Ardnamurchan distillery

Ardnamurchan Brennerei

Eine neue Brennerei in Schottland, das kommt nicht mehr so häufig vor. Mit der Ardnamurchan Distillery in Glenbeg hat die Adelphi Distilleries Ltd, die sich bis jetzt nur als unabhängiger Abfüller einen guten Namen gemacht hat, diesen Schritt gewagt.

Ardnamurchan ist eine Halbinsel in einer der entlegensten Gegenden Schottlands. Die wenigen Häuser, die die Ortschaft Gelnbeg ausmachen sind nur über eine Single-Track-Road zu erreichen. In Deutschland würde die Straße als breiter Fahrradweg durchgehen. Das wurde auch für die Ardnamurchan-Brennerei zum Problem, der Weg zur Destille führt über eine Brücke, die nur 3,30 m breit ist. Das breiteste Teil in der Brennerei ist mit ziemlich genau 3,30 Metern die Mash Tun, alles andere ist kleiner, oder wurde vor Ort zusammengesetzt.

Ich bin schon jetzt gespannt auf die ersten Whiskys aus dieser Brennerei, die 2022 auf den Markt kommen sollen.

Ardnamurchan Mash Tun

Ardnamurchan Mash Tun

Ardnamurchan nennt sich selbst vollmundig „Scotlands greenest distillery“, dass fast alle Nebenprodukte der Whiskyherstellung irgendwie weiterverwendet werden ist dabei eigentlich normal. Ardnamurchan versucht in Sachen Nachhaltigkeit noch ein wenig weiter zu gehen und heizt seine Stills mit Hackschnitzeln aus heimischen Wäldern. Zusätzlich soll auf den Warehouses eine Solaranlage installiert werden, die einen Großteil der benötigten elektrischen Energie der Brennerei erzeugt. Das hat zwar nichts mit der Qualität des eigentlichen Produkts zu tun, ist aber einerseits ein USP, der dem Zeitgeist entspricht, andererseits gut für unsere Umwelt.

Steckbrief

NameArdnamurchan
BedeutungName der Halbinsel, auf der die Brennerei liegt
LandSchottland
RegionHighlands
EigentümerAdelphi Distillery Ltd
Webseitewww.adelphidistillery.com
Gegründet2013
Produktionsvolumen100.000 l
Ardnamurchan Visitor Center

Ardnamurchan Visitor Center

 

Besonderheiten

Diese Brennerei ist anders als andere Destillen. Ein paar der Besonderheiten, die man sonst in keiner Brennerei findet:

  • Die Washbacks sind aus Eiche und nicht wie bei allen anderen Brennereien, die ich kenne aus Edelstahl oder Douglasie (Oregon Pine). Dadurch sollen sie einerseits den Charakter eines aus Holz gefertigten Washbacks haben, aber deutlich länger halten solche aus Douglasie.
  • Die Brennblasen werden mit Hackschnitzeln aus heimischer Holzwirtschaft beheizt.
  • Ardnamurchan besitzt eine eigene Mälzerei, die schon betriebsbereit ist aber erst 2018 in Betrieb genommen werden soll. Dort wird Rauchmalz (peated malt) nach eigener Rezeptur hergestellt.
  • Die mögliche Produktionskapazität ist mit 500.000 Litern pro Jahr relativ klein. Zurzeit werden davon im Einschichtbetrieb auch nur 100.000 Liter jährlich erzeugt.
Ardnamurchan Brennblasen

Ardnamurchan Brennblasen

Leckere Tropfen

Da die ersten Brennereierzeugnisse erst 2014 eingelagert wurde, gab es bei meinem Besuch im Juli 2017 noch keinen Whisky. Der muss mindestens drei Jahre und einen Tag gelagert werden um sich so nennen zu dürfen.

Für die ganz ungeduldigen hat sich Ardnamurchan einen Trick einfallen lassen: Der Rohbrand wird in besonders kleinen Fässern gelagert und nach weniger als drei Jahren als „Warehouse Release“ abgefüllt. Aus den kleinen Fässern gehen die Aromastoffe, aufgrund der größeren berührten Oberfläche schneller in den Alkohol über, die Reifung wird also beschleunigt. Whisky darf sich dieses Produkt nicht nennen und den Geschmack eines lang gelagerten Whiskys kann man damit auch nicht kopieren. Die Stilrichtung des Whisky ist aber durchaus schon erkennbar. Die Batch 2/2017 des Warehouse Release hat mir schon recht gut gefallen. Whiskyliebhaber müssen sich aber noch bis 2022 gedulden. Dann soll der erste 8-jährige Ardnamurchan auf den Markt kommen. Ich warte jetzt schon gespannt auf die Peated-Version aus Ardnamurchan.

Ardnamurchan Warehouse Release

Ardnamurchan Warehouse Release