisch an. Es ist heute Abend nicht wirklich kalt, aber mit dem Vorglühen muss man rechtzeitig anfangen. Leider stoßen wir beim Näherkommen auf das gleiche Problem wie am Riesenrad. Diesmal ist es nicht nur eine Schlange. Vor jedem der 8 Ausgabetresen der XXL-Weihnachtspyramide ist ein besonders großes Exemplar dieser zeitfressenden Gattung anzutreffen. Wir haben sogar den Eindruck, dass fast der ganze Nikolaikirchhof mit den Enden der durstigen Schlange gefüllt ist. Egal, Feuerzangenbowle ist wahrscheinlich auch meistens überall recht ähnlich, wir wollten aber eigentlich etwas Spezielles und für diesen Weihnachtsmarkt Typisches finden.

 Bratwurst Glühwein Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Hinter der nächsten Ecke springt uns das Besondere in Form von zwei grün umrahmten Schildern an. „Bratwurst Glühwein“, wenn das nicht speziell ist. Die Schlange vor dem Tresen ist gespenstisch kurz und die drei blau gekleideten Bedienungen haben nicht einmal den Anflug von Schweißperlen auf der Stirn. Irgendwie haben wir das Gefühl, unsere Geschmacksnerven gehen schon bei unseren Gedanken an diese Geschmacksrichtung qualvoll zugrunde. Wir belassen es bei großem Respekt gegenüber allen, die hier in der kurzen Schlange stehen und beschließen, uns auf etwas zu konzentrieren, das in jeder denkbaren Geschmacksrichtung immer gut sein muss, ein paar frische, heiße Waffeln.

 Etagenkarussell Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Vorbei am Nachbau des historischen Etagenkarussels am Salzgäßchen, das nach über hundert Jahren 2009 einem Kurzschluss zum Opfer fiel und danach in mühevoller Kleinarbeit wieder rekonstruiert wurde. Wir biegen um die nächste Ecke und finden genau das, was wir gesucht haben. „Omas Cremewaffeln – wie früher“ verheißt das gelbe Schild, das noch aus der Zeit von Oma zu stammen scheint. Die Schlange ist auch hier lang, wir beschließen, es dieses Mal als Qualitätsbeweis für Omas Waffeln zu sehen und stellen uns geduldig ans Ende. Oma hat das Backen inzwischen offensichtlich an ihren Enkel übergeben, der bedient mit so affenartiger Geschwindigkeit die beiden Reihen Waffeleisen, dass die Wartezeit viel kürzer als vermutet ausfällt.

 Cremewaffeln Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Wir haben gerade genug Zeit, uns über die Ausstattung unserer ersten Waffel zu einigen. Apfelmus, Puderzucker oder Schokolade? Nein! Erstens nehmen hier alle Creme, zweitens ist uns diese Füllung völlig unbekannt und zu guter Letzt wollten wir ja gerade das Spezielle testen.

Sieht richtig lecker aus die Waffel, wie sie knusprig und dick gefüllt einen betörenden Vanilleduft in unsere Richtung verströmt.

 Cremewaffeln 2 Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Nach dem ersten Bissen ändert sich unser Eindruck leider schlagartig. Die Creme, nach der sich alle anderen in der Schlange die Finger lecken, hinterlässt bei uns den Eindruck von Bauschaum mit einer ordentlichen Portion Ethylvanillin. Später erfahren wir von anderen Zugezogenen, dass sie sich nach dem ersten Versuch auch nie wieder an eine Cremewaffel herangetraut haben. Offensichtlich sind Geschmäcker doch sehr verschieden. Wahrscheinlich wird es dem einen oder anderen Leipziger auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt nach dem Griff in die Kieler-Sprotten-Kiste ähnlich gehen wie uns bei unserem Kampf mit der weißen Masse.
Wir geben nicht auf und schlagen uns in die Seitenstraßen. Das Gute ist doch häufig auch gut versteckt. Richtig, nur zwei Straßenecken weiter treffen wir auf einen kleinen Waffelstand mit exotisch geformtem Backwerk. In der Ecke rührt einer der Bäcker mit der Bohrmaschine und einem Betonmischaufsatz in einem großen Eimer im Waffelteig. Die Größe des Eimers sagt dem Beobachter, dass hier noch die eine oder andere Rosettenwaffel über den Tresen gehen muss, damit der Eimer heute noch leer wird. Nirgendwo ist ein Waffeleisen zu sehen und auch die obligatorische Schlange besteht nur aus einer Person.

 Rosettenwaffel1 Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Obwohl auch an diesem Stand laut Preisschild Oma wieder ihre Finger im Spiel haben soll, stelle ich mich hinter die ältere, grauhaarige Dame und bin gespannt, was meine Geschmackssinne geboten bekommen. Bei näherem Hinsehen stelle ich fest, dass die Waffeln hier in einer kleinen Fritteuse gebacken werden. Das Waffeleisen wird kurz erhitzt, in den Teig getaucht und dann in der Fritteuse ausgebacken. Das lässt Hoffnung in mir aufkeimen, denn wie sagte schon der New Yorker Sternekoche Anthony Bourdain sehr treffend „Wenn es frittiert ist, muss es gut sein.“

Rosettenwaffel2 Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Die ominöse Creme wartet auch hier in einer Rührschüssel auf ihren verhängnisvollen Einsatz. Inzwischen machen wir aber keine Experimente mehr, mit unbekannten Beilagen, ich nehme einfachen Puderzucker. Der ist nach deutschem Lebensmittelrecht standardisiert, sollte sich also nicht wesentlich vom Hamburger Puderzucker unterscheiden.

Rosettenwaffel3 Leipziger Weihnachtsmarkt 2013 (c) spinagel.de

Was soll ich sagen? Dünner, kross frittierter Waffelteig in einer handlichen Aufmachung, der wirklich gut schmeckt. Die Form ist exotisch genug, dass sie für uns als neue Entdeckung durchgeht. Einziger Haken an der Sache ist, dass ich nur eine Rosettenwaffel gekauft habe, die viel zu schnell in unseren zwei hungrigen Mündern verschwindet. Also noch einmal zurück zum Waffelstand. Inzwischen hat sich dort aber auch eine ausgewachsene Schlange gebildet, der große Eimer Teig wird heute bestimmt noch mehrmals leer.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Leipziger Weihnachtsmarkt

Der Leipziger Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten Deutschlands. Erstmals soll er im Jahre 1458 für die treuen Dienste der Stadt Leipzig von Kurfürst Friedrich Markgraf zu Meißen veranstaltet worden sein.

Wer den Leipziger Weihnachtsmarkt selbst besuchen möchte, kann dies noch bis zum 23. Dezember 2013 in der Innenstadt von Leipzig machen. Täglich werden von 10 bis 21 Uhr nicht nur Waffeln und Glühwein, sondern auch andere Attraktionen wie z. B. ein historischer Markt oder das finnische Dorf geboten. Am 22. und 23. Dezember hat der Weihnachtsmarkt nur bis 20 Uhr geöffnet.
Weitere Informationen gibt es hier.

 

Hamburg – Nacht des Wissens

Wo: Deutschland, Hamburg
Wann: November 2013

Vorbereitung ist alles. Schließlich wollen wir nichts verpassen bei der 5. Nacht des Wissens in Hamburg, die unsere erste ist. Bei rund 1.000 kostenlosen Programmpunkten ist das zwar ein Ding der Unmöglichkeit, aber wir geben unser Bestes. Schon beim Lesen des 156 Seiten starken Programmheftes. Denn die Route muss stimmen, damit wir am Samstag, dem 2. November 2013, so wenig Zeit wie möglich auf den Fahrten zwischen den Veranstaltungsorten verlieren.

DESY - Tag der offenen Tür / Nacht des Wissens 2013 in Hamburg .
Unser Plan steht. Von den 55 teilnehmenden Hochschulen, Forschungsinstuten und anderen Bildungseinrichtungen, die von 17 Uhr bis Mitternacht ihr Wissen preisgeben, haben wir fünf ausgesucht. Und wir haben unser Auto als Verkehrsmittel gewählt, was ich während der mühsamen Parkplatzsuche bereits an der ersten Station bereue. „Wir hätten doch den kostenlosen Busshuttle nehmen sollen“, jammere ich. Bis mich ein Blick auf die Menschenmassen an der Bushaltestelle vorm Eingang verstummen lässt. Bei DESY ist zusätzlich noch Tag der offenen Tür! Hunderte strömen seit 12 Uhr mittags auf das Gelände. Also mit ihnen auf ins Getümmel …

16:00 Rennmaschinen – die DESY-Beschleunigershow
Zehn Minuten vor Beginn stehen wir vorm Hörsaal in Gebäude 5, in dem gleich die „Beschleuniger-Show“ starten soll. Wir halten uns für pünktlich, sind aber zu spät. Alle Plätze sind schon belegt, die Tür ist geschlossen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als unseren Plan umzuschmeißen und das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY auf andere Weise zu erkunden. Wir begeben uns auf den Rundweg und schlendern an der HERA-Halle mit Deutschlands größtem Beschleuniger vorbei zur PETRA III-Experimentierhalle. Dort lassen wir unsere Körpergröße auf den Mikrometer genau vermessen. Immer noch von der Größe des Geländes und dem Besucherandrang beeindruckt, rutscht mir ein „bisschen wie im Disneyland“ raus. „Nur ohne Rapunzel“, grinst mein Freund.

DESY - Tag der offenen Tür / Nacht des Wissens 2013 in Hamburg .

18:00 Living Place Hamburg – Konzepte für die Wohnung der Zukunft
Die Tür zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg am Berliner Tor 21 steht offen, als wir daran vorbei sausen, um rechtzeitig zum nächsten Vortrag ins Zentrum für Energietechnik, Hausnummer 11 zu kommen. Aber da singt doch jemand! Wie schön! Es ist der Chor der HAW „mit weit über 100 Stimmen“, steht im Programmheft. Aber leider müssen wir schnell weiter, am bunt illuminierten Innenhof vorbei zur intelligenten Wohnung „Living Place“. Prof. Dr. Kai von Luck führt durch das technisch aufgerüstete Ein-Personen-Appartement, in dem Teppiche mit Sensoren melden, ob jemand auf ihnen gestürzt ist und Badezimmerspiegel auf Zuruf die aktuellsten Mails anzeigen. Spannend, was alles so geht. Doch hätten wir uns längst nicht so abhetzen müssen, denn die Führung beginnt mit 30-minütiger Verspätung.

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20:00 Blicktricks – Anleitung zur visuellen Verführung
In der Innenstadt finden wir um diese Zeit mühelos einen Parkplatz. Vor dem Vortrag von Professor Uwe Stoklossa, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, bekommen wir noch die letzten Songs zweier Musikmangement-Studenten mit. Gitarre, Gesang und ein kostenloses Glas Apfelsaft. Puh, diese Pause haben wir uns verdient und Stoklossa erhält anschließend unsere volle Aufmerksamkeit. „1,8 Sekunden wird eine Werbeanzeige nur betrachtet.“, erzählt er. Aha! Mit Kreativität, Witz und Können gelingt es Gestaltern wie ihm, diese Zeit wesentlich zu erhöhen. Wir sind gebannt.

21:00 Abendessen
Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Oder war’s ein voller? Egal. Unser sorgfältig ausgearbeiteter Zeitplan sagt Essen! Ein Italiener um die Ecke kocht für uns Nudeln und backt Pizza.

22:30 Schöne der Nacht
Der Modecampus Amgartstraße „wird zum Dornröschen-Schloss – mittels Projektionen von außen und in den Treppenhäusern“. Etwas vollmundig, dieses Versprechen im Programmheft. Wir fahren hin, wir schauen kurz, wir fahren weiter.

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23:00 Magische Feuerkünste
Yeah, eine Feuershow zum Abschluss! Das Künstlerduo Robert und Bernd soll um 23 Uhr vorm Hauptgebäude der Universität Hamburg beginnen. Wir sind kurz nach 23 Uhr vor Ort, weil wir uns einen Schlenker zu den fußballspielenden Robotern im Westflügel nicht verkneifen können. Und nun? Nur noch Rauch, ein paar Kerzen und ein sich auflösendes Publikum. Die Party ist vorbei. Na ja, sieben Stunden reichen ja auch. Unser Wissenshunger für heute ist gestillt. Lecker war’s!

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Text: Petra Nickisch, www.lichttexte.de
Fotos: DESY, Lars Berg (2), HAW, Holger Braack (1), UHH, RRZ/MCC, Arvid Mentz (1), Jana Tolle (1)

Fazit

Unbedingt nächstes Jahr wieder! Und dann nehmen wir uns die Technische Universität Hamburg-Harburg vor, mit Magic Andy und seinem „verrückten Chemie-Labor“. Oder wir machen einen Schnuppersprachkurs Chinesisch an der International School of Management oder gehen zum unterhaltsamen Science Slam an der Hamburger Fern-Hochschule. Jetzt wissen wir ja, dass die angegebenen Uhrzeiten teilweise nur grob eingehalten werden. Dem Spaß der Besucher und dem Engagement der Organisatoren tut das keinen Abbruch.

 

Hamburg – Altes Mädchen

Wo: Deutschland, Hamburg
Wann: November 2013

Ein „Altes Mädchen“ ist Hamburgs jüngster Zuwachs in der Brauhaus-Szene. Mit neun Fass- und knapp 60 Flaschenbieren startet es seit Anfang März in den Schanzen-Höfen durch. Seine ständig wachsende Anzahl Liebhaber weiht das Mädchen leidenschaftlich ein in die Welt der Craft Beers, den nebenan bei „Ratsherrn“ und in aller Welt handwerklich und in verhältnismäßig kleinen Mengen gebrauten Bieren.

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Industriebiere haben auf ihrem Tresen nichts zu suchen. Statt immer gleich schmeckender Massenware stellt das wählerische Schanzenmädchen lieber die Braumeister in den Mittelpunkt. Deren Geschmack und Stil zählt. Ihr Können und ihr Wissen, mit dem die Brauer alte Bier-Rezepte neu interpretieren, fast vergessene Hefen ausfindig machen und zu den spannendsten der über 100 Hopfensorten greifen.

Da kann dem Leser der 24-seitigen Bierkarte schon vor dem Alkoholgenuss schwindelig werden. Untergärig oder kaltgehopft, Trappisten oder IPA, Lakritz- oder Kirscharomen? Zum Glück steht eine Bier-Sommelière denjenigen zur Seite, die sich mit der riesigen Auswahl und den vielen neuen Begriffen heillos überfordert fühlen.

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Einen guten Einstieg bilden die beiden Tasting Trays. Für 4,40 Euro werden auf einem Tablett alle fünf Ratsherrn-Biere vom Fass (Pilsener, Pale Ale, Rotbier, Zwickel, Iggy Hop) in 0,1-Liter-Gläsern ausgeschenkt. Für 5,90 Euro enthalten die Gläser fünf unterschiedliche Craft Beers quer durch die Karte. Jetzt fehlt nur noch die passende Stulle dazu, denn frisch gebackene Brote sind die besondere Spezialität des „Alten Mädchens“. Gleich neben den Speisen mit einem gewissen Bier-Touch, wie dem mit Malzbier lackierten Roastbeef oder dem Weizenbier-Himbeer-Tiramisu.

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Am offenen Feuer schmeckt das Feierabendbier am besten. Zumindest so lange, bis die Freiluft-Saison im Hof eröffnet wird. Dort können sich alte und neue Bier-Fans dann unter Kastanien über die Craft-Beer-Bewegung austauschen, die von den USA ausgehend über den ganzen Globus schwappt. Im August stehen dazu sogar die Brauer selbst bereit, wenn sich beim „Craft Beer Day“ ein Teil der internationalen Brauerszene zum freundschaftlichen Fachsimpeln in den Schanzen-Höfen trifft. Unter Craft-Brauern gilt nämlich: weniger Konkurrenz, mehr offenes Miteinander. Sehr sympathisch.

Text: Petra Nickisch, März 2013
Fotos: Boris Kohnke

Braugasthäuser

Vier Braugasthäuser bieten in Hamburg ihre eigenen Biersorten an. Meistens stehen die glänzenden Sudkessel direkt im Lokal, Führungen sind auf Anfrage möglich.

 

Altes Mädchen
Lagerstraße 28 b, Tel. 040 / 800 07 77 50, Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa/So ab 10 Uhr, www.altes-maedchen.de

Blockbräu
Bei den St. Pauli Landungsbrücken 3, Tel. 040 / 44 40 50 00, tgl. 11-24 Uhr, www.block-braeu.de

Brauhaus Johann Albrecht
Adolphsbrücke 7, Tel. 040 / 36 77 40, tgl. 11-24 Uhr, www.brauhaus-joh-albrecht.de

Gröninger
Braukeller: Willy-Brandt-Straße 47, Mo-Fr 11 bis open end, Sa/Ft 17 bis open end, So 15-22 Uhr; Brauhaus: Zippelhaus 4, Di-Sa 17 Uhr bis open end, Tel. 040 / 570 10 51 00, www.groeninger-hamburg.de

 

 

Von Muscheln und Leuchttürmen – Ausflug ins Wurster Land


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Wo: Deutschland, Wurster Land

Wann: Oktober 2013

Ein milder, sonniger, frühherbstlicher Tag steht an in Bremerhaven und wir beschließen die Küste nördlich der Stadt zu erkunden. Genauer gesagt führt uns der Ausflug ins Wurster Land zwischen Bremerhaven und Cuxhaven. Wir freuen uns schon auf jede Menge Fischbrötchen und Watterkundungen.
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Unser erster Stopp ist in Wremen am Kutterhafen. Zur Stärkung gibt es erst einmal das lang ersehnte Fischbrötchen. Krabben, Fischbulette oder Matjes, die Auswahl fällt schwer. Während wir unser Fischbrötchen genießen, beobachten wir, wie das Wasser sich langsam immer weiter zurück zieht und die Krabbenkutter langsam aber sicher trocken fallen. Nach der Stärkung machen wir uns auf zu dem kleinen Leuchtturm an der Mündung des Kutterhafens. Wir erfahren, dass der Leuchtturm auf Grund seines schwarz-weißen Anstrichs und seiner geringen Höhe von gerade einmal 10 m „Kleiner Preuße“ genannt wird und ein Nachbau des Originals ist, dass bis 1930 hier seinen Dienst verrichtete. Wir wagen den Aufstieg zur Galerie und haben von dort oben einen guten Überblick über das flache Land, das Wattenmeer und den Wremer Kutterhafen. Nach einem kleinen Spaziergang geht es weiter zu unserer nächsten Station Dorumer Neufeld.
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Schon von weitem kann man den eckigen Leuchtturm Obereversand erkennen. Schwarz und imposant ragt er, auf einer Stahlkonstruktion stehend, 37,4m über Niedrigwasser empor. Seinen Namen hat der Leuchtturm seinem ehemaligen Standort im Eversandwatt zu verdanken. Erst 2003 wurde der Leuchtturm nach Dorum versetzt und dient jetzt als Ausflugsziel. Wir erreichen den Leuchtturm über eine Seebrücke. Anschließend heißt es Treppen steigen, und zwar 84 Stufen oder rund 17m, denn hier befindet sich der Eingang zum Leuchtturm. Der Aufstieg zum Eingang lohnt sich, denn von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über die Landschaft und man kann am Horizont sogar Schiffe vorbei fahren sehen. Im Inneren des Leuchtturms erfahren wir mehr über das Leben und Arbeiten eines Leuchtturmwärter Ende des 19. Jahrhunderts. Weiter geht es zur zweiten Galerie des Leuchtturms, diese liegt in etwa 30m Höhe. Von hier aus hat man einen noch fantastischeren Ausblick und wir können sogar die Insel Neuwerk an der Elbmündung in der Ferne erkennen.

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Genug schwindelerregende Höhen, jetzt geht es wieder hinab. Auf der großen Wiese vor dem Leuchtturm breiten wir unsere Picknickdecke aus und machen es uns gemütlich. Da gerade Ebbe ist, ziehen wir nach einer kurzen Entspannungspause unsere Schuhe aus und starten zu einer kleinen Wanderung durchs Watt direkt neben dem Leuchtturm. Vorsicht, Hosen hoch krempeln, sonst sind die gleich matschverschmiert! Wir finden unzählige kleine, bunte Muscheln und auch einige Krebse, die sich aber, so bald sie uns bemerken, im Watt verkriechen. Plötzlich taucht ein großer schwarzer Hund auf, der sich mit großem Vergnügen ins Watt stürzt. Wer den wohl am Ende wieder sauber machen darf? Stundenlang treiben wir uns hier im Watt rum und sammeln die schönen bunten Muscheln ein.

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Als wir es geschafft haben unsere matschverschmierten Füße zu säubern, setzten wir uns wieder ins Auto und fahren noch ein kleines Stück weiter am Deich entlang bis wir ein niedliches, kleines Café entdecken. In den Strandkörben des „Hus unnern Diek“ lassen wir den Tag bei einem leckeren Stück Kuchen und einem heißen Tee gemütlich ausklingen.

Dieser Artikel wurde von Elena Nunn geschrieben. Sie hat in Bremerhaven studiert und die Region lieben gelernt. Derzeit arbeitet sie für GoEuro in Berlin. Das Startup erleichtert das Reisen in Europa, indem es Transportangebote miteinander vergleicht und kombiniert.

Text: GoEuro
Fotos: Flickr: Allie_Caulfield, Jan; Wikimedia commons: Cspi at wikivoyage shared

Fischbrötchen in Wremen

Wer die leckersten Fischbrötchen am Wremer Tief kosten möchte kommt am Siebhaus, direkt am Wremer Hafen nicht vorbei. Bis 2002 wurde das Haus zum Sortieren des Krabbenfangs nach Größenklassen durch die örtlichen Fischer genutzt. Inzwischen ist das Siebhaus eine nette Strandbar in der nicht nur Fischbrötchen serviert werden, hier gibt es auch den besten Apfelkuchen der Region.

www.siebhaus.de

 

 

St. Peter-Ording – Goldsuche am Nordseestrand


Wo: Deutschland, St. Peter-Ording

Wann: Oktober 2013

Der Herbst zeigt sich von seiner stürmischen Seite. Das Sturmtief „Jannik 2“ hat uns die ersten nassen Füße des ausklingenden Jahres mit einem kleinen „Land unter“ beschert. Ideales Wetter für Hitzlöper und solche, die es noch werden wollen, um sich auf die Suche nach dem Gold der Nordsee zu machen. Goldfunde an der Nordsee? Das klingt nach „pst, nur nicht weitererzählen“ und schnell den Claim abstecken, bevor es an der Küste zugeht wie in Klondike vor über hundert Jahren. Aber keine Angst, es ist genug für alle da, denn das Gold der Nordsee, der Bernstein, wird seit Jahrtausenden regelmäßig an den Strand gespült. Nach den Frühjahrs- oder eben auch Herbststürmen sind die Bedingungen für einen guten Fund ideal, da wieder viele neue Bernsteine aus den grauen Tiefen der Nordsee an den weißen Strand von St. Peter-Ording gespült werden.

Hitzlöper ist übrigens die Bezeichnung für Strandgutsucher oder Bernsteinsucher auf Eiderstedt und den Nordfriesischen Inseln. Der Begriff entstand, weil auf der Sandbank mit dem Namen Hitzsand vor St. Peter-Ording sehr viele Bernsteine und anderes Strandgut angespült wurden.
Hitzsand St Peter Ording (c) spinagel.de
Sturm und St. Peter-Ording sind ideale Voraussetzung, um sich ein wenig im Hitzlöpern zu üben. Also schnell die Gummistiefel und die dicken Klamotten an, den großen Beutesack eingepackt und auf in Richtung Hitzsand.

Wichtig ist, immer der erste vor Ort zu sein. Sobald das Wasser abläuft und es hell genug ist geht der professionelle Bernsteinsucher tief gebeugt an der Wasserkante entlang. Die ganz Hartgesottenen sieht man auch schon mal vor Sonnenaufgang mit einer Taschenlampe in Wassernähe. Wer es nicht ganz so ernst nimmt, wie wir, frühstückt erst einmal in Ruhe und begnügt sich bei ausreichender Helligkeit und weit fortgeschrittener Ebbe mit den kleineren Bernsteinen.
Spuelsaum (c) spinagel.de

Am Strand von St. Peter-Ording angekommen stellt sich zwangsläufig die Frage: Wo in der größten Sandkiste Deutschlands haben sich die begehrten prähistorischen Harzstücke versteckt?

Ganz einfach, sie kommen aus der Nordsee, deswegen findet man sie auch meistens direkt am Spülsaum. Hier immer schön auf die schwarzen Stellen achten, die durch viele kleine Holzstücke verursacht werden. Dazwischen verstecken sich die kleinen goldfarbenen Bernsteine und warten darauf, in unsere Taschen zu wandern.
Bernstein am Strand (c) spinagel.de
Je weniger andere Hitzlöper vorher den gleichen Teil des Strandes abgegangen sind, desto größer ist die Chance auch noch etwas zu finden. Vor allen Dingen, wenn man nicht zu den frühen Vögeln gehört.

Auch Ruhe und Geduld helfen bei der Suche ungemein weiter. Wer schon nach 20 Minuten entnervt aufgibt, weil er meint, es gebe hier gar keine Bernsteine, der sollte lieber das Bernsteinmuseum in St. Peter-Dorf besuchen. Dort kann man die ganze Bandbreite der Geschichte des Küstengoldes erleben. Doch selbst hier sind 20 Minuten viel zu kurz und werden dem Museum nicht gerecht.

Wer die notwendige Ausdauer an den Tag legt wird eigentlich immer mit mindestens einem kleinen Bernstein belohnt. Der große Beutesack kommt selten zum Einsatz, die Jackentasche ist meistens völlig ausreichend. Aber wer weiß das schon so genau, es ist immer besser, gut gerüstet in ein Abenteuer zu gehen.
Bernsteine (c) spinagel.de
Wieder zu Hause angekommen, kann man hervorragend allen die es hören wollen oder nicht schnell genug das Weite gesucht haben, von der beschwerlichen langen Suche in der kalten unwirtlichen Natur und seinen persönlichen Erfolgen an der herbstlichen Nordsee erzählen. Wenn man dann noch langsam eine Handvoll seiner selbst erbeuteten Nuggets aus der Tasche zieht, löst das vielleicht doch den nächsten Goldrausch aus.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Bernsteinmuseum

Wer am Strand von St. Peter-Ording noch keinen Bernstein gefunden hat, kann sich das Gold der Nordsee bei Boy Jöns im Nordseebernsteinmuseum ansehen. Hier wird viel Wissenswertes über die Entstehung der Bernsteine und die Verarbeitung zum begehrten Schmuckstein gezeigt. Ausgestellt werden unter anderem Funde, die in den letzten 50 Jahren zusammengetragen wurden. Einen spannenden Einblick in die Welt der Ur-Insekten kann man im Inklusenkabinett gewinnen. Hier werden in Bernstein eingeschlossene Tiere und Pflanzen gezeigt. Bei Boy Jöns werden auch Rohbernsteine weiterverarbeitet. In der Schauwerkstatt werden alle Schritte gezeigt, wie aus dem unscheinbaren Bernstein vom Nordseestrand ein glänzendes Schmuckstück wird.

www.bernsteinmuseum.de

 

 

Bremerhaven – Klimahaus

Wo: Deutschland, Bremerhaven
Wann: Oktober 2013

Eine Reise um die Welt ist in zwei, drei Stunden zu schaffen. Aber es wird knapp, selbst im Klimahaus Bremerhaven, das seine Ausstellungsbesucher strikt entlang dem achten östlichen Längengrad einmal rund um den Globus führt.

8 Grad Ost

Raum für Raum tauchen die Reisenden tiefer ab in fremde Welten und vielfältige Klimazonen. Sie finden sich wieder auf einem Schweizer Gipfel und auf einem sardinischen Wäscheplatz, auf dem warmer Wind die Laken flattern lässt. Im Niger kommen sie bei 35 Grad Celsius garantiert ins Schwitzen, um in der Antarktis zwischen Wänden aus echtem Eis wieder herabzukühlen.

Klimahaus Fisch guckt

Die landestypischen Kulissen sind teilweise so echt, dass es leichtfällt, sich in das Leben der jeweiligen Bewohner hineinzufühlen. In Videos erzählen sie von ihrem Alltag. Davon, wie sie früher lebten und wie der Klimawandel die Landschaft und die Tierwelt bereits verändert hat. Die Besucher lauschen. Sie schauen und marschieren weiter, durch knirschenden Sand, über Hängebrücken, unterm Sternenhimmel entlang.

Klimahaus Samoa Fische

Beeindruckt von der Unterwasserwelt vor Samoa mit ihren farbenprächtigen Fischen und Korallen und leicht stöhnend ob des feuchtwarmen Klimas dort. Nur noch kurz Alaska streifen, dann gelangen sie wieder auf bekanntes norddeutsches Gebiet, Hallig Langeneß, wo schnell die Heimatgefühle zurückkehren und der Ausgangspunkt Bremerhaven nicht mehr weit ist.

Klimahaus Ansicht

Die weltumfassende „Reise“ ist nur ein Teil des Klimahauses. Wer noch aufnahmefähig ist, zieht weiter zu den Ausstellungsbereichen „Elemente“, „Perspektiven“ oder „Chancen“. In diesen Räumen können die Besucher eigene Experimente durchführen und sie erfahren, wie schon kleine Veränderungen im Alltag klimaschützend wirken. Zu Fuß um die Welt zu reisen, anstatt mit dem Flugzeug, gehört natürlich dazu.

Text: Petra Nickisch – www.lichttexte.de
Fotos: Boris Kohnke

Kreaturen der Urzeit

Im Bereich „Elemente“ wird noch bis zum 3. November 2013 die Sonderausstellung „Kreaturen der Urzeit – Die Grenzen der Anpassung“ gezeigt. Gigantische, nachgebaute Dinos und lebende Reptilien, Amphibien, Spinnen und Insekten zeigen auf, welche Folgen Klimaveränderungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben.

 

Marseille – Badelatschen oder Kalaschnikow

Wo: Frankreich, Marseille
Wann: Juni 2013

Eric und ich verstehen uns. Er spricht zwar weder deutsch noch englisch, ich verstehe so gut wie kein Französisch. Doch manchmal reicht es, wenn jeder in seiner Sprache redet und die Aussagen mit Gesten und einem Augenzwinkern untermalt. Nach wenigen Sekunden haben wir uns aufeinander eingeschossen und ich erwarte die Erklärung der Besonderheiten unserer Ferienwohnung im Stadtteil Bonneveine.

Bevor Eric uns seine Ferienwohnung erklärt, kommt der unvermeidliche Teil mit dem schlechten Ruf von Marseille. Die Kalaschnikow können wir zu Hause lassen, wenn wir nicht vorhätten mit Drogen zu handeln und ja, man kann das Auto einfach vor der Tür stehen lassen. Nur wenn wir das iPhone über Nacht auf den Fahrersitz legen wollen, dann sollten wir doch lieber die Türen nicht abschließen, wegen des zu erwartenden Glasbruchs. Dass Eric alles etwas witzig darstellt, bekomme ich auch ohne Französischkenntnisse mit. Ernst wird er nur, als es um den Ruf von Marseille geht, der offensichtlich die Tatsachen um einiges ins Negative übertrumpft.

Wie sich nachher herausstellt, habe ich das ein oder anderen nicht ganz richtig verstanden, es ist immer gut, wenn zur Sicherheit doch noch die Freundin dabei ist, die die Sprache versteht. Eric und ich waren uns aber trotzdem immer einig: „Oui, oui“ und „très bon“ mit freundlichem Schulterklopfen haben für eine niedrige Sprachbarriere gesorgt und die kleinen Missverständnisse waren nicht wirklich entscheidend.

Die Einleitung unseres Gastgebers lässt mich an die Kommentare unserer Freunde und Verwandten zu unserem diesjährigen Sommerziel denken. Marseille – seid ihr euch sicher, dass ihr dort hinfahren wollt? Dann sind doch gleich euer Auto, eure Kameras und weiß der Geier was sonst noch am ersten Tag weg oder ihr werdet gleich erschossen.

 

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Zum Glück haben wir uns nicht verunsichern lassen. Marseille ist nicht nur die Europäische Kulturhauptstadt 2013, offensichtlich hat sich in den letzten Jahren auch viel geändert, was in der Vergangenheit zum schlechten Ruf von Marseille beigetragen hat. Abgesehen von einem kleinen Abstecher in das arabische Viertel rund um den Cours Julien hatten wir nie das Gefühl, das es dort nicht sicher ist.

Wie in fast jeder Großstadt weltweit gibt es auch in Marseille Viertel, in denen man besser vorsichtig ist. Nur viel schlimmer als in einigen Ecken von Hamburg oder Kopenhagen geht es in Marseille auch nicht zu.

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Der südöstliche Teil von Marseille mit seinen Stadtstränden vom Plage du Prado bis zum Pointe Rouge erinnert ein wenig an englische Bäder. Bars und Restaurants entlang der Küstenlinie, buntes Treiben, gemischt aus Einheimischen und Touristen. Nur das Wetter ist hier deutlich besser. In der warmen Jahreszeit (Juni bis September) ist es selten unter 30 °C. Trotzdem ist es sehr erträglich, da immer ein kühlender Wind über das Meer weht.

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Die erste Erkundungstour führt mit dem 19er- und dem 83er-Bus mitten ins Herz der quirligen Metropole, dem Vieux Port (Alter Hafen). Dort treffen wir einheimische Fischer mit löchrigem Ölzeug, die ihren Fang direkt vor dem verspiegelten Schattenspender des Stararchitekten Norman Foster und neben den Jachten der Superreichen verkaufen. Marseille ist eine Stadt der Gegensätze, in der aber allen genug Raum zum Leben gelassen wird.

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Wer die 8 Euro Eintritt für die neueste kulturelle Attraktion, das MuCEM (Musée des civilisations de l’Europe et de la Méditerranée) nicht ausgeben kann oder will, kommt trotzdem auf das Gelände und kann sich einen Teil der Ausstellung ansehen. Berührungsängste gibt es hier nicht, neben dem MuCEM schwimmen Jugendliche im Hafenbecken und sonnen sich danach direkt unterhalb des Hauptzuganges. Ein skurriles Bild, das den lockeren mediterranen Charme der zweitgrößten französischen Stadt eindrucksvoll wiedergibt.

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Sogar die Bewohner des Arbeiterstadtteils Le Panier, einer der ärmsten Gegenden von ganz Frankreich, haben sich inzwischen, nach anfänglichen Protesten, an die immer wiederkehrende, etwas nervige Touristen-Bimmelbahn angepasst, sie servieren den Sehleuten der großen Kreuzfahrtschiffe Pastis oder bieten das einen überall verfolgende Mitbringsel der Stadt, die „Savon de Marseille“, an.

Mit einem hat uns Eric, unser Gastgeber, dann doch etwas reingeritten. In seiner Ferienwohnung steht eine Nespresso-Kaffeemaschine, die ohne die passende Kaffee-Munition natürlich wertlos ist. Dieser Umstand bescherte uns einen Besuch im örtlichen Nespresso-Shop, um uns mit den nötigen Kapseln zu versorgen. Eine Dreiviertelstunde mit den braungebrannten, rolexbewehrten Seglern aus dem Jachthafen anstehen, das passt dann doch nicht so ganz zum lockeren Charme von Marseille. Ganz abgesehen davon, dass Nespresso für mich trotz aller erfolgreicher Marketingstrategien noch immer nicht das Image und den Geschmack des guten alten gefriergetrockneten Nescafé-Kaffeepulvers abgelegt hat.

Vor der Tür haben wir das aber schnell wieder vergessen und reiben uns verwundert die Augen. Irgendetwas stimmt doch mit dem Palais de la Bourse nicht. Richtig, dass die Straße durch das Gebäude geht ist nur eine groß angelegte optische Täuschung. Die komplette Fassade des Hauses ist bemalt und verwirrt fast alle Besucher auf den ersten Blick.

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Etliche Höhenmeter über dem Vieux Port ist aus allen Winkeln von Marseille die imposante Kirche Notre-Dame de la Garde zu sehen. Hoch über der Stadt thront sie auf einem 147 m hohen Kalkfelsen. Der Blick auf die gewaltige goldene Marienstatue an der Spitze des Bauwerks, die den Seefahrern früher signalisierte, dass sie wieder in sicheren Heimatgewässern waren und vor allen Dingen der atemberaubende Blick über Marseille, von den Calanques im Osten bis zum Autobahntunnel im Norden, lässt uns alle Anstrengungen des Aufstiegs vergessen.

Das Innere der Kirche ist mit den zahllosen Votivtafeln und maritimen Details, wie Rettungsringen und Schiffsminiaturen, einzigartig. Auf unzähligen Gemälden, die Gläubige nach ihrer Rettung oder Genesung der Kirche spendeten, kann man hautnah die Schicksale der Menschen aus den vergangenen Jahrzehnten nachvollziehen.

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Als wir abends nach Hause kommen und ich mein Auto in einer Seitenstraße direkt vor dem Fenster eines Pizzalieferdienstes parke, kommt etwas hektisch der Besitzer zu mir und redet auf mich ein. Ich versuche zu ergründen, ob ich zu dicht vor seinem Fenster stehe. Nachdem er seine Mülltonne um mein Auto gefahren hat und sein Auto noch 20 cm vorfährt wird mir klar, er hat kein Problem damit, dass ich hier parke: Heute Nacht kommt der Müllwagen und ich muss ganz dicht vor sein Fenster fahren, damit ich morgen noch einen Außenspiegel habe. Von dieser Hilfsbereitschaft können sich einige Leute in Deutschland noch eine dicke Scheibe abschneiden. Seit diesem Abend gibt es jeden Morgen auf dem Weg zum Bäcker erst einmal ein kurze Begrüßung. Ich verstehe den Pizzachef genau so wenig wie Eric am ersten Tag, aber menschlich passt es auch hier wieder erstaunlich gut. Als wir zwei Tage später noch einmal hungrig, auf der Suche nach einer leckeren Pizza hereinschneien, wird mir gleich die Pizza Arménienne (seine Spezialität mit Hackfleisch, frischer Minze und Zitrone) empfohlen, dazu gibt es noch eine kalte Flasche Rosé aufs Haus.

Als uns Eric am letzten Tag fragt, wie es uns gefallen hat, grinse ich zufrieden und lasse lieber meine Freundin reden. Nicht, dass es hier am Ende doch noch zu Missverständnissen kommt. Marseille hat uns rundum gefallen und wir kommen bestimmt wieder.

Pastis

Pastis gehört zu Marseille wie die Seife „Savon de Marseille“. Der Anisschnaps wurde aufgrund seines Anetholgehaltes zusammen mit dem Absinth verboten, ist aber zum Glück seit 1922 in Frankreich wieder legal erhältlich. Pastis wird traditionell mit Eis und 5 – 6 Teilen Wasser getrunken. Durch den Wasserzusatz wird das zugesetzte Anisöl teilweise unlöslich und der klare Pastis wird trübe. Im Sommer ist Pastis mit viel Wasser eine herrliche Erfrischung.

 

Allgäu – Über den Bäumen

Wo: Deutschland, Allgäu
Wann: Juni 2013

Immer mehr Baumwipfelpfade erobern Deutschlands Wälder. In luftiger Höhe erlauben sie ungewöhnliche Blicke auf eng stehende Fichten und Tannen und eine weite Sicht in die Landschaft.

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Auf dem Skywalk Allgäu in Scheidegg können die Besucher bis zum Bodensee und zu den Alpen gucken. 540 Meter lang bietet ihnen der vor drei Jahren eröffnete Baumwipfelpfad Gelegenheit dafür. Dunkelgrüne Tannenspitzen sind fast zum Greifen nah, in der Ferne lassen sich Wiesen, Wälder und verstreute Siedlungen ausmachen. Weit unter den eigenen Füßen spazieren Paare und Familien auf zwei Naturerlebnispfaden, die auf dem Gelände zusammen mit vielen spielerischen Elementen wie der Tannenzapferschleuder oder einer Spechtwippe angelegt wurden.

Skywalk3

Es schaukelt leicht auf dem hohen Spaziersteg, denn er führt von Pfeiler zu Pfeiler wie eine Hängebrücke über den Waldboden. Doch zu keiner Zeit fühlt sich der Wipfelwanderer unsicher. So richtig wackelig wird es nur für diejenigen, die den Pfad über die Dschungel- und die Abenteuerbrücke verlassen wollen. Dort tauschen sie den vergleichsweise festen Holzsteg gegen ein Geflecht aus schwarzen Seilen. Ganz automatisch werden die Schritte dann vorsichtiger, der Griff in das seitliche Netz obligatorisch.

Skywalk4

Unkomplizierter geht der Abstieg aber auch. Von der 35 Meter hohen Aussichtsplattform bringt ein gläserner Fahrstuhl selbst Kinderwagen und Rollstuhlfahrer wieder sicher zurück auf den Boden. Unten angekommen muss der Ausflug zum Skywalk aber noch lange nicht enden, denn nun warten die Waldwege, der Abenteuerspielplatz und der Barfußpfad darauf, entdeckt zu werden. Ein Naturerlebnis für alle Sinne.

Text: Petra Nickisch – www.lichttexte.de

Waldwipfelwege

Seit 2003 ist der bis zu 35 Meter hohe Holzweg beim Biosphärenhaus Pfälzerwald in Fischbach Deutschlands erster Baumwipfelpfad. Seither sind zehn weitere Wipfelwege hinzugekommen, die Wikipedia und die Infoseite Baumwipfelpfad-Baumkronenpfad ausführlich auflisten. Im bayerischen Neuschönau steht mit einer Steglänge von 1.300 Metern sogar der längste Baumkronenpfad der Welt.

 

Eidersperrwerk – Seeschwalben

Wo: Deutschland, Eidersperrwerk
Wann: Mai 2013

Direkt am Eidersperrwerk, wirklich nur einen Schritt von den neugierigen Touristen entfernt, brütet laut kreischend eine Kolonie Küstenseeschwalben. Zur Überraschung vieler Besucher, die im Mai einen Ausflug an die Nordsee machen, um sich Deutschlands größtes Küstenschutzbauwerk anzusehen, und zur Technik gratis ein Naturerlebnis dazubekommen.

Kuestenseeschwalbe_01

Ein Geländer und eine schmale Absperrkette halten die Menschen davon ab, den Bereich der Vögel zu betreten. Die scheinen sich auch recht sicher zu fühlen. Trotzdem warnt das Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning auf einem Schild: „Achtung! Während der Brutzeit könnten sich die Küstenseeschwalben durch Sie gestört fühlen. Bitte verhalten Sie sich am Geländer äußerst ruhig und halten Sie 1 Meter Abstand, damit Sie nicht angegriffen werden.“

Kuestenseeschwalbe_02

Tatsächlich kommt es vor, dass die Zugvögel ihre roten Schnäbel in den einen oder anderen Zuschauerkopf hacken. So verteidigt die bedrohte Art ihre grünlichen Eier, die das Weibchen in eine Bodenmulde legt und die beide Elternteile innerhalb von gut drei Wochen ausbrüten.
Kuestenseeschwalbe_03

Küstenseeschwalben halten den Rekord über die längste Zugstrecke – von der Nordpolarregion bis zur Antarktis und wieder retour. Jährlich legen sie dabei bis zu 40.000 Kilometer zurück, einige Tiere sogar bis zu 80.000 Kilometer, wie neuerdings erfoscht wurde. Das ist zweimal rund um den Erdball. Ein paar Impressionen von ihrem Reisestopp in Nordfriesland zeigt der folgende kurze Film.

Text und Film: Petra Nickisch  –www.lichttexte.de
Fotos: Boris Kohnke.

Eidersperrwerk

Um das Hinterland vor Sturmfluten aus der Nordsee zu schützen, wurde von 1967 bis 1973 an der Eider-Mündung das Eidersperrwerk gebaut. Zwei Reihen mit jeweils fünf Toren regeln den Zu- und Abfluss des Fluss- bzw. Meerwassers. Über einen dazwischen liegenden Tunnel können Autofahrer wie Fußgänger die Eider überqueren. Das Sperrwerk und der an einem großen Parkplatz liegenden Fischimbiss „Aussichtspavillon“ sind ein beliebtes Touristenziel.

 

Glückstadt – Die Matjeshauptstadt Deutschlands

Wo: Deutschland, Glückstadt
Wann: April 2013

„Auf ein Matjes-Brötchen kommen doch normalerweise Zwiebeln, oder?“, fragte mich meine Mutter leicht irritiert. Sie hatte den ersten hungrigen Bissen schon hinter sich. Verführerisch glänzender Fisch, knuspriges Brötchen, frische Saltatbeilage – bis dahin stimmte alles. Aber die erwartete Kombi aus scharf und mild, weich und knackig stellte sich im Mund einfach nicht ein.

An einem sonnigen April-Samstag waren wir mit dem Zug nach Glückstadt gefahren, in die Matjes-Hauptstadt, wie ich ihr versicherte. Morgens starteten wir in Hamburg-Altona und sollten schon 34 Minuten später in der kleinen, von den Niederländern beeinflussten Stadt an der Elbe sein. Doch es gab Verzögerungen, die Bahn baute mal wieder an der Strecke und wir mussten unseren Appetit auf in Salzlake eingelegten Hering noch eine halbe Stunde länger im Zaum halten.

Am Bahnhof angekommen, konnten wir am Glückwerk, gleich hinter den Gleisen, trotzdem nicht vorbeigehen. Ein bisschen Gartendeko, ein paar Bücher, Feinkost, Wohnaccessoires … ein tpyischer Frauenladen eben. Und gleichfalls ein kleines Café, in dem der Cappuccino auf hölzernen „Untertassen“ serviert wird. Zauberhaft! Gestärkt durch ein paar Kekse traten wir den Weg über den historischen Marktplatz zum Hafen an.

Dass die Stadt vom Dänen-König Christian IV. im Jahr 1617 gegründet und nach dem Vorbild einer italienischen Renaissance-Stadt entworfen wurde, erfuhren wir dort von einigen Infotafeln. Von der hübschen Häuserzeile am Wasser und dem guten Wetter ließen wir uns glatt davon ablenken, gleich zu unserem geplanten Fischbrötchen einzukehren, obwohl das Bistro Nettchen direkt an den hölzernen Hafentreppen sehr einladend aussah.

Uns zog es noch weiter. Es lockte die Elbe. Und ein endlich schneefreier Spaziergang auf dem Deich, mit Blick auf die Elbfähre nach Wischhafen. Nur unser Zeitplan und das ersehnte Matjes-Brötchen trieben uns nach einer Weile zurück in die Stadt. Im niedlichen Hafencafé Brückenhaus sollte es bald vor uns auf dem Tisch stehen. Doch so ganz ohne Zwiebeln? „Oh je, die habe ich vergessen, wie peinlich“, entschuldigte sich die Bedienung. Schnell holte sie aus der Küche ein Schälchen mit Zwiebelringen.

Wir mussten grinsen. Ausgerechnet das Ziel unseres Ausflugs, die kulinarische Attraktion des Ortes, wurde uns heute nicht komplett serviert. Dafür haben wir etwas anderes hinzugewonnen: die Erkenntnis, dass Glückstadt noch mehr zu bieten hat als seine viel beworbenen, fast immer perfekten Matjes-Brötchen.

Petra Nickisch – www.lichttexte.de

Matjeswochen

Jedes Jahr im Juni feiert Glückstadt seine Matjeswochen. Das große Sommerfest zur Eröffnung der Matjes-Saison steigt im nächsten Jahr vom 12. bis 15.06.2014. Gefeiert wird mit viel Livemusik, Matjesproben, Open-Ship-Meile und dem traditionellen Quietscheentchen-Rennen auf dem Süderfleth.

 

Wie wird der Islay-Single-Malt-Whisky gemacht?

Wo: Schottland, Islay
Wann: Februar 2013 Islay

Alles fängt mit dem Wasser an. Jede Brennerei hat ihre eigenen Wasserrechte. Man sagt, ein Großteil des Charakters entstamme dem verwendeten Wasser. Wer Whisky wirklich ernst nimmt, verdünnt ihn mit dem gleichen Wasser, das zum Brennen benutzt wurde, wieder auf Trinkstärke.In das Wasser wird die Gerste gegeben. Sie bekommt in Silos zwei bis drei Tage Zeit zum Quellen und erreicht so die Voraussetzung zum Auskeimen.Die befeuchtete Gerste wird in einer dünnen Schicht auf dem Boden ausgebracht und danach zwei bis drei Tage alle vier Stunden gewendet. Früher war dies ein Knochenjob, der aufgrund von Überlastung häufig zur sogenannten „monkey shoulder“ führte. Heute gibt es elektrische Wendehilfen, so richtig einfach sieht das trotzdem noch nicht aus.

Während der Zeit auf dem Boden keimt die Gerste und wandelt mithilfe ihrer Enzyme die Stärke im Getreidekorn in Zucker um. Aus der Gerste ist jetzt Malz geworden.

 islay whisky keimbodenMälzboden – Bowmore Destillerie

Als nächstes kommt der Hauptgeschmacksgeber der Islay-Whiskys zum Einsatz, der Torf. Das Gerstenmalz wird erst über einem Torffeuer und dann mit heißem Wasserdampf getrocknet. Die typischen Pagodendächer der Brennereien sind übrigens die Kamine der Räucherkammern.

  islay whisky rauch1Torffeuer – Laphroaig Destillerie

 islay whisky rauchRauch über dem Malz – Bowmore Destillerie

 islay whisky trocknenTrocknung des Malzes – Bowmore Destillerie

Auf Islay gibt es nur noch drei Brennereien, die teilweise ihr eigenes Malz herstellen. Laphroaig, Bowmore und Kilchoman. Kilchoman ist übrigens die einzige Destille, die einen Whisky nur aus Zutaten herstellt, die von der Insel stammen. Alle anderen beziehen ihre Gerste vom Festland. Das Malz der meisten Brennereien stammt aus Port Ellen. In der ehemaligen Destillerie stellt der Diageo-Konzern heute Malz nach Spezifikation der einzelnen Destillerien her.

Der nächste Schritt nach dem Mälzen ist das Schroten. Hier wird das Malz gemahlen und in die drei Bestandteile Spelzen (Husk), Schrot (Grit) und Mehl (Flour) separiert. Die drei Komponenten müssen in einem bestimmten Verhältnis vorliegen, damit in den nachfolgenden Schritten die größtmögliche Ausbeute erzielt wird.

Auf dem nächsten Bild kann man die präzise Analysenwaage, das genormte Maßbehältnis für die Probenahme und die selbst gebastelten Analysensiebe sehen. Schätzen und Erfahrung könnte hier meiner Meinung nach auch ausreichend sein. Sorry, aber hier kommt gerade wieder der Chemiker in mir durch.

 islay whisky muehleMühle – Ardbeg Destillerie

 islay whisky muehle2Malz, die drei Komponenten Schrot (Grit), Spelzen (Husk) und Mehl (Flour) und das Endprodukt Grist

Mit heißem Wasser wird die Maische im Maischbottich (mash tun) angesetzt. Bei diesem Prozess wandeln die Enzyme der Gerste die restliche Stärke in Maltose um. Dreimal wird die Maische mit Wasser extrahiert. Das zuckerhaltige Wasser kommt danach in die Gärbehälter (washback).

 islay whisky maischenMaischbottich (mash tun) – Lagavulin Destillerie

 islay whisky gärbehälterGärbottiche (washback) – Bowmore Destillerie

 islay whisky gärbehälter2Gärung zum Zeitpunkt der höchsten Aktivität – Bowmore Destillerie

Im Laufe des Gärprozesses wandelt die zugesetzte Hefe den Malzzucker in Alkohol um. Am Ende des Gärvorganges ist ein „Bier“ entstanden, welches circa 8 % Alkohol enthält. Das Produkt schmeckt tatsächlich wie ein getorftes Starkbier. Abgefüllt und gekühlt fände es bestimmt auch seine Liebhaber. Das ist aber eine Marktlücke, die noch keiner entdeckt hat.

islay whisky still Destille – Bowmore Destillerie

islay whisky still2
Destille – Kilchoman Destillerie

Das „Beer“ wird zweimal in kupfernen Brennblasen destilliert. Während des zweiten Destillationsvorganges trennt der Brennmeister im spirit safe den middle cut ab. Die Form der Brennblasen bestimmt den Geschmack des Single-Malts.

Der spirit safe stammt noch aus Zeiten strengerer Zollkontrolle. Das Destillat läuft in einem verschlossenen Messingkasten mit Scheiben über Messeinrichtungen in Tanks. Den Schlüssel zum Kasten hatte nur der Zoll und die Brennerei kam (theoretisch) nie an den prime spirit direkt aus der Destille, ohne dass er über ein Zählwerk gelaufen ist.

islay whisky spirit safe Spirit safe – Bruichladdich Destillerie

Der middle cut (oder heart) mit einem Alkoholgehalt zwischen 60 und 75 Vol.-% wird dann in verschiedene benutzte Fässer abgefüllt. Hauptsächlich werden Sherry-, Bourbon- oder Madeirafässer verwendet. Dies ist er nächste entscheidende Schritt auf dem Weg zum richtigen Geschmack.

islay whisky lager Lagerhaus – Laphroaig Destillerie

Nun heißt es viel Geduld zu haben, erst nach drei Jahren Lagerung darf sich das Produkt überhaupt Whisky nennen. Abgefüllt wird aber meist nach einer Zeitspanne von 8 bis 25 Jahren. In dieser Zeit liegen die Whiskyfässer in den typischen weißen Lagerhäusern mit der schwarzen Aufschrift an der Küste von Islay.

islay whisky lager2 Bowmore von der Wasserseite

 islay whisky kilchomanDas Endprodukt: Guter Islay Single Malt – Kilchoman Destillerie

Lost distilleries

In der Hochzeit des Malt Whiskys gab es auf Islay etliche Brennereien. Von der kleinen Farmdestille bis zur großen Destillerie war alles vertreten. Hier die Namen der bekannteren aufgegebenen Brennereien der Insel Islay:

  • Achenvoir (bis circa 1818)
  • Ardenistle (bis 1849)
  • Ardmore (bis 1835)
  • Daill (bis 1830)
  • Freeport (bis  1847)
  • Hazelburn (bis  ?)
  • Kildalton (bis 1837)
  • Killarow (bis 1818)
  • Bridgend (bis 1822)
  • Lossit (bis 1821)
  • Malt Mill (bis 1960)
  • Mulendry (bis 1831)
  • Newton (bis 1825)
  • Octomore (bis 1852)
  • Port Charlotte (bis 1929)
  • Port Ellen (bis 1983)
  • Scarabus (bis 1818)
  • Tallant (bis 1852)

 

Schottland – Die schönste der inneren Hebriden

Wo: Schottland, Islay
Wann: Februar 2013 Islay

Drei Whiskyfreunde aus Norddeutschland machen sich auf den Weg zum Ursprung des peated Single Malt Whiskys. Nach einer kurzen Fahrt über Amsterdam und quer durch Schottland schiffen wir uns auf der Fähre Kennacraig – Port Ellen ein.Islay Ardbeg LagerWer mit der Fähre aus Kennacraig auf Islay zukommt und die weißen Lagerhäuser direkt am Wasser mit den prägnanten schwarzen Schriftzügen wie Lagavulin, Ardbeg oder Bowmore für „irgendwelche“ Lagerhäuser hält, sollte sich überlegen, ob er nicht lieber auf der Fähre bleibt und eine andere Insel besucht. Natur und Altertümer gibt es auf anderen schottischen Inseln sicherlich mehr, nur der Inhalt dieser Lagerhäuser ist einzigartig auf der ganzen Welt. Alle, die wissen welche Kostbarkeiten hinter den dicken Feldsteinwänden lagern, betreten hier in Port Ellen den heiligen Boden des uisge beatha. So lautet die gälische Bezeichnung für Whisky.Peated-Single-Malt-Jünger aus aller Welt wissen, hier gibt es ganz spezielle Whiskys, die man sonst nirgendwo findet. Islay ist nicht umsonst eine eigenständige Whiskyregion und wird nicht zu den Islands, Highlands oder sonstigen schottischen Regionen gezählt.

Das Besondere der Single Malts von Islay ist ihr rauchiger Geschmack, der vom Darren des Malzes mit dem hier überall vorhandenen Torf (oder peat, wie ihn die Einheimischen nennen) herrührt.

Die Stärke des Rauchgeschmacks wird in ppm Phenoleinheiten angegeben und liegt auf Islay meistens zwischen 25 und 55 ppm.
Für Freunde des extremen Geschmackserlebnisses stellt die Destillerie von Bruichladdich den Octomore 5.1 mit 169 ppm her. Wer hier noch einzelne Nuancen beim Tasting auseinanderhält, der erkennt die Herkunft des Straßenbelags auch am Geschmack.

Der Geschmack der Islay-Whiskys ist schon einzigartig, man liebt sie oder hasst sie. Für alle, die wirklich noch keinen Islay-Single-Malt gekostet haben, hier etwas für die Vorstellungskraft: Whisky aus der Destillerie von Laphroaig galt in den Zeiten der Prohibition in Amerika als Arzneimittel und war in Apotheken erhältlich. Wenn schon die strengen Augen (und glücklicherweise nicht ganz so streng geschulten Gaumen) der Prohibition hier keinen Genussalkohol erkennen konnten ist klar, dass dieser Whisky einzigartig und nicht für jeden Gaumen eine Freude ist.

 

Full Scottish Breakfast

Unser erster Tag in Bowmore, dem Hauptort der Insel mit knapp 1000 Einwohnern, beginnt mit einem Full Scottish Breakfast. Die Cholesterinverteufler und andere Ernährungsberater haben sich anscheinend noch nicht hierher verirrt. Wie wir jetzt aus Erfahrung wissen, gibt es hier kein normales Frühstück, das weniger als 4 Eier und eine ordentliche Portion Fett enthält. Unsere Hauswirtin Margaret zeigt uns an diesem Morgen, wie so ein ordentliches Frühstück aussieht.

Während sie uns den dritten Gang des Frühstücks mit einem melodischen Singsang und ihrem unnachahmlichen schottischen Akzent (hört sich toll an, man versteht aber maximal die Hälfte) serviert, wische ich mir die Schweißperlen von der Stirn und überlege, ob es wirklich so gut war, erst einmal alles, was die Frühstückskarte zu bieten hat, zu bestellen. Ein Blick hinüber zu Margaret macht mir aber schnell klar: hier wird aufgegessen. Am nächsten Tag finden wir heraus, dass ein Verkleinern der Bestellung nur dazu führt, dass die einzelnen Gänge größer werden. Die Kalorien-, Cholesterin- und Fettwerte scheinen Konstanten bei einem Full Scottish Breakfast zu sein.

Eine gute Grundlage kann bei unserem Vorhaben aber nicht schaden. Alle acht Destillerien auf Islay in zwei Tagen zu besuchen und das im Winter, wo die Leute hier viel Zeit haben und gerne ein „Dram“ extra ausschenken, ist schon ein sportliches Programm.

Ardbeg, Laphroaig und Lagavulin

Ardbeg, Laphroaig und Lagavulin sind unsere ersten Ziele. Schon an unserer ersten Station zeigt sich, dass unsere mühevolle Planung vom gestrigen Abend nicht viel Wert ist. Die Zeiten der Führungen auf den Internetseiten stimmen leider nicht wirklich. Das ist aber kein Problem, Biryoni aus dem Shop von Laphroaig ruft einfach bei den anderen Brennereien an und klärt, wie die Reihenfolge am besten für unser Vorhaben ist. Hier auf Islay kennt man sich und Wettbewerb wird nicht ganz so eng gesehen.

Wir starten also entgegen unserem Plan bei Ardbeg. Dort wartet Heather unser Tourguide schon mit zwei Norwegern auf uns, um mit dem „Ardbeg Full Range Tour and Tasting“ zu beginnen. Es ist ihre erste Führung, deswegen bekommen wir von ihrer Chefin noch die Aufgabe möglichst viele Fragen zu stellen. Eins ist also auch hier verbreitet, als Führungskraft sorgt man mit allen Mitteln für eine ordentliche Qualifikation seiner Mitarbeiter. Heather hat sich irgendwie trotzdem nicht darüber gefreut, aber dennoch sehr gut geschlagen.
Nachdem wir den gesamten Herstellungsprozess von Whisky ausführlich begutachtet haben (dazu mehr im zweiten Teil), kommen wir zum Höhepunkt der Führung, zum Tasting. Wir probieren fünf Sorten Ardbeg. Die Portionen sind ordentlich. Im Pub ist ein Dram ein Glas mit ca. 25 ml Whisky, an der Quelle kann es auch gerne die doppelte Menge oder mehr sein.
Leider ist die leckerste Sorte schon seit mehr als einem Jahr ausverkauft, so bleiben die Pfunde im Portemonnaie und es geht weiter zur nächsten Brennerei.

Islay Ardbeg Tasting

Zum Glück haben wir vor dieser nächsten Führung bei Lagavulin 20 Minuten Zeit. Morgens um kurz vor 11 mit 5 Drams zu starten ist auch mit einem Full Scottish Breakfast eine kleine Herausforderung.

Bei Lagavulin bläßt uns der Wind so, wie er will über den Parkplatz. Das Wetter ändert sich hier mit beeindruckender Geschwindigkeit. Eben noch ein laues Lüftchen und jetzt müssen wir uns gegen den Sturm stemmen und der Regen ist sofort durch alle Kleidungsstücke gedrungen. Hätte ich nur auf die guten Ratschläge gehört und eine Regenhose mitgenommen.

Islay Wetter

Lagavulin ist schön klassisch. Vorbei am Büro des Managers geht es erst einmal ins Kaminzimmer mit gemütlichen Lederohrensesseln. Kurz verschnaufen, bevor es weitergeht. Die Führung ist diesmal exklusiv für uns drei Nordlichter.

Islay Lagavulin Tasting

Am Ende gibt es wieder einen Dram, diesmal von meinem persönlichen Favoriten dem 16-jährigen Lagavulin. Natürlich müssen wir auch noch den Lieblingsmalt unserer Führerin, die Distillers Edition, probieren. Auch nicht zu verachten. Die zweite Reife im Pedro Ximenez Sherryfass tut dem Lagavulin gut und läßt ihn noch runder werden. Leicht süßlich, keine ausgeprägten Spitzen der Rauchnote mehr. Hier hat sich Master Iain McArthur, seit 42 Jahren der Masterdestiller in Lagavulin, wirklich etwas einfallen lassen.

islay whisky lagavulin

Weiter geht es zu Laphroaig. Als Friend of Laphroaig kann ich mir hier meinen jährlichen Obulus abholen (natürlich einen Dram Laphroaig) und mein Stück Land in Besitz nehmen.
Als Werbegag bekommt jeder Friend of Laphroaig ein square foot Land am Ufer des Flusses, der das Wasser für die Destillerie liefert, und kann es bei einem persönlichen Besuch in Besitz nehmen. Der Fluss ist über die Ufer getreten und hat die umliegenden Wiesen überflutet. Briyoni aus dem Shop rät uns von unserem Vorhaben ab, wir lassen uns aber nicht beirren. Also bekommen wir die genauen GPS-Koordinaten des circa DIN A4 großen Stückes Land und ein Stück Papier mit der exakten Größe meines „Besitzes“.

Islay Laphroaig Gebäude

Ab in die bereitstehenden Gummistiefel, ein Flagge zum Markieren gegriffen und auf geht’s. Kurz vor dem Überlaufen der Gummistiefel erreichen wir fast die angegebenen GPS-Koordinaten und stecken unser kleines Fähnchen in den großen Teich, der jetzt fast die gesamte Wiese einnimmt. Wir fühlen uns ein wenig wie Neil Armstrong, der gerade mit der US-Flagge den Mond in Besitz genommen hat. Zufrieden machen wir uns auf den Rückweg zum Shop. Dort bekommen wir erst einmal? Natürlich einen Dram Single Malt. Bei jedem Schluck merkt man, warum dieser Whisky früher in der Apotheke verkauft wurde. Sehr schmackhafte Medizin.

Jetzt geht’s erst einmal zurück nach Bowmore, um den weiteren Schlachtplan auszuhecken.

islay bowmore

In unserer Pension angekommen fragt uns John der Wirt, was wir den Tag so gemacht haben. Nach einer kurzen Schilderung bekommt erst einmal jeder einen Dram und wir müssen herausfinden, welcher Malt es ist. Beim zweiten Versuch klappt es, wir sind halt echte Experten. Dafür haben wir uns eine Stärkung verdient.

Islay Haggis

Was liegt da näher als das schottische Nationalgericht Haggis? Die Spezialität ist gewöhnungsbedürftig, man darf nicht zu genau ergründen aus was Haggis gemacht wird. Die Bedienung steht unserer Frage nach der Herstellung auch etwas ratlos gegenüber. Soll sie wirklich vor dem Essen erzählen, was alles in dem lecker aussehenden Haggis-Tower ist? Ein Gast vom Nachbartisch kommt ihr zur Hilfe. „Haggis is awful, all things in it you normally won’t eat.“ Geschmeckt hat es aber trotzdem. Jetzt kann ich es auch verraten Haggis der Magen eines Schafes,  der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird.

islay ugly betty

Wer keinen Whisky mag, kann sich vielleicht mit Ugly Betty anfreunden. Sie steht in der Bruichladdich-Brennerei und destilliert unter Zusatz von heimischen Kräutern einen hervorragenden Gin.

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Auch wenn das Grundprinzip der Whiskyherstellung immer gleich ist, so hat doch jede Destillerie ihren ganz eigenen Charakter, den man nur vor Ort spüren kann.

Islay Faehre

Als uns die Fähre nach drei viel zu kurzen Tagen wieder in Kennacraig ausspuckt, sind wir um viele Eindrücke reicher und ein großes Stück näher an unser Lieblingsgetränk, den Islay-Single-Malt, gerückt.

Für alle, die selber Whisky herstellen wollen oder die einfach nur der Herstellprozess interessiert, geht es hier weiter.

 

Destillerien

Auf Islay gibt es zurzeit 8 aktive Destillerien:

Ardbeg

Bekannt für seine rauchigen Whiskys, Standardprodukt ist der Ardbeg Ten, ein unverwechselbarer 10-Jähriger.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 1,2 Mio Liter

Besitzer: Moët Hennessy Louis Vuitton

Internet: www.ardbeg.com

 

Bowmore

Große Auswahl, auch gute Einsteigerwhiskys für zukünftige Peated-Single-Malt-Freunde. Standardprodukt ist der Bowmore 12, ein 12-jähriger und der jüngste Whisky mit eigener Altersangabe.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2 Mio Liter

Besitzer: Suntory

Internet: www.bowmore.com

 

Bruichladdich

Sehr innovative Destillerie mit großer Auswahl. Hier gibt es auch den stärksten Whisky der Insel, den Octomore mit 169 ppm peat. Bruichladdich ist neben Kilchoman die einzige Brennerei, die auf der Insel abfüllt.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 1,6 Mio Liter

Besitzer: Rémy Cointreau

Internet: www.bruichladdich.com

 

Bunnahabhain

Die nördlichste Destillerie auf Islay. Hauptprodukt ist der 12-Jährige. Bunnahabhain bietet auch einen Whisky mit 1 ppm an, nicht Islay-typisch aber auch erstaunlich lecker.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,6 Mio Liter

Besitzer: CL Financial

Internet: www.bunnahabhain.com

 

Caol Ila

Die größte Destillerie auf der Insel. Hier werden hauptsächlich Whiskys für Blends hergestellt, aber auch ein paar Single-Malts abgefüllt. Hauptprodukt ist hier der 12-jährige.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 6,8 Mio Liter

Besitzer: Diageo

Internet: www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Caol-Ila

 

Kilchoman

Eine neue Brennerei auf der Insel, die den einzigen 100-%-Islay-Whisky (nur mit Zutaten von der Insel) herstellt. Interessant und Hauptprodukt ist der Machir Bay, ein Mix aus 3 bis 5-jährigen Whiskys.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 0,4 Mio Liter

Besitzer: Anthony Wills

Internet: www.kilchomandistillery.com

 

Lagavulin

Hier werden typische Islaywhiskys mit ausreichend Peat hergestellt. Hauptprodukt und mein persönlicher Liebling ist der 16-jährige.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,4 Mio Liter

Besitzer:  Diageo

Internet: www.malts.com/index.php/de_de/Unsere-Whiskies/Lagavulin

 

Laphroaig

Aus dieser Brennerei kommen die Whiskys mit dem typischen Medizingeschmack. Hauptprodukt ist der 10-Jährige. Sehr interessant ist auch der in drei verschiedenen Fässern gereifte „Triple Wood“.

Jährliche Produktionsmenge: ca. 2,8 Mio Liter

Besitzer: Fortune Brands

Internet: www.laphroaig.com

 

Simonsberg – Petermännchen auf dem Scheiterhaufen

Wo: Deutschland, Simonsberg
Wann: Februar 2013

Das Biikefeuer blickt auf eine fast 2000-jährige Tradition zurück. Ursprünglich sollte der Winter mit dem Biikefeuer vertrieben und der Gott Wotan gnädig gestimmt werden. Oben auf dem aufgeschichteten Feuerholz der Biike befindet sich an der Küste häufig eine Strohpuppe. Zusammen mit dem Biikefeuer wird dieses sogenannte Petermännchen verbrannt. Vermutlich sollte dies früher den Papst und den damit verbundenen christlichen Glauben symbolisieren, der von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt wurde.
Heute wird mit dem Feuer nur noch der Winter vertrieben und alte Weihnachtsbäume und Buschschnitt entsorgt. Ein gut verbranntes Petermännchen ist der Vorbote für einen guten Sommer. Kurz vorab: Das Petermännchen in Simonsberg ist vorbildlich verbrannt, der Sommer muss also spektakulär werden.

Vor dem Start unseres Biikebrennens haben wir uns in Tönning noch stilecht mit einer Fliederbeersuppe mit Grießklößen gestärkt. Dabei konnten wir aus den Fenstern des Café Hafenblick die letzten Vorbereitungen des Tönninger Biikefeuers beobachten. Für alle, die wissen wollen wie uns die Fliederbeersuppe geschmeckt hat, geht es hier zum Test des Café Hafenblick.

toenning biikevorbereitung aus cafe meerblick (c) spinagel.de

Aus dem Fenster des Café Hafenblick können wir die Vorbereitungen für das Tönninger Biikefeuer beobachten

 

biikebrennen_toenning (c) spinagel.de

Biikefeuer in Tönning mit Petermännchen kurz vor dem Anzünden

Anstatt uns das zentrale Biikefeuer in St. Peter-Ording oder eines der vielen kleinen Feuer anzusehen, sind wir dieses Jahr in die nordöstliche Ecke Eiderstedts gefahren und haben das Biikebrennen in Simonsberg zelebriert. Das Feuer hier soll eines der größten und natürlich das schönste sein.

Der Weg nach Simonsberg war mit einigen Tücken verbunden: Die Abkürzung, die wir uns ausgesucht hatten, endete an einem verschlossenen Heck. Zum Glück hatten sich an dieser Stelle aber schon einige Autos mit NF-Kennzeichen versammelt, die den gleichen Weg gefahren waren. Leider wusste keiner so recht, wie wir von hier zum Feuerplatz kommen sollten. Ein Gestrandeter fing sogar an, sein Navi zu befragen. Was macht der echte Nordfriese in so einer Situation? Kurz auf den Deich, Witterung des Brandgeruches aufgenommen, eine grobe Peilung der Straßen durchgeführt (soweit das im Dunkeln möglich war) und der Weg zum Feuer ist klar.

biike simonsberg (c) spinagel.de

Biikefeuer mit Petermännchen in Simonsberg

 

10 Minuten später waren wir am Feuerplatz. Das Timing war perfekt, das Biikefeuer brannte schon und das Petermännchen war noch nicht vom Feuer erfasst worden.
Ohne dass wir es vorher wussten, war auch der NDR vor Ort und hat über das Biikefeuer vom Aufbau bis zum Anzünden berichtet. Der schöne Nebeneffekt der Anwesenheit des Fernsehteams war die zusätzliche Beleuchtung des Feuers, dadurch haben wir einige außergewöhnliche Fotos schießen können. Gleichzeitig Feuer und Schatten im Rauch kann man eben nur mit der richtigen Beleuchtung fotografieren.

biike simonsberg schatten (c) spinagel.de

Schatten des Petermännchens im Rauch

 

biike simonsberg feuer (c) spinagel.de

Ganz nah am Biikefeuer

Das Wetter war dieses Jahr vorbildlich, kein Regen, nicht zu kalt und nicht zu warm (wenn man genug Abstand zum Feuer gehalten hat). Nach knapp zwei Stunden waren wir dennoch durchgefroren und hungrig und freuten uns auf den nächsten Höhepunkt des Biiketages, das Essen danach.

Das traditionelle Grünkohlessen nach der Biike gab es für uns im Hotel Lundenbergsand, das nicht weit entfernt von der Feuerstelle liegt. Wie uns der Grünkohl geschmeckt hat, und ob wir auch alle satt geworden sind, steht im Restauranttest Hotel Lundenbergsand.

Text und Fotos: Boris Kohnke

Termine 2014 auf Eiderstedt

St. Peter-Ording – Biikebrennen am Seedeich
Zur Einstimmung erwartet die Besucher eine zündende Rede. Für das leibliche Wohl wird an zahlreichen Ständen rund um den Vorplatz der Seebrücke in St. Peter-Bad gesorgt. Das Feuer wird zu Rockabillyklängen entzündet. Im Anschluss an das Feuer findet in vielen Gaststätten das traditionelle Grünkohlessen statt, wer dabei sein möchte sollte rechtzeitig einen Tisch reservieren.
Wann: Freitag, 21.02.2014, 18:30 Uhr
Wo: Buhne, Vorplatz der Seebrücke, St. Peter-Bad

Tetenbüll – Biikebrennen am Hafen Everschopsiel
Die freiwillige Feuerwehr Tetenbüll veranstaltet wie jedes Jahr das Biikefeuer und sorgt für Gegrilltes, sowie heiße und kalte Getränke.
Wann: Freitag, 21.02.2014, 18 Uhr
Wo: Hafen Everschopsiel (Tetenbüllspieker), Tetenbüll

Westerhever – Biikebrennen mit Leuchtturm
Auf dem Parkplatz beim Info-Hus findet auch 2014 das Biikebrennen in Westerhever statt. Es gibt Würstchen und Glühwein. Im Kirchspielkrug Westerhever kann man nach der Biike traditionell Grünkohl essen.

Wann: Freitag, 21.02.2014, 18:30 Uhr
Wo: Info-Hus am Parkplatz vor dem Westerhever Leuchtturm, Westerhever

 

 

 

Dänemark – Julemarked

Wo: Dänemark, Tondern
Wann: Dezember 2012

In Tondern, Dänemarks ältester Stadt, beginnt die Weihnachtszeit jedes Jahr schon am zweiten November-Wochenende. Dann wird Tønder, wie der nur fünf Kilometer hinter der Grenze liegende Ort auf Dänisch heißt, offiziell zur Weihnachtsstadt.

tondern_weihnachtsmarkt

Zur Eröffnung zogen dieses Jahr am 10. November 2012 rund vierzig Weihnachtsmänner zusammen mit dem Esbjerger Postorchester Richtung Zentrum. Das Ziel der illustren Parade: Der kleine Marktplatz und der Kirchplatz vor der Kristkirken, auf denen der Weihnachtsmarkt seitdem Einheimische und ausländische Besucher anlockt. Gut 15 Büdchen und ein Kinderkarrussel schmücken die Fläche zwischen dem einladenden Klostercafé und der Touristen-Info. Es duftet nach Gløgg und den dänischen Mini-Krapfen Æbleskiver, die man in Kronen und ohne Probleme auch in Euro bezahlen kann.

Glögg, der skandinavische Glühwein, wird heiß dampfend mit Rosinen und geschälten Mandelstiften ausgeschenkt. Auch Wurst und Waffeln wärmen für einen Bummel durch die geschmückte Fußgängerzone und die schmalen Gassen der knapp 770 Jahre alten Kleinstadt. Dabei wird an Tonderns Hauptattraktion, dem urigen Geschenkartikelladen Det Gamle Apotek, niemand vorbei kommen. In den 46 vollgestopften Räumen findet einfach jeder ein passendes Mitbringsel für daheim: Kerzen, Keksdosen, Kuscheltiere, Karten, Tassen, Seifen, Tücher – und natürlich Unmengen an Weihnachtsschmuck machen „Die Alte Apotheke“ zum beliebtesten und außergewöhnlichsten Souvenirshop der Stadt.

gamle_apotek

Noch bis zum 23. Dezember 2012 sind Tonderns Weihnachtsmarktbuden wie auch die Geschäfte täglich geöffnet. Die Öffnungszeiten variieren an den einzelnen Werk- und Wochenendtagen, wer aber zwischen 12 und 16 Uhr kommt, sollte nirgendwo vor verschlossenen Türen stehen. God jul!

Text: Petra Nickisch – www.lichttexte.de

Det Gamle Apotek

Im Keller der Alten Apotheke ist das ganze Jahr über Weihnachten. Zarte Kugeln in allen Farben und Formen quellen aus unzähligen Körben, Wichtel und Weihnachtsmänner bevölkern die Regale. In den oberen Geschossen geht der Shoppingspaß munter weiter. Zwischen Kitsch und Kunsthandwerk drängeln sich hier die Besucher durch die engen Flure, die ursprünglich die Räume eines Wohnhauses verbanden. Im Jahr 1595 gebaut, wurde die Patriziervilla von 1671 bis 1989 als Apotheke genutzt. Heute ist Det Gamle Apotek im süddänischen Tondern ein nostalgischer Souvenirshop und echter Touristenmagnet.

 

Harz – Das weisse Reh

Wo: Deutschland, Harz
Wann: August 2012

Wandern ist toll. Wenn man keine Haare mehr auf dem Kopf hat, in Rente ist und dringend etwas für seine Gesundheit tun sollte, weil man das in seinem Berufsleben irgendwie immer versäumt hat.
So war das in der Vergangenheit. Heute hat meine Tochter die Harzer Wandernadel entdeckt. Für acht Wanderungen bekommt man die Harzer Wandernadel in Bronze. Die erfolgreiche Absolvierung der Strecken muss man durch Stempel, die in kleinen Holzkästen mitten im Wald stehen, in seinem Wanderpass nachweisen.

Die Wahl der ersten Strecke hat uns die aktuelle Ausgabe des Harzkuriers abgenommen. Dort haben wir an diesem Freitag einen Artikel über ein Albino-Reh gefunden. Gab es da nicht auch einen Wanderweg der „Weißes Reh“ heißt und auf den Brocken führt? Richtig. Da können wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Auf dem Brocken, Norddeutschlands höchster Erhebung, waren wir noch nicht und durch geschickte Wegwahl können wir zwei der begehrten Stempel für die Brockenbesteigung bekommen.

Der Weg erzählt an sieben Stationen in einem kurzen Märchen die Erlebnisse des kleinen Albert mit einem Albino-Reh und ist extra für Kinder ausgelobt. Das sollte dann wohl nicht so schwer werden, die Beschreibung im Internet sagt etwas von drei Stunden je Richtung. Wir sind schon größer als die Zielgruppe, das klappt auch in zwei Stunden und wir haben noch etwas Luft und können vielleicht noch einen anderen Stempel erwandern.

Super Plan, dafür schaffen wir es sogar am darauf folgenden Samstag für unsere Verhältnisse früh aufzustehen und sind schon kurz vor elf am Fuße des Brockens in Schierke.  

Der Wanderweg entpuppt sich als steile Kraxelei über Findlinge und Baumwurzeln. Dass der Weg nicht im geringsten für Kinder geeignet ist, merken wir schnell. Diese Erkenntnis ist nicht neu, das bestätigen uns auch die beiden netten Damen an der Tal- und Berginformation.   Unser Zeitplan steht, also nicht lang quaken, sondern Gas geben und Schwitzen ist angesagt. Tapfer schlagen wir uns durch den Harzer Urwald, lesen an sechs Stationen die Geschichte von Albert und dem weißen Reh, bevor wir uns mit hunderten anderer Wanderer auf dem Hochplateau des Brockens wiederfinden, um die siebente und letzte Episode der Geschichte im Brockenhaus zu lesen. Leider bekommen wir erst dort die Information, dass die letzte Station im Museumsteil ist, der, auch wenn man nur das Ende der Geschichte erfahren will, Eintritt kostet. Die Tarife sind natürlich “ortsüblich” also im Verhältnis zum Angebot eher etwas überhöht.

Wir entscheiden uns die Kleinste vorzuschicken. Sie soll uns dann das Ende der Geschichte erzählen.

Die Geschichte ist wirklich nett, die einzelnen Stationen sind schön gemacht, nur an den Rahmenbedingungen sollte noch ein wenig gearbeitet werden, sonst werden die Wanderwege in Zukunft weiterhin hauptsächlich Hoheitsgebiet der Rentner sein.

Zwei Stempel haben wir, das Ende der Geschichte vom weißen Reh ist bei allen Mitwanderern angekommen und es ist noch lange hin bis zur Dämmerung, also ab auf die nächste Wanderung.

Auf dem Weg zurück ins Tal wählen wir eine etwas kindgerechtere Alternative, nachdem wir im oberen Teil des Kindermärchenpfades einen Sturz mit blauen Flecken und diversen Schürfwunden zu verzeichnen haben. Unsere Alternative zeigte sich als wesentlich geeigneter für Kinder, vielleicht sollten die Verantwortlichen eine Anpassung des Weges an die Zielgruppe in Betracht ziehen.

Leicht erledigt planen wir nach der Brockenbesteigung unsere nächste Tour, für den ersten Teil der Harzer Wandernadel wollen wir nur zwei Wandertage aufwenden. In zwei Wochen Urlaub kann das ja jeder, zwei Wochenenden sollten doch auch ausreichen.

Gesagt getan, die Wanderung zu den Hahnenkleeklippen sollte laut Wanderkarte und GPS nur ca. drei Kilometer lang sein. Also ab ins Auto und Richtung Hahnenklee. Auf dem Weg kommen wir am Kaiserkrug vorbei, der ist weit über die Region bekannt für seine Riesenwindbeutel. Wir bewundern nur die überlebensgroßen Harzhexen-Puppen, die das Restaurant bewachen und uns aus ihren roten Augen oder über den Rand ihrer 80er-Jahre-Sonnenbrillen ansehen. Für Windbeutel haben wir heute keine Zeit, das Zusatzgewicht im Bauch würde uns auch nur langsamer machen und wir sind für heute ja noch nicht am Ende unseres Wanderpensums. Nach einigen Kilometern haben wir auch den Stempel Nummer 75, Hahnenkleeklippen, in unseren Wanderpässen und machen uns erschöpft aber zufrieden auf den Rückweg.

Einen Stempel brauchen wir aber noch, um unser Ziel, die Harzer Wandernadel in Bronze innerhalb von zwei Tagen zu erwandern, Realität werden zu lassen.

Da wir inzwischen doch schon etwas geschafft sind, suchen wir auf unseren Wanderkarten einen Weg, der möglichst wenig Höhenlinien kreuzt. Im Arboretum in Bad Grund werden wir fündig, also flugs die 30 km nach Bad Grund gefahren. Mit Höchstgeschwindigkeit vorbei an den säuberlich beschrifteten Bäumen im Bad Grunder Arboretum, direkt zur Stempelstelle an der Hütte im Arboretum.

Leider gibt es drei Hütten und weder im Wanderpass noch auf dem Übersichtsplan des Arboretums wird verraten, welche der Hütten den begehrten Stempelkasten beherbergt. Wir haben Glück und finden schon an der dritten Hütte den Stempel Nr. 129. Jetzt haben wir uns die Pause redlich verdient. Pünktlich zum Sonnenuntergang sitzen wir bei unserer mitgebrachten Vesper am rustikalen Holztisch in Sichtweite des letzten Stempelkastens.

Unser geplantes Pensum haben wir geschafft, aber vielleicht lassen wir es nächstes Mal doch etwas ruhiger angehen. Das ist das Ergebnis unserer Abschlussbesprechung auf dem Weg zurück.

An diesem Abend fallen wir nach einem gemeinsamen Tee direkt ins Bett. Wandern ist doch anstrengender als wir vorher gedacht haben.

Harzer Wandernadel

Wer selbst eine Harzer Wandernadel in Bronze, Silber oder Gold erwandern möchte findet hier alle wichtigen Informationen rund  ums Wandern im Harz.
Harzer Wandernadel

 

Müritz – Abenteuer für grosse Jungs und kleine Mädchen

Wo: Deutschland, Müritz
Wann: Juni 2012

Einen kleinen Knuff könne sie schon ab, sagt unser Einweiser, aber etwas langsamer gehe es eigentlich besser. Ich nehme noch einen Anlauf für den nächsten Knuff, wenn das Schiff das nicht abkann, hätte es sich nicht von uns mieten lassen sollen. Routiniert rufe ich der kleinen Matrosin zu „Spring mit dem Seil auf den Steg und mach das Boot mal fest“. Über das Wie hatten wir uns vorher nicht abgesprochen, aber der Einweiser steht zum Glück noch auf dem Steg und zeigt der frischgebackenen Matrosin, wie man die das Boot vertäut und die Klampe richtig belegt. Zwischen uns und dem großen Abenteuer liegt nur noch Proviant bunkern und die Kojen testen.

Am nächsten Morgen geht’s los. Unser Hausboot, die Elde, ist mit ihren 31 Jahren eine in Ehren ergraute Lady, aber für uns ist es das Schiff, das unseren lange gehegten Traum vom Abenteuer auf See erfüllen soll. Mit Vollgas fahren wir aus der Hafenausfahrt der fehlenden Sonne entgegen.